Wohlauf, die Luft geht frisch und rein

Aus MarkomannenWiki
Version vom 18. Februar 2012, 12:35 Uhr von Anti (Diskussion)

(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)
Wechseln zu: Navigation, Suche

Frankenlied

B -f b d f

Frankenlied.gif

1. Wohlauf, die Luft geht frisch und rein,
wer lange sitzt, muss rosten;
den allersonnigsten Sonnenschein
läßt uns der Herrgott kosten.
Jetzt reicht mir Stab und Ordenskleid
der fahrenden Scholaren,
ich will zur schönen Sommerzeit
ins Land der Franken fahren!
Valleri, vallera, valleri, vallera,
ins Land der Franken fahren!

2. Der Wald steht grün, die Jagd geht gut,
schwer ist das Korn geraten;
sie können auf des Maines Flut
die Schiffe kaum verladen.
Bald hebt sich auch das Herbsten an,
die Kelter harrt des Weines;
der Winzer Schutzherr Kilian
beschert uns etwas Feines.
Valleri, vallera, valleri, vallera,
Beschert uns etwas Feines.

3. Wallfahrer ziehen durch das Tal
mit fliegenden Standarten,
hell grüßt ihr doppelter Choral
den weiten Gottesgarten.
Wie gerne wär´ ich mitgewallt,
ihr Pfarr´ wollt mich nicht haben!
So muss ich seitwärts durch den Wald
als räudig´ Schäflein traben.
Valleri, vallera, valleri, vallera,
als räudig´ Schäflein traben.

4. Zum heil´gen Veit von Staffelstein
komm´ ich empor gestiegen
und seh´ die Lande um den Main
zu meinen Füßen liegen.
Von Bamberg bis zum Grabfeldgau
umrahmen Berg und Hügel
die breite stromdurchglänzte Au -
ich wollt´, mir wüchsen Flügel.
Valleri, vallera, valleri, vallera,
ich wollt´, mir wüchsen Flügel.

5. Einsiedelmann ist nicht zu Haus,
dieweil es Zeit zu mähen;
ich seh´ ihn an der Halde draus´
bei einer Schnitt´rin stehen.
Verfahr´ner Schüler Stoßgebet,
heisst: Herr, gib uns zu trinken!
Doch wer bei schöner Schnitt´rin steht,
dem mag man lange winken.
Valleri, vallera, valleri, vallera,
dem mag man lange winken.

6. Einsiedel, das war missgetan,
dass du dich hubst von hinnen!
Es liegt, ich seh´s dem Keller an,
ein guter Jahrgang drinnen.
Hoiho, die Pforten brech´ ich ein
und trinke, was ich finde.
Du heil´ger Veit von Staffelstein,
verzeih mir Durst und Sünde!
Valleri, vallera, valleri, vallera,
verzeih mir Durst und Sünde!

{{#ev:youtube|pykT0T8hkGQ|100|right}}

Text: Josef Viktor von Scheffel (1859)
Loudspeaker.png    Melodie: i Valentin Becker (1861)


Zusatzstrophen

O heil'ger Veit von Staffelstein,
beschütze deine Franken
und jag' die Bayern aus dem Land!
Wir wollen's ewig danken.
Wir wollen freie Franken sein
und nicht der Bayern Knechte.
O heil'ger Veit von Staffelstein,
wir fordern uns're Rechte!

Napoleon gab als Judaslohn
- ohne selbst es zu besitzen -
unser Franken und eine Königskron'
seinen bayrischen Komplizen.
Die haben fröhlich dann geraubt
uns Kunst, Kultur und Steuern,
und damit München aufgebaut.
Wir müssen sie bald feuern!

Drum, heil'ger Veit von Staffelstein,
Du Retter aller Franken:
Bewahre uns vor Not und Pein,
weis' Bayern in die Schranken!
Wir woll'n nicht mehr geduldig sein,
denn nach zweihundert Jahren,
woll'n wir - es muss doch möglich sein -
durch's f r e i e Franken fahren!


Anmerkungen

Dichter dieses bekannten Liedes ist der Burschenschafter Josef Viktor von Scheffel, der insbesondere auch durch die Lieder «Alt Heidelberg, du feine», «Als die Römer frech geworden» und «Im schwarzen Walfisch zu Askalon» bekannt ist.
Scheffel (1826 - 1886) kam im Jahr 1859 aus Thüringen, wo er Nachforschungen angestellt hatte, ins Frankenland, wo er Erholung von seinen körperlichen Leiden suchte. Auf dem Staffelberg (zwischen Bamberg und Coburg), gegenüber dem Schloss Banz, wohnte damals der Franziskaner Johann Hennemann, der als Novize den Namen «Ivo» angenommen hatte, als Eremit. Von diesem ist im Lied die Rede, wenn es dort heißt: «Einsiedelmann ist nicht zu Haus dieweil es Zeit zu mähen. Ich seh' ihn an der Halde draus bei einer Schnitt'rin stehen...». Ivo, in dieser Szene von Scheffel beobachtet und zu Papier gebracht, nahm die Verewigung nach einigen Bedenken schließlich doch mit Humor.
Bei der schönen Schnitterin handelt es sich um die zu diesem Zeitpunkt 20jährige Eva Lämmlein (1839 - 1896), die Tochter des Gastwirts von Romansthal, wo noch heute das Gasthaus «Zur schönen Schnittrin» steht.
Zwei Einzelheiten in Scheffels Lied bedürfen aber der genaueren Betrachtung:

- Die Kapelle auf dem Staffelberg oberhalb von Staffelstein ist der heiligen Adelgundis geweiht, nicht dem hl. St. Veit, dessen Kapelle gegenüber auf dem Ansberg bei Ebensfeld steht. Da er allerdings einer der populärsten Heiligen Frankens ist, durfte er bei Scheffel nicht fehlen. Darauf hingewiesen soll Scheffel mit Pilatus' Zitat «Quod scripsi, scripsi!» geantwortet haben.
- Der Winzerschutzherr ist nicht Kilian, sondern St. Urban. Dieser Ersatz dient wohl zur Ehrerbietung an den Stadtheiligen von Würzburg, dessen Universität Scheffel anderswo verewigt hat.

Seit 1891 findet jährlich auf dem Staffelberg ein Treffen der Corpsstudenten statt, bei dem anfänglich Bruder Ivo selbst ein gefeierter Gast war.

(Anmerkungen entnommen der Fuchsenfibel Walhallae)

KV-Liederbuch