Meine Mus' ist gegangen

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Meine Muse

KV-Liederbuch Seite 152

Meine Mus' ist gegangen.gif


1. Meine Mus' ist gegangen in des Schenken sein Haus,
hat die Schürz' umgebunden und will nicht heraus;
will Kellnerin werden und schenken den Wein:
da steht sie am Thore und winkt mir herein.

2. Und über ihrem Haupte, da spielet die Luft
mit grünenden Zweigen und würzigem Duft.
Seht, wie sie sich drehet so flink, so gewandt,
die Kann' unterm Arme, das Glas in der Hand!

3. "Herein, lieber Zecher! Ich schenke dir Wein,
ich schenke dir Lieder noch obendarein.
Nur musst du hübsch bleiben im Wirtshaus bei mir:
ich geb' freie Zeche und freies Quartier."

4. "Drum locke mich nimmer hinaus in den Hain
zu einsamen Klagen ob sehnlicher Pein.
Hier unter den Zweigen vor unserem Haus,
da schlafen die Leiden gar lustig sich aus."

5. "Auch lass uns nicht schweifen umher in die Welt,
einen Helden zu suchen, der allen gefällt.
Gar lang sind die Wege, gar kurz ist die Zeit,
und auf den Kaparten sind die Strassen beschneit."

6. So liess sie sich hören - wer hielte das aus?
Flugs bin ich gesprungen ihr nach in das Haus.
Nun schenke mir Lieder und schenke mir Wein
und rufe mir frohe Gesellen herein!

Worte: Wilhelm Müller, 1823 (1794-1827)
Loudspeaker.png    Weise i: Justus Wilhelm Lyra, 1843 (1822-1882)