Festschrift zur Festakademie 2005

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Einleitung und Grußworte

Dr. Bernhard Egen, Vorsitzender des Altherrenvereins des KStV Markomannia / Domkapitular Msgr. Martin Hülskamp Bischöflicher Offizial des Bistums Münster


Der katholische Studentenverein Markomannia ist ein Zusammenschluss von etwa 50 aktiven Studenten und gut 500 im Beruf stehenden Mitgliedern. Auf der Basis der selbst gewählten Prinzipien Religion - Wissenschaft -Freundschaft bildet er eine Lebensgemeinschaft, die über die kurze Zeit des Studiums hinausreicht, Bindungen zwischen den aktiven und ehemaligen Studenten schafft und stets den generationenübergreifenden Austausch und Dialog in den Mittelpunkt stellt. So wird einerseits gewährleistet, dass die im Beruf stehenden Akademiker die Beziehung und das Verständnis für die heutige Situation der Hochschule und der Studenten im Blickfeld behalten, andererseits die Studenten Verständnis und Einblick in die Aufgaben und Anforderungen des beruflichen Lebens erlangen. Die inhaltliche Auseinandersetzung mit Fragen der Zeit soll den Blick für gesellschaftlich relevante Fragen schärfen, zur Formung sozialer Kompetenz beitragen und die Studenten und Akademiker qualifizieren und ermutigen, sich auch außerhalb der Universität sozial und gesellschaftlich engagieren.

Seit einigen Jahren widmet sich die Markomannia intensiv der Verständigung mit unseren östlichen Nachbarn, speziell der deutsch-polnischen Partnerschaft. „Kirche im Sozialismus und in der freien Marktwirtschaft", „Christentum, Wertekonsens und Europäische Identität: Unsere Herausforderung für das neue Jahrtausend", „Christliches Menschenbild und Gottesbezug im Verfassungsentwurf der Europäischen Union" oder „Kirche nach der Wende - Zur Situation der Katholiken in Mittel- und Osteuropa" seien nur beispielhaft als Themen von Veranstaltungen genannt. Im Jahr 2001 wurde aus Anlass des 100-jährigen Bestehens der Markomannia eine Spendenaktion durchgeführt, welche zwei polnischen Priestern aus Lublin ein Studium in Münster ermöglicht hat.

Höhepunkt dieser Bestrebungen war ohne Zweifel die Festakademie „Das Evangelium als Seele des erweiterten Europa" am 5 Juni 2005 unter der Schirmherrschaft des Regierungspräsidenten von Münster, Dr. Jörg Twenhöven. Als Beitrag zum Jubiläum 1200 Jahre Bistum Münster war sie für uns Ausdruck, dass die Einigung Europas ohne das Fundament des christlichen Glaubens undenkbar ist. Zugleich sollte sie der Förderung der europäischen Verständigung dienen, schließlich die besondere Bedeutung der Städtepartnerschaft Münster - Lublin herausstellen.

Die große Resonanz dieser Akademie, insbesondere die ergreifenden und mit großer persönlicher Anteilnahme vorgetragenen Ansprachen von Msgr. Dr. Józef Miroslaw Zycinski, Erzbischof von Lublin, und Msgr. Dr. Josef Homeyer, Bischof em. von Hildesheim, haben uns veranlasst, diese kleine Broschüre herauszugeben, die Texte zu bewahren und einem größeren Kreis Interessierter zugänglich zu machen.

Mit besonderer Freude erfüllt uns die Tatsache, dass die geknüpften Kontakte ihre Fortsetzung erfahren werden. Auf Einladung des Herrn Erzbischofs von Lublin wird eine Gruppe von mehr als 50 Teilnehmern im September 2006 zu einem Gegen-Besuch nach Polen aufbrechen und sich in Warschau, Lublin und Krakau im Rahmen verschiedener Begegnungen mit der deutsch-polnischen Geschichte, Politik und Situation der Kirche auseinandersetzen.

Möge diese Fahrt ein weiterer Baustein des Hauses Europa sein, an dessen Errichtung mitzuwirken wir alle aufgefordert sind!

Dr. Bernhard Egen / Martin Hülskamp


DER BISCHOF VON MÜNSTER


Verehrte Damen und Herren,
„Das Evangelium als Seele des erweiterten Europa" - mit diesem kraftvollen Wort hat die Markomannia im vergangenen Jahr zu einer Festakademie geladen, die in besonderer Weise der deutsch-polnischen Freundschaft gewidmet war.

„Das Evangelium als Seele Europas" - das bedeutet, die innere Mitte unserer Staatengemeinschaft ist das Evangelium der Versöhnung, das Evangelium vom Leben.

Die Geschichte des neunzehnten und zwanzigsten Jahrhunderts hat tiefe Wunden im Verhältnis der Völker Europas hinterlassen. Versöhnung und gemeinsames Leben in einer Gemeinschaft kann man jedoch weder befehlen noch vertraglich verordnen. Versöhntes Leben muss vielmehr von innen kommen, von Herzen, aus der Seele. Und diese Seele ist in Europa, das kann niemand bezweifeln, durch und durch christlich geprägt.

Darum haben wir keinen Grund, uns zu scheuen, für unsere christliche Sicht von Mensch und Welt in unserer Gesellschaft und in Europa einzutreten. Denn eine Gesellschaft ohne Religion, ohne Gott, schneidet sich unweigerlich selbst von der wichtigsten Ressource innerer Sinnstiftung ab: Ein Europa ohne Evangelium wäre ein Europa ohne Seele. Aufgabe der Christen ist es darum, immer wieder werbend dieses Evangelium, die christliche Perspektive auf Mensch und Welt, in die gesellschaftliche Diskussion hineinzutragen.

Es ist mir eine besondere Freude, Ihnen vorliegende Broschüre gleichsam als 'Botschafterin' eines von innen her erneuerten Europa zu empfehlen. - Mögen die darin gesammelten Beiträge reiche Frucht tragen! Mit herzlichen Segenswünschen Ihr

Reinhard Lettmann


Dr. Jörg Twenhöven Regierungspräsident von Münster Schirmherr der Festakademie


„Gelingt es, das Christentum zum Fundament Europas zu machen?"
Mit dieser Fragestellung leitete der Philistersenior der KStV Markomannia, Dr. Bernhard Egen, am 05. Juni 2005 die Festakademie „Das Evangelium als Seele des erweiterten Europas" im Rahmen des 1.200 jährigen Jubiläums des Bistums Münster ein.

Eine berechtigte, eine ausgesprochen wichtige Frage. Ein aktuelles Thema, das viele Menschen interessiert und auch in ihren Herzen bewegt. Das zeigte das große Interesse an dieser Veranstaltung, die von der KStV Markomannia organisiert und von Vereinen, die sich um die deutsch-polnischen Partnerschaft verdient machen, mit Informationsständen tatkräftig unterstützt wurde.

Monsignore Dr. Dr. Józef Miroslaw Zycinski, Erzbischof der Münsteraner Partnerstadt Lublin, und Bischof em. Dr. Josef Homeyer warfen in ihren tief wirkenden Ansprachen einen Blick zurück in die christliche Vergangenheit unseres Kontinents. Und einen voraus in seine Zukunft. Eine Zukunft, die ebenso eine von Jesu Botschaft geprägte sein solle. Sie wiesen aber auch eindringlich darauf hin, dass auf diesem Weg noch Barrieren einzureißen sind. Grenzen, die in den Köpfen aus Vorurteilen gegenüber den jeweils anderen verhaftet sind.

Ich freue mich daher, dass diese Veranstaltung Nachwirkungen zeigt und auf Einladung von Monsignore Dr. Dr. Zycinski eine Gruppe von Markomannen mit weiteren interessierten Teilnehmern nach Polen reist. Der persönliche Austausch und das vertiefte Wissen um das deutsch-polnische Verhältnis in Geschichte, Politik und Religion sind wesentliche Voraussetzungen für eine stabile, offene und annehmende Freundschaft zwischen unseren Völkern.

Immer in dem Bewusstsein, dass uns ein gemeinsames christliches und kulturelles Fundament eint:

Das Evangelium, die Seele Europas! Mit freundlichen Grüßen

Dr. Jörg Twenhöven


DER OBERBÜRGERMEISTER DER STADT MÜNSTER


Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Freunde der Markomannia Münster!
Ich freue mich, dass gerade im Jubiläumsjahr der 15-jährigen Städtepartnerschaft Münster- Lublin, die katholische Studentenvereinigung Markomannia Münster in unsere polnische Partnerstadt reisen wird. Münster und Lublin sind vergleichbare Städte: Beide sind historisch geprägt, angesehene Hochschulstädte mit vielen Studentinnen und Studenten im Stadtbild, regionale Zentren mit einem reichen Kulturangebot und Bischofssitz. Gerade Ihr Engagement »zu - und mit Lublin zeigt eindrucksvoll, welche Chancen und Möglichkeiten sich aus dieser Städtepartnerschaft ergeben konnten bzw. können. Die Partnerschaft zu Lublin ist wegen der hervorragenden Beziehungen der Vereine, Institutionen, Gruppen, Schulen, Universitäten, Kirchen und der direkten Kontakte unserer Bürger/innen mit dem Preis des Botschafters der Republik Polen für die beste deutsch- polnische Städtepartnerschaft ausgezeichnet worden.

Mit der Festakademie von Markomannia Münster aus Anlass des 1200-jährigen Bistumsjubiläums 2005 hier in Münster wurden wichtige Impulse für Ihre Bildungsreise nach Lublin gegeben.

Daher wünsche ich Ihnen für Ihre Spurensuche im September 2006 in Lublin viel Erfolg und ein schönes Miteinander

Dr. Berthold Tillmann Oberbürgermeister der Stadt Münster


Prof. DDr. Thomas Sternberg Koordinator des Bistumsjubiläums


Am 30. März 805, vor 1200 Jahren, wurde der hoch gebildete Theologe Liudger zum ersten Bischof des Bistums Münster geweiht. Um 742 in der Nähe von Utrecht geboren, erhielt Liudger seine Ausbildung in Utrecht, dann in York bei Alkuin und später in Rom und Monte Cassino. Nach Missionstätigkeit in Deventer beauftragte ihn Kaiser Karl mit der Missionierung der friesischen Gaue und seit 792 des westlichen Sachsens.

Die Verbindung von Evangelisierung, Bildung und Frieden kennzeichneten die Mission eines Gelehrten, der kein Martyrium erlitt, sondern am 26. März 809 auf einer seiner Fußreisen in dem kleinen Ort Billerbeck friedlich starb. Seine Gebeine wurden in seine Gründung Essen/Werden überführt, wo sie bis heute verehrt werden.

Der 75. Bischof der münsterschen Liste seit Liudger, Dr. Reinhard Lettmann, lud im Jahre 2005 zu dem Jubiläum der Weihe Liudgers in seine Diözese ein, die in Jahrhunderten gewachsen ist, von 1174 bis 1803 Fürstbistum war und seit 1821 mit Gebieten am Niederrhein auch weit früher christianisierte Gebiete umfasst. Vor allem in den Vorgängen um die "Wiedertäufer" 1534 und dem Abschluss des "Westfälischen Friedens" 1648 erlangte die Geschichte von Bistum und Stadt welthistorische Bedeutung. Unter den Bischöfen ragt im 20. Jahrhundert Clemens August von Galen heraus, der sich in der Zeit des Nationalsozialismus öffentlich gegen Gestapo-Terror und Euthanasie auflehnte.

Die Geschichte des Bistums ist selbstverständlich reich an Licht und Schatten gleichermaßen. Und so war die Entscheidung der Verantwortlichen des Bistums zunächst vielleicht erstaunlich, die Feiern unter das Motto "Eine Liebesgeschichte" zu stellen. Das Motto thematisierte jedoch den Kern des christlichen Glaubens, den Liudger in die Region brachte: die Liebesgeschichte Gottes mit den Menschen als Liebesangebot und Liebesgebot. Die christlich motivierten Bemühungen zu einer Freundschaft zwischen Polen und Deutschland, die nicht die historischen Belastungen und Verbrechen negiert, sondern einen neuen Aufbruch aus dem Geist der Versöhnung und der Vergebung darstellen, gehören hierzu. So sind gelungene Schritte, wie sie auch in der Städtepartnerschaft Lublin-Münster zum Ausdruck kommen, Dokumente der großen Liebesgeschichte Gottes mit den Menschen.

Die Kontakte der KUL-Lublin mit Dr. Albrecht Beckel, dem Präsidenten des ZdK in den Jahren der ersten Annäherungen, und dessen Katholisch-Sozialer Akademie, dem Franz Hitze Haus waren die ersten Ausgangspunkte für die Verbindung der Städte nach dem Ende des kommunistischen Regimes in Polen 1989. Dass der KStV Markomannia die Beziehungen zu Polen im Jubiläumsjahr des Bistums intensiviert hat und nun so engagiert fortsetzt, verdient besondere Anerkennung. Nicht zuletzt aus dem europäischen Geist und Leben des Bistumsgründers Liudger sind Impulse für europäische Freundschaft und Einheit zu ziehen: Gott befohlen!
Münster, den 17. Juli 2006

Prof. DDr. Thomas Sternberg


Die Ansprachen der Festakademie vom 05. Juni 2005

Monsignore Dr. Dr. Józef Zycinski Erzbischof von Lublin

Das Evangelium als Seele des erweiterten Europa -aus Sicht der polnischen Kirche


Die Sorge um Anwesenheit Christentums in Prozessen der kulturellen Veränderungen im gegenwärtigen Europa inspirierte die Beratungen der Bischofsynode Europas, der letzten Synode im II. Jahrtausend. Resultate dieser Beratungen fasst die apostolische Adhortation Ecclesia in Europa zusammen. Die Realisation konkreter Hinweise im diesen wichtigen päpstlichen Dokument vom 29. Juni 2003 verlangt Überwindung vieler Vorurteile und Konvenienzen. Sie fordert vor allem das, dass die vom Taufwasser und Wahrheit Evangeliums erzeugte Einheit für alle Christen in Europa wichtiger als die Einheit von Blutsgemeinschaft oder lokale Kulturstereotype werde.

Über Grenzen des Vorstellungsvermögens hinaus
Prognosen über geistige Einheit Europas waren längere Zeit von den europäischen meinungsbildenden Kreisen skeptisch betrachtet. Als Johannes Paul II. in seiner Homilie in Gniezno (Gnesen) im Juni 1979 gesagt hat, dass Europa nach geistiger Einheit streben soll, hat Peter Hebblethwaite in The Tablet diese Aussage für eine Erscheinung eines kritiklosen Messianismus erachtet. Er war der Meinung, Europa geteilt durch die Berliner Mauer und den symbolischen "Eisernen Vorhang", der politische Einflussgebiete bestimmt, bilde endgültige Realität. Infragestellen seines endgültigen Charakters könnte -nach Meinung mehrerer Kommentatoren - zur Verletzung der Stabilität politischer Systeme auf dem europäischen Kontinent führen.

Ähnliche Vorurteile herrschten auch auf der anderen Seite der Berliner Mauer. Als ich im Jahre 1983 General Edward Rowny in die Päpstliche Theologische Akademie mit einem Vortrag über zukünftige politische Veränderungen eingeladen habe, ist er in der Diskussion gefragt worden, wie ein amerikanischer General sich die Zukunft Europas vorstelle. General Rowny antwortete, dass seiner Meinung nach, im Laufe der nächsten 25 Jahre, Europa sich vereinigen werde und bisherige Einflusssphären verschwinden würden. Einer der Professoren erwiderte damals, eine solche Vereinigung sei unmöglich, denn sie würde auch zur Vereinigung von Deutschland führen. Vereinigtes Deutschland aber - laut Meinung des Professors - würde sofort den III. Weltkrieg heraufbeschwören.

Wie weit sind wir von den einfachen Schemata jener Zeit entfernt? Diejenigen, die die Stabilität der in Jalta geborenen Systeme höher als Menschenrechte und elementare politische Ehrlichkeit zu schätzen versucht haben, sollten nun gründliche Gewissenserforschung machen. Unsere gegenwärtige Aufgabe ist Überwindung von Stereotypen und von routinierten Erklärungen, in denen man versucht, sowohl kritische Reflexion wie auch den vorn Radikalismus des Evangeliums stammenden Mut mit Fehlen von Vorstellungsvermögen zum Schweigen zu bringen. Probleme, die in dieser Hinsicht vor den Ländern Osteuropas stehen, sind verschieden von denen der Westeuropäer. Eben deshalb können gegenseitige Kontakte, Erfahrungsaustausch, Aufbau der Gemeinschaft der jungen Generation im großen Grade zum Bauen neuer Einheit Europas beitragen. Dieser Einheit, in der die von Wiatscheslaw Iwanow übernommene Metapher Johannes Paul II. verwirklicht wird. Sie spricht von der Notwendigkeit der Koordinierung der beiden Lungenflügel Europas , die die Traditionen des Ostens und des Westens ausdrücken.

Das Erbe vom Leninismus überwinden
In den von Kommunismus regierten Ländern wurde über längere Zeit auf den Westen als auf die Quelle der Korruption und moralischen Verderbs hingewiesen. Diese Schemata sollen gegenwärtig definitiv überwunden werden, denn sie haben keine empirische Bestätigung. Die in Einflussgebieten der ehemaligen UdSSR wiederholten Schlagworte über die geistige Überlegenheit des Ostens über Westen finden nicht immer statistische Konfirmation. Daraus folgt, dass in der europäischen Familie, die die Wahrheit des Evangeliums lebt, gegenwärtig Schemata definitiv überwunden werden sollen, die suggerieren, einige Mitglieder dieser Familie viel höher stünden als andere und dass der Breitengrad des Wohnortes ein endgültiges Kriterium sein sollte.

Statistische Angaben über die am stärksten laizisierten Gesellschaften Westeuropas bezeugen, dass der Anteil der dort regelmäßig an der Sonntagsmesse teilnehmenden Katholiken bei 1% liegt. Aus Informationen, die ich von orthodoxen Freunden bekam, ergab sich, dass man während der Osterfeiertage im Jahre 2003 in Moskau 83 Tausend Beteiligte an der Osterliturgie zählte. Da Moskau 11 Millionen Einwohner hat, gibt dies einen Wert von 0,75%. Dieser Anteil ist bedeutend niedriger als die Zahlen für Westeuropa, wenn man die zusätzliche Tatsache berücksichtigt, dass die Osterfeiertage sogar Personen zum Kirchgang bewegen, die Kirche nicht regelmäßig besuchen. Das lässt Mythen über natürliche Geistigkeit des Ostens verblassen und macht uns auf die Notwendigkeit eines Zusammenwirkens aufmerksam um effizient Säkularisierungsprozessen entgegenzuwirken.

Überwindung der kulturellen Pathologien der Vergangenheit fordert definitive Abwendung von der Leninistischen Konzeption, in der der ideologische Begriff des Klassenkampfes auf ganze Kultur ausgeweitet worden ist. Es war Lenin, der Nadeshda Krupskaja Werke der Klassiker - Plato, Thomas von Aquin, Descartes, Kant - aus den Bibliotheken entfernen ließ. Die schmerzhaften Folgen dieser Einstellung funktionieren bis heute in den sozialen Empfindungen, insbesondere in der Haltung der Negation und des Misstrauens gegenüber dem "verfaulten Westen". Verbindung ähnlicher Praktiken mit der in vielen westlichen Kreisen dominierenden politischen Korrektheit könnten zu neuen Formen der Pathologie führen. Besonders wichtig ist deshalb ein Widersetzen dem ideologisierten Christentum, in dem politische Prinzipien das Evangelium dominieren.

Der Erzbischof von Wien, Kardinal Christoph Schönborn, leistet viel für die Initiative zur Annäherung der beiden großen Traditionen. Vor Jahren, neue Wege für Dialog suchend, hat Kardinal Schönborn gemeinsam mit Patriarch Alexij am ökumenischen Gottesdienst in einer Moskauer Kirche teilgenommen. Zur gleichen Zeit als die im Gotteshaus Versammelten um den Geist der Einheit beteten, wurde auf der Straße eine Demonstration von Gruppen organisiert, die dagegen protestierten, dass Häretiker in die rechen der Orthodoxie geführt würden. Diese Demonstration wurde von einer temperamentvollen Aktivistin geleitet, die die auf der Straße versammelten Beobachter als "La Passionaria" bezeichneten. Neugierig geworden fragte der Kardinal beim Auszug aus der Kirche, was diese "La passionaria" in der früheren Periode gewesen sei, als man noch keine ökumenischen Gebete von Katholiken und Orthodoxen organisierte. Die Antwort lautete: Sie war Parteisekretärin in einer zentralen Stelle der Kommunistischen Partei der UdSSR. Dieses Phänomen führt zu einer besonders unangenehmen Erscheinung, in der man versucht, religiöse Werte in Kategorien zu erfahren, wie sie Ideologen und Parteiaktivisten vertraut sind.

Folgen solchen Benehmens können sich als sehr wichtig für den Aufbau geistiger Einheit Europas erweisen. Der Ausweg aus der gegenwärtigen Sackgasse im Dialog mit der Orthodoxie kann sich als sehr schwierig erweisen, falls Personen mit der Mentalität des Anführers der Bolschewisten versuchen werden den Ton beim Verkünden des Evangeliums Jesu Christi anzugeben. Die in ihrem Kreise über siebzig Jahre entwickelte Methode den Westen als ideologisches Schreckgespenst zu benutzen, hat im breiten sozialen Bewusstsein der Gesellschaft mächtige Barrieren hinterlassen, die etwa wie die Berliner Mauer wirken. Vernichtung dieser Barrieren wird schwieriger sein als das Niederreißen jener Mauer. Unter den Faktoren, die das Bauen der Einheit erschweren, soll auch der bis heute in vielen Milieus umhergeisternde Versuch genannt werden, religiöse Identität auf der Basis ethnischer Zugehörigkeit zu bestimmen. Besonders schädlich für den Dialog erweisen sich einfache Losungen vom Typ: Pole gleich Katholik, Russe gleich Orthodoxer, Inder gleich Hindu. Die Lage wird noch schwieriger, wenn religiöse Inhalte durch eine Folklore überdeckt werden, die im Stil der Parteilosungen gehalten sind. Unabhängig von den auftretenden Schwierigkeiten muss im Geiste des Abendmahlsaals Christi Wunsch "denn sie sollen eins sein" (Joh 27,22) verwirklicht werden. Man soll ebenfalls das lebendige Bewusstsein aufrechterhalten, dass es zum Dialog der Kulturen und zur ökumenischen Suche nach Einheit keine ernsthafte Alternative gibt.

Den Osten kennenlernen
Unkenntnis des Westens von Osten hatte ihr symmetrisches Pendant in ideologischem Herangehen des Westens an viele Erscheinungen in kommunistischen Ländern. Diese Art an Probleme heranzugehen wurde von vielen Intelektuellen praktiziert, die von der Ideologie der Linken geleitet waren. Sie hatten eine Kategorie gebildet, die gemeinhin als nützliche Idioten bezeichnet wurde, denn viele der von ihnen formulierten Beurteilungen waren ein Echo der kommunistischen Propaganda. Dieses Phänomen funktioniert weiterhin in neuen Realitäten. Während eines der Symposien in Westeuropa im letzten Jahr habe ich über grundsätzliche Unterschiede zwischen der zur Freiheit strebenden Ukraine und Weißrussland gesprochen, dem ein ideologischer Maulkorb aufgezwungen worden ist. Einer der westlichen Teilnehmer des Symposiums hatte kategorisch meine Entgegensetzung dementiert und sagte: "Vor einem Jahr war ich in Weißrussland, es ist nicht wahr, dass dort Hölle ist. Weißrussland ist ein demokratisches Land." Ich erwiderte - so weit es mir bekannt ist -niemand habe in Weißrußland Hölle lokalisiert. Ich habe wiederum gefragt, worin mein Gesprächspartner weißrussische Anzeichen der Demokratie sehe. Er antwortete mir, er habe z.B. nicht bemerkt, dass Polizei auf der Straße auf Bürger geschossen hat. Nebenbei bemerkt, in Weißrußland gibt es noch keine Polizei sondern immer noch Miliz. Falls man aber Demokratie dadurch definiert, dass Demokratie darin in Erscheinung tritt, dass Miliz nicht auf Staatsbürger auf offener Straße schießt, dann wird das Schießen auf Staatsbürger in Gefängniskellern eine normale Methode des Funktionierens der Demokratie. Das ist eine sehr originelle Art an Probleme heranzugehen, der man weiterhin in Ländern mit langer Tradition der liberalen Demokratie begegnet.

Schemata von diesem Typus können immer noch in Kreisen auftreten, die traditionsmäßig mit großer Nachsicht auf Verletzungen der Menschenrechte in totalitären Systemen geschaut haben. Eine wichtige Form von Durchbrechen solcher Schemen war die Botschaft der polnischen Bischöfe an deutsche Bischöfe im Jahr 1965. Sie hat eine Perspektive europäischer Einheit des Abendmahlsaals dort eingeführt, wo Ideologen nur Klassenkampf und Einflusssphären gesehen haben. In heutigen Realitäten existiert nicht mindere Notwendigkeit, axiologisches Fundament Europas zu bauen, das auf Evangelium der Segnungen fundiert ist. Diese Aufgabe ist um so wichtiger, wenn als Gegenstand der Sorge europäischer Bischöfe das Phänomen der sogenannten De-Europäisierung in Erscheinung tritt. Das drückt sich darin aus, diese evangelischen Werte auf den Rand des Lebens zu verdrängen, die entscheidende Rolle in der kulturellen Entwicklung Europas gespielt haben. Die Folge davon ist, dass anstatt Altruismus Individualismus erscheint, anstelle von Aufopferung tritt Erfolg auf, dagegen wichtiger als Wahrheit politische Korrektheit ist. Ich glaube, dass die Folge von solchen Begegnungen wie die heutige eine Koordinierung der Handlungen sein kann, in deren Folge die christliche Bewertung des sozialen Lebens in kulturellen Veränderungen auf unserem Kontinent deutlicher hörbar wird. Es geht durchaus nicht darum, das Prinzip von der Trennung von Kirche und Staat zu verletzen. Es geht darum, um für den Preis Orwellscher Zensuren und Retuschen, Religion nicht als ausschließlich private Lebenssphäre zu betrachten, da religiöser Glaube der Sauerteig und das Licht in der Finsternis sein soll.

Gemeinschaft der Werte
Gegenwärtige Veränderungen sollen nicht als einen historiosophischen Fatalismus betrachtet werden, in dem gewisse Säkularisierungsprozesse unanwendbar seien. Es soll bemerkt werden, dass Säkularisation ganz anders in Frankreich oder Irland verläuft, wiederum anders in Italien oder Portugal. Noch mehr - während eines halben Jahrhunderts hat die administrativ aufgezwungene Atheisation in der Tschechoslowakei ganz verschiedene Wirkungen in der Tschechei und in der Slowakei gebracht. Als wichtig erweist sich also nicht nur der Aufwand und Methoden soziotechnischer Einwirkungen, aber ebenfalls die Berufung auf Tradition, moralische Wertschätzungen, Solidarität mit anderen Kreisen. Auf die Kraft des Überdauerns z.B. in der Slowakei schauend, soll man evangelischen Optimismus behalten und streng deterministische Vision der Geschichte meiden. Die Europäische Gemeinschaft des Geistes soll gebaut werden daran denkend, was Johannes Paul II. in „Ecclesia in Europa" geschrieben hat.

Bischof em. Dr. Josef Homeyer - Polen und Deutschland • der lange Weg der Versöhnung


Weihnachten des Jahres 1000 fand die denkwürdige Begegnung zwischen Kaiser Otto III. (bemerkenswerter Weise vom späteren Hildesheimer Bischof Bernward erzogen!) und dem polnischen Fürsten Boleslaw in Gnesen statt. Es war die Geburtsstunde Polens. War das der erste deutschpolnische Gipfel? Man kann das so sehen. Aber man liest dann das Ereignis aus dem Blickwinkel der Nationalstaaten, ja, man unterstellt gleichsam einen heimlichen Sinn, ein Telos der Geschichte im Nationalstaatlichen und deshalb sei dann alles Vorherige auf dieses Nationale hin zu lesen. Schaut man aber genauer hin, so war die Begegnung von Gnesen, also die Begegnung zwischen Otto III. und Fürst Boleslaw, geleitet von der Idee der Politik der Renovatio, der Erneuerung des Imperium Romanum. Es war nicht nur ein deutsch-polnischer Gipfel, es war ein europäisches Ereignis. Was aus der damaligen Vision, der Renovatio des Imperium Romanum geworden ist, können wir hier leider nicht verfolgen, so sehr dies für das Verständnis der Geschichte Europas im letzten Jahrtausend notwendig wäre.

Versuchen wir stattdessen eine traurige Dimension der polnisch-deutschen Geschichte zu skizzieren, die uns den Zugang zu einer zentralen Herausforderung im gegenwärtigen europäischen Einigungsprozesserschließen könnte.

1. Polen und Deutschland: fast 250 Jahre lang eine Unglücksachse.

Polen hat sich von Anfang an als Brücke des christlichen Abendlandes zum Osten Europas verstanden. Nach der Besiegung der Osmanen (683 vor Wien) wurde es im westlichen Europa als "Retter des Abendlandes" gefeiert, auch und gerade in Deutschland. Nur dann kam alles anders. Nach der friedlichen und fruchtbaren Epoche insbesondere vom 14. bis zum 18. Jh. ist in den letzten 250 Jahren die deutsch-polnische Geschichte von Gefühllosigkeit, von Leid und himmelschreienden Katastrophen durchzogen. Polen und Deutschland - das war dann für fast 250 Jahre eine Unglücksachse der europäischen Geschichte. Man muss an die drei polnischen Teilungen (1772/1793/1795) erinnern, die für 170 Jahre das polnische Staatswesen zerstört haben. Maria Theresia hat handschriftlich an den Rand des Teilungsdekretes geschrieben: "Plazet, weil so viele große und gelehrte Männer es wollen. Wenn ich schon längst tot bin, wird man erfahren, was aus dieser Verletzung von allem, was bisher heilig und gerecht war, hervorgehen wird." Wir haben es erfahren. Angeheizt von nationalistischen Geschichtsschreibungen auf beiden Seiten, wissenschaftlich getarnten Brunnenvergiftungen, wurden über Generationen Mentalitäten der Feindschaft geprägt. Auf polnischer Seite eine tiefe antideutsche Stimmung angesichts des bedrohlichen deutschen "Drangs nach Osten". So in einem damaligen polnischen Sprichwort: "Solange die Welt ist, wird der Pole dem Deutschen kein Bruder sein." Keineswegs eine Drohung, sondern Ergebnis bitterer Erfahrungen.

Auf deutscher Seite gab es eine unglückliche Bewegung, einen Dünkel gegenüber den geschichtlich jüngeren Völkern des Ostraumes. So soll General von Seeckt, der Schöpfer der Reichswehr, erklärt haben, Polens staatliche Existenz sei für Deutschland unerträglich, für das deutsch-polnische Verhältnis gelte eben der Grundsatz: "Vita mea - mors tua". Hinzu kam das verunglimpfende Polenbild in der deutschen Literatur, z. B. Ernst Moritz Arndt konnte 1848 in einem Artikel schreiben: "Ich behaupte eben mit der richtenden Weltgeschichte vorweg: Die Polen und überhaupt der ganze slawische Stamm sind geringhaltiger als die Deutschen ...". Dieses beleidigende Polenbild , das dann noch die nationalpolitisch motivierten Teilungen rechtfertigen sollte, mag ein wenig verständlich machen, dass der Schock der drei Teilungen Polens mit der Vernichtung des Staates als nationale Katastrophe von den Polen empfunden wurde.

Verständlich, dass die polnische Intelligenz damals nach irgendeiner tiefer liegenden Erklärung für diese Katastrophe zu suchen begann.

Der große polnische Dichter Adam Mickiewicz sah in der Mitte des 19. Jh. in seiner Dichtung Polen in seinem Leiden Christus ähnlich. Es sei die messianische Bestimmung des polnischen Volkes, das Leid anzunehmen und den anderen Völkern Europas das wahre religiöse Leben zu bezeugen. Dieser Mythos der messianischen Bestimmung Polens war der literarische Versuch, die geschichtliche Katastrophe zu verarbeiten und dem polnischen Volk Identität und Selbstbewusstsein zu vermitteln. Dieser messianische Mythos ist heftig kritisiert, aber von vielen im polnischen Volk faktisch übernommen worden. Und er taucht in manchen Kreisen von Zeit zu Zeit immer wieder auf. Und von dorther speist sich offenbar auch das Denken mancher Kreise heute z. B. in der Überzeugung, Polen sei, was wahre Christlichkeit und Moral angehe, zum Zeugnis bestimmt für die Völker Europas - und, Polen müsse eigentlich aufgrund seines Dienstes an Europa (Beendigung des osmanischen Vordringens 1683 vom Wien) und aufgrund seines Leidens durch den Nachbarn, auf besonderes Verständnis, auf besondere Anteilnahme und Hilfe seiner Nachbarn rechnen können.

2. Auf dem Weg der Versöhnung

Nach der neuerlichen Katastrophe des schrecklichen Vernichtungskrieges vor 60 Jahren und nach der anschließenden unglücklichen Vertreibung der Deutschen aus Polen haben die Polnischen Bischöfe am Ende des II. Vatikanischen Konzils, also vor genau 40 Jahren, in einem bewegenden Brief an Ihre deutschen Mitbrüder erklärt: „Wir vergeben und bitten um Vergebung", was die Deutschen Bischöfe entsprechend beantwortet haben.

Dieses gemeinsame Wort wurde dann auch politisch richtungweisend und nahm vorweg, was 10 Jahre später in Willy Brandts Kniefall in Warschau in eindrucksvoller Weise sichtbar wurde.

Viel ist durch diese gegenseitige Vergebungsbitte ausgelöst worden und geschehen: Zahllose Beziehungen entstanden auf allen Ebenen bis hin zu Partnerschaften zwischen Gemeinden, Städten, Universitäten usw.. Ein Umdenkungsprozess setzte in beiden Ländern ein. Gleichwohl gibt es aber noch immer tiefsitzende Ängste, Vorurteile, Stereotypen und Irritationen auf beiden Seiten, so dass dieser vor 40 Jahren begonnene Versöhnungsprozess noch größerer Anstrengungen auf beiden Seiten bedarf? Wenn ich den langen Weg dieses Versöhnungsprozesses von 1965 bis heute bedenke - ich durfte diesen Weg ein gutes Stück intensiv mitgehen, ich darf auch sagen: mit nicht wenig Herzblut - erscheint mir eine Erfahrung zentral: Die Mauern des Schweigens zwischen unseren Völkern müssen eingerissen werden. Die historisch-bedingten unglücklichen Verletzungen und Verwundungen, Erfahrungen und Befürchtungen müssen angesprochen werden können und dann intensiv erörtert werden. Es reicht nicht die ausgedünnte, pragmatische Verständigung des Ausklammerns (tatsächlicher Vorbehalte und Vorurteile) für kurzfristige Minimalziele. Versöhnung meint mehr. Sie gründet im christlich-biblischen Sinn in Umkehr und dass heißt, die Abkehr von den eigenen Ideologien, Vorurteilen, vor allem den Feindbildern. Und Umkehr heißt auch, die Empfindungen und Verwundungen des anderen nicht zu verdrängen, sondern redlich wahrzunehmen und zur Sprache- zu bringen. Versöhnung heißt: die sympathetische Annahme der Erfahrungen des Anderen. Das kostet Mühe, das erspart uns nicht Irritationen, bringt vielleicht gar neue Verletzungen. Aber nur die Gestalt versöhnten Miteinanders wird weiterreichen als die strategischschlaue Interessengemeinschaft. Und das insbesondere dann - ich sage das bewusst in Richtung Europa - wenn der ökonomische Erfolg nicht mehr so selbstverständlich ist wie in der Vergangenheit und - wie gegenwärtig - die politische Situation heillos verfahren und die Politiker ratlos erscheinen. Die Gestalt versöhnten Miteinanders reicht weiter! Es geht um wirkliches Einlassen aufeinander, auch auf die Verletzungen und Verwundungen in der gemeinsamen Geschichte. Versöhnung könnte ja nicht gelingen, wo verdrängt würde, was versöhnungsbedürftig ist, wenn nicht wahrgenommen würde, was so nicht bleiben darf. Versöhnung meint ja doch mehr als „Entschuldigung", Versöhnung meint ja viel mehr: Nämlich, die Beziehung soll wieder aufgenommen, geheilt werden, um neu miteinander anzufangen und gemeinsam die Zukunft zu gestalten. Versöhnung darf doch nicht folgenlos bleiben. Insofern ist das neue Europa, die EU, gleichsam Testfall für das Gelingen der Versöhnung und darauf gründender wirksamer Solidarität, die diesen Namen verdient.

Es ist zuviel zwischen unseren Völkern, zwischen den Völkern Europas geschehen (Balkan), als dass wir von der Umkehr zur ehrlichen Versöhnung ablassen könnten -zumal Gott selbst die Botschaft der Versöhnung in Gang gesetzt hat, in Jesus Christus eine neue Beziehung zwischen Gott und Mensch gestiftet, den Menschen in die "Freundschaft" mit Gott zurückgeführt hat, wie Irenäus von Lyon um 200 sagt. Und Paulus: „Wenn jemand in Christus ist, dann ist er eine neue Schöpfung. Das Alte ist vergangen, Neues ist geworden. Aber das alles kommt von Gott, der uns den Dienst der Versöhnung aufgetragen hat" (Kor 5,17f). Diakonie der Versöhnung ist Fortsetzung, Nachfolge der Diakonia Christi.

Leben wir also in unbeirrbarer Hoffnung neu, was wir Europa und der Welt schulden: Die Diakonie der Versöhnung, Bezeugung der freundlichen Zuwendung Gottes zur Welt, die versöhnende Selbstentäußerung Gottes in Jesus Christus, die die Welt frei macht und allein ein neues Europa schaffen kann.

Zur Person

S.E. Erzbischof Prof. Dr. Dr. Józef Zycinski wurde am 01.09.1948 in Nowa Wies geboren. Am 21.05.1972 wurde er zum Priester geweiht.
Am 29.09.1990 erfolgte die Ernennung zum Bischof von Tarnöw und am 04.11.1990 wurde er zum Bischof geweiht. Seit dem 14.06.1997 ist er Erzbischof von Lublin. 1976 wurde er zum Doktor der Theologie und zum Doktor der Philosophie promoviert und habilitierte 1980. Seit 1980 war er Professor an der Päpstlichen Theologischen Akademie in Krakau. Grand Chancellor der Katholischen Universität von Lublin.

S.E. Bischof Dr. Josef Homeyer wurde am 01.08.1929 in Harsewinkel geboren.
Er studierte in Münster und Innsbruck. 1955 wurde er zum Doktor der Philosophie promoviert.
Seine Priesterweihe empfing er am 11.02.1958 im Dom zu Münster.
Er wurde am 25.08.1983 zum Bischof von Hildesheim ernannt und am 13.11.1983 zum Bischof geweiht. Seine Emeritierung erfolgte am 20.08.2004.
Bischof Homeyer ist seit März 1990 Mitglied der Kommission der Bischofskonferenzen der Europäischen Gemeinschaft (Conference of the Bishops' Conferences of the European Community - COMECE) und wurde im November 1993 zum Präsidenten der COMECE gewählt.
Er ist langjähriges Mitglied der Kontaktgruppe der Polnischen und der Deutschen Bischofskonferenz.

Begegnungen und Gespräche - Polenreise des KStV Markomannia 18. - 24. September 2006 Warschau Lublin Krakau

Warschau

Besuch der Konrad-Adenauer-Stiftung; Deutsch-polnisches Gespräch mit polnischen Politikern und NGO-Vertretern

Thema: Polen im Wandel - eine Wende zum Besseren?
Ende des Kommunismus, Polen als souveräner Staat zwischen Russland und Westeuropa, EU und europäische Integration, Schröder und Putin: neue Horizonte und alte Ängste; wo ist die Mitte, das Herz Europas (Europäische Verfassung)

• Diskussion mit dem ARD-Korrespondenten in Warschau Herrn Robin Lautenbach
Thema: Aktuelle politische und gesellschaftliche Aspekte im Verhältnis zwischen Polen und Deutschland


Lublin

• Empfang durch den Erzbischof von Lublin Mons. Dr. Józef Miroslaw Zycinski
• Empfang durch die Stadtpräsidenten im Rathaus
• Besuch der katholischen Hochschule Lublin
Themen: Jugend, Bildung, Zusammenarbeit und Perspektiven, kirchliche und religiöse Lage in Polen


Krakau

• Begegnung mit dem Rektor der Europäischen Josef-Tischner-Hochschule, Dr. Jarostaw Gowin

(Senator der Bürgerplattform und ehem. Chef des Verlages ZNAK), Vorstellung der Hochschule und Diskussion in Kooperation mit der Konrad-Adenauer-Stiftung Thema: „Geschichte der polnischen Nation"

• Besuch bei Stanistaw Kardinal Dziwisz
Thema: Rolle der Kirche in Nation und Politik früher und heute unter besonderer Berücksichtigung der politischen Umwälzungen


Festakademie im Freiherr-von-Vincke-Haus in Münster
Markomannenensemble


Programmauszug der Polenreise des KStV Markomannia 18. - 24. September 2006

18.09.2006
Flug nach Warschau, Stadtrundfahrt/-gang u.a. mit Altstadt und Ghetto-Denkmal sowie weiteren Besichtigungen 19.09.2006
Vormittags Diskussion mit dem ARD-Korrespondenten in Warschau Herrn Robin Lautenbach; nachmittags Treffen auf Einladung der Konrad-Adenauer-Stiftung mit polnischen Politikern und NGO-Vertretern
20.09.06
Busfahrt über den Königsweg mit Besuch der Lazienki - Parkanlagen nach Lublin, Empfang durch den Stadtpräsidenten von Lublin im Rahmen der Städtepartnerschaft Münster - Lublin mit anschl. Stadtführung, und Besichtigungsprogramm
21.09.06
Empfang durch den Erzbischof von Lublin Mons. Dr. Józef Miroslaw Zycinski, nachmittags Besuch der Kath. Hochschule Lublin, Treffen mit Studenten des akademischen Seelsorgekreises, anschl. gemeinsamer Gottesdienst in der Hl. Geist-Kirche
22.09.06
Busfahrt über Radom nach Krakau Stadtrundfahrt/-gang: Tuchhallen u. Marienkirche, Altstadt, jüdisches Viertel, Wawel-Festung mit Kathedrale und Schloss
23.09.06
am Vormittag in Kooperation mit der Konrad-Adenauer-Stiftung Begegnung mit dem Rektor der Europäischen Josef-Tischner-Hochschule, Dr. Jarostaw Gowin (Senator der Bürgerplattform und ehem. Chef des Verlages ZNAK), Vorstellung der Hochschule und Diskussion zum Thema: „Geschichte der polnischen Nation" . Nachmittags zur freien Verfügung, Abendprogramm
24.09.06
Teilnahme an einer hl. Messe, anschl. Gespräch mit Stanislaw Kardinal Dziwisz, dem früheren Sekretär von Papst Johannes Paul II., nachmittags zur freien Verfügung, nach dem Abendessen Rückflug