Merkt auf, ich weiß ein neu Gedicht

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Wein her!

[ G - d g g h]


KV-Liederbuch Seite 154

Merkt auf, ich weiß ein neu Gedicht.gif


1. Merkt auf, ich weiß ein neu Gedicht
von einer hohen Schule
und wenn sie liegt am Necker nicht,
so suchet sie in Thule!
Dort schwingt den Becher jung und alt,
die Kanben, Männer, Greise
und tausendstimmig hallt und schallt
die alte hehre Weise:
Die Welt ist rund und muß sich drehn.
Was oben war, muß unten stehn.
|:Wein her! Wein her! :|

2. Einst sprach der Rektor kummerschwer:
„Es will mich fast bedünken,
als ob die Herrn Studenten mehr,
als ihnen ziemet, trinken.
Laßt's Eure Sorge sein, Pedell,
daß Maß die Jugend halte!"
Da eilte der Getreue schnell
zur Schenke, wo es schallte:
„Die Welt usw."

3. Es rann das große Ausstichfaß
im Schänk zum goldnen Löwen;
der Boden und der Tisch war naß
von edlem Blut der Reben.
Der Herr Pedell kam, sah und trank
erst Neuen und dann Alten,
bis schwer das Haupt ihm niedersank
und seine Lippen lallten:
„Die Welt usw."

4. Tags drauf der Rektor zürnend sprach:
„Auch Ihr zählt zu den Toren;
jetzt geht und ruft in mein Gemach
die Herren Professoren!" —
„Ihr werten Herrn, nun steht mir bei,
den uns vertrauten Seelen
zu legen Suff und Völlerei
und das verwünschte Gröhlen:
„Die Welt usw."

5. Es saßen bis nach Mitternacht
beisammen die Hochweisen,
und weil das Sprechen durstig macht,
ließ man den Becher kreisen;
und als der Herr Pedell sein Ohr
genäh'rt der Türe Spalte,
fuhr er mit freud'gem Schreck empor,
dieweil es drinnen schallte:
„Die Welt usw."

6. Es war den Herrn am nächsten Tag
im Kopfe etwas öde.
Von Schwelgerei und Zechgelag
war weiter nicht die Rede.
Studenten trinken und Senat
seitdem in gleicher Weise
und himmelwärts schallt's früh und spat
aus lust'ger Zecher Kreise: „Die Welt usw."

Worte: Rudolf Baumbach, 1876 (1840—1905)
Loudspeaker.png    Weise i: Franz Abt, 1878 (1819—1885)
(Aus d. Dt. Kommersbuch, Verl. Herder Frbg.)


Lateinische Version

1. Audite, novi carmen novum

Hoc universitatis, Quam, si non stat ad Nicarum, Quaeras in Thulae pratis. Ibi omnes scyphos crepant Viri et seniores, Millesoni atque sonant Hi modi pleniores: Mundus rotundus vertitur, Quod supra 'st, infra sistitur, Cedo vinum! cedo vinum!

Merkt auf, ich weiß ein neu Gedicht

von einer hohen Schule und wenn sie liegt am Necker nicht, so suchet sie in Thule! Dort schwingt den Becher jung und alt, die Kanben, Männer, Greise und tausendstimmig hallt und schallt die alte hehre Weise: Die Welt ist rund und muß sich drehn. Was oben war, muß unten stehn. Wein her! Wein her!

2. Maestus rector sic dixerat:

"Sorbebant litterarum Studiosi plus quam par erat Falerni guttularum; Quare, accense, fac ut sit Juventas moderata!" Ad deversoria fidus it Hoc cantu personata: Mundus rotundus vertitur, Quod supra 'st, infra sistitur, Cedo vinum! cedo vinum!

Einst sprach der Rektor kummerschwer:

„Es will mich fast bedünken, als ob die Herrn Studenten mehr, als ihnen ziemet, trinken. Laßt's Eure Sorge sein, Pedell, daß Maß die Jugend halte!" Da eilte der Getreue schnell zur Schenke, wo es schallte: Die Welt ist rund und muß sich drehn. Was oben war, muß unten stehn. Wein her! Wein her!

3. Releverant, heus! dolium

Leonis in taberna, Et madida erant solum Nec non mensa acerna. Accensus venit, vinum ut Novum sic vetus hausit, Dum detulit grave caput Et os his verbis clausit: Mundus rotundus vertitur, Quod supra 'st, infra sistitur, Cedo vinum! cedo vinum!

Es rann das große Ausstichfaß

im Schänk zum goldnen Löwen; der Boden und der Tisch war naß von edlem Blut der Reben. Der Herr Pedell kam, sah und trank erst Neuen und dann Alten, bis schwer das Haupt ihm niedersank und seine Lippen lallten: Die Welt ist rund und muß sich drehn. Was oben war, muß unten stehn. Wein her! Wein her!

4. Rector iurgat postridie:

"Et tu agis insane! Nunc professores propere Adducas ad me mane!" - "Viri docti, iuvate me, Ut ab ebrietate Abrumpant studiosi se Et vocis pravitate!" Mundus rotundus vertitur, Quod supra 'st, infra sistitur, Cedo vinum! cedo vinum!

Tags drauf der Rektor zürnend sprach: „Auch Ihr zählt zu den Toren;

jetzt geht und ruft in mein Gemach die Herren Professoren!" — „Ihr werten Herrn, nun steht mir bei, den uns vertrauten Seelen zu legen Suff und Völlerei und das verwünschte Gröhlen: Die Welt ist rund und muß sich drehn. Was oben war, muß unten stehn. Wein her! Wein her!

5. Una viri doctissimi

Media nocte sedebant, Et quod faux premitur siti Scyphum circumferebant. Accensus cum auriculas Rimae foris apponat, Sentit laetitias maximas, Nam intus ita sonat: Mundus rotundus vertitur, Quod supra 'st, infra sistitur, Cedo vinum! cedo vinum!

Es saßen bis nach Mitternacht

beisammen die Hochweisen, und weil das Sprechen durstig macht, ließ man den Becher kreisen; und als der Herr Pedell sein Ohr genäh'rt der Türe Spalte, fuhr er mit freud'gem Schreck empor, dieweil es drinnen schallte: Die Welt ist rund und muß sich drehn. Was oben war, muß unten stehn. Wein her! Wein her!

6. Postridie capita erant

Deserta dominorum, Et cuncta obmutuerant De labe ebriorum. Senatus cum studentibus Ex eo laetus potat Et immutatis moribus Ad caelum cantum rotat: Mundus rotundus vertitur, Quod supra 'st, infra sistitur, Cedo vinum! cedo vinum!

Es war den Herrn am nächsten Tag

im Kopfe etwas öde. Von Schwelgerei und Zechgelag war weiter nicht die Rede. Studenten trinken und Senat seitdem in gleicher Weise und himmelwärts schallt's früh und spat aus lust'ger Zecher Kreise: „Die Welt usw."