Würzburg

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Wappenwuerzburg.gif
Stadtfarben: rot-gold-schwarz
Stadtfläche: 8765,77 ha
Bevölkerung: 129.050 (31. Dezember 2004)
geogr. Lage: 49° 47' N ´´ nördliche Breite

09° 57' O ´´ östliche Länge

208 m ü. NN
erste urkundl.
Erwähnung: 704 n. Chr.
Partnerstädte: Caen (Frankreich), seit 1962, Dundee (Schottland) seit 1962, Rochester,NY USA, seit 1966, Mwanza (Tansania), seit 1966, Otsu (Japan), seit 1979, Salamanca (Spanien), seit 1980, Suhl (Thüringen), seit 1988, Umeå (Schweden), seit 1992, Bray (Republik Irland), seit 2000

Geschichte der Stadt Würzburg

-><-Chronologische Übersicht

~ 1000 v. Chr. Fliehburg auf dem Festungsberg
~ 500 v. Chr. Fürstensitz auf dem Marienberg, Fischerdorf im heutigen Mainviertel
~ 650 n. Chr. Sitz fränkischer Herzöge
689 Ermordung der irischen Missionare Kilian, Kolonat und Totnan
704 Erste urkundliche Erwähnung als „Castellum Virteburch“ (strittig, ob von „Wirz“ oder „Würz“ abgeleitet, wegen des Kräuterreichtums des Bergs)
706 Weihe der Marienkirche auf dem Festungsberg
742 Bistumsgründung durch den heiligen Bonifatius mit Burkard als erstem Bischof
788 Beginn des ersten Dombaus am Platz des heutigen Neumünsters (romanische Basilika des 11. Jahrhunderts), Entwicklung der Stadt am rechten Mainufer. Der Dom brannte 855 aus.
~ 1000 erste gemauerte Stadtbefestigung ("Bischofsmütze")
1030 Würzburg erhält Markt-, Münz- und Zollrecht
1042 Bischof Bruno beginnt den Neubau des heutigen Doms als viertgrößte
romanische Kirche mit einer der größten Orgeln in Deutschland. Er sollte über 5000 Personen fassen, mehr Menschen, als Würzburg damals Einwohner zählte.
1133 Bau der alten Mainbrücke mit ursprünglich zwölf Heiligenfiguren
1156 Heirat von Kaiser Friedrich Barbarossa mit Beatrix von Burgund im Dom. Eigentlich eine politische Heirat, die Barbarossa die wesentlichen Alpenpässe als Zugang nach Italien einbrachte und ihm zudem eine tatkräftige Mitregentin bescherte (die Hochzeit ist in Tiepolos Fresko im Kaisersaal der Residenz festgehalten).
1201 Gründung der Marienburg auf dem Marienberg
~ 1230 Walter von der Vogelweide wird im Lusaumgärtlein (Neumünster) begraben.
1253 Verlagerung des Bischofsitzes auf die Marienburg bis 1719
1287 Deutsches Nationalkonzil im Dom
1316 Kauf des „Grafeneckart“-Bau als Rathaus
1319 Gründung/Stiftung des Bürgerspitals als Pfründe- und Altenheim durch Patrizier. Leitung und Vermögensverwaltung liegen bei der Stadt. Wirtschaftlich gestützt auf einen ansehnlichen Weinbergbesitz mit etwa 130 ha Ertragsrebfläche. Nach alter Vorschrift ist die Aufnahme nur gebürtigen Würzburgern vorbehalten.
1349 Judenpogrom zur Pestzeit. Die Juden wurden der Brunnenvergiftung beschuldigt und am 21. April durch Christen ermordet. Als Sühne für die Entweihung des Platzes durch eine Synagoge wurde dort später die Marienkapelle erbaut.
1377 Der Grundstein der Marienkapelle (spätgotische Hallenkirche) als Bürgerkirche am Marktplatz wurde gelegt. Am 3. Pfeiler des Mittelschiffs befindet sich das Grab von Balthasar Neumann.
1400 Niederlage der Würzburger gegen den Bischof bei Bergtheim, Ende des langen Kampfes der Bürger um Unabhängigkeit
1402 – 1413 Erste Universitätsgründung unter Bischoff Egloffstein
1485 Tilmann Riemenschneider (Bildschnitzer und Steinbildhauer) kommt nach Würzburg.
1518 Dr. Martin Luther besucht den Bischof Lorenz von Bibra, dem man Sympathien für den Reformer nachsagte (Thesenanschlag 1517). Die Spaltung der Kirche konnte damals keiner vorhersehen.
1520/1 Riemenschneider erhält als Höhepunkt seiner politischen Laufbahn das Bürgermeisteramt.
1525 Bauernkrieg. Niederlage der Städter und der Bauernheere. Riemenschneider wird in der Festung eingekerkert und gefoltert („hart gewogen“)
1531 Tod Tilman Riemenschneiders
1573 – 1617 Julius Echter von Mespelbrunn ist Fürstbischof: Rekatholisierung des Bistums, Beginn der systematischen Hexenverfolgung
1576 Gründung des Juliusspitals durch Echter. Die vierseitige Barockanlage mit dem Fürstenbau, der Rokoko-Apotheke und einer geräumigen Hauskirche ist nach der Kriegszerstörung 1945 in der alten Form wiederaufgebaut worden.
1582 Zweite Gründung der Universität durch Echter
1586 Bau der Neubaukirche als Studienkirche (eine der bedeutendsten Kirchenbauten der deutschen Renaissance). Entsprechend dem Testament ließ Echter sein Herz in der Kirche beisetzen.
1631 – 1634 Eroberung der Stadt durch die Schweden im 30jährigen Krieg.
1642 – 1673 Fürstbischof Johann Phillip von Schönborn: Bau der barocken Befestigungsanlagen (1649)
1670 – 1691 Bau des Stift Haug. Bedeutendstes Werk des italienischen Architekten Antonio Petrini und der erste große Kirchenbau der Barockzeit.
1711 Balthasar Neumann (Kanonen- und Glockengießer) kommt nach Würzburg.
1720 Grundsteinlegung der Residenz (Architekt: Balthasar Neumann) unter Johann Phillip Franz von Schönborn; Neumann wird führender Architekt in Würzburg dank der Familie Schönborn.
1729 – 1749 Nach dem Tod von Johann Phillip Franz von Schönborn wird Hauptbauherr der Residenz Fürstbischof Friedrich Karl von Schönborn.
1744 Vollendung des Residenzbaus (Hauptbauwerk des süddeutschen Barock)
1749 Balthasar Naumann baut das Käppele
1751 – 1753 Giovanni Battista Tiepolo aus Venedig malt die Fresken in der Residenz.
1767 – 1773 Bau des Alten Kranen durch den Sohn Ignaz Neumann
1802 Das geistliche Fürstentum Würzburg wird durch die Neuaufteilung der deutschen Gebiete bayerisch (Reichsdeputationshauptschluss). Fürstbischof Georg Carl von Fechenbach kann sich den Auswirkungen der Französischen Revolution nicht entziehen (Säkularisation).
1805 Würzburg fällt im dritten Koalitionskrieg an den Habsburger Erzherzog Ferdinand von Toskana. Würzburg wird Großherzogtum und verbündeter Frankreichs.
1814 Mit der Niederlage Frankreichs und dem Friedensschluss von 1814 wird Würzburg ein zweites Mal – und diesmal endgültig – bayerisch.
1833 Richard Wagner als Chordirektor am Theater
1854 Anschluss an das Eisenbahnnetz
1866 – 1900 Aufhebung der Festungseigenschaft, Abbruch der Stadtbefestigung, Stadterweiterung, Anlage des Ringparks, Umgestaltung der Innenstadt, Bau der Luitpoldbrücke (1888, nach dem Krieg 1945 als Friedensbrücke wiederaufgebaut), Bau der Löwenbrücke (1895)
1895 W.C. Röntgen entdeckt die nach ihm benannten Strahlen
16.03.1945 Luftangriff der Royal Airforce von 21.20 bis 21.40 Uhr, 230 Bomber zerstören die Stadt. Markierungsbomben, darunter die Hauptmarkierung bei den Sportplätzen an der Mergentheimer Strasse, stecken das Zielgebiet ab. Jährlich läuten um diese Uhrzeit zum Gedenken Würzburgs Kirchglocken.
1948 – 1970 Wiederaufbau, neue Stadtteile: äußere Sanderau, Lindleinsmühle, Heuchelhof
1962 Erste Städtepartnerschaft mit Caen/Normandie, weitere folgten.
Entscheidung der Universität zum Bau des Campus auf dem Hubland
1966 Eröffnung des Stadttheaters und der Hochschule für Musik
1973 Die Stadt erhält den "Europapreis" und wird mit dem Titel "Europastadt" geehrt
1974 – 1978 Eingemeindung von Rottenbauer, Unter- und Oberdürrbach, Lengfeld und Versbach
1993 Vollendung des Stadtrings


Die Geschichte des Bistums

Die ersten Christen gab es in und um Würzburg spätestens seit der Mission der irischen Glaubensboten Kilian, Kolonat und Totnan, die um 689 den Märtyrertod erlitten.
Bonifatius ist die Schaffung stabiler kirchlicher Strukturen zu verdanken. Ein Zentrum früher Christianisierung dürfte auch das Kloster Karlburg bei Karlstadt (Lkr. Main-Spessart) gewesen sein, das mit der heiligen Immina in Verbindung gebracht wird, sowie das von der heiligen Lioba, einer Verwandten des Bonifatius, geleitete Kloster Tauberbischofsheim.
Ende 741, spätestens 742, weihte Erzbischof Bonifatius Burkard zum ersten Bischof von Würzburg. Burkard gründete das St. Andreas-Kloster, auf dessen Grund heute die über 950 Jahre alte Pfarrkirche St. Burkard steht. Das Glaubensleben in Franken scheint einen raschen Aufschwung genommen zu haben: Würzburg verkündete das Evangelium bald am Obermain, im Steigerwald, sowie bei den Sachsen in Mittel- und Norddeutschland. Das Bistum Paderborn, vom Main aus missioniert, verehrt heute noch den heiligen Kilian als zweiten Patron.
Im Mittelalter hatte Würzburg einen hohen Rang: Reichs- und Hoftage fanden statt, die Hochzeit Kaiser Friedrich Barbarossas, auch ein deutsches Nationalkonzil (1287).
Zahlreiche Orden siedelten hier; 1221 entstand in Würzburg das erste Franziskanerkloster nördlich der Alpen.
Würzburg sah unter Bischof Bruno die stabile Zeit des Kaisertums, später die Auseinandersetzungen im Investiturstreit, in denen Bischof Adalbero eine herausragende Rolle spielte. Auch von sozialen und kirchlichen Missständen blieb die Stadt nicht verschont, in deren Folge Reformation und Bauernkriege tiefgreifende Veränderungen brachten. Ein Opfer der konfessionellen Auseinandersetzungen war der Märtyrerpriester Liborius Wagner - heute ein Mahner für Versöhnung. Zu Konsolidierung und neuer Blüte führte das Bistum vor allem Bischof Julius Echter von Mespelbrunn. Neben dem Juliusspital entstanden andere Spitäler und karitative Einrichtungen.
Gefördert wurden Bildung und Schulwesen, die Universität 1582 gegründet. Tiefe Wunden schlugen die Auseinandersetzungen des Dreißigjährigen Krieges. Schwedische Truppen besetzten die Festung Marienberg.
Diesen Wirren folgte im 18. Jahrhundert eine lange Zeit des Friedens und der Blüte. Die Barockzeit ließ Kunst und Kultur zu erstaunlichen Leistungen aufblühen. Die kunstsinnigen Fürstbischöfe aus dem Haus Schönborn holten qualifizierte Künstler nach Würzburg. Der Bau der Residenz und die barocke Umgestaltung der Stadt begannen.
Auf dem Lande schufen heimische Künstler heitere Barockkirchen. Das kirchliche Leben blühte in feierlichen Prozessionen, festlichen Liturgien und beschwingter Musik.
Als Folge der französischen Revolution und der napoleonischen Kriege ging das Hochstift Würzburg mit anderen geistlichen Territorien zugrunde. Die Säkularisierung von 1803 beendete das kulturelle und karitative Engagement auch vieler Klöster.
1821 entstand das Bistum Würzburg neu. Fortan suchte das kirchliche Leben neue Wege. 1848 trafen sich in Würzburg die deutschen Bischöfe erstmals zu einer Bischofskonferenz. Neue Ordensgemeinschaften entstanden, die sich der sozialen Not des Industriezeitalters annahmen. Das katholische Verbandswesen begann sich zu konstituieren und einflussreich zu werden.
Im Kulturkampf ab 1871 stand die katholische Kirche stark unter staatlichem Druck. Dazu kamen die Konflikte im Zuge der theologischen Aufklärung, des Ersten Vatikanischen Konzils und des Antimodernismus. Nach dem Elend des Ersten Weltkriegs und der Inflationszeit wurde der Kirchenkampf des Dritten Reiches in Unterfranken sehr heftig. Die Solidarität der Katholiken mit ihrer Kirche und Bischof Matthias Ehrenfried zeigte sich im Aufschwung der Wallfahrten zum Kiliansgrab ab 1935.
Am 16. März 1945 sanken mit der Stadt auch Würzburgs Kirchen in Schutt und Asche.
Bischof Matthias Ehrenfried starb 1948; sein Nachfolger wurde Bischof Julius Döpfner. 1957 wurde Döpfner zum Bischof von Berlin ernannt. Sein Nachfolger Josef Stangl, der bis 1979 die Geschicke des Bistums lenkte, ist wegen seiner väterlichen und gütigen Art bei vielen Katholiken bis heute unvergessen.
1967 war der Wiederaufbau des Domes vollendet. Eine Antwort auf die neuen Herausforderungen der Kirche durch die Gegenwart fand das Zweite Vatikanische Konzil, an dem Bischof Josef Stangl und Weihbischof Alfons Kempf teilnahmen. Für die Umsetzung der Konzilsbeschlüsse in Deutschland arbeitete die Gemeinsame Synode der Bistümer der Bundesrepublik von 1972 bis 1975 im Würzburger Dom. 1968 trat der Diözesanrat der Katholiken im Bistum Würzburg erstmals zusammen. Das Engagement von Laien in der Kirche wird fortan immer wichtiger. Seit 1979 ist Bischof Dr. Paul- Werner Scheele der 87. Bischof in der langen Reihe der Würzburger Oberhirten.

(entnommen der Fuchsenfibel Walhalla)