Brüder, lasst uns lustig sein

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1. Brüder, lasst uns lustig sein,
weil der Frühling währet
und der Jugend Sonnenschein
unser Laub verkläret.
Grab und Bahre warten nicht,
wer die Rosen jetzo bricht,
|: dem ist der Kranz bescheret. :|

2. Unsers Lebens schnelle Flucht
leidet keinen Zügel,
und des Schicksals Eifersucht
macht ihr stetig Flügel.
Zeit und Jahre fliehn davon,
und vielleichte schnitzt man schon
|: an unsers Grabes Riegel. :|

3. Wo sind diese, sagt es mir,
die vor wenig Jahren
eben also, gleich wie wir,
jung und fröhlich waren?
Ihre Leiber deckt der Sand,
sie sind in ein ander Land
|: aus dieser Welt gefahren. :|

4. Wer nach unsern Vätern forscht,
mag den Kirchhof fragen;
ihr Gebein, so längst vermorscht,
wird ihm Antwort sagen.
Kann uns doch der Himmel bald,
eh die Morgenglocke schallt,
|: in unsre Gräber tragen. :|

5. Unterdessen seid vergnügt,
lasst den Himmel walten,
trinkt, bis euch das Bier besiegt,
nach Manier der Alten!
Fort, mir wässert schon das Maul
und ihr andern, seid nicht faul,
|: die Mode zu erhalten. :|

6. Dieses Gläschen bring ich dir,
dass die Liebste lebe
und der Nachwelt bald von dir
einen Abriss gebe.
Setzt ihr andern gleichfalls an,
und wenn dieses ist getan,
|: so lebt der edlen Rebe. :|

Worte: Johann Christian Günther, 1717
freie deutsche Nachdichtung
Loudspeaker.png    Weise: i: Vgl. "Gaudeamus igitur"
Erste Spuren der Melodie 1736
Vollständig: Lieder f. Freunde geselliger Freude", Leipzig 1788
Fassung nach Christian Wilhelm Kindleben 1781,
im selben Jahr wegen seiner Studentenlieder ausgewiesen.