Dort, wo der alte Rhein

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Sehnsucht nach dem Rhein

KV-Liederbuch Seite 62

Dort, wo der alte Rhein.png

1. Dort wo der alte Rhein mit seinen Wellen,
So mancher Burg bemooste Trümmer grüßt,
Dort, wo die blauen Trauben saft'ger schwellen
Und süßer Most des Winzers Müh' versüßt,
|: Dort möcht ich sein, dort möcht ich sein,
Bei dir du Vater Rhein,
Auf deinen Bergen möcht ich sein. :|

2. Ach könnt' ich dort in leichter Gondel schaukeln
und hörte dann ein schönes Winzerlied,
viel schönre Träume würden mich umgaukeln,
als sie der Pleiße flaches Ufer sieht.
|:|:Dort möcht' ich sein,:| wo deine Welle rauscht,
wo's Echo hinterm Felsen lauscht!:|

3. Dort wo der grauen Vorzeit schöne Lügen
sich freundlich drängen um die Phantasie,
dort ist, nein, meine Sehnsucht kann nicht trügen,
dort ist das Land der schönen Poesie.
|: |:Dort möcht' ich sein,:| bei dir, du Vater Rhein,
wo Sagen sich an Sagen reihn! :|


4. Wo Burg und Kloster sich aus Nebel heben
und jedes bringt die alten Wunder mit,
den kräft'gen Ritter seh' ich wieder leben,
er sucht das Schwert, mit dem er oftmals stritt;
|:|:dort möcht' ich sein,:| wo Burgen auf den Höh'n
wie alte Leichensteine stehn!:|

5. Ja, dorthin will ich meinen Schritt beflügeln,
wohin sich jetzt nur meine Sehnsucht träumt,
will freudig eilen zu den Rebenhügeln,
wo die Begeist'rung aus Pokalen schäumt.
|: |:Bald bin ich dort:| und du mein, Vater Rhein,
stimmst froh in meine Sehnsucht ein!:|

Worte: Als „Sehnsucht an den Rhein. Von einem Ungenannten"
in einem dtsch. Lesebuch, herausgeg. von Lehrern des Gymnasiums zu Trier, 1827
Loudspeaker.png    Weise i: Georg Schmitt, 1840 (1821—1900)