Und wieder sprach der Rodenstein

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Die Fahndung

Und wieder sprach der Rodenstein.png

1. Und wieder sprach der Rodenstein
"Pelzkappenschwerenot!"
Hans Breuning, Stabstrompeter mein,
bist untreu oder tot?
Lebst noch?... Lebst noch und hebst noch?
Man g´spürt dich nirgend mehr!...
Schon naht die durst´ge Maiweinzeit,
|: du musst mir wieder her!" :|

2. Er ritt bis er gen Darmstadt kam,
kein Fahnden war geglückt;
da lacht er, als am Schwarzen Lamm
durchs Fenster er geblickt:
"Er lebt noch! .. Lebt noch und hebt noch!
doch fragt mich keiner: wie?
Wie kommt mein alter Flügelmann
|: in solche Kompagnie? :|

3. In Züchten saß der Stammtisch Schar
nach Rang und Würden dort,
Dünnbier ihr Vespertrünklein war,
es klang kein lautes Wort.
"Sacht stets....sacht und bedacht stets
ist Lebens Hochgenuss!"
So flüstert ein Kanzleimann just
|: zum Kreisamtssydikus. :|

4. In dieser Schöppleinschlürfer Reih,
saß auch ein stiller Gast,
und als es acht Uhr war vorbei,
nahm´s Stock und Hut mit Hast:
"Acht jetzt....acht jetzt.. gut Nacht jetzt!
Einst war ich nicht so brav,
doch ehrbar wandeln ist das best´,
|: Ich geh ins Bett und schlaf." :|

5. Der Rodenstein in grimmem Zorn,
hub graunhaft sich empor;
Dreimal stieß er ins Jägerhorn
und blies mit Macht den Chor:
"Raus da! Raus aus dem Haus da!
Raus mit dem Deserteur!
Das lahme, zahme Gast da drin
|: gehört zum wilden Heer!" :|

6. Da fasst das Gast ein Schreck und Graus,
erst sank es tief ins Knie,
dann stürzt es einen Maßkrug aus,
schlug´s Fenster ein und schrie:
"Raus da! Raus aus dem Haus da!
O Horn und Sporn und Zorn!
O Rodenstein! O Maienwein!
Noch bin ich nicht verlor´n
Rumdiri, Feijag! Hoidirido, Freinacht!
Alter Patron, empfah´ deinen Sohn!
Hussa, hallo! Jo, hihaho! Raus! ´naus! ´naus!"


(Gaudeamus igitur)
Worte: Josef Viktor von Scheffel, 1854 (1826-1886)
Loudspeaker.png    Weise i: "Das war der Herr von Rodenstein"


CV-Liederbuch

Und wieder sprach der RodensteinCV1.png

1. Und wieder sprach der Rodenstein:
"Hallo, mein wildes Heer!
In Tiefschluckhausen fall ich ein'
und trink den Pfarrer leer."
"Raus da! Raus da aus dem Hauss da!
Herr Pfarr, dass Gott euch helf',
gibt's nirgends mehr'nen Tropfen Wein
|: des Nachts um halber zwölf? :|

2. Der Pfarr, ein tapfrer Gottesmann,
trat streitbar vor sein Tor;
mit Weihbrunn, Skapulier und Bann
die Geister er beschwor:
„Naus da! Naus aus dem Haus da!
Dass Euch der Satan helf',
kriegt ihr ein einz'gen Tropfen Wein
des Nachts um halber zwölf!"

3. Doch fröhlich brummt der Rodenstein:
„O Pfarr, ich, fang Dich doch:
Ein Geist, der nicht zum Tor
kommt rein, probiert's am Kellerloch!
'nein da! 'nein da zu dem Wein da!
Hurra, schon sind wir drin!
Sein Keller ist nicht schlecht
besetzt, hurra, wir trinken ihn!"

4. O armes, frommes Pfarrerherz,
heut hat der Böse Macht!
Vergeblich rief er kellerwärts,
dass das Gewölbe kracht:
„Schwein da! Schwein da bei dem Wein da!
Heißt das sich aufgeführt?
So lasst mir doch die Kompetenz,
die einem Pfarr gebührt!"

5. Und als die Glocke ein Uhr schlug,
das Heer sang dumpf und hohl!
„Herr Pfarr, Herr Pfarr, jetzt han wir g'nug,
Herr Pfarr, jetzt lebet wohl!
Raus jetzt! Raus aus dem Haus jetzt!
Herr Pfarr, und bleibt gesund!
's fließt nirgends mehr ein Tropfen Wein
aus Krug und Hahn und Spund!"

6. Da flucht der Pfarr: „Ich dank' recht sehr!
Schwernot! 's ist alles hin,
so will ich selbst im wilden Heer
als Feldkaplan mitziehn!
Naus jetzt! Naus aus dem Haus jetzt!
Herr Ritter, ich schlag ein!
Ist all mein Wein zum Teufel,
soll ein andrer Pfarrherr sein!


Und wieder sprach der RodensteinCV6.png

Hussa, hallo! Johihaho!
Rumdiridi langt's nit.
Hoidirido, selbst mit!
Höllischer Chor,
heut' reit' ich vor:
Naus! Naus! Naus! Naus! Naus! Naus!

Worte: Josef Viktor von Scheffel, 1854 (1826-1886)
Loudspeaker.png    Weise i: Christoph Schmezer, ???? (1800-1882)