Mich ergreift, ich weiß nicht wie

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Tischlied

KV-Liederbuch Seite 157

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1. Mich ergreift, ich weiß nicht wie, himmlisches Behagen.
Will mich´s etwa gar hinauf zu den Sternen tragen?
Doch ich bleibe lieber hier, kann ich redlich sagen,
|: beim Gesang und Glase Wein auf den Tisch zu schlagen. :|

2. Wundert euch, ihr Freunde, nicht, wie ich mich gebärde;
wirklich ist es allerliebst auf der lieben Erde;
darum schwör' ich feierlich und ohn' alle Fährde,
|: daß ich mich nicht freventlich wegbegeben werde. :|

3. Da wir aber allzumal so beisammen weilen,
dächt' ich, klänge der Pokal zu des Dichters Zeilen.
Gute Freunde ziehen fort wohl einhundert Meilen,
|: darum soll man hier am Ort anzustoßen eilen.: |

4. Lebe hoch, wer Leben schafft! Das ist meine Lehre.
Unser König denn voran, ihm gebührt die Ehre.
Gegen inn- und äußern Feind setzt er sich zur Wehre;
|: ans Erhalten denkt er zwar, mehr noch wie er mehre. :|

5. Nun begrüß' ich sie sogleich, sie, die einzig Eine.
Jeder denke ritterlich sich dabei die Seine.
Merket auch ein schönes Kind, wen ich eben meine,
|:nun, so nicke sie mir zu: Leb' auch so der Meine!:|

6. Freunden gilt das dritte Glas, zweien oder dreien,
die mit uns am guten Tag sich im stillen freuen
und der Nebel trübe Nacht leis' und leicht zerstreuen;
|: diesen sei ein Hoch gebracht, alten oder neuen. :|

7. Breiter wallet nun der Strom mit vermehrten Wellen.
Leben jetzt im hohen Ton redliche Gesellen,
die sich mit gedrängter Kraft brav zu
sammenstellen
|:in des Glückes Sonnenschein und in schlimmen Fällen. :|

8. Wie wir nun zusammen sind, sind zusammen viele.
Wohl gelingen denn, wie uns, ändern ihre Spiele!
Von der Quelle bis ans Meer mahlet manche Mühle,
|:und das Wohl der ganzen Welt ist's, worauf ich ziele.: |

Worte: Joh. Wolfg. v. Goethe, 1802 (1749—1832)
Loudspeaker.png    Weise i: Traug. Max Eberwein, 1810 (1775—1831)