Das war der Zwerg Perkêo

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KV-Liederbuch Seite 49

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1. Das war der Zwerg Perkêo im Heidelberger Schloss,
an Wuchse klein und winzig, an Durste riesengroß.
Man schalt ihn einen Narren, er dachte: "Liebe Leut,
|: Wart ihr wie ich doch alle feucht-fröhlich und gescheut! :|

2. Und als das Faß, das große, mit Wein bestellet war,
da ward sein künftger Standpunkt dem Zwergen völlig klar.
„Fahr wohl", sprach er, "O Welt, du Katzenjammertal,
|: was sie auf dier hantieren, ist wurst mir und egal. :|

3. Um lederne Ideen rauft man manch heißen Kampf,
es ist im Grund doch alles nur Nebel, Rauch und Dampf!
Die Wahrheit liegt im Weine. Beim Weinschlurf sonder End'
|: erklär' ich alter Narr fortan mich permanent.":|

4. Perkeo stieg zum Keller; er kam nicht mehr herfür
und sog bei fünf zehn Jahre am rheinischen Malvasier.
War's drunten auch stichdunkel, ihm strahlte inneres Licht,
|: und wankten auch die Beine, er trank und murrte nicht. :|

5. Als er zum Fass gestiegen, stand's wohlgefüllt und schwer,
doch als er kam zu sterben, klang's ausgesaugt und leer.
Da sprach er fromm: „Nun preiset, ihr Leute, des Herren Macht,
|: die in mir schwachem Knirpse, so Starkes hat vollbracht. :|

6. Wie es dem kleinen David gegen Goliath einst gelang,
also ich arm Gezwerge den Riesen Durst bezwang.
Nun singt ein De profundis, daß das Gewölb erdröhnt,
|: das Fass steht auf der Neige, ich falle siegge krönt." :|

7. (Leise) Perkeo ward begraben. — Um seine Kellergruft
beim leeren Riesenfasse weht heut noch feuchte Luft.
(Langsam anschwellend.) Und wer als frommer Pilger frühmorgens ihr genaht:
|: Weh ihm! Als Weinvertilger durchtobt er nachts die Stadt! :|

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Worte: Jos. Vikt. v. Scheffel, 1847 (1826—1886)
Loudspeaker.png    Weise i: Stephan Gruwe, 1861 (1834—1901)
(Aus d. Dt. Kommersbuch, Verl. Herder Frbg.)

Siehe auch

Zwei flotte Burschen zogen