Beim Rosenwirt am Grabentor

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KV-Liederbuch Seite 31

1. Beim Rosenwirt am Grabentor
des Abends um halb sechs
den Hammer schwingt der Wirt empor
und schlägt den Zapfen ex!
Das schlurrt und glurrt aus feuchter Nacht
vom Spundloch in die Kann',
ei seht, wie's Antlitz jedem lacht,
jedwedem Zechersmann:
|: Bierlein, rinn! Bierlein, rinn!
Was nutzen mir die Kreuzerlein,
wenn ich gestorben bin! :|


2. Beim Rosenwirt im Stübel drin,
da sitzt ein junges Blut,
die schmucke,schlanke Kellnerin,
war ihm noch gestern gut.
Doch heute ist sie durch gebrannt,
fahr wohl, du falsche Hex!
Der Bursch kehrt sein Gesicht zur Wand
und summt um halber sechs
(:,,Bierlein, rinn! Bietlein rinn!
Was nutzen mir die Kreuzerlein,
wenn ich gestorben bin!":|

3. Beim Rosenwirt am Eichentisch,
da thront ein braver Greis,
die Wangen rot, die Augen frisch,
die Haare silberweiß!
Schlug ihm gleich manchen großen Plan
das Schicksal schnöd entzwei —
um halber sechs schlägt auch wer an,
der Alte brummt dabei
„Bierlein, rinn usw."


4. Beim Rosenwirt am Grabentor,
da blüht ein fein Gewächs,
das heben wir im Glas empor
schon abends um halb sechs.
Wir heben es gar emsig hoch,
wir leeren's auf den Grund —
um Mitternacht da klingt es noch,
schallt's noch von Mund zu Mund
„Bierlein, rinn usw."

5. Und schlägt mir einst der Sensenmann
den Nagel auf die Truh,
rast ich von harter Lebensbahn
in kühler Grabesruh.
Dann schwingt bekränzt den Becher mir,
dem müden Wandersmann,
der euch gelehrt den Spruch zum Bier,
und hebet also an
„Bierlein, rinn usw."

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Worte: Julius Rudolf Gspandl, 1886 (1866—1912)
Loudspeaker.png    Weise i: Otto Lob, 1896 (1837—1908)