Kabaret(t)orte

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Kabaretorte.jpg

In der Kabaret(t)orte, dem „einzigen wirklichen Studentenkabarett Deutschlands”, das sich 1952 auch an dem offiziellen Programm zum 50jährigen Bestehen der Universität Münster beteiligte und u. a. vor dem KV-Ortszirkeln Münster und Recklinghausen auftrat, nahmen einige Bundesbrüder der Tuiskonia Monasteria und Damen aktuelle Themen unter die zeitkritische Lupe.<br Im Wintersemester 1951/52 wurde die Wohnung Sziborsky auf der Burchardstraße Nr. 8 in Münster zur - oft lustigen - Verseschmiede. Das liebevoll ausgetüftelte Ergebnis war ein Monasteria-Kabarett, ganz in ihren Reihen entstanden und ausgeführt durch Bundesbrüder sowie Damen der Verbindung. Ein erhaltenes Programm unterrichtet ausführlich über Täter, Taten und besondere Umstände. Da wird der Titel „Kabaret(t)orte" näher erläutert als „bürgerliches Trauerspiel in 18 , Aufzügen' von Johannes Sziborsky". Die „Laboranten" sind, wie es dort heißt:

  • Hilla Krimphove
  • Carla Simons
  • Lilo Stevens
  • Wilderich Fehrmann
  • Norbert Goldmann
  • Theo-Bernd Hoppe
  • Gerd Veitmann

„Hildegard Hasenkamp sorgte für das chemotechnische Labormaterial. Die Knalleffekte vermieden am Klavier Friedel Lordick, mit der Laute Franz-Josef Kirschner. Der Kataly- und Organisator war Dieter Schlemmer. Der Autor macht die Zwischenanalysen. In der Ret(t)orte entstehen folgende Extrak-tätchen:

1. Die schönsten Kinos
2. Bei uns zu Haus
3. Ich möcht' heut' sozial sein
4. Das machen nur die Filmreklamen
5. Meine Mutti
7. O harmonische Nächte
8. Hab'n Sie nicht
9. Leise rauscht
10. Der Britenlöwe
11. Es ist so schön
12. Wenn die Bürger wüßten
13. Ach du liebe Zeit
14. Wenn sie will
15. Es muß was Wunderbares sein
16. An der Macht
17. Du bist das Grau'n
18. Sieben-Jahre-Revue. - Pointen werden auch durch den Gong angezeigt!"
Wie man sieht, war für alles gesorgt. In den „Westfälischen Nachrichten" war am 6. Februar 1952 über die Premiere zu lesen:
„Dieses Bürgerliche Trauerspiel', wie es im Untertitel hieß, widmete sich zuerst manchen Widersprüchen des kulturellen und gesellschaftlichen Lebens in ironischliebenswürdiger Weise, während im zweiten Teil politische Merk,würdig'-keiten attackiert wurden: eine Attacke jedoch, die sich von dem eingefahrenen Gleis üblicher politischer Injektionen in erfrischender Weise fernhielt, da man Geist genug hatte, auf die üblichen Requisiten eines jeden politischen Kabaretts - nämlich Bundesregierung und Finanzamt - verzichten zu können ..."

In der „Münsterschen Zeitung" hieß es einen Tag später:

„...Es ist soviel die Rede von der politischen Uninteressiertheit der heranwachsenen Jugend und ihrer Teilnahmslosigkeit selbst an den Problemen der nahen Lokalpolitik. Diese Worte sind nicht immer unbedingt richtig, wie die Katholische Studentenverbindung ,Monasteria' mit einem kabarettistischen Abend bewies. Vor den Eltern und Freunden servierten die Studenten, unterstützt von einigen jungen Damen, eine recht gut garnierte ,Torte', aus der ein jeder der Gäste sich ein passendes Stück herausschneiden konnte. Was in der ,Retorte' des stud. phil. J. Sziborsky, der selbst als Autor, Regisseur und Rahmensprecher auftrat, entstanden war, war dazu angetan, in humorvoller Art manches Problem, das uns heute bekümmert, einmal weit weg von dem

tierischen Ernst sonstiger Betrachtung vor Augen zu rücken und bis zu einem gewissen Grad zu lösen. Der zurückbleibende ungelöste Rückstand in der Retorte sprach für die Veranstalter, die die Gäste hier in heiterer Weise zur Besinnlichkeit aufriefen ... R. H."

Auftrittslied der Kabaret(t)orte

Heute wollen wir Komödie spielen,
Und das fällt uns gar nicht schwer,
Denn man braucht nach links und rechts nur schielen,
Und schon ruft man: Oh wie komisch der, die, der!
Ja, wir wollen uns nicht lang besinnen
Zu beginnen - rufend: amusez -
vous bien, bis Ihr dann geht von hinnen -
Es beginnt die Kabaret(t)orte!


Programm der Kabaret(t)orte

Aus der Kabaret(t)orte
19. Aufzug des "Bürgerlichen Trauerspiels"

Der Wettstreit der 7 letzten Jahre von 1945-1951
Kommt zurück, wir warten auf Euch,
Seid ihr auch verfleucht, kommt zurück,
Ist der Weg auch weit aus der schönen und teuren Vergangenheit,
Kommt zurück, sieben Jahre - zurück!
1) 1945; 2) 1946; 3) 1947; 4) 1948; 5) 1949; 6) 1950; 7) 1951


6) Der Krieg ging los in Süd-Korea,
4) und wir beklagten Franz, den Lehar,
1) in England kam der Attlee dran,
5) man feierte den dritten Mann,
2) vom Ausland kamen Lebensmittel,
3) im Inland lief „Film ohne Titel",
4) Berlin litt unter der Blockade,
7) den Weltrekord lief Herbert Schade,
6) man kämpfte für das Elternrecht,
5) die Samba fand man gar nicht schlecht
4) man sprach auf Katholikentagen,
7) und hörte die Constanze klagen,
1) dem Gruße „Heil" folgt „Guten Tag",
6) man feierte Sebastian Bach,
4) in London war die Olympiade,
3) schon markenfrei gab's Marmelade,
2) im Osten kam's zur SED,
5) auch diesem Winter gab's kein Schnee,
6) man feierte das Heilige Jahr,
7) Ria Baran, Paul Falk ein Paar,
2) die Capri-Fischer fand man nett,
5) man sah das „Lied von Bemadette",
3) Herr Marshall schuf den Marshallplan,
4) Studenten tranken Lebertran,
6) ein neues Auto baute Porsche,
7) Maria Schell küßt Dieter Borsche,
1) man teilte Deutschland auf in Zonen,
5) man pflanzte wieder Sojabohnen,
4) die Reichsmarkzeit war nun vorbei,
2) aus USA kam Trockenei,
7) in Persien gab es viel Skandal,
3) man dachte endlich bizonal,
1) es brannten schwarz so viele Leute,
6) und Frankreich nahm die Saar als Beute
4) der Frieden stand auf Messers Schneide,
7) im Roland lief „Grün ist die Heide"
3) man hauste meist als Untermieter,
6) den Ali Khan schnappt sich die Rita,
5) die Würstchen wurden frei, auch Wiener,
4) und kommunistisch wurde China,
6) der Schumann-Plan macht schon Reklame,
7) der Fehrmann wieder ohne Dame.
2) Die Züge waren überfüllt,
4) und Abessinien auf Sylt,
7) der Zucker wurde plötzlich knapp,
l) und Adolf Hitler kratzte ab,
5) Mariandl wurde eingeführt,
3) und immer wieder demontiert,
3) man schuf den Nordatlantikpakt,
7) man sah die Sünderin halbnackt,
1) in Potsdam war'n die großen Drei,
2) Fatal war's mit der Feuerei,
6) die Nazis ließ man jetzt in Ruh',
3) Herr Frings trat in die CDU,
1) in Deutschland gab es nun Parteien,
4) man tat den Bischof Keller weihen,
3) die Quäker speisten uns're Armen,
7) man wählte überall Miß Carmen,
5) man schuf in Westdeutschland den Bunt
2) Schwarzhändler stießen sich gesund,
4) in London gab es Konferenzen,
1) die Schüler durften Schule schwänzen,
7) man senkte Bevins Sarg ins Grab,
5) und Käutner schrieb „Der Apfel ab",
2) Nordrhein vereinigt mit Westfalen,
3) man sammelt noch Kartoffelschalen,
5) die Waren wurden langsam teuer,
7) zur Wiederwahl kam nicht der Boyer,
1) als Quißling litt der Hamsun Knut,
4) man schuf das schöne Ruhrstatut,
5) Herr Pieck, der ward des Ostens Hüter,
6) Heinz Erhard reizte die Gemüter,
5) man feierte das Goethe-Jahr,
4) und kämpfte gegen dünnes Haar,
7) Herr Pieck verbot ein Stück Bert Brechts
6) der Westen sah die „Dritt* von rechts",
5) schon hochbetagt starb Richard Strauß,
3) mit Indien war's für England aus,
2) zum Kardinal ward der von Galen,
6) in England gab es wieder Wahlen,
4) in Holland kam zum Thron Juliane,
6) man aß Sanella und Palmsana,
2) in Nürnberg hielt man viel Prozesse,
5) Herr Gröning heilte die Exzesse.
6) die Generale machten Wind -
1-7 Hans Lunemann bekam ein Kind!


Das neue Jahr - mit einem Worte -
spricht nur von der Kabaret(t)orte.
Und fragt man sich nun, welches Jahr
Von diesen wohl das beste war,
So bleibt's am Ende unentschieden,
denn keines brachte uns den - Frieden.
Drum darf man sagen: Ja wir waren
Zuletzt in „sieben mag'ren Jahren"!


Frühlingsgedichte

Der Frühling hält Einzug in unseren Ort, Die Aktien steigen und - ich in den Ford
und fahre mit 110 Sachen zur Börse . . .

Es schleicht ein Verräter zu den Aktivisten in den Fabriken
Der Volksrepubliken,
Er verdirbt auch die Männer und Frauen in Arbeitskitteln und -hosen
Auf weiten Kolchosen,
Er zieht die Friedenskämpfer ab von der richtigen Bahn,
Das heißt vom neuen Fünfjahresplan,
Und gibt sich viel Mühe, ihre Brust zu zerwühlen
Mit arbeitsfremden Gefühlen.
Der Volksrichter meint nach kurzem Verhör:
Er heißt Frühling, der Saboteur.

Du Rassemaid vom BDM
Mit blauen Augen, blonden Loden,
Der Führer hat gemahnet uns
Mit der Parole „Blut und Boden".
Der Frühling nickt uns heiter zu,
Und die SS trägt spät're Kosten,
Wird es ein Bub, heirat' ich dich
Und kriege einen Hof im Osten.
Du Rassemaid vom BDM
Mit blauen Augen, blonden Loden -
Wir folgen unserm Führer gleich
Und der Parole „Blut und Boden".


siehe auch

KStV Monasteria
KStV Tuiskonia-Monasteria