Philister

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Die Philister waren ein nichtsemitisches, vermutlich indoeuropäisches Volk, das um 1175 v. Chr. in der levantinischen Küstenlandschaft ansässig wurde. Sie gehörten zu den sogenannten "Seevölkern", einer Koalition wahrscheinlich u. a. westanatolischer und ägäischer Völker, die kurz nach 1200 v. Chr. mehrfach Ägypten angriffen. In Texten aus der Zeit Ramses III. werden die Philister "Peleset" (plst) genannt. Einige Zeit nach ihrer Ansiedlung in Israel gründeten die Philister einen Fünf-Städte-Bund (Pentapolis) der Stadtstaaten Aschdod, Askalon, Ekron oder Akkaron, heute: akir, Gath und Gaza (heute: ghazze). Die Städte wurden von fünf Prinzen regiert.

Der Name "Palästina" geht auf die Philister zurück, jedoch können die heutigen Palästinenser nicht als die Nachfahren der Philister angesehen werden, sie sind Syrer und Araber.

In der Studentensprache wird der Begriff Philister auf die Alten Herren einer Verbindung angewandt.

Der Begriff Philister lässt sich aus den Hebräischen pelischtim herleiten und zwar von dem Streit zwischen den Philistern und Hebräern, der im Alten Testament der Bibel oft thematisiert wird, wurden in der Studentensprache zuerst die Stadtwachen oder die Polizei, mit denen sich die Studenten häufig stritten, im 18. Jahrhundert in den Universitätsstädten beispielsweise in Leipzig oder Halle (Saale) mit dem Namen belegt, dann schließlich alle kleinbürgerlichen engstirnigen Einwohner der Universitätsstädte, also alle Spießbürger.

Heinrich Heine, als junger Jurastudent wegen eines Duellvergehens von der Universität Göttingen relegiert, später aber wieder zurückgekehrt, um hier zu promovieren, setzte seiner Meinung über "Philister" in seinem Werk Die Harzreise ein Denkmal:

Im allgemeinen werden die Bewohner Göttingens eingeteilt in Studenten, Professoren, Philister und Vieh; welche vier Stände doch nichts weniger als streng geschieden sind. Der Viehstand ist der bedeutendste.
...
Die Zahl der Göttinger Philister muß sehr groß sein, wie Sand, oder besser gesagt, wie Kot am Meer; wahrlich, wenn ich sie des Morgens, mit ihren schmutzigen Gesichtern und weißen Rechnungen, vor den Pforten des akademischen Gerichtes aufgepflanzt sah, so mochte ich kaum begreifen, wie Gott nur so viel Lumpenpack erschaffen konnte.


Der Begriff Philister wurde dann auch - zuerst despektierlich, dann offiziell - für die im Berufsleben stehenden Mitglieder (Alte Herren) einer Studentenverbindung verwandt.

Der Begriff taucht dann im weiteren Verlauf des 19. Jahrhunderts in vielen Studentenliedern auf, in denen aus der Sicht des "Alten Herren" der eigene Zustand des "Philistertums" wehmütig bedauert und der alten Zeiten als Student gedacht wird. So auch im Lied Als ich schlummernd lag heut' Nacht von Adolf Katsch 1883:

Gold´ne Burschenzeit entflog,
schnell - dass Gott erbarme! -
Ledern zog Philistertum
mich in dürre Arme.


Oder in dem berühmtesten Lied der Gattung, O alte Burschenherrlichkeit, anonym publiziert 1825:

Wo sind sie, die vom breiten Stein
Nicht wankten und nicht wichen,
Die ohne Spieß bei Scherz und Wein
Den Herrn der Erde glichen?
Sie zogen mit gesenktem Blick
In das Philisterland zurück.
Oh jerum, jerum, jerum, o quae mutatio rerum!