Landesvater

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Landesvater von Georg Mühlberg (1863–1925)

Der Brauch des Landesvaters ist seit 1774 nachzuweisen. Er entstand aus dem Bruderschaftstrinkens und dem Ausbringen eines Hochs auf den Landesherrn. Schon beim Bruderschaftstrinken durchstießen die Studenten mit ihrer Waffe als Treueschwur formlos ihre Hüte und zerbrachen nach dem Gelage ihre Gläser. Die Löcher wurden anschließend in den Landesfarben oder denen der Verbindung vernäht. Diese Zeremonie verschmolz mit dem besonders nach dem 30-jährigen-Krieg üblichen Ausbringen eines Vivats auf den Landesherrn. Am Ende des 18. Jahrhunderts wurde das Durchstechen der Hüte "als Zeichen des Todes fürs Vaterland" gedeutet, wobei der Treueschwur für den Freund der eigentliche Sinn des Landesvaters blieb. Mit dem steigenden Nationalgefühl erhielt die Zeremonie mehr den Sinn einer Treuekundgebung gegenüber dem Vaterland.
Ein Landesvater wird heute meistens nur noch zu größeren Anlässen bei schlagenden Verbindungen gestochen. Zum Landesvater wird das Lied Alles schweige, jeder neige gesungen.

Alles schweige, jeder neige

Deutsches Bundeslied

Das Lied wird vor allem im Rahmen des Offizium des Kommerses und zum Landesvater gesungen.
Nur die Strophen 1-3 und 5 sind im KV-Liederbuch abgedruckt, da die übrigen Strophen nicht dem Geist und Habitus konfessioneller Bünde entsprechen. Im CV-Liederbuch finden sich nur die Strophen 1, 5 und (12).

[ E - h gis a fis]

Alles schweige! Jeder neige.png

1. Alles schweige! Jeder neige
ernsten Tönen nun sein Ohr!
|: Hört, ich sing' das Lied der Lieder,
hört es, meine deutschen Brüder!
|: Hall es :| wider, froher Chor! :|

2. Deutschlands Söhne laut ertöne
euer Vaterlandsgesang!
|: Vaterland! Du Land des Ruhmes,
weih'n zu deines Heiligtumes
|: Hütern :| uns und unser Schwert! :|

3. Hab' und Leben dir zu geben,
sind wir allesamt bereit,
|: sterben gern zu jeder Stunde,
achten nicht der Todeswunde,
|: wenn das :| Vaterland gebeut. :|

4. Wer's nicht fühlet, selbst nicht zielet
stets nach deutscher Männer Wert,
|: soll nicht unsern Bund entehren,
nicht bei diesem Schläger schwören,
|: nicht ent- :| weihn das deutsche Schwert. :|

5. Lied der Lieder, hall es wider:
groß und deutsch sei unser Mut!
|: Seht hier den geweihten Degen,
tut, wie brave Burschen pflegen,
|: und durch- :| bohrt den freien Hut! :|

6. Seht ihn blinken in der Linken,
diesen Schläger, nie entweiht!
|: Ich durchbohr' den Hut und schwöre:
halten will ich stets auf Ehre,
|: stets ein :| braver Bursche sein! :|

7. Nimm den Becher, wack'rer Zecher,
vaterländ'schen Trankes voll!
|: Nimm den Schläger in die Linke,
bohr' ihn durch den Hut und trinke
|: auf des :| Vaterlandes Wohl! :|

8. Komm, du blanker Weihedegen,
freier Männer freie Wehr:
Bringt ihn festlich mir entgegen,
von durchbohrten Hüten schwer.
Laßt uns festlich ihn entlasten,
jeder Scheitel sei bedeckt!
Und dann laßt ihn unbefleckt
bis zur nächsten Feier rasten!

9. Auf, ihr Festgenossen, achtet
unsre Sitte, heilig, schön!
Ganz mit Herz und Seele trachtet,
stets als Männer zu bestehn!
Froh zum Fest, ihr trauten Brüder,
jeder sei der Väter wert:
Keiner taste je ans Schwert,
der nicht edel ist und bieder!

10. So nimm ihn hin,
dein Haupt will ich bedecken
und drauf den Schläger strecken,
es leb auch dieser Bruder hoch!
Ein Hundsfott, wer ihn schimpfen sollt!
|: So lange wir ihn kennen,
woll'n wir ihn Bruder nennen,
es leb auch dieser Bruder hoch!
Ein Hundsfott, wer ihn schimpfen sollt! :|

11. Ruhe von der Burschenfeier,
blanker Weihedegen, nun!
Jeder trachte, wackrer Freier
um das Vaterland zu sein!
Jedem Heil, der sich bemühte,
ganz zu sein der Väter wert!
Keiner taste je ans Schwert,
der nicht deutsch ist von Geblüte!

(12.) Schwört aufs neue ew'ge Treue
Gott, dem Freund, dem Vaterland!
Immerdar sei unser Leben
reinem ernstem Wissenstreben,
hohen, hohen Zielen zugewandt.

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Text:August Niemann, 1781 (1761-1832)
Gitarre.png    Loudspeaker.png    Weise i: vor 1770

siehe auch

Landesvater im Allgemeinen Deutschen Biercomment (§ 143)