O wonnevolle Jugendzeit

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Filia Hospitalis

KV-Liederbuch Seite 176

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1. O wonnevolle Jugendzeit,
Mit Freuden ohne Ende,
Mit Minnefahrten weit und breit,
Wo sich die schönste fände.
Ich grüße dich du junges Blut,
Bin jedem hübschen Mädche gut,
|: Doch keine ist aequalis,
Der filia hospitalis. :|

2. Ich kam als krasser Fuchs hierher
und spähte in den Gassen,
wo mir ein Bett und Zimmer wär',
den langen Leib zu fassen.
Fand Sofa nicht, noch Stiefelknecht,
und doch war mir die Bude recht,
|: denn keine ist aequalis
der filia hospitalis. :|

3. Sie ist ein gar zu herzig Kind
mit ihren blonden Zöpfen,
die Füßchen laufen wie der Wind
im Schuh mit Quast und Knöpfen;
die Schürze bauscht sich auf der Brust,
allwo ich schau', ist eitel Lust,
und keine ist aequalis
der filia hospitalis.

4. Im Haus herrscht sie als guter Geist
und zeigt's an jedem Ersten:
Der einz'ge Schüler war verreist,
die Kasse mir am leersten.
Da wurd' ihr Wort mir Schutz und Schild
und stimmte den Philister mild,
drum ist auch nichts aequalis
der filia hospitalis.

5. Vier Mieter hat sie: Der Jurist
besucht nur feine Kreise,
der Mediziner ist kein Christ,
der Theolog — zu weise. —
Doch mir, mir, dem Philologus,
gab sie in Züchten einen Kuß,
und keine ist aequalis
der filia hospitalis.
5a. Vier Mieter hat: Schwarzbewusst
ist der Maschinenbauer,
der Ingenieur zu selbstbewusst,
der Chemiker zu sauer.
Doch mir dem Architektus,
gab sie in Züchten einen Kuss,

und keine ist aequalis
der filia hospitalis

6. Auf eines hält sie scharfe Acht
und läßt nicht mit sich spaßen:
wer je der Magd den Hof gemacht,
würd' nimmer ihr mehr passen.
Zwar das Mamsellchen am Büfett
ist höchst pikant und äußerst nett —
und dennoch nicht aequalis
der filia hospitalis.

7. Du rheinisch Mädchen, wüßt' ich doch,
was Gott mit uns beschlossen! —
Ich schanz' mir in den Kopf ein Loch
und ochse unverdrossen.
Und wärst du mir auch nie beschert,
zeitlebens bleibst du hochgeehrt,
weil keine dir aequalis
dir filia hospitalis.

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Worte: Otto Kamp, 1885 (1850—1922)
Loudspeaker.png    Weise i: Otto Lob, 1886 (1837—1908)