Und als der Herr von Rodenstein

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Der Willekumm

KV-Liederbuch Seite 196

Und als der Herr von Rodenstein.gif


1. Und als der Herr von Rodenstein
zum Frankenstein sich wandte,
empfing er seinen Ehrenwein,
so wie es Brauch im Lande.
In Beerbach vor dem Rathaus bracht'
der Zentgraf mit den Bauern
den Kauzenkrug. Der Alte lacht':
"Nur her mit eurem Sauern!
Ihr Mannen macht das Armbein krumm,
er Willekumm |: gaht um,:|
holliro, das Bauernkäuzlein
|:gaht um, gaht um!:|

2. Als er von dort sich durchgezerrt
zur Frankensteiner Linde,
stand Weg und Durchpaß dichtversperrt
vom jungen Burggesinde:
ein Reiterstiefel lebensgroß
von Ton, ein fein bemalter,
ward ihm gefüllt kredenzt aufs Roß
und alles sang den Psalter:
„Ihr Mannen, macht das Armbein krumm,
der Willekumm gaht um, gaht um,
holliro, der große Stiefel gaht um usw."

3. Im Burghof grüßt' ein zweiter Schwarm
ihn mit Kartaunenzündung,
da schwang der Burgherr selbst im Arm
des zweiten Stiefels Rundung.
Des Schloßbergs Feinsten goß man ein
und würdig sprach der Ritter:
„Herr Nachbar, nit auf eynem Bein!
Der hier schmeckt auch nicht bitter.
Ihr Mannen, macht das Armbein krumm,
der Willekumm gaht um, gaht um,
holliro, der große Stiefel gaht um usw.

4. Der Rodenstein trank aus und rief:
„Gott segne deine Nase!
Die meine bog sich beinah'
schief von solchem Strom im Glase.
Jetzt wöll's wir in dem Rittersaal
ausruhn vom ersten Tosen;
mir ahnt, dort füllt dein Eh'gemahl
das Trinkhorn Karls des Großen.
Und nochmals heißt's: das Armbein krumm,
der Willekumm gaht um, gaht um,
holliro, des Kaisers Hörnlein gaht um usw."

5. ... Beim Abschied ändern Morgens war
ein Nebel weit und breite,
da bracht" man ihm das Stammbuch dar
zum Eintrag, eh' er scheide.
Und zitt'rig schrieb er: „Kund soll sein,
daß ich hie eingeritten
und lob' das Haus zum Frankenstein
als Haus von guten Sitten:
der Willkumm hat mir so gemund't,
daß ich das Bett nicht finden kunnt',
holliro, nicht nur der Stiefel,
|:'s ging alles um!":|

Worte: Josef Viktor von Scheffel, um 1856 (1826—1886)
Loudspeaker.png    Weise i: Wilhelm Hillenkamp, um 1876 (1846—1907)
(Aus d. Dt. Kommersbuch, Verl. Herder Frbg.)