Markomannenchronik(1976)

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Die Geschichte der Markomannia von 1901 bis 1926 ist seinerzeit zusammengestellt worden auf Grund der Protokollbücher, der gedruckten „Semesterberichte", der „Mitteilungen der Markomannia" und persönlicher Erinnerungen. Sie ist hervorgegangen aus der gemeinsamen Arbeit von Benno Biermann, Gerhard Jacobi und Paul Voßkühler. Der erste Teil der Chronik wurde wortwörtlich in die Chronik von 1976 übernommen.

Ein Nachdruck wurde 1990 angefertigt und jenen AHAH zum Geschenk gemacht, die sich an der Bausteinaktion zur Hausrenovierung beteiligt hatten.

Inhaltsverzeichnis

Die Gründung

Markomannia ist mit Cimbria aus der Germania hervorgegangen. Am 9. Februar 1901 wurde die Teilung der Germania beschlossen, und am 14. Februar 1901 wurden auf dem im Wielerschen Lokale in der Rosenstraße 2 h. c. t. stattfindenden Konvente die Namen derjenigen Germanen bekannt gemacht, die den beiden neu zu gründenden Vereinen angehören wollten. 28 von ihnen versammelten sich gleich darauf in einem kleinen Saale bei Widers zum Gründungskonvente der einen neuen Korporation. Das war die Geburtsstunde der Markomannia. Die Leitung dieses ersten Konvents hatte das älteste Semester, cand. theol. Maring, übernommen. Es wurde zunächst beschlossen, die Leitung des neuen Vereins cand. math. Hubert Schulte zu übertragen, dem cand. theol. Heinrich Hemme als Schriftführer und cand. math. Franz Goebel als Kassierer zur Seite standen. Von einer eigentlichen Chargenwahl wurde abgesehen, da der Schluß des Semesters bevorstand. Als Namen für den neuen Verein wurden folgende vorgeschlagen: Markomannia, Ripuaria, Silesia, Amisia, Brukteria und Suevia. Es wurde einstimmig der Name Markomannia gewählt. Für die Wahl der Vereinsfarben lagen folgende Vorschläge vor:

Grün-gold-schwarz
Schwarz-gold-rot
Grünweiß-blau
Moosgrün-weiß-rosa.

Als Farben für unser Vereinsbanner wurde die Zusammenstellung Schwarz-gold-rot von diesem Konvente bestimmt. Am folgenden Tage trat die junge Markomannia in ihrem neuen Vereinslokale im Hotel Moormann (heute Fürstenhof, Marienplatz) zu einem Konvente zusammen, welcher den Zirkel festlegte und als Wahlspruch auf Augustin Fürstenbergs Antrag „Viriliter age!" annahm.
Das erste Semester begann der Verein am 22. April 1901. Stud. ehem. Augustin Fürstenberg wurde zum ersten Ordner und stud. theol. Theodor Wolpers zum ersten Fuchsmajor gewählt. Ein Wappen wurde vom Kartellphilister Nießen für den Verein entworfen und ein Bundeslied vom Vereinsbruder stud. theol. Karl Meyer verfaßt. Leider ist es nicht mehr vorhanden. Das Publikationsfest fand am 31. Juli 1901 statt. Die Kneipe bei Moormann mußte schon am Ende des Semesters geräumt werden, und der Verein siedelte deshalb nach Stieger am Alten Fischmarkt über, um von hier aus in aller Ruhe eine passende neue Unterkunft zu suchen.

In der Alten Börse

Die neue Kneipe fand sich am Anfang des zweiten Semesters im ersten Stock der „Alten Börse" am Prinzipalmarkt (heute Geschäftsstelle des Münst. Anzeigers, neben dem Stadthause), wo auch glänzende Exkneipen abgehalten wurden. Später wurde im unteren Lokale der Ecktisch am Fenster für die Exkneipen und Frühschoppen belegt und durch einen stämmigen Ritter, welcher eine Fahne in den Vereinsfarben trug, gegen unrechtmäßige Gäste gesichert. Den alten Markomannen, welche hier noch gesessen haben, wird das Herz warm, wenn sie dieser Zeiten gedenken. Hier in der „Altitudo", wie wir die „Alte Börse" nannten, sind Kneipen und Exkneipen in überquellender Lebensfreude und glänzendstem Humor gestiegen. Die Kneipe war ausgeschmückt mit dem in Eichenholz nach dem Entwurf des Kartellphilisters Humpert geschnitzten Wappen und mit den Lichtbildern der Vereinsbrüder, zu denen noch die Wappen sämtlicher Kartellvereine traten. Damals hat die Aktivitas schon Hausbaupläne gehabt und auf einem Konvente am 13. Februar 1902 verhandelt. Erst 10 Jahre später sollten sie sich verwirklichen.
Im folgenden Sommersemester 1902 feierte der Verein sein erstes Stiftungsfest. Im Wintersemester wurde der Nikolaustag zum Hauptfeste, das mit dem glänzenden Gänseessen und der Geschenke bringenden Nikolauskneipe sich siegreich neben dem Stiftungsfeste zu behaupten wußte. Geselligen Verkehr mit Damen hat der Verein von Anfang an gepflegt. Die Tanzfestlichkeiten wurden zunächst mit den Kartellvereinen gemeinsam gefeiert, bis im 4. Semester der Konvent sie zu einer Veranstaltung des Vereins machte. Die Kartellvereine sahen das selbständige Vorgehen der Markomannia in der Frage des eigenen Tanzkränzchens und des eigenen Stiftungsfestes nur ungern und suchten das Selbständigwerden des Vereins zu verhindern. Die damalige Aktivitas setzte sich aber mit ihren Bestrebungen durch. Für den geselligen Verkehr und die Einladung der Damen wurden bestimmte Regeln festgesetzt, die seit dieser Zeit stets in Geltung geblieben sind und uns die geachtete Stellung in der münsterschen Gesellschaft verschafft haben.
Im Wintersemester 1902/03 begannen die A-Philister sich zu organisieren. Sie gründeten am 18. Dezember 1902 die Philisterkasse, deren erster Schatzmeister Vikar Heinrich Hemme war. Der Philisterverein Markomannia ist im Winter 1905/06 gegründet worden. Er umfaßt sämtliche A-Philister des Vereins. Der erste Vorsitzende war Vikar Heinrich Hemme, der auf dem Philisterkonvente vom 5. April 1919 zum Ehrenvorsitzenden ernannt wurde. Zum neuen Vorsitzenden wurde auf diesem Konvente Rechtsanwalt Dr. Wilh. Drolshagen in Münster erwählt.
Ein Bundeslied mit begeisternder Melodie war das Sehnen des Vereins geworden, und ein Ausschuß sollte die Vorbereitung übernehmen. Mehrere Semester gingen darüber hin. Da brachte das 6. Semester die Erfüllung des Wunsches. Der Konvent vom 16. Dezember 1903 nahm mit großer Begeisterung das vom Landrichter Dr. Heinrich Dietrich (jetzt Landgerichtspräsident in Hechingen), unserm Ehrenphilister, verfaßte Bundeslied an.
Es lautet:

Weise:Der Gott, der Eisen wachsen ließ" [C - g c c e]

1. Laßt brausen hohen Feiersang
in weihevoller Stunde,
von hehrem Ziel und edlem Drang
er gebe laute Kunde!
Was uns in goldner Flammenpracht
im Herzen glüht, dem jungen,
:: das sei mit glockengleicher Macht
ins Land hinausgesungen! ::

2. Ein Dreigestirn in Himmelslicht
beleuchtet unsre Pfade:
uns weist den Dornenweg der Pflicht
des Glaubens helle Gnade.
So sollen wir, so wollen wir
getrost durchs Dasein wallen,
:: treu folgend stets dem Kreuzpanier,
des Heliands Vasallen! ::

3. Auf zu der Weisheit Sonnenkraft
lenkt uns ein heilig Streben,
es soll uns ja die Wissenschaft
den Lebensinhalt geben.
Die wir aus ihrem Lichtborn so
vereint uns Kraft getrunken,
:: uns macht die Herzen frei und froh
der Freundschaft Gottesfunken. ::

4. Drum lasset stolz das Schwarz-gold-rot
des Banners sich entrollen!
Was wir gelobt, bis in den Tod
wir's treulich halten wollen!
Stets handeln wie ein ganzer Mann,
was feig und schlecht ist bannen,
:: sei unsre Losung stets! Daran
erkennt die Markomannen! ::

Im 8. Semester wurde der Verein gezwungen, die Kneipe in der „Alten Börse" aufzugeben, weil der Wirt den Raum für Hotelzwecke nötig hatte. Die neue Kneipe wurde im ersten Stock des „Heinzelmännchen" (jetzt Weinhaus Kakadu) auf der Rothenburg gefunden. Eine große Abschiedskneipe in Anwesenheit der Zentrumsabgeordneten Hitze und Trimborn war der Übersiedlung voraufgegangen, und der Abschiedsfrühschoppen wird allen Teilnehmern immer unvergeßlich bleiben. Doch noch war das Heldenzeitalter in der „Alten Börse" nicht vorbei. So manche Exkneipe und jeder Frühschoppen hat hier noch ein Semester unter der tätigen Beihilfe des „Majors des ersten Bataillons", stud. phil. Franz Dietrich stattgefunden. Und wenn dann abends spät die berühmte Umfrage erscholl: „Säuft denn das erste Bataillon immer noch so wie sonst?" dann brüllten alle rauhen Kehlen: „Wie sonst, Herr Major!" Und dann gings herunter mit dem Plunder in den sündigen Trichter, und alle stimmten begeistert das altberühmte Hummellied an:

„Wenn die Hummel mit der Fummel mit der Fuhrmannspeitsch
Ein altes Weib mit dem Besenstiel,
Wenn die Kuh mit der Magd übern Spucknapf springt,
Und setzt sich mit dem A ... in'n Teer,
Hoch das Bein, das Vaterland soll leben!
Hoch das Bein, das Vaterland soll leben!
l, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, Bube, Dame, König, Aß!
Pikaß!

Der Heimweg geriet nicht immer nach Wunsch. Der Prinzipalmarkt mit der „alten Giebel-Zickzackreihe" lockte im Mondenlicht zu längerem Verweilen. Ferdinand Schnitzler, der Freund der Polizei, veranstaltete den nächtlichen Betrieb, während Naaz Dietrich das Echo der widerhallenden Giebelhäuser durch ein entsetzliches Brüllen erprobte. Josef Jeiler leitete die Frühjahr- und Herbstrennen von Lambertikirche bis zur Alten Börse, die Punkt 12 Uhr des Nachts in größter Ruhe und Ordnung begannen. Der erste Sieger, zumeist der lange Mertens, wurde dann zur Belohnung auf dem Hotelwagen der Alten Börse einmal um den Prinzipalmarkt gefahren. Alles vollzog sich ruhig und ordnungsgemäß unter den Augen der Polizei, obschon die ganze Breite des Prinzipalmarktes beim Rennen in Anspruch genommen wurde. An das Herbstrennen schloß sich ein Stiftungsfestrennen, wenn wir von Handorf, wo die Stiftungsfeste in diesen Semestern ausklangen, zurückkehrten. Für den Rückmarsch kaufte sich jeder Holzschuhe, groß genug, um über den Lederschuhen getragen zu werden. Der donnernde Lärm auf dem Prinzipalmarkt kündete dann von dem großen Markomannenholzschuhrennen. — Unsere Mahlzeiten nahmen wir bei Stienen im hinteren Zimmer (heute Wiedertäuferzimmer des Zivilklubs) gemeinsam ein, wo mancher „ins Buch" aß und wo es sogar aus den Schränken „zog".
Im November 1906 mußte die Alte Börse geräumt werden, weil sie in ein Automatengasthaus umgewandelt wurde; der Verein fand als neues Verkehrslokal das Kaffeehaus Steiner (Schucan) am Prinzipalmarkt. Der Umzug jedoch hatte den Gedanken an ein eigenes Heim neu belebt, und es wurde die Hausbaukasse gegründet, der alle Markomannen, Aktive, Inaktive und Philister angehören mußten. Seit dem 10. Semester ist die Aufnahme in den Verein erschwert worden. Zur Genehmigung eines Eintrittsgesuches ist vier Fünftel Mehrheit erforderlich, damit nur gleichartige und harmonierende Vereinsbrüder sich in der Korporation zusammenfinden.
Um alle Markomannen immer wieder für den Verein zu interessieren und über ihn zu unterrichten, wurde vom 11. Semester an ein gedruckter Semesterbericht herausgegeben und an alle Vereinsbrüder verschickt. Weil aber der Bericht in der Form, in der er versandt wurde, zu kostspielig war, beschloß das 13. Semester, statt des Semesterberichtes einen Jahresbericht herauszugeben. Es ist aber keiner erschienen, da das Interesse für die Berichte bei der Aktivitas einschlief. Eine Anregung der Philister, die Kosten auf die Philisterkasse zu übernehmen, erweckte im Wintersemester 1909/1910 den Semesterbericht zu neuem Leben. Ein geordnetes Erscheinen wurde aber erst vom 1. April 1912 an erzielt, als der Konvent einen Philister, Dr. Gerhard Jacobi, mit der Herausgabe betraute. Die Semesterberichte erhielten bei Kriegsausbruch die Bezeichnung „Mitteilungen der Markomannia".
Bei der wenig großzügigen Anlage der Gasthäuser in Münster blieb eine Lokalfrage für den Verein bestehen. Am Ende des 11. Semesters, im Juli 1906, mietete der Verein sich im Münsterschen Hof (Mennemann) am Alten Steinweg (heute Neubau) ein und beschloß, eine eigene Kneipausstattung zu erwerben. Die Kneipmöbelkommission, zu der August Glunz und Franz Predeek gehörten, wählte die Entwürfe der Firma Stadler-Paderborn, und der Konvent vom 20. Dezember 1906 genehmigte die Wahl. Viele Vereinsbrüder, Aktive, Inaktive und Philister, erklärten sich freudig bereit, durch freiwillige Spenden eine sofortige Anschaffung zu ermöglichen. Wilhelm Höhne schenkte dem Verein das Klavier. Die Möbel sind heute noch eine Zierde unseres Hauses. Es war nach dem Verluste der Alten Börse notwendig geworden, neben dem offiziellen Verkehrslokal noch ein behagliches, zwangloseres zu finden, und das war der Bullenkopp am Alten Fischmarkt, der von nun an immer mehr besucht wurde. Von jeher hatten Vereinsbrüder dort verkehrt, aber vom Wintersemester 1904/05 an war der Verein zum Dämmerschoppen fast täglich da. Frau Bischof, die damalige Wirtin, schenkte dem Verein im Wintersemester 1905/06 einen Tisch, in den die Namen der dort verkehrenden Vereinsbrüder eingeschnitten wurden. Im Laufe der Semester hatte sich der Tisch so mit Namen gefüllt, daß, um einer Überfüllung vorzubeugen, seit dem Sommersemester 1912 die Vereinsbrüder erst am Ende ihres zweiten Korporationssemesters ihren Namen einschneiden durften. Nach dem Kriege war es kaum mehr möglich, noch Namen unterzubringen. Die Tischplatte wurde daher 1920 als Erinnerung in das Haus übernommen und in unserer Kellerkneipe aufgehängt. Der Tisch im Bullenkopp erhielt eine neue Platte. Der Bullenkopp wurde allmählich zur zweiten Alten Börse und genoß bei den Vereinsbrüdern, die in ihm ihre Semester verbracht haben, eine ähnliche Berühmtheit und Beliebtheit. Er ist noch heute der Treffpunkt in der Stadt, und seit Jahren lenkt jeder Markomanne, der Münster wieder besucht, seine Schritte zuerst zum Bullenkopp. Köstliche Erinnerungen und Geschichten umranken den kleinen Tisch in der engen Gaststube, wo so manches Fest begonnen und so manches ausgeklungen ist. Noch eines anderen Lokals muß gedacht werden, des „Monopols" oder „Mopols", wo semesterlang wundervolle, außerordentlich besuchte Exkneipen gestiegen sind und wo die Konvente in den Übergangswochen des Umzuges von der Etage zum Hause stattfanden.

Auf der Etage

Die Lokalfrage war mit der Übersiedlung in den Münsterschen Hof keineswegs gelöst. Das Kneipzimmer im Hinterhause war feucht, kalt und unfreundlich, und im Gastzimmer unten im Vorderhause entwickelten sich im Laufe der Zeit derartige Zustände, daß der Verein um seines Ansehens willen an den Auszug denken mußte. Einige unternehmende Vereinsbrüder wollten nun der Lokalfrage gründlich ein Ende machen, zumal da der Zusammenhang im Verein unter dem Unbehaustsein litt; sie beantragten, eine Etage zu mieten. Nicht ohne Bedenken folgte ein großer Teil der Aktivitas dem kühnen Gedanken, den besonders nachdrücklich iur. Otto Paus vertrat, denn wie sollte das Geld für die Miete aufgebracht werden? Aber dem Mutigen gehört die Welt! Als wir in unserer schönen Etage später saßen und so als erste Korporation Münsters Inhaber eines eigenen Heims geworden waren, mußten wir gestehen, daß wir sie besser schon einige Semester früher gemietet hätten. Der Philisterkonvent vom 7. Dezember 1907 stimmte dem Antrage der Aktivitas zu und beauftragte einen Ausschuß mit der Beschaffung einer geschlossenen Etage. Nach langem Suchen schlug der Ausschuß die Etage auf der Norbertstraße l1 vor. Der Konvent gab mit 3/4 Mehrheit die Ermächtigung, die Etage für 1200 Mark jährlich zu mieten und zwar auf drei Jahre. Die nötigen Anschaffungen wurden am 17. Februar 1908 beschlossen und die Möbel für das Herrenzimmer und das Exkneipenzimmer bei der Firma Weber Nachf. am Ludgeriplatz bestellt. Der Auszug aus dem Münsterschen Hof war bald bewerkstelligt. Die kostbaren Kneipmöbel wurden auf dem Boden des von Nageischen Hofes auf dem Domplatz untergebracht und die Konvente bei Stienen (heute Zivilklub) abgehalten. In der Etage wurde in den Ferien durch einen kleinen Umbau eine schöne Kneipe eingerichtet, ferner ein Spiel- oder Herrenzimmer, ein Billardzimmer, ein Zimmer für den Vorstand und eine Küche. Eine Putzfrau ordnete jeden Morgen die Räume, und abends bediente uns ein Pikkolo, wenn der Fax nicht zu haben war. Die Stadt verlangte eine Konzessionssteuer; dieser Anspruch wurde aber durch Herrn Justizrat Salzmann im Prozeßwege siegreich abgewehrt und damit eine für alle hiesigen Korporationen grundsätzlich bedeutsame Frage entschieden. Für die Etage waren Statuten aufgestellt, die später fast unverändert als „Hausordnung" übernommen werden konnten. Die Einkünfte der Etage aus Bier, Wein, Kaffee, Zigarren, Zigaretten usw. wurden in einer besonderen Kasse gesammelt, welche ein Aktiver als Etagenkassierer verwaltete. In dieser Eigenschaft werden die gewichtigen Gestalten von Otto Paus und Josef Wolpers als ebenso gewissenhafte wie gemütliche Etagenwirte mit der Erinnerung an die Etage stets verknüpft bleiben.
Unvergessen ist uns auch das gemütliche Verhältnis zur gestrengen Polizei, welche stets gewissenhaft auf Polizeistunde hielt, aber, wenn ihr verhängnisvolles Klingeln erschollen war, sich auch bald wieder begütigen ließ. Dann kam es vor, daß, während Helm und Säbel auf der Kneipe bei Schneos schwungvollen Mimiken Verwendung fanden, der Hüter der Ordnung selbst in der Küche bei der Kaffeebereitung Dienst tat und die Kaffeemühle drehend in der Ecke saß. Eine gewisse Berühmtheit genoß damals auch unsere auf dem Wichszimmer stehende Wichskiste. Sie diente gewissen anspruchslosen Vereinsbrüdern, die sich den nächtlichen Heimweg sparen wollten, als freilich nicht ganz bequeme Schlummerstätte, aus der sie sich morgens durch die Putzfrau aufstöbern ließen. Die Semester auf der Etage verliefen glanzvoll und in schönster Harmonie. Die Räume waren für uns eine Heimstätte, in der wir uns glücklich fühlten.
Die Musik hat in den unvergeßlichen Etagensemestern stets im Vordergrund unseres Vereinslebens gestanden. Es ist auch geradezu merkwürdig, wieviele musikalische Talente wir ständig unter uns hatten, welche bereitwillig ihr Können der Allgemeinheit widmeten. Ebenso wesentlich ist es aber auch, daß diese in den übrigen stets ein verständnisvolles, dankbares und begeisterungsfähiges Publikum fanden. Wir waren allesamt rechte Westfalen, der Ton war rauh, aber herzlich, auch unsere Seele war rauh, aber im Kern hatte jeder seine Portion Gemüt, und auf diesem Boden mußte die Musik gedeihen. An erster Stelle ist unser Quartettgesang hervorzuheben. Es verging wohl keine Kneipe, auf der man nicht antrat, und zwar meist in doppelter oder dreifacher Besetzung. Eine kurze Probe, und die Sachen wurden glatt vom Blatt heruntergesungen. Wer denkt da nicht an die oft dargebotenen Stücke: „Hab oft im Kreise der Lieben" und „Warum bist du so ferne, o mein Lieb?" Auf dem Gebiete des Einzelgesanges sind besonders das „Gute Nacht, mein holdes, süßes Mädchen" von Leo Schmitt vorgetragen und der unvergeßliche „Pfarrer von Ohnewitz" von Benno Biermann gesungen zu nennen, beide lange Zeit die Schlager unseres Repertoirs. Eine größere Rolle noch spielte der Gesang zur Laute, der auf keiner Veranstaltung damals gefehlt hat. Benno Biermann ergötzte uns durch die „Zehn kleinen Negerlein", durch das „Bi-Ba-Bandeltier" und „Bruder, trink nochmal", und Adschen Tönnes trat das Erbe an mit seinem „Ja, heutzutag die Feuerwehr" und vielen anderen Liedern. Und waren die Lieder verklungen, so trat Schneo (Heinrich Schnitker) auf und erprobte die nie versagende Wirkung seiner „Generalsreden" und des „Armen Dorfschulmeisterleins".
Im übrigen fand auch die Instrumentalmusik ihre Pflege. Stets waren gute Klavierspieler in größerer Zahl vorhanden, und auch Violin- und Cellospieler fehlten nicht. Musikalische Darbietungen jeder Art und in edelster Form zu genießen, war in erster Linie Zweck der damals in höchster Blüte stehenden regelmäßigen „Schönheitsabende". Einmal haben wir sogar ein richtiges kleines Orchester gehabt, welches sich aus zwei Geigen, Bratsche, Cello, Flöte und Klavier zusammensetzte und in dem neben Benno Biermann noch Rolf Jaspers, Rudi Predeek und Bernhard Odenbreit mit zwei Brüdern mitwirkten. So gerüstet konnten wir ein feierliches Konzert veranstalten, zu welchem auch unsere Damen zugezogen wurden.
Ein Markomannenmarsch wurde von Herrn Wille, Mitglied der Dreizehnerkapelle, für die Korporation komponiert, wie er uns in einer feuchten Stunde auf der Rückfahrt von einem Damenfest in Jägerhaus verheißen hatte. Es ist ein flotter, origineller Marsch, in dem Trio ist das Bundeslied verwertet, unterbrochen von einer eindrucksvollen Posaunenpartie. Herr Wille brachte den Marsch zunächst der Korporation selbst eindrucksvoll zur Kenntnis, indem er eines Tages mit sieben Musikern (Posaune nicht ausgenommen) auf der Kneipe erschien. Das Getöse war unbeschreiblich. Die Sache verlief insoweit nicht ganz reibungslos, als die Musiker uns letzten Endes an Begeisterung und Trinkfreudigkeit durchaus übertreffen wollten. Dem Komponisten wurde bei der von ihm geleiteten Uraufführung der gesamten Kapelle des Inf.-Rgts. 13 im Zentralhof auf der Rothenburg von der Korporation ein großer Lorbeerkranz mit Schleife überreicht.
Im Wintersemester 1909/10 schaffte der Verein den Vollwichs ab und chargierte von da ab ausschließlich in Salonwichs. Im Sommersemester 1910 wurde eine sog. Reformkommission eingesetzt, die das Vereinsleben alkoholfreier und sportfreudiger gestalten sollte. Die Zahl der Kneipen wurde eingeschränkt und dafür der sehr anregende und gemütliche offizielle Nachmittagskaffee auf der Etage eingerichtet. Seit dieser Zeit mußte jeder Markomanne irgend einen Sport treiben. Die meisten spielten Tennis, was schon frühere Semester im „Neuen Krug" begonnen hatten, manche fanden aber auch ihre Freude am Reiten, Fechten und Schwimmen.
Die Damenfestlichkeiten wurden wegen des gemütlichen Heims in der Norbertstraße immer häufiger, und nicht die schlechtesten Feste waren die kurzerhand improvisierten. Ein Treffen auf dem Sonntagmorgenbummel oder bei Steiner — schon war die Verabredung getroffen. Die Sache war schnell herumgesprochen, der nötige Kuchen bald beschafft, und zur Kaffeestunde war alles bereit. Nur die Beschaffung der Garde, auf deren Anwesenheit peinlichst gehalten wurde, bereitete oft nicht geringe Schwierigkeiten. Aber auch dafür hatten wir unsere Beziehungen zu stets gutherzigen, verständnisvollen Müttern, deren wir heute noch dankbar gedenken. Diese Veranstaltungen werden in ähnlicher Weise im Hause fortgesetzt. Die Einladungsliste beschränkte sich auf solche Damen, deren Familien einem der bekannten Klubs in Münster angehören.
Trotz der schönen Etage blieb der Hausbaugedanke stets lebendig. Schon im Wintersemester 1909/10 wurde ein Ausschuß eingesetzt, welcher der Erwerbung eines Bauplatzes näher treten sollte. Bald begannen die Verhandlungen in dem Ausschusse ernst zu werden.

Unser Haus

Als im Sommersemester 1910 unser Hauswirt das Mietsverhältnis nicht mehr über den 1. April hinaus verlängern wollte, wurde urplötzlich die Hausbaufrage für den Verein dringlich. Die Aktivitas lud daher sogleich die in der Nähe ansässigen Philister zu einer Beratung am 23. Mai 1910 ein. Hier wurde es von Sachkundigen als Unmöglichkeit bezeichnet, eine andere passende Etage zu finden. Andererseits hielt man es für ausgeschlossen, daß der Verein in minderwertigen Schenken zurückkehrte. Es wurde daher folgender Beschluß gefaßt:

„Die anwesenden Philister erklären sich angesichts der Notlage des Vereins für den Kauf oder Bau eines Hauses, vorbehaltlich der Regelung der Geldfrage."

Das Weitere wurde in die Hände eines Ausschusses gelegt, zu dem Uppenkamp, Konrad Meyer, Gahlen, Vennebusch und Reidenbach gehörten. Der Ausschuß lud zunächst in einem Rundschreiben zwecks endgültiger Beschlußfassung zu einem Markomannentage in Münster zum 26. Juni ein. Inzwischen sah er sich nach geeigneten Objekten, besonders zu Verkauf stehenden Häusern, um. Etwas Brauchbares war trotz größten Eifers nicht auf zutreiben. Teils waren die Häuser ungeeignet oder nicht preiswert (Steinfurterstraße, Krummer Timpen), teils machte die Stadt wegen der Konzession Schwierigkeiten (Fürstenbergstraße). Daraufhin wurde am 26. Juni 1910 folgender Beschluß gefaßt:

„Markomannentag erklärt sich einstimmig für den Bau eines Hauses, vorbehaltlich der Regelung der Geldfrage."

Der Ausschuß ging nun eifrigst an die Arbeit. Ein Mitglied glaubte, eine erste Hypothek von privater Seite in sichere Aussicht stellen zu können, ein Bauunternehmer bot eine letzte Hypothek an. Und auf Grund eingehender Kalkulationen an Hand der Kassenbücher hielt man, obwohl an Barvermögen kaum mehr als 3000 Mark vorhanden war, die Verzinsung einer Gesamtsumme von 60 000 Mark und vielleicht noch darüber für gewährleistet. Unser jetziges Hausgrundstück, schön gelegen zwischen der Kreuzschanze und der Kreuzkirche, 105 Quadratruten groß, erschien bald am besten geeignet; man einigte sich mit der Eigentümerin schließlich auf einen Kaufpreis von 31 500 Mark. In einer denkwürdigen Sitzung im Hause von Dr. Konrad Meyer, wo sich übrigens damals die meisten Beratungen abspielten, wurde der Kauf beschlossen. Wer sollte aber kaufen? Noch war keine juristische Person vorhanden. Die Etage war seiner Zeit auf den Namen von Dr. Konrad Meyer gemietet worden. War es nun das Gegebene, daß der Hausbauverein sich eintragen ließ und das Haus übernahm, so war es doch leider versäumt worden, rechtzeitig eine dahingehende Abstimmung herbeizuführen. Jetzt war es zu spät. Deshalb gründeten elf münstersche Philister am 15. August 1910 kurzer Hand den Markomannenhausverein e. V. und erwirkten seine gerichtliche Eintragung, ohne zu ahnen, wieviel hitzige Auseinandersetzungen es noch kosten sollte und wieviel juristischer Scharfsinn noch aufzuwenden war, bis der alte „Hausbauverein" friedlich im neuen „Hausverein e. V." aufgehen konnte. Nachdem noch zuvor die erforderliche Erlaubnis der Regierung eingeholt war, wurde alsdann am 13. September 1910 der Kauf des Grundstücks abgeschlossen. Erfüllung Zug um Zug sollte am 2. Januar 1911 erfolgen. Bis dahin dachten wir den Bau soweit gefördert zu haben, daß der entsprechende Betrag der Hypotheken gezahlt werden konnte. Am 20. September erstattete der Ausschuß in einem Rundschreiben Bericht über seine Tätigkeit.
Wegen der Ausführung des Baues hatten wir uns unter Ausnutzung verwandschaftlicher Beziehungen unserer Vereinsbrüder Hermann und Benno Biermann Anfang August an Herrn Regierungsbaumeister Moritz in Köln gewandt; dieser hatte sich zur unentgeltlichen Lieferung der Pläne bereit erklärt. Am 30. September traf der Entwurf in Münster ein und wurde mit geringen Änderungen einstimmig gutgeheißen. Der Bauunternehmer Borchard überreichte schon Mitte Oktober 1910 einen Anschlag, nach dem der fertige Bau 36 500 Mark kosten sollte, so daß wir uns bereits der ersehnten Grundsteinlegung nahe glaubten. Aber schon kamen neue große Schwierigkeiten. Zunächst erwies sich, daß es mit der ersten in Aussicht gestellten Hypothek nichts war. Hierzu kam der gänzliche Mißerfolg der Aufforderung an das Philisterium, dem neugebildeten Hausverein e. V. beizutreten. Und als auf den 29. Oktober 1910 ein weiterer Philisterkonvent berufen wurde, war die Beteiligung ganz jämmerlich und die vorliegenden schriftlichen Äußerungen voller Mißtrauen. Das Philisterium war ganz begreiflicher Weise durch das Übermaß an Rundschreiben und Versammlungen ermüdet. Man glaubte sich in Münster nun von aller Welt verlassen und, mit dem Grundstück am Halse, so kurz vor dem Zahlungstermin, dem Untergange geweiht. Auf dem sonst so glanzvollen Etagenfrühschoppen, auf dem außer Gerhard Jacobi kein Philister erschienen war, wurden die Läden geschlossen, die Lampen verhüllt und unter dem immer wiederholten Klängen des Liedes: „Wir hatten gebauet ein stattliches Haus" der eigene Untergang gefeiert. Auf dem nächstfolgenden Konvente faßte man allmählich wieder etwas Mut und beschloß, eine allgemeine Abstimmung über die Hausfrage herbeizuführen. Das darauf versandte Rundschreiben wirkte wie ein Weckruf und hatte vollen Erfolg, indem die in Menge einlaufenden Erklärungen sich sämtlich unbedingt für die Durchführung des Planes aussprachen. Alles, was damals an Vereinsbrüdern in Münster war, legte sich nun mit neuer glühender Begeisterung ins Zeug, jeder wollte sein Scherflein dazu beitragen in Barstiftungen (allen voran Fritz Kolck mit 1000 Mark) oder in Beitragserhöhungen. Zur Beruhigung des Philisteriums wurde dann noch ein weiteres Rundschreiben mit zahlenmäßiger Darlegung der Finanzierung verschickt. Nun galt es aber, unter allen Umständen die Hypotheken zu beschaffen. Es hat unendliche Mühe und zahllose Enttäuschungen gekostet, bis uns ein Agent Anfang Februar 1911 endlich eine erste Hypothek in Höhe von 37.500 Mark von der Sparkasse in Horstmar verschaffte. Für die zweite Hypothek gewann man die „Hammer Brauerei Mark", die 15 000 Mark, die Hälfte gegen Bürgschaft versprach.
Gegen Ende November 1910 bewogen wir den Kartellphilister Architekten Cazin zur Übernahme der örtlichen Bauleitung und erhielten so einen Berater, der uns vorher nur zu sehr gefehlt hatte. Jetzt kam endlich Schwung in die Sache. Was Cazin an Zeit und Mühe für die Korporation geopfert hat, wird sie ihm immer zu danken haben. Mit Recht warnte er sogleich, sich durch eine dritte Hypothek in die Hände des Bauunternehmers zu geben, und man entschloß sich daher, auch ohne dritte Hypothek zu regelrechter Ausschreibung des Baues. Man hoffte dabei, die Unkosten im wesentlichen innerhalb der Beleihungshöhe zu halten, außerdem aber auch auf Aufbringung von Mitteln durch Anteile. Inzwischen mußte natürlich der Zahlungstermin von 2. Januar hinausgeschoben werden, wobei es zum Glück größere Schwierigkeiten nicht gab. Am 15. Februar konnte das Grundstück unter Übernahme einer Belastung von 27 000 Mark und Bezahlung von 3000 Mark aufgelassen werden. Gleichzeitig wurde uns zu unserem Glücke die Etage noch bis zum 1. Oktober 1911 überlassen. Zu erwähnen ist noch, daß am 10. Dezember 1910 der gut besuchte Nikolauskonvent stattfand, dessen Beschlüsse betr. Überleitung des Hausbauvereins in den Markomannenhausverein e.V. im Februar 1911 in einem Rundschreiben veröffentlicht wurde.
Nun ging es rüstig ans Werk. Während man das Baugesuch der Stadt unterbreitete, betrieb Cazin die Ausschreibungen. Oberingenieur Pitter Schirpenbach übernahm die Anlage der Heizung. Gleichzeitig wurden noch zahlreiche Änderungen an dem Entwurf vorgenommen, insbesondere die zweckmäßigste Art der inneren Einteilung auf das Sorgfältigste erwogen. Die Stadt zeigte bedauerlich wenig Entgegenkommen; u. a. bestand sie in kleinlicher Weise auf Änderung der Flügel des Gebäudes. Seitlich mußte daher das Dach weiter heruntergezogen und da hiermit über dem Haupteingang ein Balkon und die Fenster zum Treppenhaus in Wegfall kamen, für dieses im Dach ein kostspieliger Lichtschacht angelegt werden. Das Gitter vor dem Hause sollte nach dem Plan aus Holz sein. Man verlangte aber ein eisernes Gitter. Über die ganz einfältige Streichung unserer Treppe zum Haupteingang haben wir uns schließlich einfach hinweggesetzt. Nachdem alsdann Maurer-, Zimmer-, Dachdecker- und Klempnerarbeiten dem Maurermeister Bücker übertragen waren, kam Mitte März 1911 der denkwürdige Augenblick, an dem der erste Spatenstich getan wurde. Schwierigkeiten bei der Fundamentierung und ungünstige Witterung bewirkten aber, daß erst am 30. April 1911 das langersehnte Fest der Grundsteinlegung unter großer Beteiligung begangen werden konnte. Der Grundstein wurde durch Dr. Konrad Meyer gelegt. Er enthält ein festliches Dokument, ein Jahrbuch, Biermarken u. a. m.
Nun erhob sich der hübsche Bau langsam aus der Erde. Viel war noch zu tun. Fortwährend wurden noch Änderungen beraten, so daß der Bau häufig ins Stocken kam. Endlos waren die Besprechungen mit Moritz in Köln, und mehrere Male mußte iur. Benno Biermann, der die größten Verdienste um den Hausbau hat, zu solchen Besprechungen hin- und herfahren. Einzelzeichnungen mußten eingefordert und beraten und immer neue Arbeiten vergeben werden. Daneben mußte man die allmähliche Auszahlung der Hypotheken betreiben und die Bürgschaften beschaffen.
Der heiße Sommer 1911, das Glutjahr, kam dem Bau sehr zugute. Immerhin ging er ziemlich langsam vonstatten, so sehr man auch dem Unternehmer zusetzte. Alle Markomannen, die in Münster waren, verfolgten mit regster Anteilnahme den Hausbau. Täglich besuchten sie die Baustelle und kletterten in dem Gemäuer umher. Nachdem der Bau des Hauses beendet war, ging es an die Innenausstattung. Da ist der Rat und die Hilfe der Philisterfrauen in Münster und einiger Vereinsdamen für die Korporation von höchstem Werte gewesen. Was alles an Wäsche, Vorhängen, Gardinen, Porzellan usw. angeschafft werden mußte, konnten uns nur die Damen sagen. Kneipe, Herrenzimmer, Billardzimmer, Kellerkneipe, Vorstandszimmer und die Giftbude, welche von Dr. Paul' Engelmeier ausgemalt wurde, konnten mit den vorhandenen Möbeln ausgestattet werden. Die Vereinsdamen schenkten die Dieleneinrichtung, eine Anzahl begeisterter Vereinsbrüder den runden Eichentisch in der Kellerkneipe, die Truhe und eine Reihe von Bildern, so daß die Räume bald wohnlich wurden. Die Budenausstattung im Dachgeschoß übernahm der Hausverein. Der Garten und der Tennisplatz wurden erst im nächsten Frühjahr angelegt.
Die Gesamtkosten des Hauses haben nahezu 80 000 Mark betragen. Mit 3000 Mark neben dem Etagenmobiliar als Grundlage ein solches Haus zu schaffen, dazu gehörte die keine Hindernisse kennende Begeisterung, der unzerstörbare Optimismus und die völlige Hingabe der damals in Münster befindlichen Vereinsbrüder. Ohne Krisen ist es gewiß nicht abgegangen, und unser hochverdienter Hausvereinskassierer Fritz Kolck hat es sich manches Opfer kosten lassen. Heute stellt das Haus einen unbezahlbaren Wert dar. Den heutigen aktiven Markomannen erscheint es als eine selbstverständliche Annehmlichkeit. Sie mögen aber nie vergessen, daß einmal ein anderes Geschlecht mit viel Sorgen und Mühen Stein auf Stein gefügt hat und daß die Anordnung auch des letzten Winkels im Hause Gegenstand liebevoller Überlegung gewesen ist, damit auch sie stets das Haus so wert halten, wie es die Erbauer getan haben.
Am 30. September 1911 fand eine letzte dreifache Examenskneipe von Benno Biermann, Max Schencking und Heini Vennebusch auf der Etage statt, und zwei Tage darauf war der Ort, den so viele lieb gewonnen hatten, geräumt. Das neue Haus wurde am 5. November 1911 mit der Examenskneipe von Hubert Rößmann in Gebrauch genommen. Das erste große Damenfest im Hause, das schon völlig vorbereitet war und Ende November steigen sollte, fiel aber wegen Korporationstrauer aus, weil zwei A-Philister Dr. Franz Kemper und Betriebschemiker Gottfried Kuipers Ende November starben. Die Trauer währte bis Weihnachten. Dann aber kam Anfang Januar 1912 das große Einweihungs- und Stiftungsfest unter der Leitung des Ordners iur. Gerhard A. Bahr, elf Jahre nach der Gründung der Korporation. Das Fest begann mit einem glänzenden Ball, bei dem an die 50 Paare in den Festräumen tanzten. Die kirchliche Weihe nahm in sehr würdiger Weise Herr Pastor Ulrich von der Kreuzkirche vor. Konvente, Festkneipe, Frühschoppen und Festessen im Hause bildeten die weiteren Festlichkeiten, zu denen eine Anzahl von Kartellvereinen ihre Vertreter entsandt hatte. Bei diesem Feste wurden der Verfasser des Vereinsbundesliedes Dr. Heinr. Dietrich, Oberingenieur Pitter Schirpenbach und Reg.-Baumeister Moritz wegen ihrer Verdienste um den Verein zu Ehrenphilistern ernannt.
Das Zusammenleben im Hause stärkte den Geist der Freundschaft unter den Vereinsbrüdern, die sich menschlich immer näher traten. Der enge Zusammenhalt zeigte sich auch bei den Alten Herren, welche sich in den verschiedenen Städten wieder zu Markomannenphilisterkreisen zusammenschlössen und Markomannentage veranstalteten. Das Leben im Hause vollzog sich in den verschiedenen Semestern in fast gleichen Formen. Das Sommersemester brachte meist ein Gartenfest mit Feuerwerk, das Georg Bauwens veranstaltete, und einen Tenniswettkampf, das Wintersemester musikalische Abende, zwei Bälle, das Nikolaus- und das Stiftungsfest und endlich den Karneval. Unvergessen sind die Sommerfeste mit Damen in Hohenholte, das wir in Kremsern besuchten, in Hiltrup und in Wolbeck. Der unermüdliche Arbeiter, nicht in hohen Chargen, sondern in der täglichen Kleinarbeit war der selbstlose Rolf Jaspers. Kein Weg war ihm zu lang, keine Arbeit zu viel, wenn es galt, Damenfeste vorzubereiten, Keilfüchse abzuholen, Kassierer und Schriftführergeschäfte zu besorgen, als Ferienordner und auf den Konventen mit Tat und Rat dem Verein zu dienen.
In jugendlichem Übermut und heller Freude flossen die Semester dahin. Das neue Haus, Doppel- und Bullenkopp, Katerbummel, Früh- und Dämmerschoppen, kräftige Kneipen, hie und da mal eine kräftige Schnauzerei auf dem Konvente oder im K. V. M., dazwischen Damenfeste, bei denen der unentwegte Wewe (Wilhelm Winkelmann) in der Kellerkneipe am riesigen Tisch riesige Bowlen braute, für die Altdamenwache aus gewissen Gründen nur aus Schampus, das ist der Inhalt dieser verwerflichen, aber schönen Semester.
Den vaterländischen Geist hat der Verein stets bewahrt. Er nahm in seinem fünften Semester an einer Bismarckfeier in Friedrichsruh teil, in seinem sechsten Semester stellte er in iur. Paul Meer den Leiter des Kaiserkommerses, er brachte Opfer für die Flugspende, beteiligte sich an der Feier des kaiserlichen Regierungsjubiläums und stellte einen der Vertreter der münsterschen Studentenschaft zu der Huldigung für die Kaiserin in Berlin. Dann kam das Jahr 1914 und forderte die vaterländische Tat.

Im Kriege

Schon das Vereinsleben im Juli 1914 und besonders die Semesterschlußkneipe stand unter dem erhebenden Eindruck der vaterländischen Begeisterung. Als nun der Ruf des Kaisers an uns erging, einzustehen für des Reiches Herrlichkeit, da folgten dem Rufe zunächst alle Markomannen, welche Soldaten gewesen waren und zugleich mit ihnen fast alle anderen Aktiven und Inaktiven als Kriegsfreiwillige. Mancher wurde von den Zurückbleibenden zum Bahnhofe geleitet und ihm mit kräftigem Handschlag eine glückliche Wiederkehr gewünscht. Die „Mitteilungen der Markomannia" stellten sofort die Beziehung von der Heimat ins Feld her und vermittelten die Fühlungnahme unserer Krieger untereinander. Die erste Kriegsnummer erschien schon am 1. September 1914 und brachte die bis dahin bekannt gewordenen Feldanschriften, aber auch die erste Todesnachricht von Gerhard Molkenbur, der im Finnischen Meerbusen in Ausübung seiner Pflicht als Assistenzarzt auf dem Torpedoboote V. 26 am 27. August gefallen war. Einige Tage vorher hatten in Frankreich schon zwei Vereinsbrüder ihr Leben lassen müssen. Hubert Krull fiel als Leutnant im Königin-Augusta-Garde-Grenadier-regiment Nr. 4 am 21. August bei Auvelais in Belgien und Robert Steffen als Leutnant im Inf.-Reg. 131 am 26. August in einem Gefechte zwischen Lagarde und Luneville bei Xaffevillers. Der ersten Kriegsnummer der „Mitteilungen" folgte am 1. November 1914 die zweite, die neben den ersten Nachrichten von den Erlebnissen der Markomannen im Felde die Todesnachricht von August Glunz und Wilhelm Bösensell brachte. Ersterer starb als Leutnant im Inf.-Reg. 158 am 30. September an der im Fort Brimont bei Reims erlittenen Verwundung im Lazarett in Hirson und letzterer erlag als Leutnant im Inf.-Reg. 135 am 24. September im Feldlazarett in Ivoiry seinen bei Verry vor Verdun erlittenen Verletzungen. Inzwischen war auch Rolf Jaspers gefallen, der als Kriegsfreiwilliger im Inf.-Reg. 67 stand, in seinem ersten Gefechte am 23. Oktober in den Argonnen schwer verwundet wurde und am 24. Oktober im Feldlazarett zu Apremont verschied. Der letzte Tote dieses ersten Kriegsjahres war Klemens Schnier. Er stand als Kriegsfreiwilliger im Inf.-Reg. 13 und fand bei Wloclawek in Polen als erster seiner Kompagnie den Tod.
Die Feldpostbriefe und Feldpostkarten, welche dem Verein aus dem Felde zugingen und in den „Mitteilungen" abgedruckt wurden, zeugten von der hohen Begeisterung und dem Mute, der unsere Bundesbrüder im Felde beseelte. Engste Freundschaft verband alle im Felde stehenden Markomannen, und von jedem zufälligen Treffen und Zusammensein wurde nach Münster berichtet. Immer wieder zeigt sich in den Briefen die Hoffnung auf sicheren Sieg und baldige Heimkehr, und mancher freute sich schon in den Mühseligkeiten des Krieges auf ein großes Siegesfest im Markomannenhause. Stolz waren alle, wenn sie in den Mitteilungen Nachricht erhielten von persönlichen Taten und Erfolgen, von Auszeichnungen und Beförderungen, von abenteuerlichen Fahrten zu Wasser und zu Lande. Mit der Dauer des Krieges nahm auch seine Furchtbarkeit zu, und jetzt erzählten die Feldpostbriefe von dem Entsetzen der Schlachten, von der Not der betroffenen Bevölkerung und dem Grauen vor dem sicheren Tode, aber auch von dem Trotz, wenn einer bei der Parade vor dem Kaiser, die dem gewaltigen Angriffe auf Verdun voranging, mit dem Gedanken vorbeimarschierte: Morituri te salutant.
Die Briefe redeten weiter von den unendlichen geistigen und körperlichen Beschwerden des Stellungskrieges in Erdlöchern und Schützengräben, meldeten von verwundeten und gefallenen Bundesbrüdern und trauerten, wenn wieder eine Nummer der Mitteilungen die neue Liste der auf dem Felde der Ehre Gefallenen gebracht hatte. Und viele von uns sind unter den grünen Grabhügeln da draußen schlafen gegangen. Am 2. März 1915 fiel Viktor Mölders als Leutnant im Königs-Inf.-Regt. 145 bei Vauquois nordwestlich von Verdun, am 12. März Georg Kuipers als Oberleutnant und Kompagnieführer im Inf.-Regt. 15 an der Spitze seiner Kompagnie bei Neuve-Chapelle im Kampfe gegen die Engländer und am 8. Juni bei einem Sturmangriff Erich Göbel, Kriegsfreiwilliger im Inf.-Regt. 49 bei Wola-Lacka, zwischen Przmysl und Lemberg. Als letzten Gefallenen in diesem Jahre 1915 betrauern wir Berni Bauwens. Er starb als Oberjäger bei den Bückeburger Jägern am 1. November 1915 bei Siemikowce in Galizien den Heldentod.
Auch das Jahr 1916 brachte uns unersetzliche Verluste. Am 12. Juni fiel der letzte Senior vor dem Kriege, Karl Gildemeister, als Unteroffizier eines Kraftwagengeschützes in den Vogesen, seit dem 11. Juni zählte Julius Tönnes, Vizefeldwebel im Grenadierregiment 12, der in der Souville-Schlucht bei Verdun eingesetzt worden war, zu den für immer Vermißten, und am 31. Juli fand Franz Hauer, Leutnant im Landwehr-Inf.-Regt. 33, den Heldentod im Osten bei der Wiedereroberung einer von den Österreichern aufgegebenen Stellung. Ihm folgte im Tode am 3. September 1916 Werner Hömberg, Leutnant im Inf.-Regt. 164, bei Vailly an der Aisne und am 12. September Karl Hempelmann, welcher Gefreiter im Kaiserin Augusta-Garde-Grenadierregiment war, als Führer eines Handgranatentrupps in der furchtbaren Sommeschlacht. Als Oberleutnant und Kompagnieführer im bayerischen Res.-Inf.-Regt. 8 fiel am 18. September 1916 der erste Geschäftsführer der Markomannia, Hubert Schulte, auf dem Tartaka bei Kirlibaba in den Karpathen und am 14. Oktober 1916 erlag Hermann Biermann, Leutnant und Kompagnieführer im Res.-Inf.-Regt. 6, der in einer Somme-Schlacht tags vorher erlittenen schweren Verwundung.
Im Anfange des Jahres 1917, am 8. Januar, starb Anton Klauke, Leutnant im 13. bayer. Res.-Inf.-Regt., nach langem Siechtum infolge eines im Walde von Avocourt erhaltenen Rückgratschusses, am 6. Mai 1917 fiel Bernhard Schulte, Unteroffizier im Grenadier-Regt. 16, am Chemin des dames, am 2. August wurde Hubert Janssen, Unteroffizier im Feld-Art.-Regt. 94, bei Langemark schwer verwundet und erlag zwei Tage später seinen Verletzungen, am 4. Oktober erlitt Franz Sommer, Gefreiter im Inf.-Regt. 158, im Kampfe um die Trichterstellungen bei Paschendaele den Heldentod. Am 17. Dezember starb Josef Andereya, Kriegsfreiwilliger im Feld-Art.-Regt. 33, nach langem Siechtum infolge eines schweren Unfalles im Felde.
Im Jahre 1918 raubte uns der Tod am 22. März Hubert Rößmann, Vizefeldwebel im Inf.-Regt. 13, in der großen Offensive bei Villers-Faucon, am 26. April am Kemmel in Flandern den Oberarzt im Inf.-Regt. 118 Heinrich Schlüter. Am 9. August 1918 fiel im Luftkampf Job Schräder, Leutnant bei einer Feldfliegerabteilung, in der Gegend von Montdidier. Vorher, am 24. Juli, war Willi Wolf, Leutnant im 4. Garde-Feld-Art.-Regt., beim Marnerückzug bei Villeneuwe gefallen. Der letzte unserer Toten des Weltkrieges ist Max Paul Killing, Leutnant im Feld-Art.-Regt. 500, der am 22. Oktober 1918 im Feldlazarett in Metz dahingerafft wurde. Trotz Hunger und Entbehrungen, trotz Not und Mühen, haben aber die Markomannen im Felde den Kopf hochgehalten. Das besagen die Briefe, welche zeugen von dem Pflichtgefühl des einzelnen, von dem unbedingten Ausharren, von der zuversichtlichen Stimmung für den siegreichen Ausgang des Krieges, von der Verurteilung jeder Verzagtheit in der Heimat. In ganz Europa haben Markomannen im Feuer gestanden, in Belgien und in Frankreich, in Polen und in Rußland, in Ungarn, Rumänien, Serbien, Bulgarien, Mazedonien und an der griechischen Grenze mit dem Ausblick auf Saloniki und den alten Olymp. Sie haben gekämpft in Kroatien, in den Alpen, in Italien, in Nord- und Ostsee, aber auch in der Türkei, in Palästina und in der Wüste Sinai, wo Kamelritte sie an den Feind brachten.
Auch der unbesiegbare Humor unserer Bundesbrüder zeigt sich in sehr vielen Briefen. Lustige Geschichten werden berichtet, wie ein Markomanne als moderner Diogenes sein Regiment in Rußland mit brennender Laterne in der Dunkelheit sucht, wie zwei im Felde zusammengeführt werden durch den Markomannenpfiff, wie zwei sich zufällig in — Nazareth treffen, wie vier durstige Kehlen in einer Nacht bei Vauquois das Markomannenlied zu den Franzosen hinüberschallen lassen, wie Markomannen auf Grund der Feldanschriften in den Mitteilungen sich zusammenfinden und anderes mehr.
Bundesbrüder auf Urlaub sprachen öfters in Münster vor und freuten sich, daß sie vor ihrer Fahrt zur Front zurück noch einige Stunden im Markomannenhause sein konnten. Aber auch die Heimgebliebenen gedachten in Treue der Freunde im Felde. Häufig wurden Liebesgaben hinausgeschickt, besonders von den Philisterfrauen und Vereinsdamen. Wie dankbar sie aufgenommen wurden, zeigen folgende Verse aus Groenlinde bei Ypern:

An die Damen einer verehrlichen Markomannia.
Wenn man so tagsaus tagein
Im Gelände ganz allein
Steht mit den Ballonkanonen
Und als echter deutscher Krieger
Schießt auf engelische Flieger,
Ei, da munden Speck und Bohnen.
Wenn dann noch mit Liebesspenden,
Gestiftet gar von zarten Händen,
Mit der eignen Schnelligkeit
Die Feldpost kommt herbeigeschneit,
Dann ist das Maß des Glückes voll.
Man weiß nicht, wie man danken soll.
Auf soviel Lieb im Überfluß
Gebührt, mein ich, nach Friedensschluß
Euch allen ein Soldatenk ....
und Gruß!
O.B.

Die Markomannen haben ihre schweren Pflichten im Felde so erfüllt, daß fast alle mit dem Eisernen Kreuze 2. Klasse, viele mit dem Eisernen Kreuze 1. Klasse und einige sogar mit dem Hohenzollernschen Hausorden ausgezeichnet worden sind. Groß ist die Zahl der nichtpreußischen Auszeichnungen, welche unsere Bundesbrüder heimgebracht haben, auch türkische sind darunter.
Der aktive Verein konnte mit wenigen Vereinsbrüdern einen gewissen Korporationsbetrieb aufrecht erhalten. Es handelte sich bei diesen Aktiven um Kriegsbeschädigte und Untaugliche. Die Geschäfte wurden in den meisten Semestern durch Geschäftsführer (G. F.) erledigt.
Das Haus konnte glücklicherweise gehalten werden. Die Zinsen der ersten Hypothek wurden von den Jahresbeiträgen, welche aus dem Felde einkamen, bezahlt, während die Zinsen für die zweite Hypothek von der späteren Inhaberin, der Mutter unseres Bundesbruders Dr. med. Karl Schilgen, gestundet und am Kriegsende in dankenswertester Weise ganz erlassen wurden. Im Laufe des Krieges fanden in Münster einige Markomannentage statt, an denen auch Bundesbrüder aus dem Felde, welche gerade auf Urlaub waren, teilnahmen. Es wurden stets die notwendigen Maßnahmen beraten zur Aufrechterhaltung des Vereins und des Hauses. Es ist uns gelungen, uns zu halten, wenngleich einige Bundesbrüder manchmal verzweifeln wollten.
Die Namen der Gefallenen, ihre Lichtbilder und kurzen Lebensabrisse werden in einem sehr würdigen Album aufbewahrt, welches das Sommersemester 1920 den Toten gewidmet hat. Eine Ehrentafel auf der Kneipe hält die Erinnerung an die Namen unserer Helden in uns wach.

Nach dem Kriege

Die Ereignisse des Novembers 1918 wirkten auch auf das Haus zurück. Die zurückflutenden Truppen mußten Unterkunft in Münster erhalten, besonders die Schulen wurden mit Soldaten belegt. Wir stellten das Haus für Schulzwecke der Stadt zur Verfügung und erhielten eine Anzahl Klassen des kath. Lyzeums in unsere Räume gelegt. Die besten Möbel stellten wir auf eine Bude im Dachgeschoß, und hier fanden die ersten Zusammenkünfte im neuen Wintersemester 1918/19 statt. Mit dem wiederkehrenden Heere kamen viele Vereinsbrüder nach Münster zurück. Die Universität erhielt ungeheuren Zuwachs, und immer mehr Studenten klopften an unsere Pforte und baten um Aufnahme in den Verein. Um einen geregelten Betrieb wieder aufnehmen zu können, veranlaßten wir das Lyzeum zur Freigabe unserer Räume, und nun stieg die Zahl der Aktiven und Inaktiven schnell auf die ungeheure Zahl 63. Das Einleben der vielen neuen Vereinsbrüder in die alte Tradition und den alten Geist des Vereins vollzog sich unter Beihülfe der alten Markomannen völlig reibungslos, so daß der Verein das geblieben ist, was er immer war. Eine dringende Sehnsucht lebte besonders in den alten Markomannen, nach vier- bis fünfjähriger Trennung ein Wiedersehen zu feiern. Der aktive Verein in Verbindung mit dem Philisterverein und dem Hausverein lud deshalb zu einem Markomannentage am 4., 5. und 6. April 1919 ein. Diese Tage verliefen in würdiger und glänzender Form unter der Leitung des Ordners phil. Ludwig Spangenberger. A. H. Assessor Franz van de Kamp, selbst schwer kriegsbeschädigt, hielt die erste tiefergreifende Trauerrede auf unsere Gefallenen, deren im Trauergottesdienste auch Dr. August Dirking in packender Weise gedacht hatte. Auf dem Philisterkonvent traten die Alten Herren den Ansichten der Aktivitas bei, daß das Korporationswesen trotz aller Herabsetzung zeitgemäß sei, daß das Vereinsleben sich den Forderungen der Gegenwart anpassen müsse durch Einführung des Studenten in die Politik, wobei aber jede Festlegung des Vereins auf eine Parteipolitik abzuweisen sei. Diese Ansichten ließ der Verein auf der im Sommersemester 1919 in Münster stattfindenden V. V. durch den Ordner vertreten, worauf ein unerhörter Angriff eines Kartellphilisters auf die Korporation erfolgte. In einer Erklärung in den A. M. wiesen Philister und Aktive die Anwürfe zurück. Die Beschlüsse der V. V., daß drei Vereinsbrüder das Recht erhalten, Füchse für ihren Verein aufzunehmen, wurden von Philisterium und Aktivitas abgelehnt, weil sich das bisherige Verfahren für die Aufnahme von Füchsen durchaus bewährt hat.
Als im Juni 1919 die Bedingungen des Schandfriedens von Versailles angenommen werden sollten, bäumte sich alles in Deutschland dagegen auf. Die Franzosen drohten Westdeutschland weiter zu besetzen, und auch Münster sah solchem Unheil entgegen. Die Aktivitas beschloß daraufhin am 2. Juni 1919, die Korporation nach Rostock zu verlegen, wenn die Feinde einrücken sollten. Die Annahme der Friedensbedingungen ließ es nicht dazu kommen. Der tiefen Trauer um das Unglück des Vaterlandes durch diesen Frieden gab die Aktivitas durch völliges Einziehen des farbigen Wimpels vor dem Hause für eine Woche sichtbaren Ausdruck. An die Aktivitas traten jetzt Pflichten heran, wie sie nie uns gestellt worden waren. Neben ihrem eifrigen Schaffen für das durch den Krieg hinausgeschobene Examen hatten die Vereinsbrüder einzustehen für die öffentliche Ordnung in Münster und im Innern Deutschlands mit den Waffen in der Hand. So schützten sie in der Akademischen Volkswehr die Wahlen zur Nationalversammlung, und so zogen sie im März 1920 in einer geschlossenen Gruppe zu Felde gegen die Spartakisten, welche im Anmarsch auf Münster waren. Der Schlußkonvent dieses Wintersemesters fand, da fast die ganze Aktivitas seit dem 17. März unter Waffen stand, am 25. März 1920 im Soldatenheim des Lagers Rennbahn statt. Markomannia war besonders stark in der Akademischen Wehr unter Führung von Wilhelm Huntgeburth vertreten und hat eine lobende Anerkennung S. Exz. des Generals Frhr. v. Watter gefunden für die tadellose Haltung und hervorragende Verwendbarkeit. Der Zug der Akademischen Wehr ging zuerst nach Haus Romberg bei Ascheberg, weiter nach Nord- und Südkirchen, dann nach Selm, Bork und Lünen, endlich nach Brechten, Mengede, Wiemelhausen bei Bochum und nach Dortmund. Oberall trat nach dem Zugreifen der Truppen Ruhe und Ordnung wieder ein. Noch gärte es aber unter der Oberfläche auch in Münster, und im Juni und Juli mußten wir unser Haus durch eine Nachtwache der Aktiven gegen Kommunisten, die ein Standquartier in einer Kneipe an der Langenstraße hatten und durch unseren Garten eindringen konnten, schützen.
Das Haus zeigte in diesen Nachkriegssemestern, wie sehr es dem Zusammenschlüsse der Vereinsbrüder diente. An den langen Winterabenden saßen manche am Herdfeuer in der Kellerkneipe, wo in „fruchtbaren" Stunden bei Wein und Lautenklang Freundschaften fürs Leben entstanden. Aber die Kriegsteilnehmer vergaßen nicht, ihren Körper zu stählen durch eifrigen Sport, durch Laufen, Schwimmen, Rudern und Turnen. Dem Stadtverband für Leibesübungen trat die Korporation im Januar 1920 bei. Von damals her ist der Sport im Verein stets auf der Höhe geblieben, und eifriger Sportbetrieb und Teilnahme an Wettkämpfen waren den Aktiven verbindlich gemacht.
Der Drang der Kriegsteilnehmer, sich selbst an der Universität mehr als früher zur Geltung zu bringen, ließ gleich nach dem Kriege den Allgemeinen Studenten-Ausschuß (AStA) entstehen, und die Sorge um das Heil des deutschen Volkes schloß die münsterschen Korporationen zunächst in einem „Ring deutscher Korporationen" und später im „Hochschulring deutscher Art" (H. D. A.) zusammen. Die Aktivitas vertrat stets den Standpunkt, dem deutschen Volke müsse von den Akademikern das Vorbild der Einheit gegeben werden und setzte sich deshalb gerade stark für den H. D. A. in Münster ein, der am 24. Februar 1921 im Markomannenhause gegründet wurde. Aus diesem Gedankengange heraus wurden Bestrebungen zu konfessionellen und internationalen Zusammenschlüssen als zur Zeit untunlich empfunden. Die Sorge um das Wohl und Wehe des deutschen Vaterlandes und der Glaube an den Wert eines dauernden Bekenntnisses ließ die Aktivitas auf der V. V. in München dafür eintreten, als neues, viertes Prinzip des Kartellverbandes das Prinzip „Vaterland" einzuführen, das schon im Wintersemester 1911/12 die Aktiven auf dem Konvente beschlossen hatten, ohne es aber durchsetzen zu können. Wiederum zeigte der Verein in diesen Semestern, daß er nicht mit Worten allein zur Heimat stand, sondern auch durch Taten. Als der Selbstschutz in Oberschlesien Leute anforderte zur Verteidigung gegen die Polen, da folgten wieder drei Markomannen diesem Rufe und setzten ihr Leben an das Werk der Befreiung. Auch der technischen Nothilfe stand der Verein zur Verfügung.
Am Verbandsleben nahmen wir regen Anteil durch Vorlage eines Organisationsentwurfs für die Verbandsphilister. Der münstersche Markomannenphilisterkreis beteiligte sich unter dem Vorsitze von Dr. Wilh. Drolshagen eifrig an den Beratungen. Wir stellten den Bestrebungen, die Philisterzirkel zu Trägern der Organisation der Kartellphilister zu machen, die selbständigen Philistervereine gegenüber. Nach anfänglichen Mißerfolgen haben wir ein teilweises Eingehen auf unsere Vorschläge auf der V. V. in Königsberg wieder erreicht.
Geistige Anregung war in diesen Semestern reichlich vorhanden. Philister und Aktive wetteiferten in Vorträgen über ihre Interessen- und Berufsgebiete. So sprachen: Dr. ten Hompel über die politische Lage, Kesseler über Flugtechnik, Dr. Schründer über die sexuelle Frage, Dr. Schmittdiel über Sport, Dr. Engelmeier über Handwerkerbewegung, Wernery über Beethoven, Simons über Hebbel, Waltrup über Sozialismus, Rosdücher über Wagner, Dr. Gerh. Jacobi über Münchhausen, über Bismarck, Dr. Job Jacobi über Ethik und Sexualität. Die Musik fand wieder ihre Pflege und gipfelte in einer Beethovenfeier, die Hans Wernery den Markomannen und den Vereinsdamen veranstaltete.
Freude und Frohsinn blieb allen erhalten wie in früheren Semestern, sei es in der Heitmannsbar, wie die Faxenküche, in der die feuchtfröhlichen Sitzungen bei der Koksknappheit stattfanden, genannt wurde, sei es auf Kneipen, die jetzt wieder mit Friedensbier begangen werden konnten. Es geschah dabei mehrfach, daß die Polizei wegen nachbarlicher Beschwerden mit rauher Faust eingriff und die Polizeistunde für das Haus um 9 Uhr abends festsetzte. Da veranstalteten die ganz Unverbesserlichen eine Morgenkneipe um 8 1/2 Uhr morgens. Der Zusammenhang zwischen Professoren- und Studentenschaft in Münster zeigte sich darin, daß der Rektor Magnifikus alle Korporationen auf einer Kneipe besuchte. Dieser Brauch ist beibehalten worden. Prof. Dr. Rosemann war der erste Rektor, der uns auf einer Schlußkneipe im Hause mit seiner Gegenwart beehrte. Von großem Glänze war auch unser 20. Stiftungsfest im Anfang August 1921. Über 70 Philister und über 30 auswärtige Inaktive waren erschienen, um alte Freundschaften zu erneuern und neue zu schließen. Dr. August Dirking hielt eine sehr zeitgemäße Predigt in der Servatiikirche und Erster Alter Herr Uppenkamp eine ebenso zeitgemäße Festrede auf der Kneipe. Beide Ansprachen wurden wegen ihrer Bedeutung ganz in den Mitteilungen abgedruckt.
Die Sonntagnachmittage, an denen ein Kaffee mit Damen auf dem Hause stattfand, genossen ungemeine Beliebtheit. Spiel und Tanz, Musik und angeregte Unterhaltung ließen die Stunden im Fluge vorüberrauschen. Auch diesen Veranstaltungen mit Damen war es, wie so oft auch in den früheren und frühesten Semestern, beschieden, daß mehrfach zwei junge Menschen sich fürs Leben fanden. Davon zeugen die „Persönlichen Nachrichten" in den „Mitteilungen".
Aus diesem geistig so angeregten und so frohen Leben riß uns der unerbittliche Tod einen unserer Besten, Reiner Rensing. Nach kurzem Krankenlager schied er von uns, und an einem herrlichen Frühlingsmorgen haben wir ihn unter Teilnahme aller münsterschen Korporationen auf dem Mauritzfriedhof zur letzten Ruhe bestattet.
Einen treuen, stets bereiten Helfer hatte der Verein in diesen Semestern in Wilhelm Huntgeburth gefunden, der überall einsprang, wo Arbeit zu leisten war, sei es als Schriftführer und Kassierer, sei es als Schatzmeister des Hausvereins oder Mitglied des Wirtschaftsausschusses. Er sorgte in erster Linie für die Anschaffung des Gedenkalbums und den Neuanstrich des Hauses. Noch mancher könnte gedacht werden, die ihre Arbeitskraft dem Wohle des Vereins widmeten. Die Ordner hatten als Kriegsteilnehmer vielfach eine gereifte Lebensanschauung, und ihre Reden und Ansprachen erhielten dadurch ihren besonderen Wert, weil sie nicht in ausgefahrenen Geleisen blieben, sondern eigene neue Gedanken vortrugen. Auch die Fuchsmajore suchten der neuen Zeit Eingang in der Fuchsenerziehung zu verschaffen, und nach kleinen Anfängen wurde eine immer sicherere Linie gefunden. — Am inneren Vereinsleben auf den Konventen nahmen die münsterischen Philister, an ihrer Spitze der Vorsitzende des Philistervereins Dr. Drolshagen und der Vorsitzende des Hausvereins, Landesrat Salzmann, regen Anteil, so daß die Philister sich nicht nur als Dekorationsstücke auf den Kneipen zeigten, sondern dem aktiven Verein in allen wichtigen Fragen mit Rat und Tat zur Seite standen.

Markomannia 1922—1932

Von Paul Voßkühler

Schwere Zeit 1922/23

Sahen die drei ersten Nachkriegsjahre in den Reihen der Korporation fast ausschließlich ehemalige Soldaten, die ihre durch den Krieg unterbrochenen oder hinausgeschobenen Studien aufnahmen, so setzte im Jahre 1922 allmählich ein Wandel ein. Die Kriegsteilnehmer schlossen ihre Studien ab, an ihre Stelle traten junge Studenten, die Krieg und Revolution noch in den Pennälerjahren miterlebt hatten. Die jetzt folgenden Semester waren ähnlich bewegte, wie die Kriegs- und Revolutionszeit sie gebracht hatte. Die Geldentwertung mit ihren schwerwiegenden Folgen, das Werkstudententum mit seinen manchmal harten Anforderungen, die militärische Besetzung des Ruhrgebietes durch die Alliierten, die Münster aus nächster Nähe miterlebte, das alles waren Ereignisse, die von außen her die Entwicklung der Korporation nachhaltig beeinflußten. Hinzu kam im Innern die notwendige Einstellung auf die Gedanken der neuen Zeit: Hochschulpolitische Fragen sowie Forderungen des Sportes und der Jugendbewegung traten an den Verein heran und drängten auf eine Auseinandersetzung mit den alten überlieferten Korporationsformen. Mitten durch diese unruhevolle Zeit geht der weitere Weg der Markomannia.

Das 21. Stiftungsfest

Das Sommersemester 1922 vereinigte einige Kriegsteilnehmer mit einer großen Zahl junger neu aufgenommener Markomannen zu einer fröhlichen Aktivitas. Den Höhepunkt des Semesters bildete das 21. Stiftungsfest, das zu Anfang August gefeiert wurde. Vorher war in den „Mitteilungen" herzlich eingeladen worden, „der jungerblühten Markomannia zu ihrem Volljährigkeitstage" durch zahlreichen Besuch alle Ehre anzutun. So fanden sich denn weit über 100 Markomannen aus allen Teilen des Reiches ein, um diesen Gedenktag zu feiern. Die stark besuchte Festkneipe zeigte der Korporation zum ersten Male die Chargierten in Frack und Schärpe mit den neuen Cerevisen, in den seit jenem Semester chargiert wurde.
Die anschließenden Ferienmonate wurden wegen des fortschreitenden Währungsverfalls von den meisten Vereinsbrüdern zur praktischen Arbeit im Bergbau, in der Industrie oder in der Landwirtschaft genutzt. Dabei war es wichtig, das „viele" selbstverdiente Geld — ein Zeichen jener Zeit — sofort in Sachwerte umzusetzen.
Das anschließende Wintersemester 1922/23 mußte wegen der schwierigen wirtschaftlichen Verhältnisse in einem ganz bescheidenen Rahmen verlaufen. Größere Feste konnten nicht stattfinden. Mehr als je zuvor wurde das Haus Mittelpunkt und Zufluchtsort der Korporation.
Bier-, Spiel- und Vortragsabende führten hier die Aktiven zusammen und ließen sie den düsteren Zeiten zum Trotz manche frohe Stunde verleben. Reiche geistige Anregung brachten in jenem Winter die Faustabende, die durch den Vortrag von Dr. Gerhard Jacobi das ganze Werk unter den Aktiven lebendig werden ließen.

Die Ruhrbesetzung

Weil Deutschland mit den hohen Reparationszahlungen an die Alliierten etwas in Rückstand gekommen war, rückten Anfang Januar 1923 französische und belgische Truppen in das Ruhrgebiet ein und besetzten damit einen großen Teil von Westfalen. Nach wenigen Tagen standen die Franzosen an der Lippe, und man rechnete allgemein mit einem weiteren Vordringen bis nach Münster. Als daraufhin die Reichswehr plötzlich 1200 Nothelfer aufrief, die die militärischen Lager in Münster ausräumen sollten, stellte sich die ganze Aktivitas zur Verfügung. So vergingen mehrere Tage in fieberhafter Tätigkeit, an denen die Vereinsbrüder zusammen mit anderen Kommilitonen die Lagerbestände des Artilleriedepots und des Proviantamtes der Reichswehr in Eisenbahnwagen verluden und diese dann zu Zügen zusammenstellten, die sogleich weiter in das Landesinnere rollten. Andere Vereinsbrüder ließen sich bei der Kraftfahrerabteilung der Reichswehr einstellen, um dort Hilfe zu leisten. Mitten in diese Tage fiel die Wiederkehr des Reichsgründungstages, der 18. Januar 1923. An diesem Tage versammelten sich die akademischen Korporationen mit den vaterländischen Verbänden zu einer Reichsgründungskneipe im großen Saale des Schützenhofes, die unter großer Beteiligung einen eindrucksvollen Verlauf nahm.

KStV Carolingia Aachen ausgewiesen

Täglich fluteten Scharen von Ausgewiesenen aus den besetzten Gebieten nach Münster, die hier Schutz und Hilfe suchten. Eines Tages traf die Kartellkorporation Carolingia Aachen in Münster ein. Die Kartellbrüder waren wegen passiven Widerstandes von den Belgiern festgenommen und nach kurzer Haft ausgewiesen worden. Die Reichsregierung vermittelte den Ausgewiesenen sogleich Studienplätze an anderen Technischen Hochschulen. Auf der Durchreise machten die Carolinger in Münster halt, wo der K.V.M. die münsterischen Korporationen zu einer Begrüßungskneipe für die ausgewiesenen Kartellbrüder ins Cimbernhaus an der Krummen Straße rief.
In jenen Monaten traf mehrfach bei der Korporation die Nachricht ein, daß Markomannenphilister im besetzten Gebiete wegen passiven Widerstandes von der Militärregierung festgenommen und zu Gefängnisstrafen verurteilt worden waren. Der Verein brachte ihnen in Briefen sein Mitgefühl zum Ausdruck; von jeder Kneipe gingen damals Karten und Briefe zu den gefangenen Brüdern. Bei verschiedenen Gelegenheiten griffen auch Mitglieder der Aktivitas selbst in den Ruhrkampf ein und wirkten unter Einsatz ihres Lebens für die deutsche Sache.

Tennisplatz in Selbstarbeit erneuert

Die politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse wurden immer ungünstiger. Alle Ausgaben mußten bis aufs äußerste eingeschränkt werden. So kam es, daß auch die Mittel fehlten, als im Sommersemester 1923 der Tennisplatz hinter unserem Hause durch Aufschütten einer neuen Decke wieder bespielbar gemacht werden sollte. Da nahmen die Aktiven die Sache selbst in die Hand. Ein Teil von ihnen fuhr mit Pferd und Wagen vor die Stadt, um aus einer Fabrik Asche zu holen und von den Landstraßen der Umgebung Münsters Schlick aufzuladen. Wenn sie dann mit ihrer Fracht am Markomannenhause ankamen, wurden sie schon von den übrigen Vereinsbrüdern erwartet, die mit Schiebkarren und Eimern bereitstanden, um die Wagen abzuladen und die Aschen- und Schlickmassen durch den Keller in den Garten und auf den Tennisplatz zu schaffen. Zwar gelang es mangels einer fachmännischen Leitung trotz allen Fleißes nur, den Tennisplatz für diesen einen Sommer notdürftig spielfertig zu machen. Dennoch werden allen, die daran beteiligt waren, diese Wochen in froher Erinnerung bleiben, zumal im übrigen die politischen Ereignisse des Sommers 1923 manchen düsteren Schatten warfen.
Damals machte auch die Instandhaltung des Hauses große Schwierigkeiten. Der Hausverein hatte in der Geldentwertungszeit eine kräftige Stütze an den Markomannen im Auslande, die ihre Beiträge und freiwilligen Stiftungen in hochwertiger ausländischer Währung zahlten. Einen besonders opferfreudigen Helfer hatte der Hausverein damals an Georg Bauwens, der häufig größere Dollarbeträge aus den USA sandte. Er schickte uns auch ein Markomannenwappen aus Leder, das er von Indianerinnen sticken ließ. Noch heute ist es auf unserem Hause zu sehen.

Bau eines Bootshauses

In diese Zeit fiel noch ein wichtiges Ereignis, der Bau des Markomannen-Bootshauses. Um die Möglichkeit hierfür in der an Überraschungen reichen Geldentwertungszeit zu prüfen, hatten sich schon im Frühjahr 1923 vier Vereinsbrüder, Fritz Holtermann, Bernhard Naendrup, Paul Simons und Bernhard Waltrup, zu einem Ausschuß zusammengefunden. Am 11, Juni 1923 legten sie ihren Plan dem Konvente vor. Durch Vermittlung von münsterischen Alten Herren war es gelungen, bei der Stadtsparkasse für die Korporation ein Darlehen von 10 Millionen Mark aufzunehmen, womit die Durchführung des Unternehmens gesichert erschien. Der Konvent beschloß daher an jenem Tage endgültig den Bau eines Bootshauses und übertrug die weitere Leitung dem genannten Ausschuß. Dieser wählte ein Grundstück in Handorf am rechten Ufer der Werse in der Nähe des Kaffeehauses Vennemann.
Auf Betreiben des Bootshausausschusses wuchs der Bau schnell empor, so daß er bereits gegen Ende des Semesters fertiggestellt und seiner Bestimmung übergeben werden konnte. Bald gelang auch die Anschaffung mehrerer Paddelboote, von denen eins dem Verein und die übrigen einzelnen Vereinsbrüdern persönlich gehörten. So wurde das Bootshaus fortan in den Sommersemestern zum Mittelpunkt für den Wassersport in der Korporation. Wegen seiner ruhigen, schattigen Lage war es stets ein beliebtes Ziel für Ausflüge.
Der Wert des aufgenommenen Baudarlehens für das Bootshaus war inzwischen durch die Geldentwertung völlig dahingeschwunden, so daß die Frage der Rückzahlung des Darlehns in überraschend einfacher Weise gelöst war. Nach Einführung der Rentenmark im November 1923, die die Inflation beendete, berichtete Bernhard Naendrup dem Konvente, daß er mit anderen Ausschußmitgliedern die Stadtsparkasse aufgesucht habe, um mit einem Rentenpfennig das Darlehen von 10 Millionen Mark zurückzuzahlen. Die Sparkasse lehnte diese Rückzahlung jedoch dankend ab.
Das Wintersemester 1923/24 forderte wegen der schwierigen wirtschaftlichen Lage manche Einschränkung im Korporationsbetrieb. Jetzt konnten die Mittel für die Heizung des Hauses nicht mehr aufgebracht werden. Die Aktivitas mußte sich auf die Kellerkneipe beschränken, die mit einem Gasofen notdürftig geheizt wurde. Hier fanden in diesem Semester die Konvente und geselligen Veranstaltungen der Korporation statt. Hier versammelte auch A.H. Dr. Dirking die Aktiven zu einem Vortragskreise um sich, als er im Anschluß an die „Bekenntnisse" ein religiös-kulturgeschichtliches Bild von Augustinus und seiner Zeit gab.

Hochschulpolitik und Sport

Die Korporation nahm auch in diesen Semestern an der Hochschulpolitik regen Anteil. Sie hatte fast immer Sitze in AStA, und mehrfach wurden Markomannen in den Vorstand der Studentenschaft gewählt. Eine besonders rege Tätigkeit entfalteten hier Karl Theodor Drießen und Herry Terrahe.
Der Sport in der Korporation wurde im Sommersemester 1923 kräftig durch den A.H. Dr. med. Schmittdiehl gefördert. In Wort und Tat gab er den Aktiven auf den verschiedensten Gebieten des Sports ein vortreffliches Beispiel. Die Mitglieder seiner Sportgemeinde, die er um sich scharte, waren bald bei den Hochschulkämpfen erfolgreich vertreten. Im Sommersemester 1924 wurden zwei Aktive zu den Olympiaspielen nach Marburg und zum Lehrgang für Leibesübungen nach Berlin geschickt. Die Teilnahme an den akademischen Wettkämpfen der münsterischen Universität wurde fortan zur Regel, wobei in den nachfolgenden Semestern die Korporation wie auch einzelne Vereinsbrüder manchen schönen Preis erhielten.

Jugendbewegung und Wandern

Die Korporation hatte sich schon in den Jahren 1922/23, angeregt durch Vorträge der Alten Herren Dr. Gerhard Jacobi und Dr. August Dirking, mit den Zielen der Jugendbewegung befaßt. Gemeinsame Aussprachen hatten im Anschluß daran die Aktivitas mit der münsterischen Altherrenschaft vereinigt, um die Frage zu prüfen, inwieweit eine Umgestaltung der Korporation nach den Grundsätzen der Jugendbewegung unbeschadet der überlieferten Korporationsformen möglich sei. Nach und nach begannen die Gedanken der Jugendbewegung sich im Vereinsleben auszuwirken. Man schränkte die Zahl der offiziellen Kneipen ein und bemühte sich, diese um so sorgfältiger zu wirklichen Festkneipen auszugestalten. Bei der Auswahl der Kneipgesänge wurden im Gegensatz zu einigen inhaltslosen Liedern vaterländische Gesänge, Natur-, Heimat- und Wanderlieder bevorzugt; einer besonderen Beliebtheit erfreuten sich dabei die alten Landsknechtslieder. Die allgemeinen Gesänge wechselten mit musikalischen Vorträgen einzelner Bundesbrüder, vor allem mit Liedern zur Laute, wobei sich Franz Jansen besonders hervortat.
Im Zuge der Jugendbewegung griff auch der Wandergedanke auf die Korporation über. A.H. Landesrat Salzmann unternahm als erster mit mehreren Burschen und Füchsen eine Fahrt an die Weser. Das Sommersemester 1925 sah den gesamten Fuchsenstall unter Führung seines Fuchsmajors Paul Voßkühler öfter auf mehrtägigen Wanderungen im Teutoburger Walde oder im Münsterlande, bei denen unterwegs abgekocht und in Jugendherbergen oder bei warmem Wetter unter freiem Himmel übernachtet wurde.

Wiegenfestkneipe am 27. 2. 1926 und 25. Stiftungsfest

So führte der Weg der Markomannen bis zur 25. Wiederkehr ihres Gründungstages am 14. Februar 1926. Da dieser Tag gerade auf den Fastnachtssonntag fiel, der sich zu einer Gedenkfeier wenig eignete, wurde die silberne Wiegenfestkneipe auf den 27. Februar 1926 gelegt. Fast 80 Markomannen fanden sich hierzu auf dem Hause ein. Unter den zahlreich erschienenen Gästen befanden sich auch der Rektor der Universität Professor Dr. Hoffmann, der zu später Stunde das Präsidium übernahm, und der Kurator der Universität Dr. Peters.
Das 25. Stiftungsfest begann am Pfingstmontag mit einem Treffen im „Bullenkopp" und einem Begrüßungsabend auf dem Markomannenhause, zu dem bereits 114 Alte Herren erschienen waren. Am Pfingstdienstag feierte A.H. Dr. August Dirking mit den aus weiter Ferne gekommenen Diasporapfarrern Alois und Georg Muth ein Hochamt in der Clemenskirche. Bei dieser Feier wirkte ein mehrstimmiger Chor von Vereinsbrüdern mit. Die Festpredigt hielt A.H. Pfarrer Ludewig.
Nach den üblichen Konventen am Nachmittag fand abends im Festsaal des Offizierskasinos am Neuplatz die Festkneipe statt. Als Gäste waren die Chargierten der Korporationen des KV, CV und UV erschienen. Die Festrede hielt „Erster Alter Herr" Uppenkamp mit bewährtem Schwung. Der Höhepunkt dieses Abends war das Gedächtnis aller toten Markomannen, besonders der Gefallenen des 1. Weltkrieges. In einer tief ergreifenden Rede gedachte A.H. Landgerichtsrat van de Kamp, selbst Schwerkriegsbeschädigter, der Toten. Während die Musik leise das Lied vom „Guten Kameraden" spielte, verlas A.H. van de Kamp die Namen der 28 Gefallenen und der übrigen toten Vereinsbrüder.
Der 3. Tag des Stiftungsfestes brachte den Gesellschaftsabend, ebenfalls im Offizierskasino am Neuplatz. Er begann mit einem großen „Festmahl" (Gedeck 3 Mark). Nach dem Essen führte der Senior Hans Luke die Polonaise an, an der etwa 300 Personen teilnahmen. Bei Tanz und frohen Liedern verrannen die Stunden. Die ganz Unermüdlichen trafen sich noch zu einer späten Nachfeier auf dem Markomannenhause. Am folgenden Nachmittag klang das Stiftungsfest aus mit einem Ausflug zum Bootshaus nach Handorf, das allgemeinen Beifall fand. Sogleich wurde eine Sammlung eingeleitet, um der Aktivitas ein zweites Paddelboot zu stiften.

Kunstmaler Karl Strunk †

Wenige Monate nach dem 25. Stiftungsfest starb, erst 44 Jahre alt, am 1. Oktober 1926 der Kunstmaler Karl Strunk aus Recklinghausen. In den ersten Jahren der Markomannia war er als stud. jur. bei uns aktiv gewesen. Im 5. Semester der Korporation wirkte er als Fuchsmajor. Bald darauf gab er das Rechtsstudium auf, um sich der Kunst zu widmen. Er bezog die Kunstakademie in Düsseldorf, um Maler zu werden. Hier war er Schüler des Meisters Eduard v. Gebhardt. Hochgebirgslandschaften und Kinderbildnisse waren seine Lieblingsmotive. Nach seinem frühen Tod ehrte ihn das Landesmuseum in Münster mit einer Gedächtnisausstellung seiner Werke. Die Familie Strunk stiftete ein Alpenmotiv aus seinem Nachlaß für das Markomannenhaus.

Vier neue Paddelboote

Beim Ausklang des 25. Stiftungsfestes auf unserem Bootshaus in Handorf hatten einige Alte Herren spontan eine Sammlung für ein weiteres Paddelboot veranstaltet. Da der Erlös für den angestrebten Zweck nicht reichte, wandte sich der Hausvereinskassierer Paul Voßkühler in einem Rundschreiben an die Altherrenschaft mit der Bitte, durch weitere Spenden die Anschaffung neuer Boote zu fördern. Einschließlich des Sammlungsergebnisses vom Stiftungsfest kam ein Betrag von 321,— Reichsmark zusammen. Der Hausvereinsvorstand ließ darauf zwei neue Paddelboote bauen. Das erste erhielt den Namen „Natz" nach dem Hausvereinsvorsitzenden, Landesrat Bernhard Salzmann, das zweite erhielt den Namen „Dick", das war der Biername des Vorsitzenden des Philistervereins, Rechtsanwalt Dr. Wilhelm Drolshagen.
Zu Anfang des Jahres 1928 stifteten die münsterischen Alten Herren Landesrat Salzmann, Dr. Drolshagen, Dr. Brauckmann und Dr. Spital sowie Dr. med. Zumhasch in Bottrop dem Verein zwei weitere Paddelboote. Bei einer feierlichen Bootstaufe in Handorf erhielten die neuen Boote die Namen „Mucki" und „Mariechen", nach Frau Salzmann und Frau Drolshagen. Mit vier vereinseigenen Booten und mehreren Privatbooten war unser Bootshaus nun gut bestückt, so daß der Wassersport auf der Werse immer mehr Freunde fand.

„Trimm-Dich" vor 50 Jahren

Im Sommersemester 1928 und in den folgenden Semestern erkämpften die Bundesbrüder im Tennis, im Schwimmen und im 1500-m-Lauf bei den Universitätsmeisterschaften 5 Plaketten, mehrere Siegerurkunden und sonstige Auszeichnungen. In der Kunstspringermeisterschaft belegte Ernst Simons (gef. am 9. 9. 1939 in Polen) den ersten Platz. Später kamen noch Reiten, Fechten und Wintersport hinzu. Als in dem strengen Winter 1928/29 die Werse lange zugefroren war, nutzen die Bundesbrüder die lange Eisbahn zu Streckenläufen von Angelmodde bis Sudmühle.
Im Sommersemester 1930 war unser Bootshaus 7 Jahre alt und bedurfte einer gründlichen Überholung. Es erhielt einen neuen Anstrich; gleichzeitig wurde es erweitert. Eines Tages brach der morsch gewordene Bootssteg, und zahlreiche Bundesbrüder und auch Vereinsdamen mußten ein unfreiwilliges Bad in der Werse nehmen. Einige Zeit darauf konnte durch eine Stiftung der Vereinsdamen und aus Spenden der Bundesbrüder ein neues Boot, ein „Kanadier", angeschafft werden. Es wurde zu Ehren des Philisterseniors Studienrat Dr. Franz Dietrich auf den Namen „Major" getauft.

Die letzten Jahre der Weimarer Republik

Nach langen Verhandlungen räumten die Truppen der Alliierten am 30. Juni 1930 das Rheinland, ein Ereignis, das überall begeistert gefeiert wurde. Markomannia gedachte dieses Ereignisses auf einer Festkneipe.
Das 30. Stiftungsfest wurde Ende Mai 1931 in hergebrachter Form gefeiert. Nur den sonst üblichen Gesellschaftsabend mußte man ausfallen lassen „mit Rücksicht auf den Ernst der Zeit und die wirtschaftliche Lage". Die Weltwirtschaftskrise ging also auch am Verbindungsleben nicht spurlos vorüber.
Im Wintersemester 1931/32 wurden verschiedene Räume im Markomannenhause erneuert. Besondere Sorgfalt verwandte man auf die Ausstattung des Lesezimmers. Einige Alte Herren stifteten insgesamt 5 Zeitungen oder Zeitschriften der verschiedensten geistigen und politischen Richtungen, darunter „Hochland" und „Tremonia" (ein führendes Zentrumsblatt). Der Stifter des „Völkischen Beobachters" wollte ungenannt bleiben.
Im Oktober 1932 veranstaltete die Aktivitas einen Herrenabend zu Ehren des 85. Geburtstages des Reichspräsidenten von Hindenburg. Nachdem ein Bundesbruder in kurzen Worten das Lebensbild Hindenburgs gezeichnet hatte, las ein anderer aus Beumelburgs „Sperrfeuer um Deutschland" den Abschnitt über die Tannenbergschlacht. Musikalische Vorträge, unter anderem das Kaiserquartett von Haydn, umrahmten die Feier. Landgerichtsdirektor Bergmann, der später das Präsidium übernahm, erzählte dann von seinen Erlebnissen beim Rückzug 1918 unter Hindenburg.

Es folgte eine Liste der Fuchsmajores, Philistersenioren und Hausvereinsvorstände


Markomannia ab 1933

Von Dr. Franz Lucas

Mit der Machtübernahme durch den Nationalsozialismus wurde unsere Markomannia langsam abgewürgt. Durch den Einzug der Aktiven zum freiwilligen Arbeitsdienst und die Tatsache, daß fast alle Bundesbrüder einer NS-Organisation beitreten mußten, um überhaupt weiterstudieren zu können, blieb für ein regelrechtes Korporationsleben kein Raum mehr.
Im Sommersemester 1933 konnten nur vier Füchse aufgenommen werden, darunter mein jüngster Bruder Clemens. Vier Brüder Lucas waren nun Mitglied der Markomannia. Auf einer Festkneipe wurde mein Vater — Amtsgerichtsrat Hermann Lucas — der zusammen mit seinen vier Söhnen erschienen war, zum ersten Ehrenmitglied der Markomannia ernannt.
Nach den Richtlinien der NS-Studentenschaft verlangte diese von den Korporationen bis zum 1. 10. 1934 die Einrichtung von Kameradschaftshäusern. Auf diesen sollten mindestens 15 Jungstudenten in den ersten zwei Semestern in einer Wohnkameradschaft zusammenwohnen. Da weder unsere Korporation noch die befreundete Tuiskonia einzeln eine derartige Zahl von jungen Bb.Bb. erreichen konnte, beschlossen am 28. März 1934 beim Begräbnis unseres Bundesbruders Halbfas in Köln die dort vorhandenen AH.AH. den Zusammenschluß mit der Tuiskonia zu empfehlen.
Am 15. April 1934 wurde auf dem Markomannentag in Essen der Zusammenschluß festgelegt und anschließend verwirklicht. Zum Korporationsführer wurde unser AH. Dr. Franz Dietrich und als sein Stellvertreter Dr. Karl Lentze gewählt, so daß die Korporation mit der Tuiskonia zunächst weiterbestand. Mit Spenden der AH.AH. wurde die Einrichtung der Wohnkameradschaft ermöglicht. Unserem AH. Dr. Max Roberg gelang es im Oktober 1935 ein gemeinsames Mitgliederverzeichnis der Markomannia-Tuiskonia zusammenzustellen, das allen Mitgliedern übersandt wurde.
Der NS-Studentenbund nahm im Wintersemester 1935/36 für sich die alleinige Führung und Schulung aller Studenten in Anspruch. Am 22. November 1935 gab der „Führer" des KV Professor Martin Spahn die Auflösung des KV-Verbandes bekannt, von der jedoch die Altherrenschaften und die einzelnen Korporationen nicht betroffen sein sollten.
Neue Schwierigkeiten entstanden, als der Rektor der Universität alle Korporationen aufforderte, Listen der studierenden Mitglieder einzureichen oder den Auflösungstermin der aktiven Korporation bekanntzugeben. Dem Rektor wurde daraufhin die Aktivenliste eingereicht.
Da abzusehen war, daß der NS-Studentenbund die Korporationen ablösen sollte und das Markomannenhaus für die AH.AH. mit seinen laufenden Unkosten, zumal auch Darlehen und Hypotheken verzinst und getilgt werden mußten, eine unerträgliche Belastung war, wurde die Wohnkameradschaft aufgelöst und das Haus Anfang 1936 an den Arbeitsdienst vermietet. Der Hausmeister Bäumer wurde von dem Mieter übernommen. Der Korporation stand jeden Montag das Carlistenzimmer im Zivilclub zur Verfügung.
Am 13. Mai 1936 erließ der Stellvertreter des Führers Rudolf Heß die Anordnung, daß im „Interesse einer einheitlichen Ausrichtung der Deutschen Studenten" allen Angehörigen von NS-Organisationen, die noch auf Deutschen Hoch- oder Fachschulen studierten, die Mitgliedschaft bei einer noch bestehenden studentischen Verbindung oder Verein verboten wurde. Im Einverständnis mit der Altherrenschaft wurde daher am 25. Mai 1936 die aktive Korporation aufgelöst und die Auflösung dem Rektor der Universität mitgeteilt.
Die Altherrenschaft, die Mitglieder der Aktivitas und die Inaktiven, die bereits ein Staatsexamen abgelegt hatten, traten darauf dem Hausverein e. V. bei, der fortan die Geschäfte auch des Altherrenvereins wahrnahm. Der Jahresbeitrag wurde auf 5,— DM festgesetzt.
Die jungen Bundesbrüder trafen sich weiter auf den Bootshäusern und beim üblichen Frühschoppen im Cafe Schucan oder Kaiserhof. Am 19. Dezember 1936 fand in Münster im Zivilclub ein großes Markomannen-Tuiskonentreffen statt, an dem 170 Bundesbrüder teilnahmen.
Am 2. Februrar 1937 starb in Bocholt unser lieber „Major" Studienrat Dr. Franz Dietrich. Zu einer Gedächtnisfeier verbunden mit einer Gedenkfeier für alle verstorbenen Bundesbrüder fand am 7. März 1937 eine heilige Messe in Münster in der Clemenskirche statt, in der Studienrat Dr. Dirking in herzlichen Worten des Lebens und Wirkens unseres Korporationsführers AH. Dr. Dietrich gedachte. In der anschließenden Trauerfeier im großen Saal des Zivilclubs in Münster würdigte unser AH. Oberstudiendirektor Dr. Julius Uppenkamp das Leben und die Verdienste unseres Korporationsführers.
Die Mitteilungen (73. Halbjahr) konnten nicht mehr in der Regensbergschen Buchdruckerei in Münster gedruckt werden — Inhaber damals meine Mutter und meine Geschwister Dr. Anna und Dr. Bernhard Lucas —, weil sie im Auftrage des Bischofs Clemens August Graf von Galen 1937 die Enzyklika des Papstes — „Mit brennender Sorge" — „Über die Lage der katholischen Kirche in Deutschland" nicht nur im kirchlichen Amtsblatt sondern auch in rund 120.000 Exemplaren gedruckt und verbreitet hatte und deshalb von der Gestapo beschlagnahmt und entschädigungslos eingezogen war. Die Mitteilungen erschienen dann bei unserem Bundesbruder Lambert Lensing in Dortmund.
Am 18, September 1937 fand in Düsseldorf im Malkasten die letzte gemeinsame Veranstaltung statt. Ein Bericht hierüber, der in neuen Mitteilungen gedruckt allen Mitgliedern zugehen sollte, ist nicht mehr erschienen, da alle Unterlagen bei unserem Bundesbruder Lambert Lensing in Dortmund beschlagnahmt wurden und die Mitteilungen auch von ihm nicht mehr gedruckt werden durften.
Um dafür Sorge zu tragen, daß das Hausvermögen durch einen gerichtlich eingesetzten Liquidator unter Aufsicht des Gerichts liquidiert wurde — nach der Satzung fiel bei Auflösung des Vereins das vorhandene Vermögen den Mitgliedern zu — legten Dr. Georg Spital als Vorsitzender und ich als Schriftführer und Schatzmeister unsere Ämter nieder und zeigten dies dem Gericht an. Auf dessen Anfrage, was das zu bedeuten habe, wurde der zuständige Richter hierüber mündlich informiert. Am 17. 8. 1939 wurde im Vereinsregister des Markomannenhausvereins folgendes eingetragen:
„Der Verein ist durch Erlaß des Reichsführers SS und Chef der deutschen Polizei vom 20. Juli 1938 auf Grund des § 1 der Verordnung des Reichspräsidenten zum Schütze von Volk und Staat vom 28. Februar 1933 (RGBI l 83) aufgelöst. Zum Abwickler ist durch Beschluß des Amtsgerichtes Münster vom 17. August 1939 der Diplomvolkswirt Max Ossig in Münster (Gaustudentenführung) bestellt."
Herr Ossig bat dann in einem Rundschreiben alle Hausvereinsmitglieder, ihren Anteil dem NS Altherrenbund zur Verfügung zu stellen. Soweit mir bekannt ist, ist dieses Schreiben von den Bundesbrüdern durchweg nicht beantwortet worden. Anstelle des Herrn Ossig wurden dann am 30. März 1940 Rechtsanwälte in Köln zu Abwicklern bestellt. Diese Rechtsanwälte waren dem KV irgendwie verbunden. Sie haben bis zum Kriegsende nichts veranlaßt. So wurde das Vereinsvermögen nicht liquidiert und blieb der Markomannenhausverein e.V. als Eigentümer des Hauses im Grundbuch eingetragen.
Als ich nach dem Polenfeldzug in meinem ersten Urlaub nach Münster kam, lag dort in meinem Elternhaus eine Vorladung der Gestapo. Ich begab mich vorsorglich in Uniform zur Gestapoleitstelle in Münster, bei der ein Beamter von mir verlangte, ich solle in meiner Eigenschaft als Vorstandsmitglied das Vermögen des Hausvereins dem NS-Altherrenbund übertragen. Ich habe dieses Ansinnen selbstverständlich abgelehnt und dabei darauf hingewiesen, daß es keinen Vorstand mehr gäbe und das Vermögen nach der Satzung nach Auflösung des Vereins nach Gesetz und Recht den Mitgliedern zustehe. Der mich vernehmende Beamte versuchte mir das Wort im Mund herumzudrehen und behauptete darauf, ich hätte ihm gegenüber erklärt, es gäbe in Deutschland kein Gesetz und Recht mehr. Als ich, über sein Verhalten empört, mir eine derartige Behauptung verbat und ihm außerdem das von ihm vorbereitete Protokoll, das er mir zur Unterschrift vorlegte, zerriß und ihm erklärte, daß ich das Protokoll nicht unterschreiben würde, holte er einen Angestellten vom Flur, der hinter der Tür gestanden hatte, und sagte zu ihm: „Sie haben doch soeben gehört, daß Herr Dr. Lucas erklärt hat, es gäbe in Deutschland kein Gesetz und Recht mehr." Das bejahte dann dieser Angestellte. Als ich sodann dem Beamten erklärte, mit ihm verhandele ich nicht mehr und sein Zimmer verlassen wollte, erklärte er mir, ich sei im Namen des Gesetzes verhaftet. Als ich ihn dann darauf hinwies, daß er einen deutschen Offizier in Uniform nur mit Genehmigung des kommandierenden Generals verhaften könne, und ich seinen Vorgesetzten sprechen wollte, schloß er mich in seinem Dienstzimmer ein und kam nach einer halben Stunde wieder und erklärte mir, ich könne gehen, ich müßte ihm aber vorher meine Anschrift und meinen Wohnsitz mitteilen. Ich wies ihn dann auf die Bestimmung hin, daß ich nur berechtigt sei, ihm meine Feldpostnummer mitzuteilen.
Von dem Vorfall machte ich am gleichen Tage schriftlich meinem Divisionskommandeur eine Meldung. Etwa ein halbes Jahr später kam von der Gestapoleitstelle in Münster über den Reichsführer SS, Oberkommando der Wehrmacht, Oberkommando des Heeres, XVIII AK, bei meiner Division ein Schreiben an, in dem mein Kommandeur aufgefordert wurde, mich wegen meines Verhaltens bei der Gestapoleitstelle in Münster, zur Rechenschaft zu ziehen. Mein Divisionskommandeur verwies dann auf meine Meldung und verlangte seinerseits, daß der Gestapobeamte wegen meiner unberechtigten Verhaftung zur Rechenschaft gezogen würde. Von der Angelegenheit habe ich dann nichts mehr gehört.
Als ich nach meiner Entlassung aus der Kriegsgefangenschaft 1946 nach Münster zurückkam, fanden sich auch die alten Markomannen wieder zusammen. In einer Mitgliederversammlung vom 25. 10. 1947 wurde der Hausverein gemäß der Verordnung vom 15. 9. 1947 zur Wiederherstellung aufgelöster Vereine unter Vorsitz des alten Vorstandes wieder hergestellt. Durch einen Vergleich beim Wiedergutmachungsamt beim Landgericht Münster unter dem Vorsitz des Landgerichtspräsidenten a. D. Kröpf wurde dann am 12. 12. 1950 das Haus dem Markomannenhausverein wieder zurückgegeben und ein entsprechender Sperrvermerk im Grundbuch gelöscht. So ist uns unser Haus erhalten geblieben.

Wiedergründung der Markomannia nach dem 2. Weltkrieg - SS 1952-1957

Von Dr. Viktor Egen

Nach langen und unermüdlichen Bemühungen unseres AH. Wilhelm Huntgeburth und der in Münster ansässigen Alten Herren und nach zwei großen Markomannentreffen in Duisburg und Münster im Jahre 1951 kam es am 9. 2. 1952 zur Wiedererrichtung des AHV Markomannia in der Ratsschänke zu Münster.
Bei einer schriftlichen Abstimmung hatten sich 174 Markomannen für eine eigene Korporation Markomannia entschieden, und nur 15 AH.AH. für die Beibehaltung des bisherigen Zustandes einer vereinigten Markomannia-Tuiskonia-Monasteria.
Markomannia und Tuiskonia waren 1933—1935 unter dem Druck der Nazizeit vereinigt worden und hatten sich nach dem Kriege mit der in Göttingen von münsterischen Studenten gegründeten Monasteria zusammengefunden. Da aber gerade die Markomannen ein stark ausgeprägtes Zusammengehörigkeitsgefühl hatten, konnte die vereinigte Korporation doch nur ein Übergang sein. Zugleich bot sich die Möglichkeit, aus der Mk.-Tsk.-Mon. Aktive zu finden, die bereit waren, das Risiko der Wiedergründung auf sich zu nehmen. Aus den Reihen der AH.AH. verdienen eine namentliche Erwähnung für ihren Einsatz um die Trennung und Wiedergründung besonders

Dr. B. Salzmann,
Fritz Holtermann,
Franz Bispinck,
Dr. Franz Lucas,
Dr. Bernhard Lucas,
Dr. Viktor Egen sen.,
Dr. Clemens Müller

und seitens der auswärtigen AH.AH.

Wilhelm Huntgeburth.

In Wochen und Monaten mußten die Voraussetzungen geklärt werden, die Zulassung an der Universität war damals ein langwieriges und schwieriges Verfahren. Die finanziellen Fragen mußten geregelt werden. Dank einer klugen und vorausschauenden Hausverwaltung durch Dr. Franz Lucas war es gelungen, eine Umschreibung des Mk-Hauses Kampstraße 10 zu verhindern; laut Grundbuch war der Markomannen-Hausverein noch Eigentümer des Hauses geblieben. Ebenso konnte das Bootshaus an der Werse im Besitz des Hausvereins gehalten werden.
Es ist dem bleibenden Verdienst von Fritz Holtermann zuzuschreiben, wenn bei der Reaktivierung alle Voraussetzungen für einen erfolgreichen, finanziellen Grundstock gegeben waren. Nicht minder schwierig gestalteten sich die eigentlichen Trennungsverhandlungen unter maßgeblicher Mitwirkung von Dr. B. Salzmann und Dr. Viktor Egen sen. in der damaligen Ärztekammer, Ludgeristraße.
Manchmal sehr hart waren auch die Auseinandersetzungen in der Aktivitas, die bis zur Vorbereitung des Austritts gingen, um Schlimmeres zu verhindern. Bb. Karl Stricker, hatte zu dieser Zeit schwere Stunden durchzustehen, zumal ich selbst im WS 1951/52 in Innsbruck studierte. Ständig wurden wir von einigen Bb.Bb. der Monasteria in wenig schöner Art bedrängt und diffamiert. Nur wenige hatten Verständnis für unsere Bereitschaft, die Markomannia wieder neu zu beleben.
So kam es also nach monatelangem Ringen, Diskussionen, Conventen und Gesprächen endlich am 9. 2. 1952 in der Ratsschänke zur Trennung und im Raum nebenan zur Wiederbelebung des AHV der Mk.
Die Namen der AH.AH bei diesem Gründungskonvent sollten festgehalten werden:

Dr. Franz Lucas
Dr. Friedrich Staedeler
Dr. Bernhard Salzmann
Wilhelm Höhne
Fritz Holtermann
Dr. Gottfried Wand
Dr. Wilhelm Winkelmann
Josef Wolpers
Dr. Franz Rohleder
Karl-Theodor Driessen
Dr. Clemens Müller
Dr. August Middeler
Dr. Heinz Heuveldop
Paul Voßkühler
Dr. Otto Junker
Dr. Erich Junker
Dr. Ferdinand Schultz
Rudolf Neuhaus
Dr. Fritz Wortmann
Dr. Uli Rathscheck
Dr. Alfred Heuveldop
Heinrich Bette
Dr. Heinz Schmitt
Theodor Brück
Leo van Husen
Dr. Karl Detering
Wilhelm Huntgeburth
Franz Bispinck
Wilhelm Schultz
Dr. Oswald Baumeister
Dr. Georg Schüttemeyer
Dr. Bernhard Lucas
Dr. Alex Kalvelage
Josef Schulze Brüning
Dr. Viktor Egen
Dr. Georg Spital
Dr. Ludger Müller
Dr. Wilhelm Drolshagen
Lambert Lensing
Karl Wülfing
Engelbert Brenken
Franz Hövener
Erich Lange
Dr. Hermann Lucas

Immerhin waren 45 AH.AH. auf diesem Convent.
Auf diesem Convent wurde folgender Vorstand gewählt:

1. Vorsitzender Dr. Bernhard Salzmann
stellv. Vorsitzender Wilhelm Huntgeburth
Schriftführer Franz Bispinck
Kassierer Dr. Clemens Müller

Kurz zuvor hatte der Hausverein entsprechend einem gemeinsamen Beschluß aller Mk.-Tsk.-Mon. nur in Anwesenheit der Markomannen getagt. Eberhard Hoffschulte als Vorsitzender und Dr. Franz Lucas als Schatzmeister konnten berichten, daß das Haus von drei Familien bewohnt sei, aber der frühere Schankraum und die Kneipe für die junge Korporation wieder frei seien. Auf dem Haus lastete nur eine Umstellungsgrundschuld von 6.000,— DM. Die Instandsetzungsarbeiten wurden durch Bb Architekt, E. Kleffner, vorbereitet.
Als neuer Vorstand des Hausvereins Markomannia wurde sodann gewählt:

1. Vorsitzender: Dr. Bernhard Salzmann
2. Vorsitzender: Eberhard Hoffschulte
Schriftführer und Kassierer: Franz R. Bispinck
Beisitzer: Fritz Holtermann
Dr. Franz Lucas

Mit Abwicklung dieser Regularien war ein funktionsfähiger AHV- und Hausvereinsvorstand geschaffen - und sofort begannen die intensiven Vorbereitungen für die Wiederbelebung einer Aktivitas.
Schon am 11. 2. 1952 wurde die Wiedererrichtung der Aktivitas Markomannia bei der Universität unter dem alten Gründungsdatum angemeldet. Damit wurde genau 51 Jahre nach der 1. Gründung die Wiedererrichtung vollzogen.
In den Osterferien 1952 bemühten sich Bb. Karl Stricker und ich intensiv mit hervorragender Unterstützung des AHV-Vorstandes und vielen AH.AH. um die Werbung junger Bb.Bb. Aus der Mk.-Tsk.-Mon. waren mit uns zur Mk. übergetreten:

Reinholt Terdenge
Klaus und Wolfgang Voß.

Mit Beginn des SS 52 am 6. 5. 1952 wurden Bb. Karl Stricker und ich durch den Vorstand des AHV als erste junge Markomannen nach alter Art recipiert. Entgegen mancher düsteren Voraussage konnten wir bereits am 13. 5.1952 auf einer 1. Receptionskneipe den FM Norbert Tenkhoff, Mainfrankia Bamberg, sowie 2 Füchse, Wolfgang Czarnecki und Fritz Stricker aufnehmen. Damit war das erste Präsidium der jungen Aktivitas im Amt:

Senior: cand. med. Viktor Egen
Consenior: cand. jur. Karl Stricker
FM: stud. pharm. Norbert Tenkhoff
XX: cand. med. Erhard Jostes
XXX: stud. med. Rolf Grewe

Am 17./18. Mai 1952 wurden bei einem 1. größeren Treffen des Altherrenvereins mit der Aktivitas folgende Bundesbrüder aufgenommen:

med. Klaus Hinrichs
pharm. Meinhard Budde
rer. pol. Horst Grenz
med. Leopold Grüter
med. Lutz Grüter
med. Rolf Grewe
jur. Albert Großkopf
med. Klaus Kevenhörster
jur. Udo Knoke
med. Paul Overbeck
rer. pol. Paskai Schmedding

Damit waren die Aktivitas auf 16 Mitglieder angewachsen.
Bei dieser Festkneipe überbrachte uns der KVM X W. Wartmann, Germania, die Grüße des münsterschen KV.
Tags zuvor war ein geselliges Zusammensein mit der AH.AH. und den Damen bei Vennemann in Handorf vorausgegangen. Sonntagfrüh hielt AH. Prälat F. Gastreich einen Festgottesdienst in der Marienkapelle des Doms.
Wir waren alle zufrieden, nach so langer Zeit wieder eine Aktivitas zu haben. Jetzt galt es zuerst, eine echte Gemeinschaft zu begründen und Verständnis für ein Korporationsleben zu wecken; waren doch viele Bb.Bb bereits älter und aus dem Kriege zurückgekehrt. Da aber bei diesem, noch kleinem Kreis alle aufeinander angewiesen waren, wuchs das Zusammengehörigkeitsgefühl sehr schnell.
Gefördert wurden diese Bestrebungen durch ein ausgewogenes Semesterprogramm. Religiöse, politische und wissenschaftliche Vortragsabende, Veranstaltungen mit Damen als offizielle Feste, Wasserburgfahrten und Tanztee, Radtouren und Convente und gemütliche Kneipen wechselten einander ab. Schon während dieses 1. Semesters konnten wir am 29. 5. 1952 wieder einen Convent auf dem Markomannenhaus abhalten. Dank der Bemühungen der Altherrenschaft und unter eifriger Mithilfe der Aktiven hatten wir wieder das Haus als Mittelpunkt unseres Verbindungslebens.
Nachdem am 19. 6. 1952 noch 3 weitere Bb.Bb, Erhard Jostes, Bsg., Karl-Heinz Kortmann, Mainfrankia und Walter Lampe recipiert waren, bestand die Aktivitas aus 19 Bb.Bb. in Münster und 3 Inaktiven e. l.
In diesem Semester stellte sich AH. Pater Prof. Dr. Dr. Gustav Vogel SAC in uneigennützigerweise der Aktivitas zur Verfügung. Neben vielen anderen Umständen war seine Hilfe und Beratung uns eine besondere Unterstützung.
Höhepunkt und Abschluß dieses Semesters war das Stiftungsfest am 25.-27. 7. 1952. Nach einem traditionellen Begrüßungsabend im Bullenkopp und dem Gedenkgottesdienst am Samstag, Kegeln der Aktivitas, nachmittags Convent auf dem Haus. — Am Samstagabend ein gelungenes Damenfest bei Vennemann in Handorf, am Sonntag dann der Festgottesdienst in der Marienkapelle des Doms. Hier gab AH. Domkapitular Dekan Msgr. J. Hennecke der neuen Fahne — gestiftet von einem noch lebendigen Markomannenkränzchen — die kirchliche Weihe.
Anschließend Frühschoppen bei Stuhlmacher und abends Festkommers bei Frönd. Erstmals erschien der Rektor unserer Westfälischen Wilhelms-Universität, Prof. Dr. S. Strugger, auf einem Festkommers der Markomannia überhaupt, ein Beweis dafür, daß Markomannia in diesem Semester nicht zuletzt durch die Mithilfe der Altherrenschaft wieder ein beachtenswerter Faktor an der Universität geworden war. Bei diesem Festkommers, erstmals in Anwesenheit unserer Damen, wurden 3 Füchse feierlich geburscht, Leopold Grüter, Ludwig Grüter und Horst Grenz.
Nachdem bereits am 10. 7. 1952 bei einem westfälischen Abend der Rektor der Universität Prof. Dr. S. Strugger und Prof. Beckmann neben Gästen aus dem KV erschienen waren, hatten wir auch in der studentischen Öffentlichkeit wieder ein großes Ansehen erreicht. So wurde die Markomannia auf einer außerordentlichen Vertreterversammlung des KV in Königswinter einstimmig wieder in den Kartellverband aufgenommen.
Somit hatten wir also im 1. Nachkriegssemester alle Ziele erreicht, Altherrenschaft und Aktivitas waren wieder selbständig, die Markomannia an der Universität Münster wieder zugelassen, die Aktivitas hatte sich mit 24 Mitgliedern konsoldiert, die geistigen und materiellen Grundlagen waren gelegt.
Vor allen anderen AH.AH. waren hier Dr. B. Salzmann und Pater Dr. G. Vogel der jungen Aktivitas die größte Hilfe. Ihnen galt unserer besonderer Dank. Aber viele andere AH.AH. und auch die Aktivitas hatten alle Mühe aufgewendet, die Existenzberechtigung der Markomannia, den vielen Zweiflern außerhalb unseres Bundes und den wenigen Zögernden innerhalb der Altherrenschaft zu beweisen.
Dieser Nachweis schien gelungen, wenn die Korporation jetzt eine entsprechende Weiterentwicklung zeigte. Hier lag die Aufgabe des 2. Semesters WS 53/53.
Das neu gewählte Präsidium, bestehend aus

X med. Viktor Egen
VX pharm. Norbert Tenkhoff
FM pharm. Karl-Heinz Kortmann
XX jur. Reinholt Terdenge
XXX med. Leopold Grüter
Wirtschaftskassierer rer. pol. Horst Grenz
Haus- und Bootshauswart med. Ludwig Grüter

bemühten sich jetzt mehr, nach innen zu wirken.
Mehrere Vortragsabende mit AH. Pater Dr. G. Vogel über religiöse Themen ließen uns bewußt werden, welche Verantwortung jedes Mitglied einer kath. Korporation persönlich und im Rahmen der Gemeinschaft mit der feierlichen, freiwilligen Verpflichtung auf unsere unverändert gültigen Prinzipien auf sich nimmt. Hier sollte jedem Bb.Bb. klar geworden sein, wo die Verantwortung für uns selbst und ebenso für unsere Umwelt im studentischen Raum, in der Kirche und in unserem Lebensraum allgemein liegt.
Wenn schon im SS 52 bei gemeinsamen Gottesdiensten, bei der Teilnahme an der großen Prozession und bei Veranstaltungen der kath. Studentengemeinde die Aktivitas selbstverständlich vollzählig vertreten war, so wurde uns diese Aufgabe jetzt im WS durch die geistige Führung und Betreuung unseres AH. Pater Dr. G. Vogel umso deutlicher.
Neben weiteren Vortragsabenden mit allgemein politischen und wirtschaftlichen Themen hatten wir Gelegenheit zu einer Grubenfahrt und zu einer Besichtigung der Regensbergschen Buchhandlung. Über diese Veranstaltungen hinaus kam auch das gesellige Leben nicht zu kurz. Mehrere Veranstaltungen mit Damen unter kräftiger Mithilfe des Damenflors mit der Seniorita, Frl. Margot Salzmann, verliefen allseits in vollster Zufriedenheit, besonders das Karnevalsfest auf dem Markomannenhaus wird allen in bester Erinnerung bleiben.
Auf zahlreichen, oft nächtlichen Conventen wurden die inneren Angelegenheiten des Vereins beraten und zur Entscheidung gebracht. Die Satzung der Aktivitas, die Geschäftsordnung, eine Haus- und Bootshausordnung wurden geschaffen. Sorgfältig wurden die Aufnahmeanträge beraten und die Burschenprüfungen abgehalten. Die finanziellen Beratungen, die weitere Instandsetzung des Hauses und des Bootshauses, wurden geprüft.
Daneben liefen zahlreiche Sitzungen des Vorstandes des AHV über die weiteren Reparaturarbeiten am Haus auf der Kampstraße 10 sowie Bemühungen, das Haus freizumachen.
Am Ende des 2. Semesters hatte die Aktivitas 27 Mitglieder, 14 Burschen, 7 Füchse und 6 Inaktive. Am 19. 2. 1953 wurde folgendes Präsidium gewählt:

X med. Ludwig Grüter
VX ehem. Wolfgang Czarnecki
FM med. Leopold Grüter
XX med. Rolf Grewe
XXX med. Paul Overbeck
Wirtschaftskassierer med. Klaus Kevenhörster.

Damit waren wir nach 2 Semester nach außen und innen gefestigt. Unter Mithilfe vieler AH.AH., insbesondere der Vorstände des Altherren- und Hausvereins, der AH.AH. Dr. B. Salzmann, Pater Dr. G. Vogel, Fritz Holtermann, Franz Bispinck, Wilhelm Huntgeburth, Clemens Müller, Eberhardt Hoffschulte und vieler anderer, so des Markomannenkränzchens und unseres Damenflors, hatten wir alle mitgewirkt am Wiederaufbau unserer Markomannia. Wir hatten uns bemüht, die alte Tradition wieder aufzunehmen und uns gleichzeitig den Anforderungen der jetzigen Zeit anzupassen. Eine gute Synthese zwischen dem Vereinsleben von früher wurde gefunden, die bundesbrüderliche Freundschaft ganz stark in den Mittelpunkt der persönlichen Beziehungen unter den Bb.Bb. gestellt.
Es war unser aller Bemühen, echte, kath. Akademiker mit entsprechender wissenschaftlicher Ausbildung, verbunden in bundesbrüderlicher Freundschaft, heranzubilden. Bundesbrüder, die in der Lage waren, gleich an welchem Platz, ihre Aufgabe als kath. Akademiker zu erfüllen. Sicherlich blieben manche Wünsche noch offen, aber wir sollten an diesem Ziel weiterarbeiten.
Im SS 53 war das neue Präsidium sehr eifrig bemüht, den begonnenen Weg fortzusetzen. Vorträge, Convente, gemeinsame Ausflüge, eine Sauerlandfahrt mit unseren Damen, offizielle Veranstaltungen mit unseren Damen und Bootshausfeste gestalteten das SS 53 wieder zu einem Erfolg für unsere Markomannen. Während dieses Semesters begannen die Vorbereitungen für den Wiederaufbau des Hauses und der Einzug einer neuen Faxenfamilie. Herr Anton Hartmann und seine Frau sollten am 1. 9. 1953 die Faxenstelle übernehmen.
Auf dem wohlgelungenen Stiftungsfest trug der AHV und Hausvereinsvorsitzende AH. Dr. B. Salzmann die Pläne für den Wiederaufbau vor, unterstützt von einem bis ins einzelne gehende Finanzierungsplan unseres lieben AH. Fritz Holtermann.
Mit allen AH.AH. wurden die Möglichkeiten der Finanzierung beraten und bekanntgemacht. Nicht zuletzt durch die Bemühungen der beiden genannten AH.AH. konnten große Spendenbeträge beschafft werden, viele AH.AH. erklärten sich spontan bereit, ebenfalls zu spenden.
Die Pläne wurden von Bb. Architekt Kleffner vorbereitet, aber es sollte doch noch eine geraume Zeit vergehen bis zum Baubeginn. Bis dahin mußten alle Arbeiten auf dem Haus von der Aktivitas erledigt werden, das Beheizen unserer Räume ebenso wie die Reinigung und alles übrige. Bei den Festen wurde alles herangeschafft, von Getränken, Eßwaren, Gläsern, Tellern, bis zur Beleuchtung und Bestuhlung. Die Aktivitas war laufend im Einsatz. Jeder mußte mithelfen zum Gelingen.
Auf dem Dechargierungsconvent wurde folgendes Präsidium gewählt:

X med. Paul Overbeck
VX phil. Hans Heckmann
FM med. Franz-Josef Tenkhoff
XX med. Günther Schein
XXX jur. Albert Peveling
KVM X med. Viktor Egen
KVM XX phil. Georg Meyer

Wir durften zufrieden sein.
Zeichen der Anerkennung im Verband war die Wahl zum KVM-Vorsitz im WS 53/54.
Das WS 53/54 war für unseren Verein unter der sehr einsatzfreudigen Leitung des Präsidiums erfolgreich. Durch die Aufnahme von 4 Kb.Kb. und 4 Füchsen wurde die Aktivitas auf 23 Aktive und 10 Inaktive gebracht. Wieder lag im WS der Akzent mehr auf Veranstaltungen, die das Innenleben der Markomannen prägten. Vorträge und Convente, Damenveranstaltungen, eine Adventsfeier und ein glänzend verlaufener Markomannentag mit den AH.AH. in Bochum, Gesellschaft Harmonie.
Erwähnenswert ist eine große KVM Festakademie im Landesmuseum mit Ansprache des Innenministers NRW Kb. Dr. Franz Meyers mit dem Thema: „Der kath. Akademiker und der demokratische Staat". Zu dieser Veranstaltung erschien auch S. E. der Bischof von Münster, Kb. Dr. M. Keller. Leider mußte mit Ende des Semesters unser verehrter AH. Pater Dr. G. Vogel an seine Ordenshochschule nach Vallendar zurück, ein fast unersetzlicher Verlust.
Für das SS 54 wurden ins Präsidium gewählt:

X med. Klaus Kevenhörster
VX phil. Felix Stapper
FM med. Paul Evers
XX med. Bernd Becker
XXX iur. Wolfgang Budin
Bootshauswart iur. Josef Arnsberg

Dieses Sommersemester stand ganz im Zeichen des Wiederaufbaues unseres Hauses. Wir hofften, im Herbst das Haus wieder voll benutzen zu können. Alle Veranstaltungen auf dem Haus mußten verlegt werden. Herr und Frau Hartmann hatten ein unheimliches Arbeitspensum zu leisten.
Die Veranstaltungen verliefen unter eifrigem Bemühen des Präsidiums wieder zur vollsten Zufriedenheit. 5 Bb.Bb. wurden in die Markomannia aufgenommen.
Ein großer Erfolg war der Verlauf des Stiftungsfestes 1954, auf dem sich alle AH.AH. vom Fortgang der Arbeiten auf der Kampstraße überzeugen konnten. Das Bootshaus entwickelte sich mehr und mehr zum Anziehungspunkt der Bundesbrüder. Die vorhandenen Boote, gestiftet von AH.AH., wurden eifrig benutzt. Wenn man die Conventbücher dieser Semester liest, merkt man deutlich, daß zu dieser Zeit der Schwung der Aufbauphase nachzulassen schien. Man war froh, ein Präsidium gefunden zu haben, um sich selbst bei der Mitarbeit zurückzuhalten.
Erwähnung verdient die Tatsache, daß gerade die Bb.Bb. der ersten Semester trotz Studium weiter aktiv blieben und immer zur Verfügung standen. Dennoch darf man auch dieses Semester als erfolgreich bezeichnen.
Hervorstechendes Ereignis dieses SS 54 war das Richtfest am 24. 7. 54, verbunden mit der Semesterabschlußkneipe. Damit war man der Wiederherstellung ein großes Stück nähergekommen.
Zum Vorstand für das WS 54/55 wurden gewählt:

X phil. Georg Meyer
VX phil. Felix Stapper
FM med. dent. Robert Berges
XX jur. Wolfgang Morsbach
XXX jur. Wolfgang Budin
Wirtschaftskassierer rer. pol. Josef Arnsberg.

In diesem WS fand endlich die lang ersehnte Einweihung unseres Hauses am 27. 11. 1954 statt. Unser AH. Domkapitular Msgr. Dr. Josef Hennecke aus Erwitte vollzog die feierliche kirchliche Einsegnung.
Nach einen CC erstmals wieder im fertiggestellten Kneipsaal folgte die Weihe des Hauses in Gegenwart zahlreicher AH.AH. und aller Aktiven. Am Abend vereinten sich die Markomannen mit ihren Damen zum Festball, der eine überaus große Beteiligung fand, ebenso wie der Festkommers am folgenden Tage auf dem Markomannenhaus. Unter der ausgezeichneten Leitung des amtierenden Präsidiums waren diese Festtage der erfolgreiche Abschluß zahlreicher Bemühungen um den materiellen Aufbau des Hauses. Hier sollte nochmals der großen Verdienste gedacht werden, die sich insbesondere der Vorsitzende des AHV und des Hausvereins, Dr. B. Salzmann, und AH. Fritz Holtermann, erworben haben. Ohne ihre entscheidende Mithilfe hätte diese Aufgabe nicht gelöst werden können. Darüber hinaus sollte all der vielen AH.AH. ehrend gedacht werden, die mit ihren Spenden und mit ihrem persönlichen Einsatz dieses Werk gelingen ließen.
Auf dem CC dieses Einweihungsfestes wurde Rechtsanwalt Josef Hermann Dufhues, Bochum, einstimmig zum Ehrenmitglied der Mk. ernannt.
Der weitere Verlauf des WS war nicht zuletzt durch den nachwirkenden Antrieb der Einweihung sehr erfolgreich, zumal das Präsidium sich große Mühe gab.
In diesem Semester wurde auch der ehemalige VOP Dr. Hans Lemmen Mitglied unserer Markomannia.
Am Ende des WS wurden als Präsidium für das SS 55 gewählt:

X rer. pol. Felix Stapper
VX phil. Jan Müller
FM rer. pol. Werner Wilkens
XX rer. pol. Anjo Tietze
XXX med. Knut Wening

Auch das SS 55 verlief unter der straffen Leitung des Präsidiums in gewohnter Weise. Hervorstechend waren das 55. Stiftungsfest am 12. 6. 1955, die Fahrt ins Blaue am 26. 6. und das Bootshausfest am 9. 7.1955.
Auf dem Convent am 6. 6. 1955 brachte Georg Meyer die Nachricht von der VV in Regensburg mit, daß Mk zum Vorort des KV für das Amtsjahr 1. 10. 55 - 30. 9.1956 gewählt worden sei, ein Beweis für das große Ansehen unseres Vereins im Kartellverband. Auf dem BC am 23. 6. 1955 wurden folgende Bb.Bb in den Vorortausschuß gewählt:

VOP Dr. Viktor Egen
VOVP med. dent. Robert Berges
VOS rer. pol. Klaus Voß,
später Anjo Tietze
VOK med. Klaus Kevenhöster,
später Wolfgang Morsbach
VOB phil. Georg Meyer
Sportreferent Jan Müller

Der weitere Verlauf des Semesters war schon von der Übernahme unseres hohen Amtes geprägt.
Auf dem Wahl-BC am 21. 7. 1955 wurde das Präsidium wie folgt gewählt:

X rer. pol. Werner Wilkens
VX iur. Rainer Plaß
FM med. Bernd Becker
XX med. dent. Udo Wening
XXX med. Knut Wening

Das 110. Semester begann mit der Semesterantrittskneipe erfolgversprechend. Der gefallenen und verstorbenen Markomannen wurde bei einem feierlichen Gedenkgottesdienst in der Überwasserkirche gedacht. In einer Vortragsreihe über Markomannia und unsere Universitätsstadt Münster erfuhren wir über die Geschichte des Vereins und der Stadt.
Religiöse Ausspracheabende mit Bb. Kaplan Schraeder wechselten mit wissenschaftlichen Themen. Musikabende, Adventsfeier und Sportveranstaltungen brachten weitere Abwechselung. Leider hatten wir mit dem Tod von Bb. Franz Josef Tenkhoff den 1. Verlust aus der jungen Aktivitas zu beklagen. In einem Gedenkgottesdienst und einer Trauerkneipe gedachten wir seiner und der anderen verstorbenen AH.AH.
Nach einem gelungenen Karnevalsfest klang das Semester mit der Semesterschlußkneipe ab.
In das Präsidium für das SS 56 wurde gewählt:

X iur. Albert Voßhenrich
VX iur. Rainer Plaß
FM med. Horst Massing
XX med. Gottfried Keller
XXX med. Klaus Kevenhörster


Der Vorortausschuß wurde wiedergewählt mit folgenden Änderungen:

VOS rer. pol. Heinz Hüer
VOK iur. Wolfgang Morsbach
VOB phil. Georg Meyer
VOB iur. Albert Voßhenrich

Das 111. Semester begann nach der gelungenen Semesterantrittskneipe mit einer erstmals durchgeführten „Hegge-Tagung" auf der Hegge bei Warburg. Durch Vermittlung des VOP und von Bb. Hans Müller sollten diese Tage in der Gemeinschaft nicht nur der religiösen Bildung und Formung dienen, sondern besonders auch dem bundesbrüderlichen Zusammenhalt. Daneben sind weitere Vortragsabende, Musikabende, Sportveranstaltungen und Bootshausfeste erwähnenswert.
Durch den Vorort war auch das 56. Stiftungsfest ein herausragendes Ereignis mit einer glänzenden Festrede unseres EM Rechtsanwalt Dufhues und gehaltvoller Worte des Präsidenten des AHB Kb. Dr. P. Franken, Bonn. Die Damenveranstaltungen des Semesters waren einschließlich der Fahrt ins Blaue für alle Bb.Bb. ein besonderes Erlebnis.
Die große Brandprozession sah Markomannia mit Vorortsstandarte und Markomannenfahne und 8 Chargierten an der Spitze der münsterischen KV-Korporationen.
Die Wahl des Präsidiums für das WS 1956/57 ergab:

X Hardy Österreicher
VX Karl Eberhard Zangerl
FM Knut Wening
XX Jürgen Kevenhörster
XXX Heinrich Schulte-Holthausen


Zusammenfassend folgt jetzt ein Bericht über das Vorortsjahr der Markomannen vom 1. 10. 1955 — 30. 9.1956:
Markomannia wurde auf der Vertreterversammlung unseres Verbandes 1955 in Regensburg zum Vorort des KV für das Jahr 1955/56 gewählt. Am 1.10. 1955 übernahm der vom BC gewählte Vorortausschuß die Geschäfte von der Rheno Nicaria Stuttgart und am 18. 11. 1955 stellte sich der neue Vorort auf einer Festkneipe des münsterischen KV der akademischen Öffentlichkeit vor.
Während unserer Amtszeit bemühten wir uns um eine hochschulpolitische Zusammenarbeit der kath. Korporationsverbände und um eine Aktivierung des Innenlebens unserer KVKV.
Im WS 56 fanden 4 regionale FM-Tagungen statt unter Mitwirkung des religiös-weltanschaulichen Amtes des KV, die eine größere Geschlossenheit des Verbandes fördern sollten. Weitere FM und Seminartagungen sollten folgen.
Im Januar überbrachte der VOP an der Spitze einer Abordnung des KV-Rates sowie der KVKV Arminia, Brisgovia und Saxonia dem Herrn Bundeskanzler Dr. Konrad Adenauer die Glückwünsche des Kartellverbandes zu seinem 80. Geburtstag. Dabei wurden dem Bundeskanzler vom Vorstand des AHB zwei Bände italienischer Malerei und seitens des Vororts Markomannia das Buch „Das schöne Westfalen", in Leder gebunden, überrreicht.
Während der wenigen Minuten des persönlichen Gesprächs sagte Kb. AH. Dr. Adenauer, daß die Studenten bei allem gewiß berechtigten Ernst des Studiums die schönen Seiten des Studentenlebens nicht außer Acht lassen sollten. Er freue sich sehr, daß der KV heute nicht fehle und der offizielle Ablauf der Gratulationscour durch unser persönliches Gespräch unterbrochen würde. Im Laufe des Sommersemesters war der Vorort bei allen größeren Stiftungsfesten im Verband vertreten. Bei diesen Besuchen nahmen wir Gelegenheit, mit den Kb.Kb. die den Verband und seine Mitgliedsvereine interessierenden Fragen zu erörtern und damit den Zusammenhalt innerhalb des Verbandes zu fördern.
Ebenso war der Vorort bei anderen Verbänden, der KDSE, Katholikentag und weiteren Anlässen vertreten.
Ende April 56 wurde der Vorort bei der Hauptausschußsitzung in Fischbachau sehr gelobt. Gleichzeitig wurde Münster als Tagungsort der VV 57 gewählt.
Das Vorortsjahr endete mit einem Festkommers in Ravensburg. In Anwesenheit des Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg Kb. Dr. Gebhard Müller und des H.H. Bischofs Leiprecht von Rothenburg hielt Kb. AH. Kurt Georg Kiesinger die Festrede. Der Vorort wurde dabei an KStV Alamannia Tübingen übergeben. Das Vorortsjahr war vorbei, Markomannias Ansehen im Verband weithin gefestigt. Dank galt den Beteiligten VOVP Robert Berges, VOS Anjo Tietze und Heinz Hüer, VOK Wolfgang Morsbach, VOB Georg Meyer, Werner Wilkens und Albert Voßhenrich als Senioren der bd. Vorortssemester.
Unser Dank galt auch den Vorsitzenden des AHV Dr. B. Salzmann und seinem Stellvertreter Wilhelm Huntgeburth sowie den Mitgliedern des KV-Rates Kb. AH.AH. Dr. Paul Franken, Oberfinanzpräsident Dr. Th. Maier, Studienrat Hünnes und Kb. Dipl.-lng. Albert Mayer als VOP des Vorjahres.
Das Wintersemester brachte dem Verein wieder ein recht aktives Leben. Am 18.11. 56 wurde uns durch den Vorstand der Hoesch-Werke Dortmund von den Direktoren Ochel, Schulte und Elkmann eine Büste unseres verehrten Philisterseniors Dr. Bernhard Salzmann übergeben für seine Verdienste um dieses große deutsche Stahlwerk. Es folgte eine Werksbesichtigung für die Aktivitas, Vorträge, Musikabende und gesellige Veranstaltungen ließen ein erfolgreiches Semester mit dem Karnevalsfest ausklingen.
Daneben liefen die Vorbereitungen für den VV 57 unter Leitung unseres AH. Dr. Salzmann mit mehreren Kb.Kb. aus dem Altherrenzirkel Drubbel. Sie sollte ein voller Erfolg werden.
Am 27. 3. 1957 fand in Oberhausen ein Markomannentreffen in den Schloßgaststätten statt. Dabei konnte die erfreuliche Nachricht gegeben werden, daß unser Markomannenhaus jetzt wieder ganz der Aktivitas zur Verfügung stehe und eine Reihe Studentenbuden an Bb.Bb. vermietet werden konnten.
Das SS 57 wurde durch das Präsidium

X Gert Wülfing
VX Jürgen Kevenhörster
FM Eberhard Österreicher
XX Konrad Keller
XXX Wolfgang Freudiger

mit einer gelungenen Antrittskneipe eingeleitet. Ende Mai folgte dann die VV des Kartellverbandes: Durch einstimmigen Beschluß des CC wurde S. E. der H. H. Erzbischof Dr. theol. Aloysius Muench, Apostolischer Nuntius in Deutschland und Bischof von Fargo, USA, zum Ehrenmitglied unserer Markomannia gewählt.
Zu einer feierlichen Stunde in Anwesenheit des H. H. Erzbischofs Dr. Jaeger von Paderborn, unseres Bischofs Kb. Dr. Michael Keller des AHV-Vorstandes und des Präsidiums der Aktivitas wurde dem Ehrenmitglied die Urkunde überreicht. Am Nachmittag weilten Erzbischof Dr. Muench und Erzbischof Dr. Jaeger mit AH. Dr. Bierbaum längere Zeit auf dem Markomannenhaus.
Im Laufe des Semesters konnten 12 neue Bb.Bb. aufgenommen werden. Die Hegge-Tagung wurde wieder ein voller Erfolg, so daß alljährlich solche Tage der Besinnung fest in unser Programm aufgenommen wurden.
Im SS verfügte unser Haus über 13 Betten für die Aktivitas. Zahlreiche Einrichtungsgegenstände wurden gestiftet, so ein Markomannenstammbaum von Bb. Dr. Robert Berges mit Bildern sämtlicher Aktiven von 1952 an. Dank der Bemühungen des Vorstandes wurde es ein gutes Semester.
Zeichen der Wertschätzung der Markomannen war auch innerhalb des Verbandes die Wahl von Bb. Dr. Viktor Egen in den Vorstand des AHB.
Für das WS 57/58 wurden als Vorstand gewählt:

X Klaus Böcker
VX Jürgen Hopmann
FM Adolf Spieske
XX Bernd Hinrichs
XXX Thomas Tietze

Wenn man nach jetzt fast 25 Jahren die Ereignisse der Jahre 1952 bis 1957 an sich vorüberziehen läßt, dann glaube ich, darf man heute noch sagen, wir haben es richtig gemacht. Heute wie damals zeigte es sich, wie notwendig kleine Gemeinschaften mit einer sinnvollen Zielsetzung sind. Vielleicht erkennt man heute noch mehr als 1952, daß kath. Korporationen gerade jetzt eine Daseinsberechtigung haben. In einer Zeit des Materialismus, der Rücksichtslosigkeit gegenüber dem Nächsten, der fehlenden Glaubensbereitschaft und der mangelnden Nächstenliebe, erscheinen solche Gruppen — geeignet, dem jungen kath. Akademiker wieder Halt zu geben. Mögen auch von vielen die Prinzipien als altmodisch, unmodern und als Auswuchs einer unzeitgenössigen Tradition gesehen werden, mehr denn je brauchen wir, braucht unsere Kirche und unser Volk aufgeschlossene, mutige kath. Akademiker, die lieber unseren zeitlos gültigen Prinzipien folgen wollen, als sich jedem Zeitgeist oder Ungeist anzuschließen. Möge die Markomannia noch viele Jahre an Münster's Universität vielen Bundesbrüdern eine echte Hilfe sein, ihre Aufgaben, gleich wohin sie gestellt sein mögen, in rechter Weise zu erfüllen.

Markomannia 1957—1961

Von Heiner Arning


Meine Aktivenzeit, die die zehn Semester vom Sommer 1957 bis zum Winter 1961/62 umfaßt, stand weitgehend noch im Zeichen eines blühenden Komments alter Prägung. Jedes Semester begann mit einer Semesterantrittskneipe und endete mit einer Semesterabschlußkneipe. Im SS kam die Stiftungsfestkneipe dazu, im WS mindestens eine Fuchsenkneipe oder Freundschaftskneipe. Die Semesterprogramme dieser Jahre weisen im SS 1960 sogar 5 Kneipen aus; weniger als drei sind es nur im WS 1960/61. Trotzdem wurde bei uns seit 1957/58 über die Abschaffung der Kneipen diskutiert. Man war aber überwiegend der Ansicht, ehe man altes aufgebe, müsse man etwas besseres an dessen Stelle setzen können. Etwas besseres fiel uns damals aber nicht ein, und die Versuche, die bei anderen Verbindungen mit Herrenabenden gemacht wurden, haben mich seinerzeit jedenfalls nicht sonderlich überzeugt — womit nicht gesagt sein soll, daß unsere heutige Übung unbedingt und immer besser ist.
Das Gerüst der Semesterprogramme war gleich:
Antrittskneipe — Antrittsgottesdienst im Hohen Dom — Gästeabend — Tanztee — Vorträge — Messe für die Verstorbenen — Stiftungsfest (im Sommer) bzw. Philisterfest (im Winter) — Fahrt ins Blaue (im Sommer) bzw. Damenrevanche (im Winter) — mindestens eine Besichtigungsfahrt (Brauerei — Bundeswehr — Bergwerk) — im Sommer stets als Höhepunkt die Heggetage, im Winter das Karnevalsfest - Abschlußkneipe — Abschlußgottesdienst im Hohen Dom.
Dazu kamen die Konvente (AC und BC), für die Füchse die Fuchsenstunden, geleitet vom Fuchsmajor, und die allmonatlichen religiösen Fuchsenstunden, morgens um 7 Uhr (!) im Marianum, geleitet vom Studentenpfarrer (damals Pfarrer Werners). In mehreren Wintersemestern lud unser AH Schulze Brüning den gesamten aktiven Verein oder die Fuchsia zu einem Herdfeuerabend auf seinen Hof in Kinderhaus ein.
Dieses Gerüst wurde je nach Phantasie des Seniors durch weitere Veranstaltungen ergänzt. Das Programm war stets reichlich! Religiöse Veranstaltungen (einschließlich der Semesterantritts- und -abschluß-gottesdienste) zählt man in den Semesterprogrammen zwischen fünf (WS 1959/60; WS 1961/62) und elf (SS 1961); im Durchschnitt sind es sechs bis acht. Veranstaltungen (außerhalb der Konvente), die man unter das Prinzip „scientia" einordnen kann, finden sich zwischen drei (SS 1959; SS 1961) und acht (WS 1960/61); im Durchschnitt sind es fünf bis sieben. Tanzfeste wurden zwischen drei (SS 1959) und sieben (SS 1961) gefeiert, meistens waren es vier. Das Phiiisterfest fand übrigens im WS 1959/60 bereits im November statt, in den WS 1958/59 und 1960/61 wurde es durch einen Markomannentag in Bochum, an den sich ein Festball in der Gesellschaft „Harmonie" anschloß, ersetzt. Auch diese Markomannentage wurden im November gefeiert.
Die Vorträge eines Semesters befaßten sich in der Regel nicht mit einem gemeinsamen Thema. Vortragsreihen, die ein Thema aus verschiedener Sicht behandelten, gab es im WS 1959/60 (Die Ehe in der Sicht der Fakultäten) und seit dem WS 1960/61 (1960/61: Der Mensch in der industriellen Gesellschaft; 1961: Deutschland und seine Nachbarn; 1961/62: Protestantismus-Katholizismus heute).
Auf Einhaltung der Etikette wurde auch bei der Kleidung geachtet. Zu Tanzfesten hatte jeder Bundesbruder mit Hemd und Krawatte und in vollständigem Anzug zu erscheinen. Als ich im SS 1957 als krasser Fuchs zu einem Maitanztee in kurzärmeligem offenem Hemd auftauchte, handelte ich mir eine Rüge vor dem AC ein. Auch auf den Konventen konnte legere Kleidung sich nur allmählich durchsetzen. Tempora mutantur et nos mutamur in illis!
Apropos Tanzfeste: der Damenflor wurde von Damensenior und Damenseniorita streng gehütet. Wer ein Fest mit einer bestimmten Dame zu feiern wünschte, mußte sich dieserhalb an den Damensenior mit der Bitte wenden, ihm besagte Dame für dieses Fest zuzuteilen. Etwa vierzehn Tage vor einem Fest hing am Schwarzen Brett in der Kellerkneipe eine Liste, aus der jeder Bundesbruder entnehmen konnte, welche Dame er zu diesem Fest abzuholen hatte. Falls er sie noch nicht kannte, machte er einige Tage vor dem Fest einen Antritts(Anstands-) besuch. Wenn auch gestandene Burschen und, natürlich, Inaktive erfolgreich beim Damensenior darum bitten konnten, mit der von ihnen bevorzugten Dame feiern zu dürfen, so hatten Füchse doch kaum eine Wahl. Diese — den Damen des Damenflors bekannte — Methode hatte den Vorteil, daß es bei den Festen so gut wie keine „Pärchenwirtschaft" gab und kaum jemand ständig mit derselben Dame tanzte. Das war der Feststimmung durchaus förderlich! Hatte ein Bundesbruder, der sich mit seiner „femina cordis" einig geworden war, den Wunsch, von nun an jedes Fest mit ihr zu feiern, so war ihm das nur nach Abgabe der sogenannten „Erklärung" vor dem BC gestattet. Er stand (unter Punkt „Verschiedenes") auf dem BC auf und erklärte wörtlich: „Ich bitte, von jetzt an alle Feste mit Fräulein NN feiern zu dürfen, da ich mich in absehbarer Zeit mit ihr zu verloben gedenke". Er durfte dann!
Um den allgemeinen Überblick über das Thema Damen abzuschließen, sei aus dem berühmten „Repetitorium für Füchse" (in verschiedenen Folgen veröffentlich in den Markomannen-Mitteilungen) zitiert, was Bb. Fofo Meyer dazu im WS 1957/58 geschrieben hat:

„Damen: Wir unterscheiden viele Arten, denn jede unserer Damen ist einzigartig.

Der Fuchs merkt sich: Damen werden zu Damenfesten abgeholt und nach Damenfesten heimgebracht; mehr ist nicht zu merken. Wer es dann noch nicht merkt, merkt's nie."
Tempora mutantur?
Klagen über mangelnde Aktivität der Bundesbrüder und Bitten an die Alten Herren, doch öfter auf dem Haus zu erscheinen, gab es auch 1957 schon. Dem Chronisten kommt es aber so vor, als ob sich damals kaum ein Bundesbruder — wenn er nicht examenshalber beurlaubt war — mit Studienbelastung erfolgreich entschuldigen konnte. Wer zu hochoffiziellen oder offiziellen Veranstaltungen als aktiver Bursche oder als Fuchs nicht kam, zahlte 5 DM bzw. 2 DM Strafe. Und man fand — wenn auch zuweilen mit erheblicher Mühe — immer genügend viele Bundesbrüder, die am Bootshaus oder im Garten des Hauses erforderliche Arbeiten verrichteten oder zu den Veranstaltungen die Räume des Hauses herrichteten. Dann und wann wurde ein Bundesbruder wegen Inaktivität aus dem Verein entlassen, manche Bundesbrüder erfüllten so gerade die Pflichten, die die Satzung (die übrigens im SS 1959 neu gefaßt wurde) von ihnen verlangte, eine aktive „Kerntruppe", die man an vielen Abenden in der Kellerkneipe und (besonders in den Jahren 1959—1960) später im „Nordstern" treffen konnte, bleibt aber in der Erinnerung die aktive Markomannia. (Fast alle, die dazugehörten, haben pünktlich gute Examina abgelegt!)
Die Verbindung zu den münsterschen Kartellvereinen und zu einzelnen CV-Korporationen war rege, beschränkte sich aber auf gegenseitigen Besuch bei Kneipen und Stiftungsfesten. Manche entwickelten sich geradezu zu Experten im Chargieren bei anderen Verbindungen. Zur CV-Verbindung AV Zollern bestand einige Semester lang ein engerer Kontakt, der in persönlichen Freundschaften, gemeinsamen Kneipen, gemeinsamem Spanferkelessen und anderen gemeinsamen Veranstaltungen seinen Ausdruck fand.
Die Jahre 1958—1961 sind die Jahre des (2.) Markomannenquartetts. Herbert Pröpper, Max Kevenhörster, Adolf Spieske und Knut Wening waren mit ihren zu Schlagermelodien selbst getexteten Glossen zu Ereignissen aus dem Vereinsleben der Höhepunkt jedes Stiftungsfestballs und des nächsttägigen Frühschoppens. Ihre Lieder wurden noch Wochen nach dem Fest von den Bundesbrüdern gesungen, besonders intensiv spät in der Nacht und nach reichlichem Alkoholgenuß „auf der Giftbude" (so hieß das kleine Zimmer auf dem Treppenabsatz gegenüber der Garderobe). Bei aller Würdigung ihrer Nachfolger kann man wohl sagen, daß dieses Quartett bisher nicht wieder erreicht oder gar übertroffen worden ist.
Die Zimmer des Hauses waren meiner Erinnerung nach in diesen Jahren stets voll belegt, und zwar die meisten als Doppelzimmer.
Damen durften nach der — gewöhnlich — auch eingehaltenen Hausordnung nicht „auf die Etage". Mehrere Bundesbrüder haben bis zum erfolgreichen Abschluß ihres Studiums auf dem Haus gewohnt, ohne den Anfechtungen der Kellerkneipe stets widerstehen zu müssen. Ich will versuchen, mich an Ereignisse aus den einzelnen Semestern zu erinnern:
Im SS 1957 fand in Münster die VV unseres Verbandes statt. Ich erinnere mich, daß wir Jungfüchse unter dem Kommando von Bb. Hans Lemmen halfen, die Halle Münsterland für den großen Kommers herzurichten. Vorsitzender des Lokalkomitees zur Vorbereitung der VV war unser Philistersenior Natz Salzmann. Für unsere Markomannia war die VV auch insofern von Bedeutung, als sie der Anlaß war, dem damaligen Apostolischen Nuntius in Deutschland, Erzbischof Dr. Aloysius Muench, die Ehrenmitgliedschaft Markomanniae zu verleihen.
In diesem Semester wurde das Institut der Brandung der Füchse eingeführt. Am Ende des ersten Fuchsensemesters wurde dem Fuchsen nach Erörterung im BC die Meinung des Konvents über ihn durch den Senior vorgetragen, und er äußerte sich dazu. Durch Abstimmung mußte er anschließend „gebrandet" werden. Dadurch sollten Studenten, die nicht zu uns paßten, frühzeitig — schon im ersten Semester — wieder entlassen werden können. Im zweiten Fuchsensemester wurde der Brandfuchs dann geburscht.
Im Sommer 1957 fand zum zweiten Mal die seitdem zur Tradition gewordene Heggetagung statt. Ich habe diese Tage immer als besonderen Höhepunkt des Sommersemesters empfunden. Man kam sich persönlich viel näher als sonst in Semestern.
In der Markomannia gab es 1957 noch einen gemischten Chor, der regelmäßig probte und gelegentlich Abende für die Bundesbrüder musikalisch gestaltete. Nachdem sein Leiter, Bb. Konrad Keller, Münster verlassen hatte, hauchte der Chor leider seinen Geist aus.
Damals gab es noch kein Studentenparlament, sondern nur den AStA, der Exekutive und Legislative zugleich war und von den Studenten gewählt wurde. Die Mehrheit seiner Mitglieder bestand aus katholischen Korporationsstudenten, die sich im Katholischen Hochschulring (KHR) zusammengeschlossen hatten. Im SS 1957 wurde unser Bb. Adolf Spieske als Vertreter der Vorkliniker der Medizinischen Fakultät in den AStA gewählt.
Im WS 1957/58 rezipierten wir zum ersten Mal in der Geschichte Markomanniae als Fuchsen einen Ausländer, unseren Bb. Marijan Stanisic, der aus Kroatien kommt. Er war während seines Studiums stets aktiv am Vereinsleben beteiligt. Heute ist er wohlbestallter Arzt.
Adolf Spieske war unser Fuchsmajor. In meiner Erinnerung sind aus diesem Semester mehrere Fuchsenbummel zu „Mutter Löffken" nach Handorf haften geblieben. Nachts zogen wir per pedes und alkoholschwer von Handorf aufs Haus. Dabei entdeckten wir einmal, aus Handorf zurückgekommen, daß das Bett unseres lieben Bb. Tom Tietze noch unberührt war. Wir hielten das nicht für richtig und legten ein vor dem Haus abgestelltes (schmutziges) Fahrrad (Herrenfahrrad!), nachdem wir es etwas mühsam die Treppen hinaufgetragen hatten, in Tom's Bett und deckten es ordentlich zu. Als Tom Tietze später (nicht mehr ganz nüchtern) ins Bett steigen wollte und die Bescherung entdeckte, wurden durch den vulkanischen Wutausbruch, der der Entdeckung folgte („Wenn ich nicht schlafen kann, soll hier keiner schlafen!"), alle Hausbewohner aus dem Schlaf geweckt. Und dabei hatten wir es so gut gemeint!
Im Januar 1958 wurde aus einem ganz inoffiziellen Treffen in der Kellerkneipe die legendär gewordene und vom Markomannenquartett besungene Geisterkneipe. Gegen Mitternacht bekleideten die leicht angetrukenen Bundesbrüder, u. a. Fofo Meyer, Adolf Spieske, Roderich Egen, Tom Tietze, Jürgen Hopmann, Klaus Weber und der Chronist, sich mit Bademänteln und Bettlaken und zogen psalmodierend und Kerzen tragend in einer Geisterprozession um die Kreuzkirche. Anschließend wurde in der Kellerkneipe der Altvordern (maiores) in Reden und Liedern und mit Trinksprüchen gedacht. Das Ende der Veranstaltung liegt im Dunkeln!
Im Februar 1958 erlebte ich zum ersten, aber nicht zum letzten Mal die langen Nächte und Tage des Markomannenkarnevals: Am Samstagabend Karnevalsfest auf dem Haus, nachdem die Räume zwei Wochen lang Abend für Abend geschmückt worden waren. Am Sonntagabend — wieder bis in den späten Morgen - Neuauflage des Festes. Am Rosenmontag um 13 Uhr Sammeln bei Pinkus Müller, Abnahme des Rosenmontagszuges am Rosenplatz und Polonäse über den „Liebeshügel" zum Haus. Dort drittes Fest. Am Dienstagabend stille Feier der leicht erschöpften Krieger auf dem Haus bis Mitternacht. Frau Hartmann, die bis dahin alles mit Geduld und Verständnis begleitet hatte, wurde dann aber doch ärgerlich, als nach Mitternacht (das war in späteren Semestern) noch einige Bundesbrüder auf Matrazen die Treppe von der Garderobe ins Erdgeschoß hinunterrodelten („Arning und Brüggemann, die werden auch nie erwachsen!"). Die Semester 1958 und 1958/59 verbrachte ich in Freiburg, so daß ich eigene Erlebnisse aus der Markomannia nicht beisteuern kann. Unser Verein war im SS 1958 Vorort im Münsterschen KV. Adolf Spieske war KVMx, Thomas Brüggemann KVMxx. Am Festkommers des Stiftungsfestes nahmen neben dem Vorsitzenden des AH-Zirkels „Drubbel" und dem Vorortspräsidenten des UV mehr als 30 Chargierte des CV, UV und KV teil.
Im WS 1958/59 wurde die Kellerkneipe neu gestaltet. Am 11. 2. 1959 starb unser Philistersenior Natz Salzmann; im SS 1959 wurde „Wihu" Huntgeburth zu seinem Nachfolger gewählt.
Das SS 1959 erscheint mir rückblickend als mein schönstes Semester. Der Sommer war lang und heiß. Fast jeden Nachmittag verbrachten viele Bundesbrüder am Bootshaus. Man schwamm in der Werse (es kommt mir so vor, als sei sie damals noch sauberer gewesen), lag im Liegestuhl auf dem Bootssteg und paddelte so gegen 16 Uhr mit der Pünte zu Vennemann oder bis zu „Mutter Löffken", um einige Krüge Bier zu sich zu nehmen. Häufig wurde der Nachmittag stufenlos in den Abend übergeleitet, der auf dem Haus oder bei Pinkus Müller begann und irgendwann im „Nordstern" oder noch später in der „Giftbude" auf dem Haus endete. Ich sehe noch Herbert Pröpper in dem kleinen, schlecht belüfteten Raum Gitarre spielen, während die Corona irgendwo saß oder lag und mitsang.
Unsere jüngeren Bundesbrüder wird es vermutlich überraschen, daß erst auf dem Konvent des Stiftungsfestes im SS 1959 der Duz Comment innerhalb unseres Vereins eingeführt wurde. Bis dahin waren die AHAH. von den Aktiven gesiezt worden.
Die Renovierungsarbeiten am Bootshaus (Befestigung des Ufers, Anlegen der Treppen, Bau der Mauer und Anbringen des Gitters sowie Anpflanzen der Sträucher) wurden im Herbst 1959 abgeschlossen.
Nach dem SS 1959 ließ meine Aktivität im Verein etwas nach: ich ging zum Repetitor. Aus dem WS 1959/60 ist mir aber eine ganz großartige Damenrevanche, gestaltet vom Damenflor unter Leitung der Damenseniorita Margot Brenken, in Erinnerung.
Das SS 1960 brachte u. a. eine gelungene Burgenfahrt mit anschließendem Tanz in Lette bei Coesfeld, einen Jazzabend mit der Metronome-Combo auf dem Haus, einen Vortrag über Probleme der Wiedervereinigung der christlichen Kirchen und einen Vortrag über Goethes „Faust". Die Fahrt ins Blaue führte zum Dümmer See und schloß mit einem Tanzabend in Mettingen. In Ergänzung der drei Vorträge zum Semesterthema „Der Mensch in der industriellen Gesellschaft" im WS 1960/61, von denen einen Prof. Höffner, der jetzige Kölner Erzbischof hielt, wurden die Fordwerke und der WDR in Köln sowie der Flughafen in Düsseldorf besucht. Studentenpfarrer Werners, der immer wieder gern gesehener Gast zu Vortragsveranstaltungen auf dem Haus war, sprach zu uns über „Die Verwirklichung der Bergpredigt in unserem sozialen Leben".
Aus diesem Semester erinnere ich mich besonders vieler Examensfeiern (Hardy Oestreicher, Gerd Fehle, Horst Debbert, Jupp Suermann, Klaus Böcker, Harald Nachtigäller). Die Juristen, die in Hamm ihr Referendarexamen bestanden hatten, wurden feierlich vom Hauptbahnhof abgeholt. Auf dem Bahnsteig wurden sie mit einem Lied begrüßt und dann auf den Schultern von Bundesbrüdern auf den Bahnhofsvorplatz getragen, wo ein zweirädriger Karren stand, auf dem ein Chargensessel, geschmückt mit unserer Fahne, befestigt war. Auf diesem Sessel sitzend wurde der frisch Examinierte über die Bahnhofstraße, die Salzstraße und den Spiekerhof zum Haus gefahren. Die begleitenden Bundesbrüder stärkten sich unterwegs nach und zwischen kräftigen Gesängen aus einem Kasten Bier, der ebenfalls auf dem Karren stand. Auf dem Haus war in der Kellerkneipe bereits ein Faß Bier vorbereitet, das nach Ankunft der Corona von „Tonne" Hartmann, unserem Faxen, angestochen wurde.
Wenn man der Statistik, die in den Markomannen-Mitteilungen veröffentlicht ist, glauben darf, bestand die Aktivitas am Ende des WS 1960/61 aus 13 Füchsen, 7 aktiven Burschen, 28 Inaktiven und 29 Inaktiven extra locum. Den Löwenanteil der Bundesbrüder stellten die Mediziner mit 29, gefolgt von den Juristen mit 22 und den Wirtschaftswissenschaftlern mit 10.
Das Sommersemester 1961 stand im Zeichen unseres Jubiläumsstiftungsfestes anläßlich des 60jährigen Bestehens Markomanniae. Das Fest begann am Freitag (23. 6.) mit dem Festkommers im Zwei-Löwen-Klub. 14 Verbindungen hatten Chargierte entsandt. Außerdem waren als Ehrengäste der Rektor der Universität Prof. Kötting und der Regierungspräsident Dr. Schneeberger erschienen. Prof. Kötting wies in seinem Grußwort auf die Chance der Verbindungen hin, sich als Damm gegen die fortschreitende Nivellierung und Vermassung und die ethische Bindungslosigkeit unter den Studenten zu bewähren. Die Festrede hielt unser AH Pater Dr. Dr. Vogel SAC über die Bedeutung unseres Wahlspruchs „viriliter age!". Der Kommers wurde vom Senior Wilhelm Jansen sehr zünftig geschlagen. Man traf sich im Anschluß in immer kleiner werdendem Kreise. Die ganz Unentwegten fanden sich morgens um 7.30 Uhr in der Küche des Hauses wieder, wo bei Spiegeleiern die letzten Kräfte mobilisiert wurden. Dann mußte man aber doch ins Bett gehen, weil um 10 Uhr bereits der Gedenkgottesdienst für die gefallenen und verstorbenen Bundesbrüder in der Kapelle der Hildegardisschule angesetzt war. Nicht alle haben es leider bis dahin geschafft. Am Samstagmittag traf man sich zu einem gemeinsamen Mittagessen in der „Kaiser-Friedrich-Halle" am Alten Fischmarkt. Nachmittags tagten die Konvente und abends fand im Zweilöwenklub der Festball statt. Es waren so viele Bundesbrüder gekommen, daß der Raum reichlich eng wurde. Unser Markomannenquartett trat, immer wieder umjubelt, zum letzten Mal auf.
Am Sonntag feierte unser AH Prof. Bierbaum um 9 Uhr mit uns den Festgottesdienst in der Kapelle der Hildegardisschule. Ein Frühschoppen im Garten des Markomannenhauses schloß sich an. Den Nachmittag verbrachte man bei strahlend schönem Wetter am Bootshaus. Abends hatten wir das Zimmertheater zu einer Sondervorstellung der Komödie „Der Mustergatte" gemietet. Im Anschluß an die Theatervorstellung wurde auf dem Haus noch getanzt. Am Montag ging der Exbummel wieder zum Bootshaus und von dort abends zu „Pröbsting", wo das schöne Jubiläumsfest endgültig beschlossen wurde.
Es waren zwar anstrengende, aber schöne Tage. Das Semester bescherte uns ansonsten eine Pättkesfahrt in den Mai, die Heggetage, ein Käsefondueessen im Garten des Hauses sowie eine Fahrt ins Blaue zum Sorpe- und Hennesee.
Das WS 1961/62 ist für mich mit der Erinnerung an Fuchsenstunden, Fuchsenbummel zu „Mutter Löffken" und eine Fuchsenkneipe mit der VKDSt Saxonia verbunden. Ich war nämlich Fuchsmajor mit einem Fuchsenstall von etwa 10 Füchsen. Ein guter Teil von ihnen und einige andere Bundesbrüder fuhren im Februar 1962 nach Meppen zum CV-KV-UV-Fest, zu dem Bb „Pille" Kerkhoff uns eingeladen hatte.
Mit dem WS 1961/62 endete auch meine Zeit als Aktiver Markomanniae. Ich bin glücklich, diese Semester erlebt und während dieser Zeit manche Freunde gefunden zu haben.
Die Senioren des Vereins:

SS 1957 stud. iur. Gert Wülfing,
WS 1957/58 cand. med. Klaus Böcker,
SS 1958 cand. med. Horst Debbert,
WS 1958/59 cand. med. Harald Nachtigäller,
SS 1959 stud. iur. Bernd Jacobi,
WS 1959/60 Gerichtsreferendar Dieter Drerup,
SS 1960 Gerichtsreferendar Wolfgang Freudiger,
WS 1960/61 cand. phil. Bernd Hinrichs,
SS 1961 stud. pharm. Wilhelm Jansen,
WS 1961/62 stud. med. Dieter Nachtigäller.

Neuaufnahmen von Füchsen und Burschen (Kartellbrüdern) und Bestand der Aktivitas (soweit aus den einzelnen Nummern der Markomannen-Mitteilungen zu entnehmen):

Semester Füchse Kartellbrüder Bestand der Aktivitas
1957 7 5 78
1957/58 1 1 ?
1958 10 5 ?
1958/59 1 5 85
1959 8 4 91
1959/60 1 - 87
1960 11 ? -
1960/61 2 2 77
1961 10 5 80



Markomannia 1960—1965

Von Dr. Heinrich A. Hoffschulte

87 Bundesbrüder zählte die Aktivitas gegen Ende des von Dieter Drerup als Senior geleiteten Wintersemesters, als ich im Februar 1960, wenige Tage vor meinem Abitur, zum ersten Male Gast der Markomannia bei ihrer Semesterabschlußkneipe war. „Der K.St.V. Markomannia gibt sich die Ehre", so hieß die Einladung. Der Kontakt war schneller gefunden, als es die vorgedruckte Formel vermuten ließ. Und so sei hier über die erste Hälfte der 60er Jahre berichtet.
Mit Wolfgang Freudiger als Senior, Rudolf Esders als Damensenior und Clemens Funcke als Fuchsmajor sowie Jörg Fischer und Wolfgang Löning als Schriftführer und Kassierer hatte ein recht „hochsemestriger" Vorstand auf der Schlußkneipe des Wintersemesters 1959/60 das Ruder der Markomannia übernommen. Erfahrung und Routine sorgten für ein sehr dichtes und abwechselungsreiches Programm für dieses Sommersemester. Semester-Eröffnungsgottesdienst, Begrüßungskonvent mit etwa 20 Gästen und „Tanz in den Frühling auf Schloß Wilkinghege" waren der Auftakt. Von den zahlreichen Gästen dieser ersten Veranstaltungen konnten übrigens 11 Bundesbrüder aufgenommen werden, eine damals schon im Vergleich zu anderen Verbindungen beachtliche Zahl, die obendrein nicht einmal erkennen läßt, daß die Aktivitas bei der Aufnahme allerhand Spielraum zur Auswahl hatte: kurz gesagt, es gab mehr Bewerber, als der schon recht groß gewordenen Aktivitas aufzunehmen sinnvoll erschien.
Die Reihe der Vortragsabende leitete Dr. Dreier, Assistent des damaligen Professors Dr. Höffner, heute Erzbischof und Kardinal von Köln, mit einem lebendigen Einführungsvortrag zur späteren Hegge-Tagung ein, indem er an Hand von Beispielen das System des dialektischen Materialismus erläuterte. Bei strahlendem Sonnenschein nahm Ende Mai 1960 die Aktivitas an der jährlichen Wallfahrt der katholischen Studenten zum Gnadenbild in Telgte teil. Ein Mai-Ausflug besonderer Art führte die Bundesbrüder gemeinsam mit den Aktiven der AV Zollern zu einem großartigen Spanferkelessen mit anschließendem Umtrunk nach Thürs im Busch. Consenior Rolf Esders führte uns mit unseren Damen auf eine abwechselungsreiche Wasserburgenfahrt weit durch das Münsterland und bis nach Borken sowie zu den Wildpferden des Merfelder Bruches. Der münsterländische Landadel zeigte sich zwar am Nachmittag bei einer vorgesehenen Schloß-Besichtigung von wenig nobler Art, als den pünktlich am Eingang wartenden Gästen eine Dame aus dem Burgfenster des 2. Stockes zurief, man habe überraschend anderen Besuch erhalten und könne deshalb nicht empfangen. Doch das Mittelalter war längst vergessen, als ein vergnügter Tanzabend in der Heide unweit von Dülmen den gelungenen Tag abschloß.
Die Einkehrtage auf der „Hegge" bei Warburg vermittelten uns eine intensive Auseinandersetzung mit dem dialektischen Materialismus. An den erwähnten Vortrag von Dr. Dreier knüpften die Damen der Hegge und — äußerst anschaulich — Jaroslav Novák an. Die gemeinsamen Tage auf der Hegge dienten nicht zuletzt der großen Schar neuer Bundesbrüder zum schnellen Einleben in den Verein und zur Intensivierung des Zusammenhaltens in der Aktivitas.
Höhepunkt des Semesters war ohne Zweifel das 60. Stiftungsfest, auf dem vor allem die Festansprache des Festkommerses durch unser Ehrenmitglied, Herrn Innenminister Dufhues, in Erinnerung blieb. Aus seiner politischen Tagespraxis unterstrich er die besondere Verantwortung des Studenten wie des Staatsbürgers schlechthin und seine Pflicht zu staatspolitischer Aktivität, um nicht anderen Kräften kampflos das Feld zu räumen. Aus der Erinnerung und im Rückblick auf die späteren 60er Jahre ein Aufruf, der aus unserer Mitte sicherlich manches Engagement gefördert hat.
Weitere Veranstaltungen dieses Semesters: die Fuchsenkneipe in der Ratsschänke; die Vorträge des Jesuitenpaters Schmitz über die Wiedervereinigung der beiden christlichen Kirchen, des Oberstudiendirektors Dr. Krug über ein in moderner Sicht gesehenes Faust-Thema und des Professors Dr. Kreutz über die Ehe; Piratenkneipe rund um's Bootshaus; die „Fahrt ins Blaue" zum Dummer-See mit unseren Damen; zahlreiche Konvente, die übrigens recht häufig weit über die Mitternacht hinausgingen; und letztlich Ausflüge zu mehreren Alten Herren in und um Münster.

Wintersemester 1960/61

Für das Wintersemester 1960/61 hatten Bernd Hinrichs als Senior, Jochen Freudiger als Damensenior, Gert Veer als Fuchsmajor, Jörg Fischer als Schriftführer und Ulrich Schmitz die Verantwortung übernommen. Bernd Hinrichs stellte bewußt kirchliche Feiern und Themen in den Mittelpunkt des Winterprogramms. Daß wir das Wintersemester mit einer Messe für den plötzlich durch Unfall verstorbenen AH Jan Müller beginnen mußten, war freilich nicht geplant. Vortragsabende mit Studentenpfarrer Werners über die „Verwirklichung der Bergpredigt in unserem sozialen Leben", mit Prof. Dr. Höffner, Dr. Zielinski und Prof. Dr. Froese in einer Reihe unter dem Rahmenthema „Der Mensch in der industriellen Gesellschaft" brachten großartige Anregungen. Ergänzt wurden sie durch zwei ganztägige Fahrten nach Köln zu den Ford-Werken und zum Westdeutschen Rundfunk sowie nach Düsseldorf zum Flughafen Lohausen.
Wiederum wurde eine gemeinsame Veranstaltung mit der AV Zollern durchgeführt, bei der ein Kommilitone Tuburru über sein Heimatland Ghana berichtete. Herr Ing. Peter Brüggemann, damals Verkehrsgast bei uns, schilderte mit Lichtbildern eine Fahrt nach Moskau. Gemeinsame Abende mit den Alten Herren der Markomannia, ein Markomannentag in Bochum, Damenrevanche und drei tolle Tage — und lange Nächte — des Karnevalfestes rundeten das Programm ab. Von den Karnevalsfesten der frühen 60er Jahre sprechen heute noch alle Teilnehmer begeistert. Und es waren in der Tat regelmäßig drei lange Nächte mit anschließend viel zu kurzen Tagen der Ruhe. Der Chronist kam seinerzeit eigens aus dem Ausland für einige Tage zurück. Er hat es nicht bereut.
Freilich waren damals die Semesterprogramme ohnehin sehr „anstrengend" terminiert. Schmunzelnd meinte der scheidende Senior in seinem Semesterbericht: „Jeder wird sich gern an dieses Semester in der Markomannia erinnern, mag es den einzelnen auch zeitlich gebunden haben (!). Bleibt abschließend die Feststellung: Bildung vollzieht sich nicht in Selbstverstrickung, sondern zwischen ganzen, lebendigen Menschen."

Sommersemester 1961

Mit 77 Aktiven, davon 13 Füchsen, war das Wintersemester 1960/61 zuende gegangen. Mit dem damals noch zu Ostern absolvierten Abitur drängten neue Gäste auf den ersten Veranstaltungen des Sommersemesters 1961 in unseren Verein. Im Laufe des Sommers konnten 15 (!) aufgenommen werden. Wilhelm Jansen hatte das Amt des Seniors, Reiner Niemann das des Damenseniors übernommen. Gert Veer stellte sich noch einmal als Fuchsmajor zur Verfügung, Dieter Nachtigäller sorgte für den Schriftverkehr und Dieter Middeler für eine geordnete Kasse.
Semester-Eröffnungsdienst im Hohen Dom, eine ausgezeichnet geplante Pättkes-Fahrt durch das schöne Münsterland und anschließende Maibowle sowie die Semesterantrittskneipe und ein Tanztee auf dem Haus sorgten gleich in den ersten Tagen für einen guten Start in das Semester. Mitte Mai begann eine Vortragsreihe unter dem Thema „Deutschland und seine Nachbarn". Prof. Dr. M. Hellmann referierte über „Das Verhältnis Deutschland — Polen in Geschichte und Gegenwart".
Aus der Chronik des Seniors:
„Anfang Juli folgte der erste Höhepunkt des Semesters. Die Markomannen begaben sich auf die Fahrt zur traditionellen ,Hegge-Tagung'.
Diesmal sprach zu uns neben den Damen des Hegge-Convents und dem H. H. Rektor Kirchhoff der Herr Bundesminister Dr. Fr. J. Wuermeling und der H. H. Studentenpfarrer Werners. Das erste Referat von Herrn Studentenpfarrer Werners, dessen Vorträge nun schon zum festen Semesterprogramm gehören, behandelte das Thema: ,Der Staat im Neuen Testament'. Es schloß sich eine längere Diskussion über das Verhältnis Kirche und Staat an. Die Damen des Hegge-Convents und Herr Rektor Kirchhoff hielten mehrere Referate über: ,Das Wirken des Dämonischen'. Herr Bundesminister Dr. Wuermeling schließlich sprach über die "Verantwortung des Christen in der Politik". Wie immer boten die Hegge-Tage den Bundesbrüdern eine Gelegenheit, sich besser kennenzulernen und den Zusammenhalt der Gemeinschaft zu stärken."
Bundesbruder P. G. Gutermuth erläuterte bei einer Stadtführung die Geschichte und Wachsen unserer Universitätsstadt, und der Damensenior überraschte mit einem Schweizer Käse-Fondue-Essen. Beim Stiftungsfest galt es 60 Jahre Markomannia zu feiern. Gleichzeitig bestand das Markomannenhaus inzwischen 50 Jahre. In besonderer Erinnerung nicht nur dieses Festes blieb sicherlich allen Bundesbrüdern das unvergeßliche Markomannenquartett.
Winfried Terstesse berichtete seiner Zeit als Chronist: „Knut Wening, Herbert Pröpper — beide inzwischen wohlbestallte Assistenzärzte —, Jürgen (,Max') Kevenhörster — Gerichtsreferendar seines Zeichens — und Adolf Spieske haben nach vier Jahren nun endgültig ihre ,spitzen Zungen', mit denen sie so gekonnt das Leben der Markomannia "durchleuchteten", — zumindest musikalisch — "abgestumpft". Hier an dieser Stelle soll den vier wackeren Sängern, die zudem ihre eigenen Texter gewesen sind, nochmals herzlich gedankt werden, daß sie so manches heiße Eisen musikalisch anfaßten und uns so viel Frohsinn schenkten." Und der Chronist rief ihnen ein „Vivant sequentes!" zu. Es hat sicherlich gewirkt, denn bis zum heutigen Tage erfreut uns ein immer neu zusammengesetztes Quartett mit den anspielungsreichen Berichten aus dem Leben der Aktivitas.

Wintersemester 1961/62

Für das 122. Semester des Winterhalbjahres 1961/62 übernahm Dieter Nachtigäller die Führung, Hermann Pennekamp arrangierte die Damenfeste und lockte „unsere Weiblichkeit" zu einer stimmungsvollen Damenrevanche, Heiner Arning betreute die Fuchsen und sorgte sich ums „crescat Markomannia", Heinrich Hoffschulte erledigte den Schriftkram und stellte eine neue Markomannenkartei auf, Jochen Gutermuth präparierte sich auf seine hohen Aufgaben in der Westdeutschen Landesbank durch die umsichtige Führung der freilich bescheideneren Markomannenkasse.
Zentrales Thema des Semesters war das ökumenische Verhältnis zwischen „Protestantismus und Katholizismus heute", eine Vortragsreihe, zu der wir den Studentenpfarrer Werners wie Pastor Linnemann hörten und in deren Rahmen uns Pater Ekkehard in das „Kommende Konzil und die Una-Sancta-Bewegung einführte. Ein Grünkohlessen mit unseren Alten Herren, eine Besichtigungsfahrt zu den Hüttenwerken Siegerland und zur Krombacher Schadeberg-Brauerei, ein außerordentlich angeregter und froher Abend am Kamin unseres AH Schulze-Brüning, Ludwig Humborgs Lichtbildervortrag über Münsters Geschichte und die anschließende Stadtführung durch Bb Paul-Georg Gutermuth waren die Höhepunkte des Semesters, abgerundet durch Anbetungsabende im Hohen Dom und im Collegium Marianum, Convente und Tanzfeste wie auch das allmittwöchlich stattfindende Abendessen der BbBb im „Alten Gasthaus Leve". Daß ein dreinächtiges Karnevalsfest das Semester abschloß, war schon Tradition - freilich eine ebenso intensiv gefeierte wie ermüdende. Am Aschermittwoch war alles vorbei.

Sommersemester 1962

Der Chronist war das Opfer der Chargenwahlen für den Sommer geworden. In seinem Seniorat aber standen ihm eifrige Bundesbrüder zur Seite: Hans Delhey betreute den Damenflor, Wilhelm Kayser „sortierte" aus 40 Einladungen an junge Kommilitonen 26 Gäste und später elf neue Füchse, die mit zwei KbKb die Aktivitas auf 84 Mitglieder brachten, davon 71 in Münster und 13 im Kartell, also überwiegend nach Freiburg „ausgeliehen". Nachwuchssorgen, die damals zahlreiche Verbindungen plagten, kannten wir nicht, vor allem wohl dank der guten Verankerung unserer Markomannia in Münster und Umgebung.
Die Vortragsreihe des Sommers eröffnete H. Müller von den Westfälischen Nachrichten mit „Berlin nach dem 13. August". Prof. Dr. Grotian aus Berlin über „Wandlungen und Einfluß der Intelligenz in der Sowjetunion" (mit KVM und AHZ Drubbel) und Dr. L. Wegmann von der Münsterschen Zeitung über „Die nächsten Schritte zur Europäischen Integration" ergänzten den politischen Zyklus unserer Referate. Oberstudiendirektor Dr. Plate führte uns im Anschluß an einen gemeinsamen Besuch des Faust im Stadttheater zu einer einzigartigen Begegnung mit dem Stück, das er als Schauspieler wie Pädagoge beherrschte.
Im Juni dann besuchten wir die Raffinerie Lingen, durch die uns Kb. Dr. Alfred Hovestadt (Tsk. Mon.) führte. Ein CV-AH, Dr. med. Holtmann rundete in Lingen den Tag mit einem Faß Bier ab, während seine asiatische Singdrossel laut-lachend unserer wachsenden Heiterkeit paroli bot. Auf der Hegge diskutierten wir über „Freiheit, Toleranz und Verantwortung", und als uns die Heggedamen nach einer sangesfreudigen Nachtwanderung nach Nissen die Stacheln zeigten, versöhnten wir sie durch ein Distelrupfen in der neuen Kiefernschonung beim Hause. Alle nachfolgenden Markomannengenerationen werden uns dankbar sein über die Pflege der inzwischen schon Schatten spendenden Pflanzung. Stiftungsfeste sind nahezu jährlich ein neuer Erfolg. So mag von dem des Sommers 1962 nur festgehalten werden, daß wir einem scheidenden AHV-Vorstand unter Wilhelm Huntgeburth und Engelbert Brenken von Herzen für die unvergleichlich treue Unterstützung der Vorjahre danken konnten und unser AH Heinrich Austermann mit Unterstützung durch die Aktivitas und ihren Vorstand gewonnen werden konnte, das Amt des Philisterseniors zu übernehmen.
Eine Fahrt ins Blaue mit dem zum „MS Annette" umgetauften „MS Lamberti" gelang nicht nur unter blauem Himmel sondern auch dank der tatkräftigen Hilfe unserer Senorita Annette Lucas. Bei der Semesterabschlußkneipe mahnte Abbe Foucher aus Münsters Partnerstadt Orleans mit herzlichen Worten christlich-europäischer Gemeinsamkeit: „Travaillons ensemble que nos deux peuples soient unis dans la paix du Christ et la fraternite que le Seigneur nous a demandée."

Wintersemester 1962/63

Laurenz Börgel (x), Karl-Ludwig Kinz (Vx), Rainer Steltmann (FM), Christoph Röhrl (xx) und Gebhard Cohausz (xxx) übernahmen das Ruder der Aktivitas für den Winter 1962/63. Sie stellten ihr Semester unter das Thema der „Entwicklungshilfe aus dem Abendland". Heute mag die Vortragsreihe nach täglich abgeklopften Themen aussehen, damals war das Thema noch nicht so bewußt.
Studentenpfarrer Werners über „Missionsarbeit und kirchliche Entwicklungshilfe", Prof. Dr. Stier, Ordinarius für Geschichte und CDU-MdL, über die Frage „Gibt es ein westliches Bildungsideal von Menschheitsbedeutung?" und AH Dr. Udo Knoke, damals Regierungsassessor im Bundeswirtschaftsministerium, über „Westliche und Östliche Wirtschaftshilfe" beleuchteten das Thema der auch bis heute völlig unzulänglichen Zusammenarbeit mit den Entwicklungsländern.
Kneipen, Tanztees, eine Nikolausfeier mit Feuerzangenbowle, die Besichtigung des Nato-Flughafens in Dreierwalde, Studentenmission der Katholischen Studentengemeinde Münster, AHZ-Feste des Drubbel-Zirkels, Promotionskneipe und Examensbiere prüfungsarrivierter Bundesbrüder, erneut ein Herdfeuerabend bei unserem AH Schulze Brüning und Karneval unter dem Titel „unser Haus in Kamerun" waren nur einige der reichlichen Aktiventermine. Wieder mußten sich beim Fischessen im „Kiepenkerl" die von drei langen Nächten müden „Afrikaner" am Aschermittwoch erholen.
Mit ersten Sammlungen für die Aktion „Adveniat" und einem einjährigen Stipendium für einen Theologiestudenten in Lateinamerika setzten die Bundesbrüder besondere Akzente zu ihrem Semesterthema.
Daß die Aktivitas nochmals um zwei Kartellbrüder und vier Füchse auf 89 Mitglieder, davon 47 i. L., anwuchs, mag ebenfalls von einem guten Semester und Vereinsleben zeugen.

Sommersemester 1963

Das „Gespräch mit dem Osten?" wählte sich der Vorstand des Sommers 1963 zu seinem Semesterthema. Heinzpeter Schmitt (x), Manfred Scheuvens (Vx), Peter Kadow (FM), Klaus Boymann (xx) und Diether Sauerwald (xxx) hatten die Ämter für drei Monate übernommen. Im Anschluß an eine Tagung des Altherrenbundes im KV über den Kommunismus hielten unsere AHAH Dr. Horst Grenz und Dr. Viktor Egen einen Vortrag über die Gespräche dieser Tagung. „Daß wir gut vorbereitet in diese Auseinandersetzung" gehen, war damals ihre Forderung, die von ihrer Aktualität nichts verloren hat nach den Jahren einer bisweilen naiven „neuen Ostpolitik". Die Festrede Dr. Kurt Birrenbachs, MdB/CDU und damals Vizepräsident der Europa-Union, auf einer Festakademie des KVM mit dem AHZ Drubbel über die westliche Einigungspolitik und Kb. Dr. Paul Frankens Vortrag über den Durchbruch der UdSSR mit der „Weltgeschichtlichen Bedeutung des Jahres 1945" sowie eine achttägige Fahrt der Aktivitas nach Berlin reihten sich in das Semesterthema.
Unsere geistlichen Bundesbrüder setzten in diesem Sommer besondere Akzente. AH Dr. Max Bierbaum, Domkapitular in Münster und Bischöflicher Offizial, lud zu einem besinnlichen Kamin, bevor er im September dann als 80jähriger mit einer Fotopostkarte von seinen täglichen Ritten durch die Dünen von Norderney grüßte. Bb Miguel Benedito Gil aus Brasilien hielt eine sehr ernste Predigt über unsere weltweiten Pflichten als junge Katholiken, als er die Stiftungsfestmesse las, anknüpfend an den Festvortrag unseres AH August Lohaus über die Stellung der Korporationen in unserer heutigen Gesellschaft.
Unsere Damen sorgten für besondere Höhepunkte dieses Semesters; wie so oft, mag mancher Markomanne einwenden — und dennoch: Wenn die Senorita den Vorstand und alle Füchse zu einer Schnapsbrennereibesichtigung und anschließendem Abendessen einlädt, verdient dies sicher der Erwähnung, ist es doch in der Regel ein „Privileg" Alter Herren. Tanzeinlagen auf dem Stiftungsfest und die Mitwirkung bei der Vorbereitung unserer Feste und Tanzabende waren schon eher gewohnt.
Doch Doris Müller hatte sicherlich keine Bedenken auszuräumen, als sie den Bundesbrüdern anbot, Theorie und Praxis des münsterländischen Korns oder Doppelkorns zu erläutern im Hause Hovestadt. Auch der Senior sorgte für neue Wege: Erstmalig schloß er ein Semester nicht mit einer Abschlußkneipe sondern auf einem Exbummel zur Wienburg und gemeinsamem Abendessen. „Kneipe in der Krise?" Die Pause soll ihr gutgetan haben.
86 Bundesbrüder zählten wir Ende 1963 in der Aktivitas, davon 37 e. l., eine nach wie vor stattliche Zahl.

Wintersemester 1963/64

„Hat der nationale Gedanke heute noch eine Zukunft?", so lautete das Semesterthema, das sich der Vorstand des Winters 1963/64 unter seinem Senior Christoph Röhrl ausgewählt hatte. Hermann Diebäcker als Damensenior, Christoph Schnell als FM, Rainer Plumpe als Schriftführer und Hans-Georg Wülfing als Kassierer unterstützten ihn. Studienrat Dr. J. Dikow eröffnete den Vortragsreigen mit einem Vortrag über „Ursprung und Entwicklung des nationalen Gedankens in Europa". Er verdeutlichte den weiten Weg und die Vielzahl der erforderlichen nationalen Verzichte für die Schaffung der „Vereinigten Staaten von Europa". Politik sollte mehr denn je dieses Semester überschatten. Auf der Semesterantrittskneipe am 22. November 1963 überraschte uns die Nachricht von der Ermordung des amerikanischen Präsidenten John F. Kennedy, der — das müssen wir auch nach so vielen Jahren noch bekennen — mit seiner Amtsführung in nicht wenigen von uns Hoffnungen auf ein besseres politisches Weltklima und eine gemeinsam geförderte freiheitliche Entwicklung auch der Dritten Welt geweckt hatte. Die Kneipe wurde vorzeitig abgebrochen. Im Entsetzen der ersten Stunde hielt mancher auch neue internationale Verwicklungen für nicht ausgeschlossen. Die Kubakrise und Chruschtschows ebenso wütender wie unbeherrschter Auftritt in der UNO gingen uns durch den Kopf. Die meisten von uns suchten weitere Nachrichten aus den Fernsehschirmen.
Drei junge Nigerianer schilderten uns Mitte Dezember ihre Eindrücke von nationalen und nationalistischen Strömungen im jungen Afrika. Neigung zum Radikalismus war das beeindruckendste Moment dieser Vorträge. Ein Abend mit unseren AHAH setzte die politischen Diskussionen fort im Anschluß an eine Filmvorführung über die propagandistische Erziehung der Jugend in der SBZ. In einem weiteren Vortrag berichtete Bb Miguel Gil über den Spiritismus in seinem Heimatland Brasilien. Ein Besuch des Bundestages schloß sich im Januar 1964 an. Im Bundeshaus erläuterten die münsterischen Bundestagsabgeordneten Diebäcker und Hufnagel den Alltag unseres Parlamentes. Die Fahrt zurück führte ins Kölner Funkhaus des WDR. „Frankreich heute" war das letzte Vortragsthema des Winters, mit dem Mlle Arlette Grandmaitre vom Deutsch-Französischen Jugendwerk ihr Land vorstellte.
Einer der Höhepunkte des Semesters war sicher auch die seit Jahren erstmalig wieder durchgeführte „Damenkneipe", die unsere Senorita Annette Lucas mit ihren Aktivdamen schlug, zur hellen Begeisterung der Bundesbrüder aus Altherrenschaft wie Aktivitas. Mit ausgezeichnet spritzigen Parodien besangen sie die Stärken und Schwächen der Markomannen. Bb Hans-Werner Rengeling organisierte und leitete einen gut besuchten Tanzkurs unserer Aktiven. Es sei ebenso nötig wie erfolgreich gewesen, lästerten schmunzelnd unsere Damen. Theater- und Konzertbesuche, der traditionelle Herdfeuerabend bei Bb AH Josef Schulze-Brüning, ein ausgezeichnet besuchtes Philisterfest und die langen Nächte des Markomannenkarnevals, ein Preisschießen im Wettkampf mit der AV Zollern im CV und das vielen in bester Erinnerung gebliebene Faß Freibier unseres verehrten AH Wilhelm Huntgeburth aus Anlaß seines 100. Markomannensemesters rundeten das Winterprogramm ab.

Sommersemester 1964

Klaus Heveling übernahm das Seniorat für den Sommer und stellte ein dichtes Programm vor, zusammen mit Helmut Beckmann (Vx), Rainer Plumpe (FM), Adolf Bross (xx) und Norbert Bövingloh (xxx). „Verbindung und Hochschule" hatten sie sich zum Semesterthema gewählt und damit zur Selbstbesinnung und zum offenen Gespräch mit Nicht-korporierten aufgerufen. Weniger die Vorträge standen diesmal im Vordergrund als vielmehr auf Anregung unseres Philisterseniors Austermann Diskussionsabende, also eine offenere Form der Gespräche, als sie der Respekt vor einem eingeladenen Gastreferenten und seine Zeitbeschränkung bisweilen erlauben. Auch auf der Hegge wurde der Wechsel von Vortrag und Gesprächskreis bevorzugt, dort freilich nicht mehr nur versuchsweise. Alle Bundesbrüder empfanden diese Tage als Höhepunkt des Semesters, wie denn überhaupt Markomannia seit langen Jahren ohne die ebenso besinnlichen wie anregenden und fröhlichen Tage auf der Hegge und unter behutsamer wie toleranter Leitung der Damen dieser religiösen Nachkriegsgemeinschaft nicht mehr vorstellbar sind.
Das 64. Stiftungsfest im Juni 1964 fand so starken Zulauf von jung und alt, daß weder der Kneipsaal auf dem Hause noch beim Ball der Saal des Zwei-Löwen-Klubs alle Besucher zu fassen schienen. Auf dem Cumulativconvent unseres Gründungsfestes wurden wichtige Beschlüsse für eine gründliche Renovierung und notwendige Umbauten unseres Hauses Kampstraße 10 gefaßt. Gleich nach Ende des Semesters begannen die Arbeiten, die zwar eine starke finanzielle Belastung vor allem der AHAH brachten, aber auch ein Haus wieder herrichteten, das täglich von hunderten von Studenten genutzt wurde, nicht nur von unserer Aktivitas, sondern auch von den zahllosen Schülern des Repetitoriums Altmann, der heimlichen juristischen Fakultät der münsterischen Alma Mater.
Besonderen Eindruck hinterließ bei den Bundesbrüdern ein Ausflug nach Sprakel und Greven zu den AHAH Wilhelm Plöger und Ludger Müller, die auf der Besitzung Plöger ein Treffen mit zahlreichen AHAH und ihren Damen arrangierten.
Als das Semester wieder schloß - übrigens erneut mit einem Abendessen anstelle der traditionellen Abschlußkneipe —, waren abermals zwei Kartellbrüder und zwölf junge Kommilitonen zu uns gestoßen, eine beträchtliche Zahl, die besser als jeder Kommentar erläutert, wie gut das Programm des Sommers unserem Freundeskreis gefallen hatte.

Wintersemester 1964/65

Mit dieser großen Aktivitas trat der neue Vorstand seine Arbeit an unter Gebhard Cohausz als Senior, Arthur Wilkens als Consenior, Bernhard Fallenberg als FM, Norbert van Husen als Schriftführer und Ulrich Müller als Kassierer. Hochschulreform und Bildungsnotstand traten damals in den Mittelpunkt der öffentlichen Diskussion, und so wählten sie als Semesterthema die Frage „Befindet sich Deutschland im Bildungsnotstand?" Unser Philistersenior Austermann griff das Thema schon auf der Semesterantrittskneipe auf und verwies auf die Dringlichkeit unseres Engagements. Pater Professor Erlinghagen SJ sprach aus kirchlicher Sicht zur Frage „Befindet sich der deutsche Katholik im Bildungsrückstand?". Die rechte Mitte zwischen christlicher Gelassenheit gegenüber Karriere und Wissensdrang einerseits und gesundem Ehrgeiz andererseits schien die Leitlinie der anschließenden Gespräche. Ratsmitglied Dr. Lübbering (SPD) aus Münster erfaßte die Vortragsreihe parteipolitisch. Die Diskussion nahm ihn beim Wort. Kb. Dr. Wichmann erläuterte in einem weiteren Vortrag die gesellschaftspolitischen und sozialen Zusammenhänge des katholischen Defizits in der Führungsschicht seit Preußens „Gloria". Das Thema des KV Münster bei einem Kommers im November „Demokratie und demokratische Elite" schloß hier nahtlos an, als Dr. Beckel, Kb. und Oberbürgermeister der Stadt Münster, das Festreferat übernahm.
Für eine erlebnisreiche Abwechslung sorgte im Dezember der Senior, als er, waidmännischen Spuren seines Vaters folgend, die Bundesbrüder der Aktivitas zum Treiben in die „Wilde Jagd" bei Nottuln eingeladen hatte. Schüsseltreiben und ein schlitzohriges Jagdgericht schlossen den Tag zu aller Zufriedenheit ab. Der Kaminfeuerabend bei AH Schulze-Brüning fehlte auch in diesem Winter nicht. AH Dr. Winkelmann organisierte eine Besichtigung des „Bochumer Vereins", wo die Aktiven Einblick in die Stahlproduktion nahmen. Daß sich eine Besichtigung der Thier-Brauerei in Dortmund anschloß, konnte den Eindruck des Tages nur vertiefen. Eine ebenfalls schon fast Tradition gewordene Veranstaltung fand auch in diesem Semester großen Anklang, nämlich die Nikolausfeier im Mühlenhof des Museumskomplexes am verlängerten Aasee. Läßt sich eine stimmungsvollere Umgebung finden für diese Adventsfeier als das alte Bauernhaus mit seinem offenen Herdfeuer in der Tenne und plattdeutsche Erläuterungen der anschaulichen Sammlungen?
Beim Philisterfest las zum letztenmal unser Bundesbruder Miguel B. Gil die Messe, bevor er wenige Zeit später in seine Heimat Brasilien zurückfuhr, um nach Jahren des erzwungenen Auslandsaufenthaltes wieder an der Agrarfakultät von Piracicaba als Studentenseelsorger seine Arbeit aufzunehmen. Fast ein Jahr später stieß er zu einem ganz ungewöhnlichen Markomannentreffen in Sao Paulo, wo der Chronist mit ihm und dem aus Argentinien angereisten Bb. Hermann-Henrich Holtermann in langer Nacht Markomannia hochleben ließ.

Noch einmal die Jahre 1960 bis 1965

Ein Rückblick auf die Jahre 1960 bis 1965, wie er hier versucht wurde, wird manchem unzulänglich erscheinen. Der Zeilen sind zu viele für den, der die Zeit nicht in der Aktivitas miterlebt hat, zu wenige für den, der Erinnerungen sucht und manches vermissen wird. Dennoch schien mir der etwas trockene, chronologische Weg der legitimste. Die Frage mag aber erlaubt sein nach dem, was nach so langer Zeit bei einer Rückbesinnung besonders auffällt.
Es waren die Jahre vor den Krawallen. Das Beschmieren von Fakultätswänden, das Blockieren des öffentlichen Verkehrs und des Vorlesungsbetriebes der Universitäten war noch nicht in Mode gekommen. Und doch zeigen die Semesterthemen und Berichte der Senioren in den „Mitteilungen" unserer Markomannia, daß wir uns immer wieder in Frage stellten, uns selbst, unseren Platz in Universität und Studentenschaft, in Gesellschaft und Staat. Und manche der Vortrags- oder Semesterthemen erhielten später durch die politische Zuspitzung schärfere Akzente und höhere Stellenwerte, als wir es bei unseren Diskussionen bisweilen ahnten. Ins Auge fallen dennoch einige Aspekte. Zum einen ist es die Tatsache, daß in diesen Jahren, in denen zahllose Korporationen an Schwindsucht litten, unseren Mitgliederstand nicht nur halten, sondern auch noch zwischen unseren zahllosen Gästen wählen konnten, um den Kreis unserer Aktivitas als einen Freundeskreis intakt und aktionsfähig zu halten. Zum anderen stellten wir uns auch neuen Aufgaben. Nichts war in meinen Augen so erfreulich wie der Kontakt mit Ansprüchen, die von außen auf unsere Markomannia zukamen, sei es die Übernahme von Verantwortung in der münsterischen Studentenschaft, sei es das Engagement im Anschluß an die Anregungen, die beispielsweise unser brasilianischer Bb. Gil in seiner frohen Art in unsere Mitte trug. Wir übernahmen Aufgaben in der Katholischen Studentengemeinde Münsters — und waren dennoch aus heutiger Sicht noch viel zu wenig engagiert in AStA und in den politischen Studentenkreisen, um unsere Mitte wie Geschlossenheit in die Waagschale zu werfen. Wir diskutierten aber andererseits nicht nur über Politik und beispielsweise Entwicklungshilfe, sondern es gelang uns auch, in kürzester Zeit fünfstellige Beträge mit unseren AHAH zusammenzutragen, um im Süden Brasiliens einen Krankenhausbau wieder „flott" zu machen, der trotz Hilfe der Aktion Misereor steckengeblieben war. So hat „Markomannia" heute in Angelina im Süden Brasiliens einen Klang, den wir in unserem ruhigen Alltag kaum zu ermessen vermögen, und zwar schlicht deshalb, weil das Krankenhaus inzwischen seinen Dienst hat aufnehmen können.
Ebenfalls ins Auge fällt, daß unsere Markomannia in diesen Jahren vor allem aus dem ungemein reichen Kontakt zwischen Aktivitas und Altherrenschaft heraus gelebt hat, der in dieser Fülle nicht häufig anzutreffen sein dürfte. Gemeinsame Veranstaltungen, Exkursionen auf Einladung der AHAH, Vorträge aus ihrer Mitte und ihre finanzielle Unterstützung gehören in dieses Bild ebenso wie das zusätzlich zu Stiftungsfest und Philisterfest eingeführte Altherrentreffen im Spätherbst, das wir in diesen Jahren neu einführten, diesmal mit tatkräftiger Unterstützung der Vorbereitungen durch die Aktivenvorstände. Bedarf das alljährliche Treffen auf der „Hegge" noch der Erwähnung? In jedem Sommersemester ist es erneut Anlaß zu drei bis vier Tagen der Geselligkeit, in denen die Markomannia in ihrer wechselnden Aktivitas „eingeschworen" wird auf den Freundeskreis. Aber vielleicht ist die „Hegge" zugleich ein Symbol unserer Lebenskraft als katholische Studentenverbindung, in der in gesunder Mischung Besinnung, gemeinsames Engagement und Geselligkeit miteinander sich vermischen in eben jener Toleranz, die uns die Heggedamen immer wieder erweisen und die wir in unserem Verbindungsalltag zur Grundlage unseres Handelns machten. Ein „Vivat, crescat, fioreat" Markomannia in eben diesem Sinne möge der eigentliche Sinn dieses Rückblicks aus Anlaß des Jubiläums unserer Verbindung sein!

Die „Neuzeit" der Markomannia

Von Heinrich Austermann


Die „Neuzeit" in der Geschichte unserer Markomannia umfaßt nun schon ein Vierteljahrhundert. Wer sie bewußt miterlebt hat, darf unternehmen, die großen Linien der Entwicklung nachzuzeichnen.
Am 9. Februar 1952 haben 200 Markomannen sich abgestimmt, die Markomannia in ihrer alten Form eigenständig wieder aufleben zu lassen. Einmal Tritt gefaßt, geht es bald zu Taten.

Das Markomannenhaus

Die Markomannen sehen vor sich das in Trümmern liegende schöne Heim, Haus Kampstraße 10. Es wird von drei Familien behelfsmäßig bewohnt. Hier ist anzusetzen. Tatkräftige Männer, vorab unser Natz Salzmann und Wilhelm Huntgeburth, greifen die Sache mutig an. Kundig der verschlungenen Wege der Behörden gelingt es, finanzielle Mittel, Material und Baugenehmigungen in wenigen Jahren zu erhalten. Teile können wir in Nutzung nehmen, bis schließlich im Sommer 1957 auch der letzte Mieter auszieht, das Haus 13 Betten Unterkünfte für unsere Bundesbrüder bietet und Kneipe und Keller dem Leben des Bundes offenstehen.
Bald ist das Haus wieder Mittelpunkt für die Treffen alter und junger Markomannen. Aber ganz besonders dient es dem Leben der neu gewonnenen Aktivitas.

Die Aktivitas

Aus kleinerem vertrauten Kreise entwickelt sich allmählich eine Aktivitas zu beständig bleibender Stärke. Sie umfaßt in der Regel etwa 15-20 Burschen, dazu Füchse in wechselnder Zahl, nach und nach aber, von Semester zu Semester steigend, eine größere Anzahl von Inaktiven. So umfaßt ein Semester in der Mitte der sechziger Jahre 75-80 Bundesbrüder, Aktive und Inaktive zusammengenommen.
Das Programm baut nach bewährtem und erprobtem Muster auf. Konvente wechseln mit Festen verschiedener Art, Ausflügen und vielen anderen Unternehmen unserer Jugend. Regelmäßig bildet im Wintersemester das Winterfest des Alt-Herren-Vereins und im Sommer das Stiftungsfest eine wesentliche Stütze dieses Programms. Es sind dies die Tage und Feste, an denen die Alt-Herrenschaft in stattlicher Zahl den Aktiven gegenüber in Erscheinung treten kann.
Vom ersten Tage an bemühen sich unsere Aktiven um ein starkes inneres Leben. Ihm dienen Vorträge der Bundesbrüder selber, von Alten Herren und erfahrenen Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens und der Universität. In jedem Sommersemester wird „die Hegge", das christliche Bildungsinstitut in der Nähe von Warburg, besucht. Diese Einkehrtage dienen dem Zusammenhalt der Aktivitas im vertrauensvollen Gespräch unter Anleitung erfahrener Persönlichkeiten.
Die Tradition der Markomannia wird neu erfahren. Sie gibt das Gefühl der Sicherheit und Geborgenheit. Die Werte, in unseren Prinzipien ausgedrückt, sind endlich zur Pflege wiedergewonnen, nachdem wir der Zwangsjacke des Dritten Reiches, der Kälte und geistigen Leere dieser Zeit, glücklich entronnen sind.
Es gab Höhepunkte. Markomannia übernahm den Vorort des KV in dem Wintersemester 55/56, in dem sich unsere jungen Bundesbrüder — Viktor Egen als Vorortspräsident — bewährt haben.
Die Vertreterversammlung des KV im Jahre 1957 findet in Münster unter führender Beteiligung der Markomannia, vorab des Vorsitzenden des Alt-Herren-Verbandes — unseres Natz Salzmann —, statt. Ausdruck dessen ist, daß der teilnehmende Erzbischof Dr. Muench, Apostolischer Nuntius, Ehrenmitglied der Markomannia wird.
Im Sommer 1956 und sodann noch einmal beim Stiftungsfest 1960 spricht zu uns als Festredner und Ehrenmitglied Josef-Hermann Dufhues. Er ist eine führende Persönlichkeit in der neueren deutschen Politik. Und aus seinen Worten spricht der Ruf an den Akademiker unserer Zeit mit seinen besonderen Pflichten, aber unüberhörbar in diesem Ton schwingt etwas mit, was aufhorchen läßt. Eine neue Zeit kündigt sich an.

Probleme und Fragen seit den sechziger Jahren

Die jungen Bundesbrüder sehen sich in ihrem Studium einer veränderten Situation in der Universität gegenüber.
Die geliebte Alma Mater in Münster hat nach dem Kriege steigend Studenten angezogen. 1952 schon hatte sie 5.600 Studenten, 1956 7.000. So ist Jahr für Jahr die Zahl der Studierenden gestiegen. Bis sie die Marke von 20.000 vor einigen Jahren überschritten hat und heute 28.000 Studierende umfaßt. Weitere 8.000-10.000 studieren auf den päd. Hochschulen in Münster; so wird rasch klar, welch ein Massenbetrieb hier ist.
Die große Vielfalt in allen Zweigen der Wissenschaft zwingt früh, sich zu spezialisieren. Wer nicht von Anfang an mitmacht, ist rasch aus der Bahn geworfen. Die meisten ziehen sich — außerhalb des Studiums — aufs Private zurück.
Die Hochschulverfassung gesteht den Studenten eigene Organe zu, durch die sie in der Universität mitbestimmen können. Dieser Chance nehmen sich politische Organisationen kräftig an. Die Bestgeschulten sind Radikale, Spartakus ... (Der Innenminister Nordrhein-Westfalen im März 1976: „Die Linksextremisten haben in den Hochschulen ein größeres Reservoir als unter den Arbeitern und der werktätigen Jugend gefunden.") In studentischen Verbindungen finden sich wenige zur Mitarbeit in den Hochschulorganen angezogen — Markomannia eingeschlossen.
Die Verbindungen finden geringen Zuspruch, unsere katholischen Verbände nicht ausgenommen. So die allgemeine Lage.
Unsere Markomannia selbst hat mit einigen Schwankungen die Semesterstärke bis heute behaupten können. Beständigkeit im Nachwuchs hat die Aktivitas gegen Schwankungen gestärkt, z. B. wenn gelegentlich die Aktivitas fähige Köpfe für den Vorstand zu suchen hatte.
Das „Haus" nimmt die Aktiven auf. Jedoch, geändert haben sich die Formen, die wir traditionell früher gepflegt haben. Die Kneipe (der „Comment"), die scharfe Trennung in den Rängen, alles das gibt es so nicht mehr. Dafür lebt ein freies Gespräch. Sympathische Gäste sind willkommen, und selbstverständlich sind die Damen dabei. Bei aller Ungezwungenheit herrscht Ordnung. Die Konvente sind straff gehalten.
Das Semesterprogramm bildet den bewährten Rahmen. Anregungen bringen Vorträge von Gästen und aus den eigenen Reihen, im Sommer vertieft durch die stets gehaltvolle Tagung auf der „Hegge". Sie bildet Gemeinschaft. Die Kontakte mit der Altherrenschaft sind gesetzt. Die jüngeren Alten Herren beteiligen sich am Sportfest, geselligen Abenden der Aktivitas, sind mit ihren Kindern zu Nikolaus eingeladen. Einige Semester hatten geschickt Alte Herren in Münster reihum besucht, einen Empfang auf dem Haus organisiert. Die großen Feste — Stiftungsfest im SS, Winterfest im WS — sind in Stil und Niveau Glanzpunkte, sie sehen alt und jung vereint.
Es hat sich zwischen einem mehr ungezwungenen Vereinsleben und dem festen Semesterprogramm ein Gleichgewicht wohltuend hergestellt.

Diskussionen

Dieses Gleichgewicht hatte sich zu bewähren. In einigen Semestern — vornehmlich Ende der sechziger Jahre — hatte die Aktivitas in aller Entschiedenheit die Auseinandersetzung mit den Problemen der Zeit aufgenommen. Sie bildete Arbeitsgruppen. Sie machte es sich nicht bequem, wollte selber Antworten finden und Forderungen aussprechen. Solche Diskussionen schafften unerwarteten, willkommenen Auftrieb.
Aber auch Unruhe. Denn Worte wie „Tradition ist überholt, überlebt, überaltet" sind scharf formuliert. Die Forderungen, sich hochschulpolitisch zu betätigen; Kontakte durch den Eisernen Vorhang, etwa nach Polen, zu bekommen; Mitarbeit an der Europäischen Einigung, sind zeitgemäß. Solche Vorstöße verlangen eine intensive Mitarbeit der Gemeinschaft.
Nicht alle Bundesbrüder waren für diese Mitarbeit zu gewinnen. Eine andere Gruppe zog das gesellige Leben vor und gab diesem Teil des Programms den Vorzug. Das führte zu lebhaften Aussprachen. Die in sich gesunde Spannung hat nicht geschadet. Als Alte Herren haben wir uns an den Aussprachen beteiligt.
In diese Zeit fällt auch die Diskussion über die Satzungsbestimmung zur Konfessionalität, die ja im KV von allen Vereinen zu leisten war. Die Aussprache hierzu zwischen Aktivitas und Alt-Herrenschaft war gründlich. Zunächst haben wir alle Bundesbrüder durch eine schriftliche Abstimmung beteiligt, sodann die Frage auf mehreren Konventen behandelt. Dem Ergebnis der schriftlichen Abstimmung folgend, beschlossen die Konvente November 68 und Februar 69, ohne Änderung der Satzung „sich zu öffnen" und Protestanten den Beitritt möglich zu machen. Ähnlich beschloß bekanntlich die VV 69 („in einzelnen Fällen für bewußte Christen"), was dann das Kartellgericht als satzungswidrig erklärte. Ein weiterer Konvent Markomannia Mai 69 entsprach diesem Spruch, daß „keine Nicht-Katholiken als Vollmitglieder aufgenommen werden".
Seit dieser Zeit ruht die Frage.
Zu den überaus lebhaften Diskussionen ein Nachwort des Chronisten:

Ehrliche Aktive waren mutig genug, die religiöse Gleichgültigkeit in der Praxis des Verbindungslebens zu beklagen. Gerade sie aber, und das sollte nicht mißverstanden werden, wollten unserem Prinzip religio wieder Leben geben. Sinn und Anspruch dieses Prinzips sahen sie erfüllt in einer freizügig angelegten Diskussion über bedrängende Zeitfragen, eine Diskussion, die auch andere ernst Denkende im christlichen Sinne beteiligt.

Lassen wir die Beiträge von zwei Aktiven sprechen:

Wenn wir uns allen Veränderungen offen halten, die geistige Auseinandersetzung und Alternativen zur sozialen und politischen Situation suchen („Verbindung — Tradition und Fortschritt"), sorgen die AH für die Stabilität des Vereins.
Bundesbruder Miguel Gil aus Brasilien, der in Münster sein theologisches Studium vertiefte, sagte in einer Predigt unter Hinweis auf ein Wort des hl. Thomas, daß für uns amicitia grundlegend sei. Aus der Wesensanlage auf Gemeinschaft hingeordnet und

in die Gliedschaft am Leibe Christi seien wir bereit, den anderen zu geben und an der geistigen Wertfülle teilzunehmen. Das schließe die anderen Prinzipien ein.
Im Bericht über das Leben der Aktivitas sind wir bis zur Gegenwart gekommen.

Aus dem Leben der Altherrenschaft

Die ältesten Jahrgänge der Alt-Herrenschaft haben es sich zur Regel gemacht, sich im Herbst eines jeden Jahres während eines Wochenendes mit ihren Damen zu einem Wiedersehen zu treffen. Besichtigungen der wiederaufgebauten Baudenkmäler in der Stadt o. ä., Gottesdienst (Dom, Sonntag-Mittag), gemeinsames Essen stehen auf dem Programm. Auf dem Haus berichtet der Vorstand der Aktivitas. Der gute Kontakt mit dem Verein, wie er lebt und wirkt, wird dankbar empfunden. Die alte Freundschaft lebt. Die Bundesbrüder, die in den fünfziger und sechziger Jahren aktiv waren, sind jetzt Alte Herren der jungen Generation. Eine stattliche Zahl bereits. Als Wissenschaftler, in freien Berufen, Persönlichkeiten in öffentlichen Ämtern verwirklichen sie Ziele und Ideale, die sie als Studenten in unserer Gemeinschaft gewonnen haben. Unser Verein leistet schon damit einen Beitrag für Kirche und Staat. Die ansehnliche Zahl der jungen Alten Herren gibt Gewißheit, daß Markomannia festen Boden gewonnen hat und für die Zukunft bestand haben wird.

Katholische Akademiker in Münster versammelt

In die Wochen gerade unseres Gründungsjubiläums fiel ein besonderes Ereignis: Der 4. Katholische Deutsche Akademikertag — 18.-21. 3. 1976 - gibt der akademischen Jugend ein aktuelles Stichwort. Das Leitwort lautet: „Christliches Gesellschaftsdenken im Umbruch." Bischof Heinrich Tenhumberg sagte auf ihm: „Ich zweifele nicht, wir erleben eine tiefe Krise von Kirche und Staat von epochalem Ausmaß." Die Tagung hatte in Arbeitskreisen und Diskussionen Wesentliches zur Analyse dieser Lage zu sagen. Welche Kräfte wirken in unserer Zeit und verändern sie so grundlegend? Sie zu erkennen und an dem Ringen der Lösungen teilzunehmen, ist eine Aufgabe. Die Hingabe an solcher Arbeit formt den „Akademiker", die Persönlichkeit, die über das Fachstudium hinaus tritt und am größeren Werk mitgestaltet.
Das könnte der Ansatz sein für die Gemeinschaft einer studentischen Verbindung, die in dieser Epoche sich Ziele setzt und ihr Selbstverständnis sucht.

75 Jahre Markomannia — das Jubiläumsstiftungsfest

Von Winfried Terstesse


Ein Stiftungsfest der Superlative liegt hinter uns: Eine nie gekannte Zahl von Bundesbrüdern war an die Stätte ihres studentischen Wirkens geeilt; eine unübertreffbare — zeitlich und inhaltlich — dichte Folge gelungener Veranstaltungen lief im Zwei-Löwen-Klub und im Haus an der Kampstraße 10 ab; eine kaum wieder erreichbare Schar von Repräsentanten des Kartellverbandes schenkte uns die Ehre ihrer Anwesenkeit; das alles umspielt von einem wahrhaften Kaiserwetter wie lange nicht mehr.
Die Festkneipe in Anwesenheit des Vorsitzenden des KV-Rates, Dipl.-Kaufmann Wolfgang Kamper (Düsseldorf), und des Vorsitzenden des münsterischen KV-OrtszirkelsDrubbel", Josef Witte - Tuiskonia-Monasteria, bildete den festlichen Jubelausbruch. Geprägt wurden diese festlichen Stunden vor allem durch die Rede unseres Bundesbruders P.Prof. DDr. Gustav Vogel, der der Redaktion einen Auszug seiner Ausführungen zur Verfügung stellte, der als separater Beitrag dieser Festschrift veröffentlicht ist.

Aus der Ansprache von Philistersenior Heinrich Austermann

Die Festkorona dachte stehend an alle verstorbenen Bundesbrüder und ihre Ehefrauen. Für sie alle hätten wir, wie Austermann in seiner Ansprache sagte, Blumen am Grabe von Bernhard Salzmann und Wilhelm Huntgeburth, den langjährigen Philister-Senioren, niedergelegt. Die Gedenktafel für die Gefallenen des zweiten Weltkrieges sei nun gefertigt und auf dem Hause Kampstraße.
Austermann führte weiter aus, daß die Freundschaft sich durch die erschütternden Ereignisse der Weltkriege, von Zerstörung und Wiederaufbau, in einzigartiger Weise bewährt habe. In der Jugend auf gemeinsamer Lebensanschauung begründet, sei sie für unsere älteren Bundesbrüder im späteren Lebensalter und heute ein köstliches Gut.
An die Aktiven gewandt, fügte er hinzu: „Ihr seht Euch heute einer gründlich veränderten Welt gegenüber. Die Gesellschaft ist im Umbau und wir verstehen, daß Ihr in Euerer Gemeinschaft die alten Formen nicht ohne weiteres übernehmen könnt. Die Universität Münster gibt einen deutlichen Eindruck des heutigen akademischen Großbetriebes in einer großen Zahl von Fachbereichen, Instituten und Seminaren. Die Zahl von mehr als 30.000 Studenten belastet. Den überschaubar wirkenden, geistigen Arbeitsbereich indisziplinär tätig, finden wir innerhalb dieser Massendiplomierungsanstalt, die sie geworden ist, nicht wieder. Die gesicherte Stellung des Akademikers in einem festen Gesellschaftsaufbau gibt es nicht mehr.
Aber lassen wir uns von diesem äußeren Bild nicht täuschen.
Naturwissenschaften und Humanwissenschaften bringen überraschend neue Erkenntnisse und verändern das bisherige statische Weltbild.
Am Erlebnis des Ereignisses, daß auf einer Rakete erstmalig Menschen die Erde verlassen haben, können wir ablesen, wie im Zusammenwirken einer nicht übersehbaren Zahl hervorragender Fachleute ein großes Unternehmen gelingen kann. Der Austausch von Erkenntnissen und Erfahrungen über nationale Grenzen hinaus macht solches Unternehmen erst möglich.
Hier bewährte sich das kühne Unterfangen, so viel fähige Köpfe zu einheitlicher Leistung zu bringen.
Auch in dem Lebensbereich, den wir übersehen und mitgestalten können, wird künftig jede Leistung sich darauf stützen, Erkenntnisse anderer zu verwerten und Mitarbeiter zu gewinnen. Das setzt Gemeinschaft voraus.
Gemeinschaft entsteht nur, wenn eine Bindung angenommen wird. Eine innere Zuwendung an die Aufgabe, mit der auch die Persönlichkeit auf dem Ausmaß der gestellten Aufgabe wachsen kann. Wie kann die Gemeinschaft für unsere Verbindung im vollen Sinne dieses Wortes auch für das Leben unserer Verbindung gewonnen werden?
Es ist unsere Oberzeugung, daß das Charisma echter Gemeinschaft sich nur bildet, wenn eine verbindliche Wertwelt anerkannt wird. Dieses zu schaffen ist das erste und wichtigste.
Leben und Arbeit entfalten sich bei uns noch im Rahmen religiöser Tradition und gemeinsamer Lebensanschauung. Aus unseren Erfahrungen sagen wir den Jungen, daß ohne diese Bindungen heute die allseits geübte Freiheit nicht gewonnen wird. An unsere jungen Bundesbrüder, als die künftigen Akademiker, die für Staat und Kirche einstehen wollen, richten wir darum auch Forderungen:
Ihre Arbeit auf der Hochschule sollte sich nicht auf ihre Fächer beschränken, sondern im kameradschaftlichen Austausch dem "Spezialisten" eine weitere Sicht geben, Bildungsgut gewinnen.
Beherrschen von Fremdsprachen und sichere Umgangsformen müssen gepflegt werden. Das Anliegen der Kirche, das Gespräch mit anderen Konfessionen, ja mit Nichtgläubigen zu pflegen, sollte aufgenommen werden. Schließlich müssen unsere Bundesbrüder in der Lage sein, auch mit den Dialektikern eine Diskussion wirksam zu bestreiten."
Abschließend sagte Austermann: „Bei allen solchen Gedankengängen wollen wir aber unsere Gemeinschaft nach altem Herkommen mit Geist und Humor erfüllt sehen. Jugendliche Zuversicht und Vertrauen auf eine gute Zukunft müssen in das Zusammensein ausstrahlen. Dafür haben wir das Haus, dafür unsere Feste, mag man sie nun in alter Form feiern oder aber neue Wege gehen. Es ist das Salz der Freundschaft, einmal Wissenschaft und Bücher bei Seite zu legen, im Gesang die Brust frei zu machen und so sich zueinander zu finden. — In dieser Freundschaft wird Markomannia bestehen."

Aus den Grußworten der Gäste

KV-Rats-Vorsitzender Kamper lobte das große Engagement der Markomannia im KV, an dessen Nachkriegsentwicklung die Markomannen wesentlichen Anteil hätten. Ortszirkel-Vorsitzender Witte erinnerte in seinen launigen Worten an die gemeinsame Zeit von Markomannia und Monasteria. Der münsterische KV verdanke Markomannia und den Markomannen viel.

Empfang im Friedenssaal

Im Namen von Rat und Verwaltung der Provinzialhauptstadt Münster empfing Bürgermeister Reuter die Bundesbrüder am Samstagmorgen im Friedenssaal des historischen Rathauses. Reuter unterstrich die besondere Verbundenheit der Markomannia zur Stadt Münster, die mit Heinrich Austermann, Paul Engelmeier und Eberhard Hoffschulte Bundesbrüder in kommunalpolitische Schlüsselpositionen berief. Philistersenior Heinrich Austermann dankte Bürgermeister Reuter herzlich und wies auf die enge Verflechtung zwischen Stadt und Universität Münster hin.
Eine schmackhafte Erbsensuppe lockte dann aufs Haus, wo sich ein stimmungsvolles Beisammensein im Festsaal, in der Kellerkneipe und vor allem im Garten entwickelte.
Vor dem Hause flatterte übrigens die neue Fahne, die vom Markomannen-Damenkränzchen gestiftet worden ist. Dafür sei auch an dieser Stelle sehr herzlich gedankt.

Viktor Egen neuer Philistersenior

Die Convente am Nachmittag zeigten eine positive Entwicklung in Altherren-, Haus- und Aktivenverein, deren Einzelheiten der nächsten Ausgabe der Markomannen-Mitteilungen entnommen werden mögen. Die herausragende Entscheidung: Bb Heinrich Austermann legte das Amt des Philisterseniors in die Hände von Bb Viktor Egen. Die Corona wählte ihn aufgrund seiner großen Verdienste für den Verein einstimmig zum Ehrenvorsitzenden des Altherrenvereins. Heinrich Austermann ließ die zwölf Jahre seines Wirkens noch einmal kurz Revue passieren, wobei er als sein besonderes Bemühen herausstellte, alle BbBb zu veranlassen und zu befähigen, ihren ganz persönlichen Beitrag zum staatlichen und kirchlichen Leben zu leisten.
Viktor Egens bisheriges Amt des stellv. Vorsitzenden übernahm Heiner Arning; Dieter Middeler löste Rolf Grewe als Schriftführer ab; Epi Zangerl führt weiterhin in der ausdrücklich attestierten fairen Art die Altherrenkasse; Karl Stricker, der einstimmig als Hausvereinsvorsitzender bestätigt wurde, und Manfred Knemeyer, der die Hausvereinskasse von Heiner Arning übernahm, sind die Beisitzer i. I., während Paul Overbeck und Robert Berges die Beisitzer e. L, sind; der Autor dieser Zeilen wird sich auch künftig bemühen, — sofern möglichst viele mitwirken — lesbare MM herauszubringen.

Festball mit „Ober- und Unterhaus"

Der Festball im Zwei-Löwen-Club im Beisein des stellv. Vorsitzenden des KV-Altherrenbundes Rudolf Kawohl fand in zwei Etagen statt. Nicht nur der Saal und sein Nebenraum, sondern auch das Erdgeschoß war knüppelvoll — beim letzteren nicht nur der Thekenraum, der aber ab 22 Uhr auch.
Philistersenior Viktor Egen ehrte seinen Amtsvorgänger mit einer großen Zinnschale und schloß seine Laudatio: „Heinrich Austermann hat sich um Markomannia verdient gemacht!" Nach Natz Salzmann und Wihu Huntgeburth habe Heinrich Austermann bewiesen, daß es sich lohne, sich für die Aktivitas einzusetzen. Er habe in einer für Verbindungen nicht leichten Zeit vorbildliche Akzente gesetzt und dadurch mit für die inhaltliche und mitgliedermäßige Kontinuität gesorgt.

Buntes Leben rund ums Haus

Am folgenden Morgen trafen sich im Beisein des Leiters des KV-Sekretariats Dipl.-lng. Josef Schumacher die Markomannen wieder in großer Stärke im Haus und im Garten. Intensive Gespräche oder small talks, fußballerischer Einsatz trotz großer Hitze, Fortsetzung der bierologischen Übungen des Vortages, jeder tat's nach seinem Gusto — und teilweise bis in den späten Abend. Ein wahrhaft buntes Leben rund ums Haus! Ein zweites Mal bewährte sich der große Saal als Speisezimmer der Markomannenfamilie mit Kind und Kegel.

Ausklang des Festes

Ein Besuch im neuen münsterischen Allwetterzoo, ein Tanzabend auf dem Bootshaus und der Festausklang am Montag rundeten die üppige Festfolge ab. Wen wundert's, daß bei den allerletzten „Terminen" die Aktiven nur noch wenige der wieder zu beruflichen Pflichten geeilten Alten Herren begrüßen konnten; aber der Autor erinnert sich, daß das zu einer Burschenzeit nicht eben die übelsten Festteile waren. So wird's wohl auch diesmal gewesen sein.
Dieser Beitrag konnte und sollte nur Blitzlichter der Festtage aufzeigen; denn schließlich wollte der Autor auch selbst Spaß an der Freud haben. Festausschuß, Aktivitas und Vorstand sei vor allen gedankt für die Vorbereitungsarbeit, einzelnen Akteuren — Markomannenquartett, Damenredner, Bierorganisten u. a. — für ihre Mitwirkung, den Anwesenden für ihr Mittun, den leider nicht Anwesenden für ihre Verbundenheit im Herzen.

Viriliter age! — eine zeitgerechte Aufforderung

Aus der Festrede von Bb. Prof. DDDr. Gustav Vogel

Wechselvoll gestaltete sich das Schicksal studentischer Verbindungen an den deutschen Universitäten durch die Jahrhunderte; sie entstanden und verschwanden.
Sie entstanden: sei es in heldischem Aufruhr zorniger junger Männer aus politischer Begeisterung; sei es in reformierendem Eifer sozialer, caritativer oder religiöser Ideale; sei es in karikierender Übertreibung, z. B. die „Sulphuria" (Schwefelbande) in Jena gegen Duckmäusertum und langweilige Ordentlichkeit, die „Castissima" in Erlangen gegen „Raufen, Saufen, Weiberkaufen", die „Finkenschaften" gegen die sich pfauenhaft spreizende Arroganz von Elitegruppen, die „Wildenschaften" gegen die eingebildet superfeinen Verbindungen.
Sie verschwanden; fast immer aus inneren Mißhelligkeiten, während Unterdrückung und Verbote sie — wenn auch zeitweise im Untergrund — nur erstarken ließen. Das Lied von August Binzer 1819 zur Auflösung der Urburschenschaft durch Metternich wurde zum Lied bei jeglicher Unterdrückung und Verbot: „Wir hatten gebauet ein stattliches Haus und drin auf Gott vertrauet trotz Wetter, Sturm und Graus...". Auch wir haben es bei Markomannia 1936 gesungen, denn die letzten Strophen lauten:

„Man schalt es Verbrechen,
man täuschte sich sehr,
die Form kann man zerbrechen,
die Liebe nimmermehr.
Das Haus mag zerfallen,
was hat's denn für Not,
der Geist lebt in uns allen,
und uns're Burg ist Gott."

Immer aber, wenn dann der äußere Druck gewichen war, bestand die Gefahr des inneren Zerfalls durch Streitigkeiten, Formalismen und Verdrossenheit aus Sinnleere.
Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurden die Ideen der französischen Revolution von der studentischen Jugend lebhaft aufgegriffen und wirkten sich zunächst reformierend auf die gerade bestehenden Verbindungen aus. Privilegien und Rangunterschiede, die an die Herkunft gebunden waren, verschwanden innerhalb der Studentenschaft; es galt nicht mehr, ob man „Adelspursche", „Professorenpursche", „Bürgerpursche" oder „Konviktorist" war. Auch innerhalb der Bünde wurden Rang- und Machtstufen eingeebnet: es gab keine Satzungen mehr, der „Senior" war nur noch Geschäftsführer, und die Bezeichnungen „Fux", „Pursch", „Altpursch" und „Bemoostes Haupt" galten nur noch als Altersbezeichnungen. Humane Bildung und sittliche Vervollkommnung der Mitglieder waren das Ziel; ein Grundsatz hieß: „Sich nicht zu schlagen, sondern das für Ehre zu halten: über seine Leidenschaften herrschen zu können und den Beleidiger sowie den Beleidigten um Verzeihung zu bitten".
Als dann Napoleon — er bezeichnete die Universitäten mit ihren studentischen Bünden als „Nester von glühenden Kohlen im deutschen Aschenhaufen" — in national-revanchistischer Begeisterung vertrieben war, bestand die Gefahr, auch die positiven Errungenschaften aus den Gedanken der französischen Revolution über Bord zu werfen. Aber der Urburschenschaft gelang es, vaterländische und sittliche Bestrebungen unter der Devise „Religion und Vaterland" zu vereinen. Herzog Karl August von Weimar, der Landesvater der Universität Jena, bezeugte vor dem Bundestag 1819, bei den Studenten seien wieder Wahrheit, Mäßigkeit und Religiosität eingekehrt und sie seien wieder glaubwürdig in ihren Bestrebungen geworden. Aber auch der Jenaer Landesvater konnte die Urburschenschaft nicht schützen, als zwei politische Morde von Fanatikern aus den eigenen Reihen der burschenschaftlichen Bewegung angelastet wurden und Metternich den willkommenen Vorwand gaben, die studentischen Vereinigungen zu verbieten. Wieder folgten in verwirrender Vielfalt Degeneration und Regeneration: teils Exzese kurzlebiger Bünde in Kameraderie und Kumpanei; teils ernsthafte Reformbestrebungen von Lebensbünden, die hervorgingen aus aktiver evangelischer Religiosität, an Namen geknüpft wie „die Uttenreuther" und den „Wingolf".
Wo aber blieb — und das fragen wir uns im Hinblick auf unser Stiftungsfest - das Engagement der Katholiken? In Wissenschaft und Forschung teils benachteiligt, teils aus Selbstabkapselung zurückgeblieben, durch die Säkularisation verarmt und unansehnlich geworden galten die Katholiken als rückständig, hinterwäldlerisch, unfrei und romhörig. Seitdem die geistlichen Fürstentümer beseitigt waren, fühlten die Katholiken dieser Länder keinen staatlichen Rückhalt mehr und schauten umsomehr auf den Papst nach Rom als geistlichen Oberhirten. Katholiken studierten fast nur Theologie, denn Lehrberuf, Juristen- und Beamtenlaufbahnen waren in den meisten deutschen Staaten so in den Geruch des „Protestantismus" gekommen, daß derjenige, der ein solches Studium einschlug und an anderen als katholischen Lehranstalten studierte, schon als Abtrünniger angesehen wurde. Wegen dieser Romhörigkeit mißtraute besonders der preußische Staatsapparat den — in den nunmehr zu Preußen gehörenden rheinisch-westfälischen Provinzen lebenden - Katholiken; man mißtraute ihrer Staats-Loyalität und hielt sie für staatsgefährdende subversive Elemente. Charakteristisch war z. B., daß erst ab 1838 erlaubt wurde, daß Katholiken an preußischen Universitäten Lehrstühle erhalten durften, und dann nur in Berlin, Breslau, Bonn und Greifswald. Die bis 1803 vorhandenen stiftungsmäßig katholischen Lehranstalten wie Mainz, Paderborn, Köln, Trier waren bei der Neuregelung der staatlichen Verhältnisse aufgehoben oder in paritätische Anstalten umgewandelt worden. Da aber der evangelische Volksteil Deutschlands in der klassischen Zeit zuerst zu einem neuen und großartigen Geistesleben erwachte, war dessen Vorherrschaft für Jahrzehnte entschieden.
Jedoch unter dem harten Zugriff der preußischen Staatsautorität -nach ihren Uniformen die „Blauen" genannt — erwachten und formierten sich die Katholiken, besonders im Rheinland und in Westfalen: zunächst als äußerlich harmlose „Lesevereine", dann aber auch im studentischen Bereich. Korporationen und Verbände entstanden; KV, CV, UV gründeten sich und schlössen sich zusammen; christkatholische Verantwortung und Selbstbewußtsein wuchsen. Man tadelte offen, wo Mißstände einrissen, die gegen Glaube und Sitte verstießen; man protestierte gegen sittenwidrige Gesetze, gegen soziale und politische Ungerechtigkeiten; man lobte öffentlich, wo christlicher Mut sich zeigte. Aufsehen erregten z. B. die plakatierten offiziellen Glückwünsche katholischer Studenten an die drei Grafen Schmising-Kerssenbrock, die das Duell ablehnten und deswegen aus dem preußischen Heer ausgeschlossen wurden. An Professoren, die wegen ihrer christlichen Überzeugung gemaßregelt wurden, gingen Zustimmungsadressen und man protestierte und demonstrierte wirksam für sie. Die Zentrumspartei war der politische Arm der Katholiken.
Als der eigentliche Kulturkampf abebbte, begann der sog. akademische Kulturkampf. Das kirchliche Mensur- und Duellverbot wurde von dem damals im Gesellschaftsleben maßgebenden Waffenstudententum als anmaßende Feindseligkeit der römischen Kirche ausgelegt. Beim studentischen Bismarckfest in Hamburg 1880 sagten die dort versammelten Vertreter der reichsdeutschen Studentenschaft den „Reichsfeinden Juden und Katholiken" den Kampf an. Die katholischen Korporationen antworteten mit einer Romfahrt und erschienen mit über 200 Chargierten bei der Papstaudienz.
Neue Korporationen verstärkten um die Jahrhundertwende die Front der Katholiken, unter ihnen „Markomannia" mit ihrem zeitgemäßen und auffordernden Wahlspruch „Viriliter age!". Als junge Korporation erlebte sie, wie man an deutschen Universitäten im Namen der „akademischen Freiheit" gegen die angeblich so unfreien, weil romhörigen katholischen Korporationen vorging. In Jena stürmten 1904 schlagende Verbindungen das Haus der CV-Sugambria und provozierten so lange, bis die Universität der Verbindung verbot, sich in der Öffentlichkeit mit Farben als katholische Korporation zu bekennen. In Würzburg hagelte es Biergläser auf die in der Fronleichnamsprozession mitziehenden katholischen Verbindungen. Es folgten Provokationen, vor allem an den Technischen Hochschulen in Karlsruhe, Aachen und Hannover, wo man ausdrücklich die Auflösung katholischer Zirkel und Korporationen verlangte.
Ein Funke im Pulverfaß war ein Feuerüberfall italienischer Studenten auf deutsche Studenten in Innsbruck am 4. November 1904. Die Italiener wurden mit den Katholiken identifiziert und aus dem Überfall wurde in der deutschen Presse und in der studentischen Propaganda ein feiger und von Rom gesteuerter Racheakt der Katholiken an deutschen liberalen Studenten.
An fast allen Universitäten begannen Kampfmaßnahmen gegen Juden, Katholiken und überhaupt gegen konfessionelle Bünde. Auf dem sog. „allgemeinen deutschen Studententag" 1905 in Eisenach forderten die studentischen Vertreter von 32 Universitäten und Hochschulen den deutschen Kaiser Wilhelm II. auf, alle konfessionellen Studentenkorporationen zu verbieten. Diese Forderung rief aber jetzt auch die evangelischen Korporationsverbände, z. B. Wingolf und Schwarzburgbund, auf den Plan sowie engagierte evangelische Kreise am kaiserlichen Hof, z. B. den Hofprediger. Diese traten auf die Seite der katholischen und jüdischen Studentenverbände. Politisch waren neben dem Zentrum jetzt auch die Sozialdemokraten auf Seiten der Angegriffenen. Die unerwartete Antwort des Kaisers, der Bonner Korpsstudent war, lautete: „Ich habe den Huldigungsgruß aus Eisenach gern entgegengenommen in dem Vertrauen, daß unsere Studenten stets bestrebt sein werden, die deutsche Geistesfreiheit auch durch die Achtung vor der Überzeugung Andersdenkender hochzuhalten". 1905, beim deutschen Katholikentag in Straßburg, bezeugte ein glanzvoller Kommers aller katholischen akademischen Verbände das Selbstbewußtsein und die errungene Stellung (ich habe noch Markomannen von diesem Katholikentags-Kommers erzählen hören).
Bis 1910 hatten sich die katholischen Korporationen durchgesetzt. Die Kampf- und Demonstrationszeit wurde abgelöst von einer Zeit der Bewährung. Man wußte um die Gefahren, die ein Ausruhen auf angeblichen Lorbeeren und selbstzufriedene Tatenlosigkeit mit sich bringen. Ein erstaunliches sozialcaritatives Engagement brachte den katholischen Studenten Anerkennung und ihren Zielen Glaubwürdigkeit. Die Gegner zerstritten und verliefen sich.
Der erste Weltkrieg, das gemeinsame Front- und Noterlebnis, brachte die ehemaligen Gegner zu gegenseitigem Verstehen. Bald darauf kam die gemeinsame Bedrohung nach 1933: das Dritte Reich machte kurzen Prozeß und 1938 waren alle Studentenkorporationen als Hort der Reaktionen „gleichgeschaltet" und damit ausgeschaltet.
Das ist der Zeithintergrund, in den Markomannia verwoben und eingeschaltet war. Die Wurzeln reichen zurück in das Jahrhundert vor ihrer Gründung und in den 75 Jahren ihres Bestehens sehen wir ein wechselvolles Geschick: mal steht Markomannia im Vordergrund, kräftig engagiert in Belangen des Verbandes, der Universität, der Stadt und der Kirche sowie in sozial-caritativen Aufgaben; mal im Hintergrund in Zeiten der Sammlung, Besinnung und Neuorientierung; mal im Untergrund trotz Unterdrückung dem Bundesversprechen die Treue haltend: die Markomannen und ihre Frauen.
Wo steht Markomannia heute? Welcher Phase und Situation im Auf und Ab studentischer Verbindungen der Vergangenheit gleicht die unsrige? Doch wohl nicht einer Phase dekadenter Bequemlichkeit und innerer Disziplinlosigkeit wegen scheinbar mangelnder Forderung von außen (nach dem Motto: „Förderung ja, Forderung nein"). Wir wären blind und taub und der Vergangenheit Markomannias nicht würdig, wenn wir die Forderungen der heutigen Zeit nicht bemerken würden; Forderungen, die nicht nur Aufforderungen, sondern auch Herausforderungen sind. Wir haben beschlossen, eine katholische Korporation zu bleiben, mit der Kirche und in der Kirche für eine christliche Ordnung — die ja doch die bestmögliche ist — in der Welt uns einzusetzen. Sich einem akuten und offenen Angriff entgegenzustellen, wie zu Markomannias Gründungszeit, zu antworten mit mutigen Meinungsäußerungen und Aktivitäten: das ist zwar für den jungen Menschen eine verlockende Sache. Aber heute gilt es viel mehr, versteckte und getarnte Angriffe zu durchschauen, den Wolf im Schafspelz zu erkennen, und das ist schwer. Der „Wolf im Schafspelz": das ist der als Freund getarnte Gegner, der uns auf die Schulter klopft und biedermännisch sagt: „Wir wollen doch das Gleiche wir ihr, strengt euch nicht mehr an, diskutiert und amüsiert euch und laßt uns die Sache machen; denn auch wir wollen ja Bildung, Toleranz, Humanität, Solidarisierung und Sozialisation!". Der versteckte Gegner ist schwer zu erkennen; das schleichende Gift ist schwer zu diagnostizieren. Und was schwer zu durchschauen ist, gibt auch keine der notwendigen Impulse für ein emotionales Engagement. Ohne Erkenntnis und ohne Emotionen gibt es kein dynamisches Reagieren auf Angriffe und Mißstände, keine schwungvolle Antwort und kein bekennendes Handeln. Für den Einzelnen wie für die Gemeinschaft, für ihre Selbstsicherheit und Verantwortlichkeit gilt: eine Wertordnung erkennen, sie sich zu eigen machen und sie bekennen. Bekennen entweder in der Abwehr gezielter gegnerischer Aggressionen oder, wenn der Gegner unangreifbar ist, in der Befolgung der eigenen Prinzipien in christlicher Haltung und christlichem Handeln, selbstüberzeugt, konsequent und dadurch glaubwürdig und wirkungsvoll. Wie gut paßt für beide Arten des Bekennens die Aufforderung unseres Wahlspruchs „Viriliter age"!

Literatur:

Schulze-Ssymank „Das deutsche Studententum von den ältesten Zeiten bis zur Gegenwart", Verlag für Hochschulkunde, München 1932
Paul Ssymank „Bruder Studio in Karikatur und Satire", Stuttgart 1929.