Es klingt ein heller Klang

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Das Lied vom Rhein

KV-Liederbuch Seite 78

Es klingt ein heller Klang.gif


1. Es klingt ein heller Klang,
ein schönes deutsches Wort
in jedem Hochgesang
der deutschen Männer fort:
ein alter König hoch geboren,
dem jedes deutsche Herz geschworen
wie oft sein Name wiederkehrt,
man hat ihn nie genug gehört.

2. Das ist der heil'ge Rhein,
ein Herrscher, reich begabt,
des Name schon wie Wein
die treue Seele labt.
Es regen sich in allen Herzen
viel vaterländ'sche Lust und Schmerzen,
wenn man das deutsche Lied
beginnt vom Rhein, dem hohen Felsenkind.

3. Sie hatten ihm geraubt
der alten Würden Glanz,
von seinem Königshaupt
den grünen Rebenkranz.
In Fesseln lag der Held geschlagen:
sein Zürnen und sein stolzes Klagen,
wir haben's manche Nacht belauscht,
von Geisterschauern hehr umrauscht.

4. Was sang der alte Held? —
Ein furchtbar dräuend Lied:
"O weh dir, schnöde Welt,
wo keine Freiheit blüht,
von Treuen los und bar von Ehren!
Und willst du nimmer wiederkehren,
mein, ach! gestorbenes Geschlecht
und mein gebrochnes deutsches Recht?

5. „O meine hohe Zeit!
mein goldner Lenzestag!
Als noch in Herrlichkeit
mein Deutschland vor mir lag,
und auf und ab am Ufer wallten
die stolzen adligen Gestalten,
die Helden weit und breit geehrt
durch ihre Tugend und ihr Schwert!"

6. "Es war ein frommes Blut
in ferner Riesenzeit,
voll kühnem Leuenmut
und mild als eine Maid.
Man singt es noch in späten Tagen,
wie den erschlug der arge Hagen.
Was ihn zu solcher Tat gelenkt,
in meinem Bette liegt's versenkt."

7. „Du Sünder! wüte fort!
Bald ist dein Becher voll;
der Nibelungen Hort
ersteht wohl, wann er soll.
Es wird dir in die Seele grausen,
wann meine Schrecken dich umbrausen;
ich habe wohl und treu bewahrt
den Schatz der alten Kraft und Art!"

8. Erfüllt ist jenes Wort:
der König ist nun frei,
der Nibelungen Hort ersteht
und glänzet neu!
Es sind die alten deutschen Ehren,
die wieder ihren Schein bewähren:
der Väter Zucht und Mut und Ruhm,
das heil'ge deutsche Kaisertum!

9. Wir huld'gen unserm Herrn,
wir trinken seinen Wein.
Die Freiheit sei der Stern!
die Losung sei der Rhein!
Wir wollen ihm aufs neue schwören;
wir müssen ihm, er uns gehören.
Vom Felsen kommt er frei und hehr:
er fließe frei in Gottes Meer!

Worte: Max v. Schenkendorf, 1814 (1783—1817)
Loudspeaker.png    Weise i: Hans Gg. Nägeli, 1816,
in den Liedern für Jung und Alt 1818 (1773—1836)