Wer reit't mit zwanzig Knappen ein

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Die drei Dörfer

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KV-Liederbuch Seite 224

Wer reit't mit zwanzig Knappen ein.gif

I


1. Wer reit't mit zwanzig Knappen ein
zu Heidelberg im Hirschen?
Das ist der Herr von Rodenstein,
|:auf Rheinwein will er pirschen.:|

2. „Holiahe! Den Hahn ins Faß! schenkt ein!
Ich furcht, die Kehlen rosten;
wir wölln ein Jahr lang lustig sein,
|:und sollt's ein Dorf auch kosten.:|

3. Ein Dorf, was ist's? Nur Mist und Rauch!
Ich hab ja ihrer dreie:
Gersprenz und Pfaffenbeerfurt auch
und Reichelsheim, das treue."

4. Trommeten klangen mit Schalmein
und Pauken um die Wette,
zwölf Monden saß der Rodenstein
beim fürstlichen Bankette.

Wer reit't mit zwanzig Knappen ein(5-6).gif


5. Und als er sich nach Jahr und Tag
die Rechnung hergewunken,
da sprach er „Blitz und Donnerschlag,
jetzt ist Gersprenz ventrunken!"

6. Holiahe! Doch wie man's treibt so geht's! Was liegt an dem Verlurste?
Man spricht vom vielen Trinken stets,
doch nie vom vielen Durste.
Gersprenz |:ist hin!:| Gersprenz |:ist fort!:|
Gersprenz der fromme, der züchtige Ort, Gersprenz ... ist |:veritrunken!":|

Worte: Josef Viktor von Scheffel, vor 1856 (1826—1886)
Loudspeaker.png    Weise i: Karl Appel, 1861 (1812—1895)
(Aus d. Dt. Kommersbuch, Verl. Herder Frbg.)


II.



1. Wer reit't mit sieben Knappen ein
zu Heidelberg im Hirschen?
Das ist der Herr von Rodenstein,
auf Rheinwein will er pirschen.

2. „Holiahe! den Hahn ins Faß! Schenkt ein! Ich furcht, die Kehlen rosten!
Wir wölln ein halb Jahr lustig sein,
und sollt's ein Dorf auch kosten!

3. Ein Dorf, was ist's, ein rußig Loch,
und ich hab ihrer zweie!
Ich hab ja Pfaffenbeerfurt noch
und Reichelsheim das treue."

4. Trommeten klangen mit Schalmein,
die Pauken täten schweigen;
sechs Monden saß der Rodenstein
beim süßen Rheinweinreigen.

5. Und als nach halben Jahres Frist
der Rechnung er gewunken,
da sprach er: „Holiahe! jetzt ist auch Reichelsheim vertrunken!
Reichelsheim ist hin! Reichelsheim ist fort! Reichelsheim, der treue, schnapsbrennende
Ort! Reichelsheim ist veritrunken!

6. Holiahe! doch wie man's treibt so geht's! Was liegt an dem Verlurste?
Man spricht vom vielen Trinken stets,
doch nie vom vielen Durste!
Reichelsheim ist hin!"

III.



1. Wer wankt zu Fuße ganz allein
gen Heidelberg zum Hirschen?
Das ist der Herr von Rodenstein,
vorbei ist's mit dem Pirschen.

2. „Herr Wirt! Ein Kännlein dünnes Bier
und einen Harung im Salze!
Ich hab vom vielen Malvasier
das Zipperlein am Halse."

3. Der schönste, größte Durst der Pfalz
muß früh in Ruhstand sinken;
das letzte Dorf des Odenwalds
kann ich nicht mehr vertrinken!

4. Einen Notary ruft herein,
der schreib die Testamenten:
Pfaffenbeer furt soll der Hochschul sein,
mein Durst den Herrn Studenten!

5. Stets bin ich alter Mann gerührt,
seh ich die wackern Jungen,
und schlucken sie wie ich, so wird
dereinstmals doch gesungen:
Pfaffenbeer furt ist hin! Pfaffenbeerfurt ist fort!
Pfaffenbeerfurt, die duftige Mistfinkenhöhl,
Pfaffenbeerfurt des Odenwalds Kronjuwel, Pfaffenbeerfurt ist veritrunken!

6. Holiahe! doch wie man's treibt,
so geht's! Was liegt an dem Verlurste?
Man spricht vom vielen Trinken stets,
doch nie vom vielen Durste!
Pfaffenbeerfurt ist hin!