Keinen Tropfen im Becher mehr

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KV-Liederbuch Seite 143

[D - a a a a g]

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1. Keinen Tropfen im Becher mehr
und der Beutel schlaff und leer,
lechzend Herz und Zunge,
angetan hat's mir dein Wein,
deiner Äuglein heller Schein
|: Lindenwirtin, du junge! :|

2. „Angekreidet wird hier nicht,
weil's an Kreide uns gebricht",
lacht die Wirtin heiter.
„Hast du keinen Heller mehr,
gib zum Pfand dein Ränzel her,
|:aber trinke weiter !":|

3. Tauscht der Bursch sein Ränzel ein
gegen einen Krug voll Wein,
tat zum Gehen sich wenden.
Spricht die Wirtin: „Junges Blut,
hast ja Mantel, Stab und Hut;
|:trink und laß dich pfänden!":|

4. Da vertrank der Wanderknab
Mantel, Hut und Wanderstab,
sprach betrübt: „Ich scheide.
Fahre wohl, du kühler Trank,
Lindenwirtin jung und schlank,
|:liebliche Augenweide!":|

5. Spricht zu ihm das schöne Weib:
„Hast ja noch ein Herz im Leib;
laß mir's, trauter Wandrer!"
Was geschah? — Ich tu's euch kund:
auf der Wirtin rotem Mund
|: brannte heiß ein andrer.:|

6. Der dies neue Lied erdacht,
sang's in einer Sommernacht
lustig in die Winde.
Vor ihm stund ein volles Glas,
neben ihm Frau Wirtin saß
|: unter der blühenden Linde. :|

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Worte: Rudolf Baumbach, 1877 (1840—1905)
Gitarre.png    Loudspeaker.png    Weise i: Franz Abt, 1878 (1819—1885)

Fakultätsstrophen


Die Fakultätsstrophen werden im inoffiziellen Teil einer Kneipe zwischen der 4. und 5. Strophe des Liedes gesungen:

Ein Student ohne Studienplatz kam auf seiner Scheinehatz.
Sagt Frau Wirtin es tut mir leid, erst den ZVS-Bescheid.


Kam des Wegs allotria ein Student der (Verbindungsname). Doch Frau
Wirtin wurde flau, denn der Mann war vom KV.


Ein Student der Lebensmittelchemie trank bei Frau Wirtin bis auf die Knie
unter der blühenden Linde. Sprach, daß er `ne Probe nähm'
zu prüfen, ob ihm das gut bekäm' – unter der blühenden Linde.

Ein Student der Alchimie küßte Frau Wirtin wie noch nie
unter der blühenden Linde, und beim ersten Kontakte schon
folgte die heftige Reaktion – unter der blühenden Linde.

Ein Student der Alchimie wollte Frau Wirtin, doch wußte nicht, wie,
unter der blühenden Linde, versetzte sie mit Bicarbonat,
Drillinge waren das Resultat – unter der blühenden Linde.

Auch ein junger Chemikus bat Frau Wirtin um einen Kuß
unter der blühenden Linde. Er hat sie zu stark ionisiert,
so daß sie sauer reagiert – unter der blühenden Linde.

Und der Studio der Chemie saß der Wirtin vis-a-vis,
von Geburt viel schlauer. Er erhob sein volles Glas,
prüft mit Lackmus: Was ist das ? – Die Reaktion war sauer.


Ein Chemiker von irgendwo fordert ein Glas mit H2O,
doch Frau Wirtin voll Verdruß gab ihm ein Glas mit Rhizinus.


Brachte einst ein Chemiestudent Frau Wirtin ganz in ihr Element
unter der blühenden Linde. Wirtin wechselt die Farbe schon
nach einer heftigen Reaktion – unter der blühenden Linde.


Ein Student der Theologie kam auch zu Frau Wirtin hin
unter die blühende Linde, sollte Frau Wirtin mores lehren,
mußte mit ihr geschlechtsverkehren – unter der blühenden Linde.


Ein Student der Theologie kam auch zu Frau Wirtin hin,
unter die blühende Linde, küßt' Frau Wirtin gar zu gern,
denn er tat es im Namen des Herrn – unter der blühenden Linde.


Auch ein Herr Theologus bat Frau Wirtin um einen Kuß
unter der blühenden Linde. Und Frau Wirtin tat es gern,
gab ihm einen im Namen des Herrn – unter der blühenden Linde.


Flehte einst ein Theologus bei Frau Wirtin um einen Kuß. Sprach Frau Wirtin:
»Tu' ich gern!«, gab ihm zwölfe im Namen des Herrn.
Wißt ihr, wer der Knabe war, blau von Aug' und blond von Haar?
Es war ein Theologe, der der Theologei zum Hohn,
aus dem Kasten war entfloh'n – unter der blühenden Linde.


War auch ein Theologikus, bat Frau Wirtin um einen Kuß
unter der blühenden Linde. Und Frau Wirtin gab ihn gern,
denn sie war die Magd des Herrn – unter die blühende Linde.


Auch ein Kirchenmusikus gab der Wirtin einen Kuss
unter der blühenden Linde. Und Frau Wirtin wehrt ihn nicht:
„Küssen das ist Christenpflicht!” Und sie tat's geschwinde —
unter der blühenden Linde.


Von der sacra musica, kam ein Sohn zur Domina,
voll von Kümmernissen: „Ach die Muse ist ergrimmt
und die Orgel arg verstimmt — dir lieg ich zu Füßen —
sollst zum Trost mich küssen !”


Musikstudenten, das ist doch klar, brachten Frau Wirtin ein Ständchen dar.
Da heulten die Hunde im ganzen Ort und Frau Wirtin, die rannte fort - weg von der blühenden Linde.


Auch ein Maler mit seinem Pinsel kam einst zu Frau Wirtin hin, bemalte des Baumes Rinde.
Da erschrak Frau Wirtin sehr, mochte seitdem keinen Maler mehr.


Auch ein Biologikus gab Frau Wirtin einen Kuß
unter der blühenden Linde. Und nach dem sechsten Kusse schon,
trieb er Genetik mit Demonstration — unter der blühenden Linde.


Ein Naturforscher kam von weit, bastelte dreist an Frau Wirtins Kleid.
Doch Frau Wirtin wurde barsch, trat ihm kräftig in seinen Arsch.


Kam des Wegs ein Geologus, bat Frau Wirtin um einen Kuß.
Die Linde, meinte er, sei Karbon, die Wirtin eine uralte Deformation.


Doch die Lindenwirtin spricht: „Küssen, ach das könnt Ihr nicht!”
unter der blühenden Linde. „Das versteht nur einer sehr
Du mein Tiefbauingenieur — küß' mich noch mal geschwinde!”


Und da kam auch von ungefähr, ein Vermessungsingenieur
unter die blühende Linde. Sah sich das vergrößert an,
lacht dann: „Wer kann, der kann!” — unter der blühenden Linde.


Der Zoolog auf seiner Walz kam zur Frau Wirtin auf die Balz
unter die blühende Linde. Doch Frau Wirtin sprach:
„Ach was, ich küß doch keine Simias” — unter der blühenden Linde.


Ein Student der Jurisprudenz kam in seiner Jugend Lenz
unter die blühende Linde, war danach gar sehr verwundert,
als sie klagte auf 1300 — unter der blühenden Linde.


Daß sie küßte der Jurist, gar nicht zu verwundern ist,
denn es ist nichts Schlechtes; hängt ja doch das Wort ius,
eng zusammen mit dem Kuß — denn er ist was „Rechtes”.


Daß der Knabe war ein Jurist, gar nicht zu verwundern ist. Er warf sich
schneidig in die Brust, da küßt ihn Frau Wirtin nach Herzenslust


Ein Student des Corpus Ius bat Frau Wirtin um einen Kuß
unter der blühenden Linde. Kaum hatt' sie sich hochgestreckt,
war sie auch schon zwangsvollstreckt — unter der blühenden Linde.


Als sie den Juristen geseh'n, konnten die anderen nach Hause gehen
unter der blühenden Linde. Dieser hat dann ungeniert,
den Prozeß zu Ende geführt — unter der blühenden Linde.


Ein Student der Medizin kam auch zu Frau Wirtin hin
unter die blühende Linde, war ein gar vorsichtiger Mann,
baute erst -nen Wassermann — unter der blühenden Linde.


Nein, der Wassermann reicht mir nicht, heute der Mediziner spricht.
Darauf fertigt er gewissenhaft flott auf HIV einen Westernblot.


Und der Mediziner spricht, die Frau Wirtin küß ich nicht
wegen der Bazillen, doch Frau Wirtins Töchterlein
wird ja wohl noch keimfrei sein — unter der blühenden Linde.


Kam ein andrer Medicus, bat Frau Wirtin um einen Kuß
unter der blühenden Linde. Sprach Frau Wirtin: „Fahre wohl,
denn du stinkst nach Bacillol!” — unter der blühenden Linde.


Ein Student der Zahnheilkunde kam auf seiner Wanderrunde
unter die blühende Linde, küßte Frau Wirtin stundenlang,
bis daß die letzte Plombe sprang — unter der blühenden Linde.


Ein Student der Zahnheilkund´ schaut Frau Wirtin in den Mund: »Her, Frau
Wirtin, mit Wurst und Bier! Ich mach' dir ein Gebiß dafür.«


Und der Zahnarzt gar nicht faul, greift Frau Wirtin in das Maul
unter der blühenden Linde; denkt, sie braucht ja ganz gewiß
nach dem Kuß ein neu' Gebiß — unter der blühenden Linde.


Auch ein Elektrotechnicus bat Frau Wirtin um einen Kuß
unter der blühenden Linde; setzte Frau Wirtin unter Strom,


bis sie gebar ihm den zweiten Sohn — unter der blühenden Linde.

Kam da auch des Weg's daher, ein Elektroingenieur
unter die blühende Linde. Und er gab Frau Wirtin hold,
einen Kuß von tausend Volt — unter der blühenden Linde.


Auch ein Mineralogicus gab Frau Wirtin einen Kuß
unter der blühenden Linde; doch ihr Herz war wie aus Stein,
fiel ihm gleich die „Alte” ein — unter der blühenden Linde.


Auch ein Student der Tierheilkunde kam auf seiner Wanderrunde
unter die blühende Linde; sah er dort ein Rindvieh steh'n,
ließ er gleich Frau Wirtin steh'n — unter der blühenden Linde.


Kam ein Veterinär dazu, führte am Halfter eine kranke Kuh
unter die blühende Linde. Kaum tat er die Wirtin seh'n,
ließ er gleich das Rindviech steh'n, — unter der blühenden Linde.


Schleppt doch ein Veterinär seine Instrumente her.
Er machte Frau Wirtins Pferd gesund, bekam dafür einen langen Kuß auf dem Mund.


Ein Student der Betriebswirtschaft kam auf seiner Wanderschaft
unter die blühende Linde, nahm Frau Wirtin die Unschuld weg,
zahlte mit einem Verrechnungsscheck — unter der blühenden Linde.


Auch ein Volkswirt zu früher Stund aß und trank sich kugelrund.
Doch Frau Wirtin bekam - o Schreck! - nur einen ungedeckten Scheck.


Ein Student des „rer. pol.” wollte gleich das Monopol
unter der blühenden Linde; doch Frau Wirtin im ersten Lenz
war doch mehr für Konkurrenz — unter der blühenden Linde.


Kam auch ein Philologus — bat Frau Wirtin um einen Kuß
unter der blühenden Linde, wollte Frau Wirtin die Sprache lehren,
doch sie wollte geschlechtsverkehren — unter der blühenden Linde.


Kam auch ein Philologus — bat Frau Wirtin um osculus
unter der blühenden Linde, doch Frau Wirtin sagte nein,
denn sie konnte kein Latein — unter der blühenden Linde.


Wißt ihr, wer der Knabe war, blau das Aug' und blond das Haar,
`s war ein Philologe! Wußte nicht, was Küssen sei,
doch Frau Wirtin bracht's ihm bei — unter der blühenden Linde.


Kam ein Pharmazeutikus — bat Frau Wirtin um einen Kuß
unter der blühenden Linde, doch Frau Wirtin kannte das schon,
denn er gab ihr Eugynon — unter der blühenden Linde.


Ein Student der Pharmazie küßte Frau Wirtin wie noch nie
unter der blühenden Linde. Doch sie sprach ganz keß:
„Weg Du stinkst nach H2S!” — unter der blühenden Linde.


Ein Student der Pharmazie küßte Frau Wirtin wie noch nie
unter der blühenden Linde; denn er wußte vom Küssen ja
keine „dosis maxima” — im Arzneibuch stünde.


Und vom vielen Küssen wund, ward der Wirtin roter Mund,
horae vespertinae. Kam ein Pharmazeut daher
und besah sich das Malheur; — recipe vaselinae!


Kam des Wegs ein Physikus, gab Frau Wirtin einen Kuß.
Ihm war sie besondershold, denn er küßte mit 1000 Volt.


Ein Student des Maschinenbaus, kam aus seinem Kesselhaus.
Er küßt Frau Wirtin die ganze Nacht, bis es bei ihr im Getriebe kracht.


Ein Student der Landwirtschaft kam auf seiner Wanderschaft
unter die blühende Linde, hätte Frau Wirtin gern geküßt,
doch er stank zu sehr nach Mist — unter der blühenden Linde.


Ein Student der Landwirtschaft kam auf seiner Wanderschaft
unter die blühende Linde; setzte Frau Wirtin einen an,
die Folgen zahlte der grüne Plan — unter der blühenden Linde.


Auch ein Bodenkultureller bot Frau Wirtin einen Heller
für einen Kuß an der Linde. Doch die Wirtin kühl verneint:
„Bleib am Boden lieber Freund, denn ich küsse nur gratis —
punktum, basta, satis !”


Auch ein Forstwirt kam daher, frisch geschultert sein Gewehr,
küßte Frau Wirtin noch schlimmer. „Ei !” denkt Frau Wirtin, „fein!
Den lad' ich mir extra ein — heut' abend auf mein Zimmer.”


Kam da auch ein Forstmann her« über der Schulter das Gewehr
unten am Hute den Flieder. Gab Frau Wirtin einen Kuß,
daß es schallte wie ein Schuß — unter der blühenden Linde.


Einem jungen Jägersmann hat's die Wirtin angetan,
küßt sie unter der quercus. Seitdem trägt er stolz und frei
auf dem Haupte ein Geweih. — Ei, das gibt noch Verdruß
beim heiligen Hubertus.


Kam ein Student der Informatik, bat Frau Wirtin um einen Ritt
unter der blühenden Linde. Hat Frau Wirtin den Input gemacht
und dabei nicht an Output gedacht — unter der blühenden Linde!


Vor dem Bildschirm sitze ich, und es dürstet mich fürchterlich,
unter der blühenden Linde. Bringt Frau Wirtin mir ein `Bit',
bin ich endlich wieder fit — unter der blühenden Linde.


Hört ihr nun vom Technikus seine Meinung über den Kuß:
Küssen gehöret zur Technik. Denn zwei Pole zieh'n sich an,
wenn auch nur momentan — unter der blühenden Linde.


Kam ein junger Technikus, gab Frau Wirtin einen Kuß,
unter der blühenden Linde. Dachte nicht mehr an Mathematik,
nur noch an das Lebensglück — unter der blühenden Linde.


Auch dem Ingenieure bot, Küsse sie in Zahlungsnot
doch er wehrte geschwinde. Nimmermehr ein Küßchen schmeckt,
wo so viele schon geleckt — unter der blühenden Linde.


Ein Student der Maschinenbaukunde kam auf seiner Wanderrunde
unter die blühende Linde. Doch bevor er die Wirtin küßt',
baut'er erstmal ein Gerüst — unter der blühenden Linde.


Ein Student des Maschinenbaus, kennt sich bei Frau Wirtin aus,
unter der blühenden Linde. Denn Hydraulik ist die Kraft,
die Männer stark macht und Frauen schafft — unter der blühenden Linde.


Und da kam von ungefähr, ein Maschinenbauingenieur
unter die blühende Linde. Nicht wie der Elektrikus
gab er ihr nur einen Kuß — gab's am laufenden Bande.


Und eines Tages kam daher, ein Kunstakademiker
unter die blühende Linde. Gab der Frau Wirtin einen Kuß,
im Sinne des Surrealismus — unter der blühenden Linde.


Ein Student der Bergbaukunde kam auf seiner Wanderrunde
unter die blühende Linde, kaum saß sie auf seinem Schoß,
gingen die schlagenden Wetter los — unter der blühenden Linde.


Ein Student der Bergbaukunde kam auf seiner Wanderrunde.
Hätt' Frau Wirtin gern getroffen, doch er war wie stets besoffen.


Horch, da kommt ein Physikus, gibt Frau Wirtin einen Kuß
unter der blühenden Linde, Spannung groß und Widerstand klein,
da trat schnell ein Kurzschluß ein — unter der blühenden Linde.


Als nun kam ein Physikus, bat sie ihn um einen Kuß
unter der blühenden Linde. Und er gab sich alle Müh!
Küßte sie mit 12 Atü — unter der blühenden Linde.


Horch da kommt ein Physikus, raubt der Wirtin einen Kuß
unter der blühenden Linde. Und sie spricht: „Er ist ein Mann,
der echt thermisch küssen kann” — unter der blühenden Linde.


Und ein Mathematikus gab Frau Wirtin einen Kuß
unter der blühenden Linde, die Frau Wirtin fand das fein,
denn er küßt in unendlichen Reih'n — unter der blühenden Linde.


Auch der Mathematikus, war im Küssen ein Praktikus
unter der blühenden Linde. Dann setzt er sich gleich hin zu ihr,
gab ihr Küsse zehn hoch vier — unter der blühenden Linde.


Nur den Kandidaten der Mathematik, verließ bei der Wirtin sein ganzes Glück
unter der blühenden Linde. Als sie ihm ein Knäblein gebar,
da mußt' er sie führen zum Traualtar — er blieb um vieles gescheiter.


Ein Mathematiker rechnete schwer, wie groß wohl die Wahrscheinlichkeit
war. Endlich kam er damit zur Ruh: Da war das freundliche Gasthaus zu.


Dem Mathematiker war ganz klar, daß Frau Wirtin variabel war. Doch auch
er war nicht konstant, weil er am Sinus Gefallen fand.


Kam ein Architekt daher, mit noch einem Studiker
unter die blühende Linde. Gab Frau Wirtin einen Kuß,
der Studiker sich begnügen muß — mit dem Stamm der Linde.


Ein Student der Architektur träumte von schönen Frauen nur;
Töchterlein sah es mit Grausen. Architraph und auch Ikonen,
nichts wird sich jetzt bei ihr noch lohnen — unter der blühenden Linde.


Ein Student vom Baugewerbe, der versoffen sein ganzes Erbe,
nahm Frau Wirtin bei der Hand, küßte sie im Kreuzverband.


Auch ein Student der Bauwirtschaft kam auf seiner Wanderschaft.
Die Wirtin gebar ihm einen Sohn, doch der war leider aus Stahlbeton.


Ein Soldat der Bundeswehr kam in seinen Jeep daher
unter die blühende Linde; sprach zu Frau Wirtin: „Lieber Schatz,
sei mein Truppenübungsplatz!” — unter der blühenden Linde.


Und der Philosoph nicht dumm, bat sie um ein osculum,
wenn auch nur ein kleines; doch Frau Wirtin lacht und spricht.
„Auf lateinisch küßt man nicht!” — Und sie gab ihm keines.


Ernst und sinnend schritt heran philosophierend ein blasser Mann.
War Frau Wirtin so gerührt, hat ihn zum ersten Kuß verführt.


Von der Klass'schen Philologei war ja auch ein Sohn dabei,
unter der blühenden Linde. Lehrten einst doch schon Catull,
Horaz, Ovid und auch Tibull: Küssen ist keine Sünde.


Auch ein Germanist errang sich der Wirtin Minnedank;
doch er tät ihr künden: Wie in grauer Väterzeit,
Liebe geendet mit Herzeleid — durch ein Blatt einer Linden.


Kam ein Soziologicus, bat Frau Wirtin um einen Kuß
unter der blühenden Linde. Kaum hat sie sich ausgezogen,
kam er schon mit 'nem Fragebogen — unter die blühende Linde.


Kam ein Archäolog daher, grub im Garten kreuz und quer.
Als er schwitzend kam ins Haus, warf Frau Wirtin ihn wieder hinaus.


Ein Historiker machte sich breit, wühlte in der Vergangenheit.
Aber Frau Wirtin jagte ihn weg: »Vergangenes kümmert dich einen Dreck!«


Auch ein Paedagogikus bat Frau Wirtin um einen Kuß.
Frau Wirtin küßte ihn heiß und viel, denn es war ein Lehrbeispiel.


Ein Astronom, er schaute umher, wo einen Aussicht zum Himmel war.
Blickte Frau Wirtin mit ihm empor, bis sie die Balance verlor.


Auch ein junges Füchselein kehrt bei der Frau Wirtin ein
einstens mitternächtlich.
Und er zeigt der Wirtin vor, was er erlernt vom Fuchsmajor,
/:und das ist beträchtlich!:/

Auch ein ...bursche fein kehrt bei der Frau Wirtin ein
unter der blühenden Linde.
Tauschte mit ihr Kuß um Kuß, plötzlich aber rief er: "Schluß!",

/:denn er wär' verdurstet.:/

Und der hohe Fuchsmajor warnt die Füchse bang davor,
in Couleur zu küssen.
Wenn es aber niemand sieht, wenn's im Dunkeln stets geschieht,
/:kann er's nur begrüßen.:/


Ein Student der Fuchsmajorskunde kam auf seiner Wanderrunde.
Sprach Frau Wirtin: »Das geht nicht gut, trägst ja Deinen Schwanz am Hut!«


Kam auch ein bemoostes Haupt (Philister), küßt die Wirtin unerlaubt
auf die kalte Schulter.
Doch die Wirtin spricht: "Mein Sohn, du in deiner Position
wirst dir schon das Küssen was kosten lassen müssen!"


Schließlich kam ein Philister daher, es wurde ihm schon das Atmen schwer.
Fragte Frau Wirtin: »Was willst denn du?« 
Bat der Alte: »Ein wenig Ruh!« Da schleppte die Wirtin geschwinde ein Sofa unter die Linde.


Ein Student der Landsmannschaft hat sich einmal aufgerafft
zur Wirtin unter der Linde.
Sagt ihr höflich "Küßdiehand!", und sie findet ihn charmant.
Seither hat er seine Pfründe unter der blühenden Linde.

Auch ein Studio des KStV wollte küssen des Wirten Frau
unter der blühenden Linde.
Kam der Lindenwirt herbei, bracht' ihm die Prinzipien bei
/: mit einer spanischen Rinde.:/

Auch ein junger Gymnasiast, der da seufzt unter der Last
vieler Schularbeiten,
sprach zur Wirtin Töchterlein: "Küsse mich, o Mägdelein,
/:aber sag's nicht weiter!:/"

Kommt ein Mann der Feuerwehr von einem Einsatz zum Wirtshaus her,
und sein Durscht is net zwida.
Doch als er die Wirtin sieht, ihm im Herzen ein Funke sprüht,
/:und es brennt schon wieder.:/

Kam ein Werkzeuglaborant auf der Fahrt durchs schöne Land
unter die blühende Linde.
Frau Wirtin fand ihn gar nicht fein, er schlief auf ihrem Schoße ein
/:unter der blühenden Linde.:/

Und ein junger Komödiant steht vor Eifersucht gebannt
unter der blühenden Linde.
Denn schon vor dem ersten Akt hat sie ihn davongejagt,
seither unter Tränen macht er ihr nur Szenen.


Ein Student der Fußballkunde drehte auch mal seine Runde
unter der blühenden Linde.
Doch er nicht zur Wirtin fand, weil er zu weit abseits stand,
und in diesem Falle blieb er nicht am Balle.
Kam ein Student der Deutschen Bahn, pünktlich bei der Frau Wirtin an,
und Frau Wirtin hochbeglückt, hat ihn an die Puffer gedrückt.



Mönche: Mmm mmm ...
... sind für uns böhmische Dörfer.


Schluß: Als der Lindenwirt das sah, was mit seiner Frau geschah,
da nahm er den Wanderstab und verdrosch den Wanderknab.


Melodie. „Tropfen im Becher mehr” Franz Abt, 1878 (1819-1885)

Historisches

Aennchen im Alter von 17 Jahren, links daneben ein Bild das Gasthofs

Aennchen Schumacher (* 22. Januar 1860 in Godesberg, heute Bad Godesberg; † 2. März 1935 ebenda) wird allgemein mit der Lindenwirtin identifiziert. Rudolf Baumbach hat nicht an Aennchen gedacht, als er das Lied schrieb, jedoch stand neben dem „Gasthof zum Godesberg“, welchen Aennchen Schuhmacher im Alter von knapp 18 Jahren erbte, eine Linde.
Das Wirtshaus war ein allgemeiner Treffpunkt der ortsansäaaigen Studenten und die junge Wirtin bei selbigen sehr beliebt.

Aennchen Schumacher benannte 1891 auf Grund dieser Identifikation ihren Gasthof in „Zur Lindenwirtin“ um.

Aennchen war sehr musikalisch, schrieb die Lieder, die im Wirtshaus gesungen wurden auf und brachte 1903 sogar ein kleines Kommersbuch heraus, welches später auch "Aennchens Liederbuch" genannt wurde.

Zu ihrem 75. Geburtstag, kurz vor ihrem Tod, trafen etwa 5000 Glückwunschkarten aus der ganzen Welt ein, viele nur mit „Aennchen in Deutschland“ adressiert, und sogar der frühere deutsche Kaiser Wilhelm II. kam zum Gratulieren. Über die Feier berichteten der Deutschlandsender und die Reichssender Köln, München, Frankfurt, Breslau und Hamburg. An diesem Tag wurde sie zur Ehrenbürgerin von Bad Godesberg (damals noch eigenständig; heute zu Bonn gehörend) ernannt.

Eine der wohl berühmtesten Postkarten erreichte die Lindenwirtin "Aennchen" aber 1902 aus Kiautschou in China. Offiziere der kaiserlichen Marine gaben als Adresse nur ein kleines "n" und Deutschland an. Die seltsamste und wohl auch kürzeste Anschrift, die jemals für eine Postkarte verwendet wurde, genügte, um die Karte um den halben Erdball ans Ziel ihrer Bestimmung zu bringen. Der Kleinbuchstabe "n" steht für "n-chen", gleich lautend wie das Restaurant.

Heute sind in Bonn–Bad Godesberg eine Aennchenstraße, ein Aennchenplatz und ein gemütliches Gourmetrestaurant nach ihr benannt.

Aennchen Strophe

Aennchen zu Ehren wurde sogar eine weitere (siebte) Strophe gedichtet: <p align=center> Wißt ihr, wer die Wirtin war, schwarz das Auge, schwarz das Haar? Ännchen war's, die Feine. Wißt ihr, wo die Linde stand, jedem Burschen wohlbekannt?

Zu Godesberg am Rheine.