KStV Tuiskonia-Monasteria Münster

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Wappen
KStV Tuiskonia Münster(Wappen).jpg
Basisdaten
Gründung: 31.07.1902
Mutterverein: KStV Cimbria Münster(KVM)
Gründungsort: Münster
Verband: KV
Eintritt in den KV: 1902
Kürzel: Tsk-Mon!
Couleur: farbenführend
Farben: rot-gold-blau
Waffenst. Prinzip: nicht-schlagend
Bundeslied: Die alten Heldenlieder sind verklungen
Wahlspruch: In Treue fest!
Prinzipien: Religion, Wissenschaft, Freundschaft
katholisch
Vereinszeitschrift: Amicitia
Mitglieder: 136 Alte-Herren(2007)
Status: AHV
Förderverein:
Adresse: Kampstraße 10, 48147 Münster
Webseite: www.markomannia.org
Kontakt:
Zirkel
KStV Tuiskonia Monasteria Münster(Zirkel).png
Gründungsväter Tuiskoniae
Gruender-tsk.jpg

Entstanden 1950 durch Fusion des Altherrenvereins Markomannia-Tuiskonia mit der aktiven Monasteria zur Markomannia-Tuiskonia-Monasteria, Trennung von der Markomannia 1952, vertagt 1970. Im WS 2001/2002 sind alle Mitglieder dem AHV des KStV Markomannia als B-Philister beigetreten.

Gründungsphase

Im 19. Jahrhundert gab es an der zur „Theologisch- Philosophischen Akademie” zurückgestuften früheren Universität Münster nur eine unserem Kartell angehörende Studentenvereinigung: die 1864 gegründete Germania. An der Wende zum 20. Jahrhundert war sie so mitgliederstark geworden, dass sie durch Teilungsbeschluss vom 9. Februar 1901 gleich zwei neue Korporationen gründen konnte: Markomannia und Cimbria. Die Cimbria wiederum wuchs so schnell, dass schon im folgenden Jahr, am 31. Juli 1902, 16 Aktive - zusammen mit vier aktiven Germanen - eine weitere Verbindung errichteten.
Diese neue, vierte KV-Korporation war die erste, die nach der im März 1902 um eine Juristische Fakultät erweiterten und wieder zur Universität erhobenen Hochschule zugelassen wurde. Sie gab sich unter ihrem aus der Cimbria hervorgegangenen Gründungssenior, dem späteren Oberstudiendirektor und langjährigen Leiter des Dreikönigs-Gymnasiums in Köln, Dr. Wilhelm Limper, die Farben Rot-Gold-Blau, den Wahlspruch „In Treue fest” und den Namen Tuiskonia. Dass eine katholische Vereinigung sich nach einer heidnischen Gottheitt benannte, mag aus heutiger Sicht seltsam anmuten. Auch der Text des Tuiskonen-Liedes nahm im ersten Vers: „Die alten Heldenlieder sind verklungen, kein Opferstein mehr raucht im Lande Teuts” offenbar Bezug auf Tacitus Germania -: ’’„Celebrant carminibus antiquis ... Tuistonem, deum terra editum.”’’
Allerdings trieb der seinerzeit im Korporationswesen - im übrigen auch in der bündischen Jugendbewegung - allgemein herrschende Germanenkult auch sonst seltsame Blüten. Der 1907 in Münster als nächster gegründete KV-Verein „Osning” bezog sich mit seinem Namen auf den vermuteten Ort der Hermann-Schlacht und brachte die damalige Schwärmerei auf den Punkt, wenn er sich den Wahlspruch gab: „Ahnentugend unsere Stärke.” Ein Vierteljahrhundert später wird dies und ähnliches den Nationalsozialisten zunächst gefallen haben. Es sollte sie aber nicht hindern, den studentischen Korporationen innerhalb und außerhalb unseres Kartells schon bald den Garaus zu machen.

Der Anfang der dreißiger Jahre einsetzende politische Druck begann unter Missbrauch der unter den korporierten Studenten herrschenden vaterländischen Gesinnung mit der Propagierung des „Wehrsports”, an dem der KV auf der Vertreterversammlung (VV) 1932 aktiv teilzunehmen beschloß. Die nächste VV 1933 verpflichtete bereits jeden Kartellbruder, Mitglied eines „Wehrverbands” zu werden. Die wehrsportliche Ausbildung lag allein beim SA-Hochschulamt. Da die Aktiven in unterschiedlichen „Wehrverbänden” (Stahlhelm, Fliegersturm des Deutschen Luftsportverbandes, SA) organisiert waren und von ihren Einheiten zu verschiedenen Zeitpunkten bis zu sechsmal in der Woche - in den Ferien auch zu auswärtigen Wehrsportlagern - herangezogen wurden konnte ein Korporationsleben alter Prägung kaum noch aufrechterhalten werden.
Auch die Übertragung des Führerprinzips unter gleichzeitiger Beseitigung fast aller parlamentarisch-demokratischen Einrichtungen mußte Sorgen bereiten. Danach stand an der Spitze der Kartellverbände jeweils ein Verbandsführer. Die einzelnen Karteilvereine wurden von Korporationsführern geleitet, die nur dem Verbandsführer verantwortlich waren und den Senior der Aktivitas und den Leiter der Altherrenschaft ernennen konnten. Markomannia und Tuiskonia lösten das Problem auf ihre Weise: sie wählten zu Korporationsführern solche Persönlichkeiten, bei denen sie sicher sein konnten, daß sie ihre Verbindungen - soweit überhaupt möglich - im bisherigen Geist weiterführen würden: Studienrat Dr. Franz (Major) Dietrich (Mk) und Chefarzt Dr. Karl Lentze (Tsk).
Beide AHAH erkannten bald, daß ihre Korporationen nur dann auf Nachwuchs rechnen konnten, wenn sie als „Kameradschaften” anerkannt wurden; unter der Voraussetzung, daß die Aktiven für einige Semester in einem „Kameradschaftshaus kasernenmäßig zusammengefaßt” wurden und dort eine „wehrpolitische und staatsbürgerliche Schulung” erhielten. Denn „ohne die Ausbildung in einem Kameradschaftshause” hätten sie „auf Staatsanstellung und Zulassung zu einem freien Beruf nicht rechnen” können.

Nationalsozialismus und 2. Weltkrieg


Unter Hinweis hierauf erging am 5. November 1933 ein gemeinsames Schreiben „An die Philister, Inaktiven und Aktiven der Markomannia und Tuiskonia”. Darin wurde, zumal „das Einvernehmen zwischen Markomannia und Tuiskonia ... immer denkbar gut gewesen” sei, ein „Zusammenschluß ... auf der Grundlage völliger Gleichberechtigung” befürwortet und angeregt, das Tuiskonenhaus, Coerdeplatz 18, aufzugeben und das Markomannenhaus, Kampstraße 10, „als Kameradschaftshaus einzurichten”. Die Cumulativ-Convente der Markomannia und der Tuiskonia (10. Dezember 1933) folgten diesem Vorschlag. Zum Korporationsführer der nunmehr vereinigten Markomannia-Tuiskonia wurde Dr. Franz Dietrich (Mk), zu dessen Stellvertreter Dr. Karl Lentze (Tsk) gewählt.

Der drohenden Gleichschaltung konnte die Korporation gleichwohl nicht entgehen. Der „Stellvertreter des Führers”, Rudolf Heß, verbot im Mai 1936 „im Interesse einer einheitlichen Ausrichtung des Deutschen Studententums ... Parteigenossen und Angehörigen von Gliederungen der Partei, die noch auf deutschen Hoch- und Fachschulen studieren, die Mitgliedschaft bei einer noch bestehenden studentischen Verbindung oder Vereinigung". Darauf löste sich die Aktivitas durch Beschluß vom 25. Mai 1936 auf. Denn nachdem der „Wehr-Stahlhelm” (bis zum 35. Lebensjahr) korporativ in die SA überführt worden war, gehörten alle Aktiven der Partei oder einer ihrer Gliederungen an. Der AH-Verein übernahm die examinierten, der Hausverein die übrigen Aktiven und Inaktiven.

KStV Tuisconia Münster(Haus).jpg

Selbst auf dieser schmalen Grundlage fand noch ein geselliges Leben statt. Da das „Kameradschaftshaus” jetzt der Deutschen Arbeitsfront (DAF) zur Verfügung stand, traf man sich zur Sommerzeit in den beiden Bootshäusern an der Werse, im übrigen zum Frühschoppen im Civilclub, Kaiserhof und Fürstenhof. Weil Dr. Dietrich schwer erkrankte und am 2. Februar 1937 verstarb, leitete sein Stellvertreter Dr. Karl Lentze am 19. Dezember 1936 in Münster (mit 170 Teilnehmern!) und am 18./19. September 1937 in Düsseldorf noch je einen „Markomannen-Tuiskonen-Tag".
Im folgenden Jahr schlug das nationalsozialistische Regime endgültig zu. Durch § 1 Nr. 2 des Erlasses des Reichsführers SS vorn 20. Juni 1938 betr. das „Verbot der katholischen Studenten- und Altakademikerverbände" wurden der KV aufgelöst und die Neugründung von Korporationen unter Strafandrohung verboten.

Während also die Markomannia-Tuiskonia zur Untätigkeit verurteilt war, gründete sich am 28. Oktober 1939 in Göttingen die Monasteria. Mitglieder waren neun Erstsemester verschiedener Fakultäten aus Münster, die es nach Göttingen verschlagen hatte, nachdem die Universität Münster - mit anderen an der westlichen Reichsseite gelegenen Hochschulen - wegen des beginnenden Zweiten Weltkrieges ab September 1939 für ein Trimester geschlossen worden war. Mit dem Willen, „in dieser Zeit des Gewissenszwangs und der Unfreiheit” in Anknüpfung an akademische Traditionen ihren eigenen Weg zu gehen, handelten sie bewußt gegen das strafbewehrte Verbot des Reichsführers SS, neue Korporationen zu gründen. Nach außen - besonders in ihren späteren Rundbriefen an die Bundesbrüder in verschiedenen Studentenkompanien (Mediziner) und Truppenteilen - traten sie deshalb auf unter der Bezeichnung „Abiturientien 1939 des Paulinums und der Hermann-Löns-Schule”. Ab Januar 1940 begann in Münster unter dem Senior Ludwig Freibüter ein reges Verbindungsleben mit Conventen, Kneipen, Damenfesten und der Aufnahme erster Füchse (Friedrich Fehrmann und Ortwin Rave). Im fortschreitenden Krieg, in dem von 40 Bundesbrüdern fielen und 2 als vermißt gemeldet wurden, beschränkte sich das gesellige Leben im wesentlichen auf Wiedersehenstreffen mit Heimat- und Studienurlaubern sowie Verwundeten von den verschiedenen Fronten, während die schriftliche Pflege des Freundschaftsbundes per Feldpost dem „Damensalon” oblag.

Nachkriegszeit


Nach dem Zusammenbruch des „Dritten Reichs” gelang es der politisch offenkundig unbelasteten Monasteria, als erste Korporation schon im Januar 1946 nach Vorlage einer Satzung mit den Prinzipien „Deus, Patria, Litterae, Amicitia” die erforderliche Genehmigung der Britischen Militärregierung zu erhalten. Im Sommer dieses Jahres entschloß sie sich zum Zusammengehen mit der Markomannia-Tuiskonia, die ihr — gegenüber anderen interessierten Altherrenschaften — „am engsten mit der Stadt und der Universität Münster und dem Münsterland verbunden” schien. Unter dem 10. Juli 1946 zeigte sie dem „Rektorat der Westfälischen Landesuniversität” an, daß die Vereinigung nunmehr den Namen „Markomannia-Tuiskonia-Monasteria” führe und nur Mitglieder römisch-katholischer Konfession aufnehme. Im Oktober desselben Jahres fand mit Alten Herren unter extrem schwierigen Bedingungen (Mangel an Lebensmitteln und Heizmaterial, „Alkohol-Selbstversorgung”) ein dreitägiges Stiftungsfest statt.

Auf der 1. Generalversammlung des AH-Vereins nach dem Kriege wurde am 25. Oktober 1947 durch einstimmigen Beschluß der AH-Verein „Markomannia-Tuiskonia-Monasteria” gegründet, dessen Vorsitz Dr. Karl Lentze übernahm.
Inzwischen hatte in der Aktivitas unter dem Senior Josef (Jupp) Witte1 ein zunächst bescheidenes geselliges Leben begonnen, das erst nach der Währungsreform (20. Juni 1948) aufblühen konnte. In freundschaftlich-ernstem, gelegentlich leidenschaftlichem Ringen bemühten sich die scherzhaft so genannten Gruppen „Bier” und „Geist” um ein vielseitiges und ausgewogenes Semesterprogramm.
Eine akribisch geführte und mit Fotos bebilderte Chronik hält sämtliche Veranstaltungen von 1947 bis April 1950 fest: Einkehrtage mit den Studentenpfarrern Dr. Bernhard Kötting und Egon Schmitt in Gemen und Rulle, Vortragsveranstaltungen (Monasteria-WS) mit eigenen und fremden Referenten, literarische und musikalische Matineen, Theateraufführungen, Fußballspiele gegen die Sauerlandia (Bergland) u. a. mehr. Auch das „normale” Korporationsleben in Form von Conventen, Kommersen, Damenfesten, Ausflügen etc. kam nicht zu kurz. Sommertags traf man sich im Werse-Bootshaus und bei Vennemann. Ein gemischter Chores sorgte auf festlichen Veranstaltungen für musikalische Einlagen. In der Kabaret(t)orte, dem „einzigen wirklichen Studentenkabarett Deutschlands”, das sich 1952 auch an dem offiziellen Programm zum 50jährigen Bestehen der Universität Münster beteiligte und u. a. vor den KV-Ortszirkeln Münster und Recklinghausen auftrat, nahmen einige Bundesbrüder und Damen aktuelle Themen unter die zeitkritische Lupe. Karfreitags traf man sich um 6.00 Uhr an der Danziger Freiheit zum Kreuzweg-Gang über die Felder zur Gnadenkapelle in Telgte, einer inzwischen jahrzehntealten Tradition folgend, die der mündlichen Überlieferung nach auf ein Gelübde zurückgeht, das ein Bundesbruder in ausweglos scheinender Lage an der russischen Front abgelegt hat. Anfang 1947 gründete die Aktivitas mit anderen Vereinigungen den Katholischen Hochschulring und stellte mit denn späteren Bischof Hermann-Josef Spital dessen ersten Vorsitzenden. Auch innerhalb des KV übernahm die Markomannia-Tuiskonia-Monasteria eine Führungsrolle: Erster Vorortspräsident nach dem Kriege war der Senior im WS 1947/48, der spätere Chefarzt Prof. Dr. med. Josef (Seppel) Kohaus.

Aus diesem Dreierhund löste sich Anfang 1952 die Markomannia. Sie folgte damit dem Wunsch auswärtiger Alter Herren, die weniger Kontakt gefunden hatten zu den aus der Tuiskonia und der Monasteria hervorgegangenen münsterischen Mitgliedern und unter altem Namen wieder „unter sich” sein wollten. Dieses Anliegen fand Gehör auch im Kreise münsterischer Markomannen, insbesondere bei dem noch am 21. Juli 1951 zum AH-Vorsitzenden des Dreierhundes gewählten und künftigen Vorsitzenden des AH-Vereins der Markomannia, Dr. med. hc. Bernhard Salzmann. Nach einem für beide Seiten schmerzhaften Prozeß der Trennung entstand durch Beschluß vorn 9. Februar 1952 die (wieder) selbständige Markomannia. Die Erwartung der Markomannen, etliche Aktive aus der Tuiskonia-Monasteria zu gewinnen, erfüllte sich nicht. Selbst mein guter Freund und Leibbursche Rainer Huntgeburth blieb zur tiefen Enttäuschung seines Vaters und späteren Sozius „Wihu”, laut Festschrift der „Vorkämpfer für die Loslösung aus dem Dreierhund", bei seinen Bundesbrüdern. Praktisch oblag allein Victor Egen der Aufbau einer neuen Aktivitas. Es kann kein Zweifel sein, daß ihm dies - mit großem Geschick bei der Werbung neuer Mitglieder - in sehr eindrucksvoller Weise gelungen ist.

In zeitlicher Hinsicht bleibt rückschauend festzuhalten: Markomannen und Tuiskonen waren im Zweierbund vom 12. Dezember 1933 bis 20. Juni 1938 (etwa 4½ Jahre), im Dreierhund mit der Monasteria vom 10. Juli 1946 bis 9. Februar 1952 etwa 5½ Jahre), insgesamt also etwa 10 Jahre vereint. Da die Festschrift dieser Epoche eine eigene Betrachtung nicht widmet, überrascht es nicht, wenn sie denjenigen nicht erwähnt, der sich in diesen Jahren - auch um die Markomannia! - in herausragender Weise verdient gemacht hat: im Zweierbund als stellvertretender Vorsitzender des AH-Vereins, im Dreierbund als dessen Vorsitzender. Ich meine Dr. Karl Lentze, dessen langjährigen engagierten Einsatz in schwierigen Zeiten ich hier Besonders würdigen möchte.
Bei dieser Gelegenheit muß ich der in der Festschrift geäußerten Annahme widersprechen, das Bündnis habe „die Notzeiten nicht überstanden". Die von den Markomannen und Tuiskonen gemeinsam durchlittenen Notzeiten lagen mit Leute kaum vorstellbaren Härten aus politischen Gründen in der Vorkriegs-, aus wirtschaftlichen Gründen in der unmittelbaren Nachkriegszeit. Die Auflösung dieses Bundes erfolgte in einer Blütezeit: In einer Periode der politischen und studentischen Freiheit, des wirtschaftlichen Aufschwungs und auf einem Höhepunkt des aktiven Korporationslebens. Ich kann mich daher nur der Meinung eines weiteren Zeitzeugen, des zur Zeit ältesten Markomannen, meines väterlichen Freundes Eberhard Hoffschulte anschließen, der in der Festschrift Mitteilungen des AH-Vereins der Markomannia-Tuiskonia-Monasteria, die Trennung der Markomannia von der Tuiskonia-Monasteria als „bedauerlich” bezeichnet.

Eine Rückschau sollte auch die Zeit des Nationalsozialismus nicht ausblenden. Über die mutige Gründung der Monasteria habe ich bereits gesprochen. Von den Markomannen und Tuiskonen ist zu sagen, daß sie sich - soweit wir wissen - in Distanz zum herrschenden Regime untadelig verhalten und dem erheblichen politischen Druck widerstanden haben. Das war auch für Angehörige katholischer Korporationen nicht selbstverständlich. Wir brauchen uns nur ins Gedächtnis zu rufen, daß in Münster aus einer befreundeten CV-Verbindung der erste „Reichsführer des NS-Deutschen Studentenbundes” hervorging und ein begeistertes und engagiertes Mitglied eines ebenfalls befreundeten münsterschen KV-VereinsReichsintendant des Großdeutschen Rundfunks” wurde. Sollte unter den aktiven Markomannen und Tuiskonen der eine oder andere der „Nationalen Erhebung” anfangs mit Sympathie begegnet sein, so war doch offenbar keiner von ihnen an den scheußlichen Szenen beteiligt, die sich besonders im SS 1933 gegenüber „nicht-arischen” Professoren der Universität Münster abspielten. Auch für die AHAH begann eine schlimme Zeit. Schon die vermutete politische Unzuverlässigkeit konnte - insbesondere für Angehörige des öffentlichen Dienstes - schwere berufliche Nachteile zur Folge haben. Rechtsgrundlage hierfür war das berüchtigte Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums. Seine Anwendung auf Ministerial- und Kommunalbeamte führte u. a. dazu, daß allein von den Tuiskonen drei Ministerialräte und fünf Landräte zur Disposition (z. D.) gestellt und damit aus ihren einflußreichen Positionen entfernt wurden.

Vor allem aber ist in diesem Zusammenhang eines zu Unrecht heute fast vergessenen Mannes zu gedenken, der sich unter Inkaufnahme des drohenden Martyriums zur offenen Opposition entschloß. Ich meine den Pfarrer Msgr. Albert Coppenrath (Tsk), Nachfolger des 1929 nach Münster berufenen späteren Bischofs Clemens August Kardinal Graf von Galen an St. Matthias in Berlin-Schöneberg. Ich widerstehe der Versuchung, aus den von ihm 1946 veröffentlichten und auch heute höchst lesenswerten „Kanzelvermeldungen” von 1933 bis 1948 zu zitieren, in denen dieser aufrechte Mann öffentlich u. a. den angeblichen Freitod seines Pfarrangehörigen Dr. Klausener als einen von den Nazis begangenen Mord bezeichnete, den Rassenwahn des Chefideologen Alfred Rosenberg scharf kritisierte, die Hetzblätter „Der Stürmer”„ und „Das Schwarze Korps” angriff und die gegen die Kirche und seine Pfarre gerichteten Schikanen durch Gestapo, SA und HJ schonungslos anprangerte. Etliche Male von der Gestapo verhört, des sogenannten Kanzelmißbrauchs verdächtigt, angeklagt, vom Bundesbruder Rechtsanwalt Dr. Albert Tilmann (Tsk) verteidigt und vom Schöffengericht unter Vorsitz eines mutigen Amtsrichters wegen erwiesener Unschuld freigesprochen, gleichwohl verhaftet und ins Gefängnis geworfen, mußte er 1941 nach einem vom Reichssicherheitshauptamt gegen ihn erlassenen, auf § 1 der Verordnung zum Schutz von Volk und Staat gestützten Aufenthaltsverbot seine geliebte Pfarre und die Diözese Berlin verlassen. Der Einweisung in ein Konzentrationslager nur knapp entgangen, fand er Zuflucht im St.-Rochus-Hospital in Telgte.

Es sind nicht mehr viele unter uns, die die Zeit der nationalsozialistischen Diktatur noch bewußt erlebt haben und stolz sein können auf ihr eigenes Tun oder Unterlassen in dieser schweren Zeit.
Aber ich teile nicht die Meinung unseres Bundespräsidenten, stolz sein könne man nur auf eine eigene Leistung. Deshalb sage ich ausdrücklich: Wir alle, jung oder alt, dürfen als Bundesbrüder stolz sein auf die Markomannia-Tuiskonia-Monasteria und darauf, wie untadelig sich ihre Mitglieder in einer Zeit voller Versuchungen, Gefahren und Bedrohungen verhalten haben.

Siehe auch

Bundeslied Tuiskonia
Farbenstrophe Tuiskonia
Geschichte der Fahne der Tuiskonia Monasteria
KStV Markomannia Münster