KStV Monasteria Münster

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katholisch (ab 1947)
Gestiftet am 28.10.1939 in Göttingen von münsteraner Studenten, davon viele ehemalige Unitarier. Aus der Monasteria entstand die erste Aktivitas der Markomannia-Tuiskonia-Monasteria nach der NS-Zeit.
Deckname: Abiturientia 1939 des Paulinum und der Herman-Löns-Schule
Farben:
Wahlspruch:
Bundeslied:
Verband: KV (ab 1947)
Prinzipien: Deus, Patria, Litterae, Amicitia

Geschichte

Gründungsphoto der Monasteria in Göttingen(1939)

Am 28. Oktober 1939 setzten sich in Göttingen neun junge Studenten des ersten Semesters aus Münster im „Akademischen Viertel" zusammen und gründeten die „Monasteria".
In den Jahren 1936 bis 1938 hatten sich unter dem Druck der Nationalsozialisten viele katholische deutsche Korporationen aufgelöst (darunter CV und KV) oder waren aufgelöst worden (UV). Wir Abiturienten des Jahrganges 1939, die wir vom Elternhaus und von der Schule her nicht mit dem nationalsozialistischen Gedankengut infiziert waren und uns als Gegner des NS-Wesens fühlten und gaben, konnten uns eine Studienzeit im Zwang eines NS-Studentenbundes nicht vorstellen. Schon auf der „Penne" hatten wir ab Untertertia Commerse im studentischen Ritus abgehalten, hatten zum „Einjährigen" trotz Verbotes Schülermützen mit Einjährigem-Zirkel getragen und trugen auch auf unseren Abiturfeierlichkeiten im Februar/März 1939 Couleur, obschon uns die Partei für diesen Fall Hinauswurf aus den „Gliederungen" und Versagen der Abiturzeugnisse angedroht hatte. Der erste Fall spielte keine Rolle, da die meisten von uns nicht oder nicht mehr Mitglied einer solchen Vereinigung waren. Das Abiturzeugnis andererseits haben wir dann letztlich doch erhalten.

Am 1. April 1939 mußten die meisten unseres Jahrganges zum Arbeitsdienst einrücken. Bei Beendigung dieses Halbjahresdienstes hatte der Zweite Weltkrieg begonnen. Da wir noch zu jung waren, um sofort eingezogen zu werden, begannen wir im Oktober 1939 unser Studium. Wegen der Unsicherheit, ob während des Polenfeldzuges die deutsche Westgrenze angegriffen werden würde, hatte die Regierung im September 1939 die westdeutschen Universitäten wie Münster, Düsseldorf, Köln und Bonn geschlossen, so daß für uns als nächste Göttingen in Betracht kam.

Wer aber waren „wir"? Im wesentlichen handelte es sich bei den Monasterianern um Angehörige des Abiturjahrganges 1939 des Paulinum und der Hermann-Löns-Schule, wie seit kurzem das frühere „Städtische Gymnasium und Realgymnasium" hieß. So erklärt sich auch unser Deckname gegenüber Polizei und „Andersgläubigen" (Nationalsozialisten und anderen), der auch über unseren späteren Rundbriefen stand: „Abiturientia 1939 des Paulinum und der Herman-Löns-Schule".
In den ersten Oktobertagen 1939 fanden sich in Göttingen zahlreiche Münsteraner, die unabhängig voneinander zur „Alma mater Göttingiensis" gekommen waren. Bald trafen sie sich zu fast allabendlichem Zusammensein, aus dem sehr bald das Gefühl einer engen Zusammengehörigkeit und die feste Absicht erwuchsen, auch in Zukunft zusammen zu bleiben. So entsprang am Abend des 28. Oktober 1939 unsere Gründung zwar äußerlich einer momentanen Eingebung, aber innerlich dem selbstverständlich gewordenen Willen aller, in dieser Zeit des Gewissenszwanges und der Unfreiheit fern vom allgemein verlangten NS-Studentenbund unseren eigenen Weg zu gehen, der auf der Grundlage unseres zumeist katholischen Elternhauses und unserer antinationalsozialistischen Einstellung beruhte. Wir verfügten in dieser Zeit noch nicht über ein Präsidium, das erst in unserem zweiten Semester (dem ersten Trimester Januar bis März 1940) gewählt wurde.

Die Göttinger Zeit, das Trimester Oktober bis Dezember 1939, endete zu Weihnachten und wir trafen uns alle in Münster wieder, wohin auch diejenigen zurückkehrten, die an anderen Universitäten wie Breslau und Berlin studiert hatten. Ab Januar 1940 war die Universität Münster wieder geöffnet.
Im Januar 1940 also begann ein reges Vereinsleben mit hochoffiziellen Kneipen, Conventen, Damenfesten, Damenkommersen, Exbummel et cetera und das alles unter dem alten studentischen Comment, den wir vom Gymnasium her schon kannten.

Unser erster Senior wurde Ludwig Freibüter, unser erster Damenpräside Horst zur Werth. Im zweiten Trimester 1940 (April bis Juli 1940) nahmen wir mit Friedrich Fehrmann und Ortwin Rawe die ersten Füchse auf, denen dann im dritten Trimester 1940 der erste ordentliche Fuchsenstall mit sieben Füchsen (an der Spitze mit Helmut Müller) folgte.
Vom Sommer bis Herbst 1940 wurden allmählich die meistern Monasterienser zur Wehrmacht eingezogen.

Die weitere Entwicklung in Stichworten

In den Trimestern des Jahres 1940 hatte sich eine Aktivitas von 35 jungen Semestern gebildet unter dem Decknamen „Abiturientia 1939 des Paulinum und der Herman-Löns-Schule". Immer mehr Monasterianer wurden jedoch zum Wehrdienst eingezogen und im Februar 1941 verließ der letzte Monasterianer Münster. Der Damensalon übernahm nun die Sorge um den Zusammenhalt der Corona, insbesondere durch die monatlich erscheinenden „Rundbriefe", ein seit Mitte 1940 bis zu Kriegsende zugunsten der draußen stehenden Commilitonen durchgehaltener Dienst. Im Sommer 1942 restituierte sich „Monasteria" aus Studienurlauben! und Kriegsversehrten und führte bis zum Herbst ein regelrechtes Verbindungsleben durch. Die Beendigung des Krieges führte auch für die „Monasteria" zu einer großen Zäsur. Es dauerte bis zum Sommer 1945, bis sich wieder Bundesbrüder zusammenfanden und eine Satzung erarbeiteten, die zur offiziellen Zulassung an der Westfälischen Wilhelms-Universität führte.

Nach dem Zweiten Weltkrieg standen auch die Verbindungen vor Trümmern. CV, KV, UV und andere waren zugunsten der NS-Studentenschaft verboten oder aufgelöst worden. Altherrenschaften fanden wieder zusammen, doch keine Verbindung besaß noch eine Aktivitas. Zudem erschienen den Alliierten ältere Verbände zumindest belastet. Kein Verband, keine Gruppe konnte sich jedoch ohne Genehmigung der Besatzungsbehörden bilden. Die Angst vor verkappten Nationalsozialisten war groß. Wer war völlig unbelastet? Doch kein Verband, der nach 1933 existiert hatte! Da erwies es sich als Glücksfall, daß eine Gruppe von Studenten sich erst 1939 und offensichtlich im Gegensatz zum Regime und von diesem in keiner Weise erlaubt oder gar gefördert, gebildet hatte und infolgedessen völlig unverdächtig war. Ja, die Mitglieder der „Monasteria" hatten die Beziehungen untereinander nur unter einem Tarnnamen („Abiturientia 1939 des Paulinum und der Hermann-Löns-Schule") aufrecht erhalten und auch ihre Rundbriefe, die den Kontakt bewahrten (und von den Damen daheim, insbesondere von Hildegard Frieling, Schwester von Buko Frieling, rundgeschickt wurden), unter diesem Tarnnamen laufen lassen. Diese Gruppe war absolut unverdächtig und so kam es, daß die „Monasteria" als erste Studentenverbindung an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster nach dem Kriege zugelassen wurde.
Das war allerdings ein Akt, bei dem die Militärregierung mitsprach. Sie mußte diese Vereinsbildung genehmigen, wie auch aus der ersten Nachkriegssatzung hervorgeht Die vom 2. März 1946 an gültige Satzung umfaßt insgesamt sieben Seiten und geht sehr genau auf die Gestaltung des Verbindungslebens ein, führt die Pflichtenverteilung auf, beschreibt vor allem die Aufnahme neuer Mitglieder (nach Teilnahme an mehreren Veranstaltungen, eingeführt durch ein Mitglied unter Zustimmung des Fuchsmajors "krasser Fuchs", durch „Brandung" Mitglied der Verbindung und durch Burschung aufgenommen in den „Burschensalon"), die Veranstaltungen und regelt Convent, Beschlüsse, Strafen und anderes. Festzuhalten ist hier, daß die Monasteria sich weder sofort an den KV anschloß noch an die Traditionen ausgesprochen katholisch-religiöser Vereine. An Stelle des ersten Prinzips ,religio' stand jedoch noch ,deus'.

Die Monasteria kommt aus der Tradition der das Verbindungsleben vorwegnehmenden Gepflogenheiten auf dem Gymnasium Paulinum. Sie hat jedoch schon sofort antiquiert erscheinende Traditionen studentischen Lebens in Frage gestellt. Sie war nicht gewillt, diese unbesehen weiterzuführen. Ihre Mitglieder waren aus der Ablehung des Nationalsozialismus und aus der schweren Zeit des Krieges hervorgegangen, hatten Freunde im Krieg verloren, waren auch älter als üblicherweise Studenten. Auch die jüngeren, nun kontinuierlich aufgenommenen Mitglieder haben die Auseinandersetzung um übernommene Formen fortgesetzt, was in der überscharfen, doch nicht böse gemeinten Formulierung „Gruppe Geist - Gruppe Bier" (siehe KStV Brisgovia) seinen Ausdruck fand. Darin konnten sie sich auf Gedanken stützen (ob sie es bewußt taten, weiß ich nicht), die schon in der Tuiskonia (seit 1902 in Münster, hervorgegangen aus der Germania) lebendig geworden waren nach dem ersten Weltkrieg. Damals kam man zu der Erkenntnis, daß eine Kooperation nicht unpolitisch sein dürfe und machte in den „akademischen Wehren" 1920 mit. Es wurde jedoch auch beschlossen, nicht, wie vor dem Kriege, „jede Woche eine Kneipe abzuhalten, sondern zusammen zum Theater, zum Konzert und zu Vorträgen zu gehen oder selbst Vortragsabende zu veranstalten". Solche Haltung findet in der Satzung von 1946 ihren Niederschlag in der Wertschätzung der „WS", der „wissenschaftlichen Sitzung". Tatsächlich bildete sich zweimal ein respektabler gemischter Chor (Leitung Jupp Witte und Johannes Hasenkamp), wurden literarische und musikalische Abende veranstaltet, unter anderem mit der Schauspielerin Ruth Leeuwerik und dem Sänger Günther Wilhelms. Es wurden Themen behandelt wie „Kollektivschuld" (Ferdi Fritz), „Der gotische Mensch" (Hermann-Josef Spital), „Grundsätzliches zur christlichen Sozialordnung" (Albrecht Beckel), „Sozialismus" (Rolf Meyer-Schwickerath), „Romantik" (Heribert Schräge), „Mensch und Gemeinschaft im Spiegel studentischen Verbindungslebens" (ein „reinigendes Gewitter" laut Chronik, von Werner Bradtmöller), eine Soiree über moderne religiöse Dichtung" (Zwischentexte geschrieben und gesprochen von Hermann-Josef Spital, Dichtung gesprochen von Hermann-Josef Küpper, Wilhelm Janinhoff und August Stähler, Musik: Anita und Karl Wiese), doch auch Professoren wurden eingeladen, so Prof. Hermans, Minnesota („Begriff der Demokratie") und Minister a. D. Dr. Stricker („Deutschlands Weg zur Gleichberechtigung"). Dr. Nikolaus Ehlen, Gründer der berühmten Mustersiedlung in Velbert im Rheinland, sprach im Mai 1949 auf Einladung der Monasteria im Schloß über das eigene Heim auf eigenem Grund für Arbeiter und der Engländer Collins im großen Saal der Ratsschänke über John Henry Kardinal Newman (und bekam in der Chronik eine vernichtende Kritik wegen der Oberflächlichkeit seiner Ausführungen!). Intendant Erich Pabst schilderte „Die Lage des deutschen Theaters".

Ein Ereignis wurde die Aufführung von Thomton Wilders Einakter „Happy Journey" auf einer Matinee im Februar 1949: „Die geschickt-schmissige Vorstellung bewies wieder einmal den Einfallsreichtum Hermann-Josef Küppers. Spieler:

  • Christoph Kirschner
  • Gerta Böckenhoff
  • Herbert Marx
  • Hilla Krimphove (als „Zwölfjährige")
  • Schorsch Menges
  • Hildegard Stuckmann.

Höhepunkt eigenschöpferischer Betätigung war das Kabarett „Die Kabaret(t)orte" von Johannes Sziborsky. Die Truppe trat zum ersten Mal am 3. Februar 1952 im Rahmen des Semesterprogramms im Hotel Schnellmann auf, wiederholte mehrfach den Abend in Münster, machte sogar eine Gastspielreise nach Recklinghausen und trug mit einem gekürzten Programm zu den Festveranstaltungen zum 50jährigen Bestehen der Westfälischen Wilhelms-Universität (als Volluniversität) im Juli 1952 bei.
Mit dieser - unvollständigen - Aufzählung ist auch einiges über den Stil der Verbindung Monasteria gesagt. Lange Jahre sind von den Auseinandersetzungen darum geprägt. Nicht nur die wissenschaftlichen Sitzungen, die Gottesdienste, die Wallfahrten nach Telgte und Teilnahme an Prozessionen und die Bemühungen um eine modern gestaltete Fahne, die den Anschluß an die Tradition nicht leugnete, gehören dazu, sondern auch die Tage der Besinnung und der amicitia auf der Jugendburg Gemen (mit Prof. Dr. Kötting, siehe „amicitia" 20) und die Ruller Tage dienten dazu. Hierüber berichtet mehrfach die Chronik, die vom April 1947 (erstes Gemen-Treffen) bis zum April 1950 (über die Ruller Tage berichten Alexander Rensing, Ulrich Bonse und Erwin Rose) reichen.
Dieser Exkurs über den Satzungspunkt „Vortragsabende" ist länger geworden als beabsichtigt und doch keineswegs vollständig. Die erste Satzung jedoch erwies sich bals als verbesserungsbedürftig. Bereits am 26. November 1946 wurde auf einem Convent im Hotel Küpper-Fechtrup das Katholizitätsprinzip für die Verbindung beschlossen. In der Chronik findet sich am 14. Juli 1947 ein Bericht über einen Burschenconvent im Haus der Studentenhilfe e.V. mit der Überschrift: „Tempora mutantur". Danach waren die BbBb Hermann-Josef Spital und Ferdi Pritz, wie Werner Högemann berichtet, beauftragt worden, einen neuen Satzungsentwurf vorzulegen, der nach geschickter Verhandlungsführung von Ferdi Pritz bis auf wenige Punkte einstimmig angenommen wurde. Damit war die erste nachkriegsbedingte Satzung Geschichte geworden.

siehe auch

KStV Tuiskonia Monasteria
Kabaret(t)orte