Der Wald war grün

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Verloren

KV-Liederbuch Seite 59

Der Wald war grün.png


1. Der Wald war grün und der Himmel war blau
und es blinkte der Tau im Moose;
ich hatt´ einen Falken, der war mir treu,
und ein Roß, wie ein Hirsch so wild und scheu,
|:und ein Lieb, so schön wie die Rose,
wie die Rose im Morgentau.:|

2. O Jugendlust und o Reitertanz
in des Maien wonnigen Tagen!
Wenn der Rappe über die Heide braust,
dem Falken zu folgen, der von der Faust
|: sich schwingt zum fröhlichen Jagen,
zum Jagen im Sonnenglanz.:|

3. Wie rot, mein Lieb, deine Wangen sind
und wie die Augen dir funkeln,
wenn du im Sattel des Renners dich wiegst,

zu mir dich lächelnd herüber biegst
|:und dir die Locken die dunkeln,
die dunkeln dir flattern im Wind.: |

4. Längst ist er vorüber, der selige Traum,
wo wir einander geschworen;
ich höre nicht mehr das Falken Ruf,
der Rappe scharrt nicht mehr mit klingendem Huf.
|: Mein Lieb ist für mich verloren,
verloren im weiten Raum.:|

5. Erst sandt' ich nach ihr den Falken aus,
der Falke hat sich verflogen;
dann bin ich ihr selber nachgesetzt,
bis ich den Rappen zu Tode gehetzt,
|: sie war mit dem andren gezogen,
gezogen aufs Meer hinaus.:|

6. O Falke, kämest doch du nur zurück!
Du hast ja mein Brot gegessen;
nun fliege hinüber auch über die See
und bring ihr die Botschaft von meinem Weh,
|:und daß ich nicht könnte vergessen,
vergessen sie und mein Glück. :|

Worte: Julius Wolff, 1874 (1834—1910)
Loudspeaker.png    Weise i: Für d. Dt. Kommersbuch komponiert von Wilhelm Nieveling (Wh), 1904